Montag, 20.August 2018

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Der ThLA veröffentlicht eine neue Studie zum Thema Zwangsumsiedlungen in der DDR. Die Studie entstand, da die Zwangsausgesiedelten seit Jahren als eine „vergessene Opfergruppe“ bezeichnet werden. Damit wird ein Defizit der Rechts- und Erinnerungskultur in der Bundesrepublik markiert. Was ist offen? Wo besteht ein Handlungsbedarf?
Über diesen Link können Sie die Studie "Die innerhalb der DDR Zwangsausgesiedelten sollen nicht vergessen werden!" abrufen

Eine Tagung, die der Thüringer Landesbeauftragte im April 2017 in Geisa ausrichten ließ, befasste sich mit Vertreibungen und Zwangsaussiedlungen, die während der kommunistischen Herrschaft in Europa und der Sowjetunion zwischen 1917 und 1989 stattfanden. Bulgarien stand nicht im Fokus der Tagung. Doch es kam auch in Bulgarien nach dem Einmarsch der Roten Armee im September 1944 und mit dem zunehmenden Einfluss der Bulgarischen Kommunistischen Partei (BKP) zu zahlreichen Strafmaßnahmen gegen politisch Andersdenkende, zu Vertreibungen und Zwangsaussiedlungen. Zunächst wurde die frühere politische Elite in Prozessen abgeurteilt: Etwa 2.700 Menschen wurden bis Februar 1945 zum Tode verurteilt. Eine nicht näher zu bestimmende Zahl bulgarischer Bürger verschwand in Lagern. Weitere Regimegegner und ihre Angehörigen wurden zwangsumgesiedelt. Das Thema der Zwangsaussiedlungen greifen nun auch zwei neu erschienene Bücher zur jüngeren Geschichte Bulgariens auf.

Im 2016 in deutscher Sprache erschienenen Band von Stoyan Raichevsky „Bulgarien unter dem kommunistischen Regime 1944-1989“ (= Edition Bulgarische Geschichte, hrsg. von Detlef W. Stein, Bd. IV, Berlin 2016) wird die Geschichte Bulgariens anhand des Aufstieges der BKP, beginnend mit dem Militärsturz am 9. September 1944, die Durchsetzung der kommunistischen Herrschaft bis hin zum Sturz des Regimes im November 1989 dargestellt. Die Historikerin Fanna Kolarova übersetzte dieses Grundlagenwerk zur bulgarischen Zeitgeschichte.

Nach Raichevsky Recherchen gab es mehrere Aussiedlungswellen in Bulgarien. Die ersten Zwangsaussiedlungen begannen mit den Urteilen gegen die ehemalige politische Elite. Der bulgarische Ministerpräsident Georgi Dimitrov (BKP) wies in einem Telegramm vom 19. April 1945 seinen Parteikollegen Traycho Kostov an, die Familien der zum Tode Verurteilten auszuweisen: „Diese Menschen an den Orten, wo sie bisher gelebt haben, zu lassen, würde bedeuten, Feuernester der Reaktion in Städten und Dörfern, Quellen für Agenten des Feindes (zu schaffen). Das sind Leute, die blutigen Groll gegen das neue Regime (haben), die jede Menge Schäden verursachen können. Diskutieren Sie mit Yugov [Innenminister] die notwendigen Maßnahmen für die Deportationen dieser Menschen“ (S. 274). Das Telegramm bildete den Auftakt für die Zwangsaussiedlungen. Bürger, die sich gegen das etablierende kommunistische Regime stellten, wurden ausgesiedelt. Dies betraf Industrielle, Anwälte, Intellektuelle, entlassene Offizieren der Zarenregierung in der Hauptstadt Sofia und den größeren Städten, Bauern auf dem Land sowie „unzuverlässige“ Bewohner der Grenzregionen. Sie wurden mit ihren Familien in kleine Städte und abgelegene Dörfer ins Landesinnere umgesiedelt, ohne das Recht, die neuen Wohnorte verlassen zu dürfen.
Anfang 1946 wurden erneut Hauptstadtbewohner ausgesiedelt, „die kein Recht auf ein Leben in der Hauptstadt Sofia haben“. Der Innenminister ließ eine sogenannte „Kommission für die Erstellung des Plans zur Säuberung der Hauptstadt“ aufstellen. Personen wurden entsprechend bestimmter Kategorien aus Sofia ausgesiedelt. Deportationsgründe waren insbesondere die Verwandtschaft mit „Vaterlandsverrätern“ (d.h. Personen, die aus dem Land in den Westen geflohen waren) oder Verdächtigungen als „Volksfeinde“, die als Gefährdung der kommunistischen Herrschaft nicht in den Großstädten und oder im Grenzraum betrachtet wurden.
Eine weitere Aussiedlungsaktion startete im März 1953. In der Zeit des Ungarnaufstandes 1956 kam es zu erneuten Zwangsaussiedlungen.

staatssicherheit in nordhausenWichtige Neuerscheinung zu den regionalen SED-Machtstrukturen:
Hanna Labrenz-Weiß und Joachim Heise: Staatssicherheit in Nordhausen
Atelier Veit Verlag Nordhausen 2018

Hanna Labrenz-Weiß hat nahezu sämtliche Unterlagen des Bundesbeauftragten für die Stasiunterlagen zur Kreisdienststelle Nordhausen ausgewertet und Joachim Heise die noch vorhandenen Akten des Nordhäuser Rat des Kreises, Abteilung Inneres, zu den sogenannten Ausreiseantragstellern Publikation. Die Auswertung der BStU-Akten haben neue Erkenntnisse über die Funktion der Staatssicherheit als SED-Machtorgang und den Aktionsraum, den einzelne Mitarbeiter hatten, ergeben. Joachim Heise hat ca. 700 Vorgänge zu Bürgern des ehemaligen Kreises Nordhausen analysiert, die die DDR verlassen wollten. Er war einer unter ihnen. 1980 hatte er und seine Familie dies öffentlich bekundet. Er wurde deshalb inhaftiert und später von der Bundesrepublik freigekauft. Im Rat des Kreises Nordhausen war für die „Bearbeitung und Zurückdrängung der Übersiedlungsersuchenden“ zuletzt Lothar Eichentopf zuständig. Der Genosse bezog sowohl beim Kreis als auch im geheimen als Offizier im besonderen Einsatz bei der Stasi sein Gehalt. Die Aufträge erhielt er von seiner Partei.
Joachim Heise hat sich in den letzten Jahren mit Erfolg um die Rettung der ehemaligen Erfurter Untersuchungshaftanstalt Andreasstraße als Gedenkort und am Menschenrechtszentrums Cottbus als Zeitzeuge eingesetzt. Er ist führendes Mitglied der nordthüringer Regionalgruppe von Gegen Vergessen – für Demokratie, die sich seit vielen Jahre für eine intensive Auseinandersetzung mit den Diktaturfolgen im Raum Nordhausen einsetzt.

Als Band 8 der Studienreihe der der Beauftragten des Landes Sachsen-Anhalt zur Aufarbeitung der SED-Diktatur erschien 2017 Annette Hildebrandt/Lothar Tautz: Protestanten in Zeiten des Kalten Krieges. Der Wittenberger Kirchentag zum Lutherjubiläum 1983 im Fokus der Staatssicherheit im Mitteldeutschen Verlag.
Dazu schrieb der Landesbeauftragte in der Kirchenzeitung der Evangelischen Kirchen in Mtteldeutschland "Glaube und Heimat" September 2017:
"Der ehemalige EKD-Ratspräsident Wolfgang Huber kritisierte nach dem diesjährigen Wittenberger Kirchentag die Nähe von Kirchentag und Kirchenleitung. Vor über einem halben Jahrhundert waren Kirchentage Manifestationen der Laien in der evangelischen Kirche. Doch in der DDR ließ die SED kaum Raum für eine Laienbewegung. Kirchentage waren in der DDR zugleich Brennpunkte der Auseinandersetzung mit der Diktatur. 1983 – im Lutherjahr – fanden sieben Kirchentage statt. Wenige Jahre zuvor noch unvorstellbar, konnten die Kirchen öffentliche Masseninstitutionen werden. Für die Konzeption und Durchführung des Wittenberger Kirchentag 1983 trug Lothar Tautz als Kirchentagssekretär Verantwortung. Zusammen mit Annette Hildebrandt hat er einen Erinnerungs- und Dokumentationsband in der Schriftenreihe der Landesbeauftragten zur Aufarbeitung der SED-Diktatur in Sachsen-Anhalt herausgegeben. Fast 100 Seiten Dokumente geben davon Zeugnis, wie konträr die Ziele der Kirchenvertreter und des Staates waren. Symbolisch zugespitzt wurde dies in der Umsetzung des Prophetenwortes „Sie werden ihre Schwerter zu Pflugscharen machen.“ Eine Vielzahl von Trägern dieses Symbols der kirchlichen Friedensbewegung waren kurz zuvor festgenommen oder von der Schule verwiesen worden. Im September 1983 schmiedete der selbständige Wittenberger Handwerker Stefan Nau eine Pflugschar aus einem Schwert und prägte damit den Kirchentag nachhaltig. Eines der Fotos ist auch Titelbild des Bändchens. Während die Herausgeber zu dem Ergebnis kommen, dass die SED keinen substantiellen Einfluss auf den Verlauf des Kirchentags nehmen konnten, stellen sie fest, dass dies für das Leben von Stefan Nau nicht gilt. Er musste seine Schmiede aufgeben. Wenig später stellte er einen Ausreiseantrag. Die SED behandelte Ausreisewillige als Staatsfeinde, denen man „keine Träne nachweinen“ sollte. Doch auch in den Kirchgemeinden wurden sie oft „aufgegeben“ und gar als Verräter behandelt. Dieses Verhalten problematisieren die Herausgeber und rücken so die bis heute wirkende Schmerzen und Dissonanzen ins Blickfeld. In diesem Sinn ist das Buch mehr als ein Erinnerungsbuch." Auf der Buchpräsentation während der Leipziger Buchmesse 2018 machten die Autoren darauf aufmerksam, dass die Mitteilung, Stefan Nau sei verstorben, nicht den Tatsachen entspricht.

Die DDR-weiten Stasi-Besetzungen begannen am 4. Dezember 1989 in Thüringen. Die Bundeszentrale für politische Bildung hat zwei Kurzdarstellungen zur damaligen Besetzung der BV Suhl (Autor Christian Dellit) und der BV Erfurt (Autorin Gabriele Stötzer) veröffentlicht. Abrufbar sind die Texte über die folgenden Links: 

http://www.bpb.de/geschichte/deutsche-geschichte/stasi/218545/entmachtung-in-den-regionen

http://www.bpb.de/geschichte/deutsche-geschichte/stasi/261039/fuer-angst-blieb-keine-zeit

studierenDer Sammelband "Zwischen Humor und Repression - Studieren in der DDR" gibt einen Einblick in die studentischen Freiheiten und politischen Zwänge an den Universitäten in der DDR.
Roland Mey erinnert sich dazu: "Wir hatten damals noch nicht vollständig begriffen, wie schnell und umfassend sich die 'harte Zugriffsmöglichkeit' auf uns nach dem Bau der Berliner Mauer änderte. Als ich 2010 zum 45-jährigen Diplomjubiläum in Jena in geselliger Runde an unsere gemeinsame Studentenzeit erinnern wollte, interessierte sich keiner in der Gesprächsrunde für diese Fakten. Der Grund dafür: Mehrheitlich wurden meine Kommilitonen die Nachfolger ihrer damaligen akademischen 'Gefängniswärter'. Ohne den Bau der Mauer hätten viele von uns nach dem Studium die DDR verlassen; hinter der Mauer wurden sie in großer Mehrheit SED-Mitglieder mit universitären Doktoren- und Professorenkarrieren und wollen heute nicht mehr an die eigene politische Vergangenheit erinnert werden."
Rezensionen zum Buch sind hier zu finden, außerdem online ein Glossar zu Spezialbegriffen sowie didaktischen Hinweisen zur pädagogischen Arbeitidaktischen Hinweisen zur pädagogischen Arbeit mit den Erinnerungen und Beiträgen. 

Über das Informationssystem der Archive in Thüringen - abrufbar unter www.archive-in-thueringen.de - sind Übersichten über die Bestände der Thüringer Staats-, Kreis-, Stadt- und Gemeindearchive aber auch weitere Archive (Kirchen) und des Thüringer Archivs für Zeitgeschichte zentral einsehbar. Darüber hinaus lassen sich in dem "Archivportal Thüringen" Bestandsbeschreibungen und zum Teil bereits Online-Findmittel, daneben auch Informationen zu den umfangreichen Sammlungen an Zeitungen, Zeitschriften in den einzelnen Archiven zentral abrufen; und nunmehr auch historische Adressbücher aus Erfurt, Jena, Weimar, Mühlhausen und Eisenach.
Das Archivportal richtet sich an die historisch interessierte Öffentlichkeit, an die wissenschaftliche und heimatkundliche Forschung, an Privatpersonen, Firmen, Verwaltungsmitarbeiter und Kolleginnen und Kollegen aus Archiven und verwandten Fachbereichen.

Weitere Informationen finden Sie hier auf www.archive-in-thueringen.de.

Nach der doppelten Staatsgründung 1949 standen sich in der Bundesrepublik und der DDR zwei unterschiedliche politische Systeme gegenüber. Die Teilung war keine innerdeutsche Entwicklung, sie wurde vom Kalten Krieg bestimmt. Viele Bewohner der DDR entschieden sich zur Flucht in die Bundesrepublik. Sie hofften auf bessere Lebensverhältnisse, bessere Berufschancen oder wollten der politisch motivierten Gängelei entkommen - dafür riskierten die lange Haftstrafen und sogar ihr Leben.
In der neuen Publikation "Flucht und Ausreise aus der DDR" beschreibt Anna von Arnim-Rosenthal chronologisch die Flucht- und Ausreiseentwicklung aus der DDR - beginnend mit der Abriegelung der Grenze zur Bundesrepublik im Mai 1952 bis zum Fall der Berliner Mauer 1989. Weitere Informationen zu der von der Landeszentrale für politische Bildung Thüringen und der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur herausgegebenen Broschüre finden Sie hier. 

Felice Fey beleuchtet in der aktuellen Zeitschrift des Forschungsverbunds SED-Staat mit dem Schwerpunkt „Staatskunst“ in einem Essay Erfurter Künstler, die sich der Staatskunst verweigerten und vor dem Mauerbau aus der DDR flohen. Im Mittelpunkt steht der Maler und Autodidakt Jean Paul Hogère (geb. 1937 in Erfurt), der 1959 denunziert und inhaftiert wurde. Zu einem Jahr Haft verurteilt, musste er im Steinbruch bei Schellroda/Weimar arbeiten. Nach seiner Haftentlassung wurde ihm jede künstlerische Betätigung verboten. Er floh daraufhin in die Bundesrepublik. Seine Werke sandten ihm die damaligen Direktoren des Angermuseums Erfurt, Herbert Kunze und Karl Römpler, aufgeteilt über Jahre nach.
Mit freundlicher Genehmigung von Felice Fey und der Zeitschrift des Forschungsverbunds SED-Staat ist der Essay zu Jean Paul Hogère ab sofort über diesen Link zu lesen

Ebenfalls 1960 floh der Erfurter Graphiker Rolf Dieß (Restaurator des Angermuseums) in die Bundesrepublik (Träger des Kunstpreises des Deutschen Evangelischen Kirchentags 1959, siehe auch http://www.erfurt.de/ef/de/erleben/veranstaltungen/ast/2015/122528.html und http://www.kwth.de/2015/12/18/ein-unzeitgemaesser-rolf-diess-zum-90/). Anfang August 1961 folgte ihnen der Graphiker Heinz Günther, der an der Weimarer Hochschule für Baukunst und Bildende Kunst studiert hatte und exmatrikuliert wurde. Sie gehörten zu dem Kreis der Künstler, die später in den Jahren 1963 bis 1974 die „Erfurter Ateliergemeinschaft“ (siehe http://www.bpb.de/geschichte/deutsche-geschichte/autonome-kunst-in-der-ddr/55824/erfurter-ateliergemeinschaft) bildeten.

Franziska Kuschel: Schwarzhörer, Schwarzseher und heimliche Leser. Die DDR und die Westmedien.
Wallstein-Verlag 2016
Ralf Husemann schreibt dazu "Die sehr gründliche und penibel recherchierte Doktorarbeit mit ihren mehr als 1200 Anmerkungen ist nicht immer leicht zu lesen, bietet aber einen profunden, spannenden und aufschlussreichen Einblick in den Kontrollwahn eines Partei- und Staatsapparates, der seinen eigenen Bürgern bis zum bitteren Ende immer zutiefst misstraute. Daran konnte auch der 'neue Kurs' Erich Honeckers nichts ändern, als er schon zwei Jahre nach der Ablösung Walter Ulbrichts auf einer Sitzung des Zentralkomitees der SED im Mai 1973 sagte, dass 'bei uns jeder nach Belieben' Hörfunk- und Fernsehprogramme der Bundesrepublik 'ein- und ausschalten' könne." (Süddeutsche Zeitung, 30. Mai 2016)

TodesurteileUmfangreiche Recherchen in russischen, aber auch in deutschen (BStU) und amerikanischen Archiven machten es möglich, eine Lücke der Geschichte sowjetischer Besatzung zu schließen. Ein Forschungsverbund zwischen dem Hannah-Arendt-Institut (Dresden), der Stiftung Sächsische Gedenkstätten und des Zentrums für Zeithistorische Forschung (Potsdam) legten die vorläufigen Forschungsergebnisse vor. Das Autorenteam Andreas Weigelt (Gedenkstätte Lieberose), Klaus-Dieter Müller (ehemals Stiftung Sächsische Gedenkstätten), Thomas Schaarschmidt (Zentrum für Zeithistorische Forschung) und Mike Schmeitzer (Hannah-Arendt-Institut für Totalitarismusforschung e.V. an der Technischen Universität Dresdenan der Technischen Universität Dresden) hat 3.301 Todesurteile gegen Deutsche recherchiert, von denen wohl 2.542 vollstreckt wurden. Sie werteten dafür mehr als 30.000 Datensätze zu sowjetischen Militärtribunal-Urteilen aus.
Andreas Weigelt, Klaus-Dieter Müller, Thomas Schaarschmidt, Mike Schmeitzner (Hg.): Todesurteile sowjetischer Militärtribunale gegen Deutsche (1944–1947). Eine historisch-biographische Studie

Der Bundesbeauftragte für die Stasiunterlagen hat Dokumente zur Überwachung der Hippies/Kunden beim Wasunger Karneval durch das MfS in den 1970er Jahren und zur Hausbesetzung 1988 und zur Stimmung in Wasungen 1989 veröffentlicht:
Woodstock an der Werra 

Siehe auch MDR-Beitrag: "Hippies" beim Wasunger Karneval

Die Internetzeitschrift "Lernen aus der Geschichte" hat in seiner April-Ausgabe mit der Darstellung von geschichtsdidaktischen Debatten.
Elena Demke schreibt über das Spannungsfeld zwischen den normativen Erwartungen Lehren aus der mittels Vermittlung von Geschichte, Demokratie- und Menschenrechtserziehung zu ziehen und der Ansicht, dass historisches Lernen nicht zur Werteerziehung tauge. Zu diesem Thema gibt es am 25. Mai 2016 ein Webinar (Online-Seminar). Interessierte haben die Möglichkeit mit Elena Demke (LStU Berlin) online zu diskutieren. Außerdem wird in der Internetzeitschrift die Gedenkstätte Andreasstraße als Lernort vorgestellt.

http://lernen-aus-der-geschichte.de/Lernen-und-Lehren/Magazin/12966

ReichsbahnIn der Erforschung zur Haftarbeit in der DDR ist die Reichsbahn in doppelter Weise von Interesse. Einerseits ist sie eine wichitiger Arbeitgeber gewesen, andererseits war sie in die Gefangenentransporte eingebunden. Im Sommer 2014 hat die Deutsche Bahn AG die Gesellschaft für Unternehmensgeschichte mit der historischen Untersuchung der Deutschen Reichsbahn im Strafvollzug der DDR beauftragt. Im Mittelpunkt der Archivrecherchen standen die Fragen: „Wann, wo und unter welchen Bedingungen wurde für die Deutsche Reichsbahn in der DDR Häftlingszwangsarbeit geleistet?“ Erarbeitet wurde die Studie erarbeitet von Dr. Susanne Kill (Leiterin Historische Sammlung der 
Deutschen Bahn AG), Prof. Dr. Christopher Kopper, (Universität Bielefeld) und Dr. Jan-Henrik Peters (Gedenkstätte Bautzen). Sie ist ab 20. April im Buchhandel erhältlich. 

 

Die Dokumentation enthüllt den geheimen Deal zwischen Stasi und RAF. Die Stasi-RAF-Connection galt als größtes Staatsgeheimnis der DDR. Autor Frank Wilhelm, Journalist bei der Tageszeitung Nordkurier, hat unzählige Stasiakten gewälzt und eine Vielzahl von Originaldokumenten aufgespürt.Im Zentrum stehen die 10 RAF-Aussteiger, die von 1980 bis 1990 in der DDR Unterschlupf fanden. Im Besonderen wird das Leben von Silke Maier-Witt beleuchtet, die auch mehrere Jahre unter falschem Namen in Erfurt gelebt hat. 
Ein ausführliches Interview mit dem Autor Frank Wilhelm zum Forschgungsstand und Details zur RAF in der DDR finden Sie hier auf Ostthüringer Zeitung Online

Andreas Frewer und Rainer Erices (Hg.), Medizinethik in der DDR. Moralische und menschenrechtliche Fragen im Gesundheitswesen (Geschichte und Philosophie der Medizin, Band 13), Stuttgart 2015

Der Band enthält 13 Aufsätze und 3 Schlüsseldokumente (siehe Verlagsinformation).

Der Bogen der Beiträge ist weit gespannt: Einerseits werden die gesundheitlichen und sozialen Folgen staatlicher Repression in den Blick genommen und auf der anderen Seite das Menschenbild bzw. die Ethik mit der das medizinische Handeln in der DDR reflektiert wurde.

Die DDR als Chance - so lautet ein neues von Ulrich Mählert herausgegebenes Sammelband, das sich Forschungsthema DDR ausblickend widmet. In einer umfassenden Expertise beschreiben zunächst die Historiker Dierk Hoffmann, Michael Schwartz und Hermann Wentker die Perspektiven des Themas DDR für künftige historische Forschungen. 18 Autoren nehmen dazu kontrovers Stellung und formulieren zugleich eigene neue Fragen an das alte Thema. Der Sammelband lädt zur Diskussion und zu einer Neubewertung des Forschungsfeldes DDR ein.
Weitere Informationen dazu unter Metropol Verlag online. 

Einen ausführlichen Kommentar von Jochen Stöckmann zu der neuen Publikation lesen Sie über diesen Link auf Deutschlandradio Kultur.

 

 

Welchen Sinn und Zweck hat die DDR-Forschung heute? Diese Frage diskutierten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in einem Seminar auf der 39. Konferenz der amerikanischen German Studies Association (GSA) im Oktober 2015 in Washington. Dabei lag der Schwerpunkt auf der Verortung der DDR im 20. Jahrhundert, auf transnationalen Perspektiven sowie auf der Frage der "instabilen Stabilität" des SED-Regimes in den 1970er und 1980er Jahren. 
Die DDR-Forschung ist von einem Kuriosum geprägt: In unregelmäßigen Abständen taucht die Behauptung auf, die Geschichte der DDR sei in Gänze erforscht und die Historikerzunft solle sich auf zu neuen thematischen Ufern machen. Die betroffenen Wissenschaftler wehren sich nur selten mit dem Hinweis auf die Absurdität der Behauptung, sondern versuchen stattdessen akribisch, Desiderata nachzuweisen. Doch warum erscheint die DDR-Geschichte ihren Kritikern so irrelevant, dass sie sich von ihrer weiteren Erforschung kaum Erkenntnisgewinne versprechen? Ein zentraler Grund mag die bereits im Jahr 2003 von Jürgen Kocka befürchtete Verinselung und Provinzialisierung einer DDR-Geschichte sein, die aufgrund einer mangelhaften Rezeption nicht-deutschsprachiger Publikationen und einer rein nationalen Kontextualisierung ihrer Befunde allein um sich selbst kreise und so Gefahr laufe, den Anschluss an die internationale Forschung zu verlieren. Kocka hatte anlässlich des 75. Geburtstags von Hermann Weber eine kritische Bilanz der DDR-Forschung gezogen und mit seinem Befund eine hitzige Debatte ausgelöst.

Lesen Sie mehr zu den Ergebnissen der Tagung hier auf bpb.de.

by-nc-nd/3.0/de/ Autoren: Stefanie Eisenhuth, Hanno Hochmuth, Konrad H. Jarausch für bpb.de

Freie und geheime Wahlen sind Voraussetzung und Grundpfeiler einer jeden Demokratie. Sie stellen jene grundlegende Form politischer Partizipation dar, über die einzelne Bürger die politische Richtlinie ihres Landes mitbestimmen können.
Politische Teilhabe in Form von freien und geheimen Wahlen war auch wesentlicher Bestandteil der Forderungen friedlich protestierender Bürger der DDR im Herbst 1989. Die Ereignisse um die Aufdeckung der gefälschten Kommunalwahlen im Mai 1989 stellen im Bewusstsein vieler ehemaliger Akteure eine Zäsur dar, die sie zum Handeln bewegte.
Mit der Tagung „Einspruch gegen die Gültigkeit der Wahl!“ Die Kommunalwahlen in der DDR im Jahr 1989 beleuchtete das ThürAZ diesen weitgehend unbeachteten Aspekt der Friedlichen Revolution.

Weitere Informationen zu vom Thüringer Archiv für Zeitgeschichte "Matthias Domaschk" herausgegebenen Tagungsband finden Sie hier. 

Aribert Rothe betrachtet in seiner neuen Publikation "Die Ökologuiebewegung im kirchlichen Freiraum der DDR" 

Durch den Ausbau der Industrie in der DDR wurde das Thema des Umweltschutzes und der Umweltverschmutzung immer mehr ins Zentrum gesellschaftlicher Auseinandersetzungen gerückt. Es bildeten sich Gruppen, die gegen Wasserverschmutzung, Smog und Baumsterben angehen und gleichzeitig ein Umdenken in der Industrie- und Gesellschaftsplanung der DDR anregen wollten. Die Regierung betrachtete diese als staatsfeindliche, oppositionelle Gruppierungen und ging gegen Bildung und Aktivitäten vor. Die Kirchen, vor allem die evangelische, entdeckten allmählich ihre geistige Mitverantwortung und boten einen gewissen Schutzraum, in dem sich Umweltgruppen organisieren, sich untereinander vernetzen und publizieren konnten, um eine möglichst große Anzahl an Personen auf das Thema der drohenden Umweltkatastrophe aufmerksam zu machen.

Das Buch wurde durch die Landeszentrale für politische Bildung Thüringen herausgegeben. Weitere Informationen finden Sie hier.

Die Erfurterin Karola Jordanov kam bei einem Fluchtversuch in Ungarn 1986 ums Leben. Der Politikwissenschaftler und Publizist Stefan Appelius forscht wiederum seit geraumer Zeit zu jenen Opfern an der "verlängerten Mauer". Um das Schicksal der Karola Jordanov besser rekonstruieren und in den historischen Kontext setzen zu können, würde sich der Politikwissenschaftler freuen, mit Angehörigen und Freunden der Erfurterin in Kontakt zu kommen. Er ist erreichbar über Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! und (030) 81 70 77 13. 

Mehr dazu auch auf Ostthüringer Zeitung Online.

Yvonne Doms, Alumna der Otto-Friedrich-Universität Bamberg, hat zum Thema Zwangsaussiedlungen geforscht und 2014 hierzu Ihre Masterarbeit vorgelegt. In der Arbeit „Aktion Ungeziefer“: „Der Mensch ist nichts – Befehl ist alles“ beleuchtet sie die Zwangsaussiedlungen 1952 in der DDR unter Berücksichtigung der Berichterstattung in der west- und ostdeutschen Presse sowie der lokalgeschichtliche Blick auf die Ereignisse im südthüringischen Raum.

Die vollständige Arbeit ist über diesen Link abrufbar.

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Zwangsaussiedlungen in Thüringen

Diese interaktive Karte zeigt über 200 Orte in Thüringen, die von Zwangsaussiedlungen betroffen waren. Klicken Sie auf die Markierungen, um mehr zu erfahren. 

Legende: 
Gelb: Zwangsaussiedlungen 1952
Orange: Zwangsaussiedlungen 1961
Rot: Zwangsaussiedlungen in mehreren Jahren

Kontakt

Der Landesbeauftragte des Freistaats Thüringen zur Aufarbeitung der SED-Diktatur (ThLA)

Postfach 90 04 55 | 99107 Erfurt

Tel.: 0361 57 3114-951
Fax: 0361 57 3114-952
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