Freitag, 22.September 2017

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Erinnerung an das Schaffen des gebürtigen Jenensers

Lutz Rathenow feiert heute seinen 65. Geburtstag. Er ist ein Revolutionär, der das Florett des Humors beherrscht und Raum schafft für die nötigen Verunsicherungen in der deutschen Erinnerungslandschaft. Thüringen hat ihm viel zu verdanken.
Er wurde 1952 in Jena geboren und kehrte nach dem Grundwehrdienst als Grenzsoldat in seine Heimatstadt zurück, um Geschichte und Deutsch auf Lehramt zu studieren. Zugleich gründete er im Herbst 1973 den Jenenser Arbeitskreis Literatur und Lyrik, zu dem auch Udo Scheer und Siegfried Reiprich gehörten. Lutz Rathenows Freude an Sprache und Hintersinn brachte ihn schnell mit SED-kritischen Autoren und Liedermachern zusammen. Nach fast zwei Jahren wurde der Arbeitskreis verboten. Jürgen Fuchs, ein wichtiger Freund, wurde zur gleichen Zeit exmatrikuliert und floh aus Jena. Rathenow schloss sich dem Protest gegen die Ausbürgerung von Wolf Biermann an. Daraufhin wurde er inhaftiert und exmatrikuliert. Mit Hilfe seiner Frau fand er 1977 in Ostberlin eine neue Wirkungsmöglichkeit und wurde freischaffender Autor und Förderer vieler Autoren, die in der DDR nicht veröffentlichen konnten.
1980 wurde er von der Staatssicherheit inhaftiert, doch nach internationalen Protesten wieder freigelassen. Er veröffentlichte Essays, Gedichte und Dramen in der Bundesrepublik und war einer der klugen Kommentatoren zum Ende der SED-Diktatur. In der Initiative für Frieden und Menschenrechte arbeitete er auch mit dem Landesbeauftragten Christian Dietrich zusammen. Sein Oeuvre ist kaum zu überblicken, reich an gezielten Irritationen. Zuletzt vor allem Gedichte, Kinderbücher und Kolumnen, auch in Thüringer Tageszeitungen.

Lutz Rathenow ist seit 2011 Landesbeauftragter zur Aufarbeitung der SED-Diktatur in Sachsen. In seinem jüngsten Band „Gedichte zum Größerwerden. Der Elefant auf dem Trampolin“ hat er Erfahrungen und Sprachlogik gemischt. Auf dem Weg „zum Größerwerden“ gehört es auch, sich der eigenen Bedürftigkeit anzunehmen. Der Text dazu bekam die Überschrift „Empörung“ und der Illustrator Egbert Herfurth setzte ihn in Beziehung zum Amt des Autors: Empörung Ein Mensch schleicht rennt läuft um ein Haus, er will nur eins – möglichst rasch hinein hinein. Und ist er drin, will er nur noch: heraus heraus. Ich bin wirklich ein Opfer, sagt der Mann, schrecklich, dass ich ohne Luft nicht atmen kann. Verflixte Erde, die mich sonst nicht leben lässt. Und die Schwerkraft hält mich zudem fest. Was brauch ich zum Leben? Wird es mir gegeben? Kann ich es mir nehmen?

Vielen hat Lutz Rathenow bei diesen Fragen geholfen. Herzliche Glückwünsche zum Geburtstag Lutz Rathenow!

Akten zu den Zwangsaussiedlungen im Bezirk Suhl benutzerfreundlich auffindbar

Das Findbuch zu den Akten der Bezirksbehörde der Deutschen Volkspolizei Suhl (BdVP Suhl) kann seit Kurzem über das Archivportal Thüringen (www.archive-in-thueringen.de) online eingesehen werden. Im Bestand der BdVP Suhl finden sich unter anderen Akten zu den Zwangsaussiedlungen, die 1952 und 1961 in den Grenzkreisen stattfanden. Betroffen von den Aussiedlungsmaßnahmen waren im Bezirk Suhl die Kreise Hildburghausen, Meiningen, Bad Salzungen, Sonneberg und Neuhaus am Rennweg: Aus etwa 100 Ortschaften wurde ins Landesinnere zwangsausgesiedelt. Einige Orte sind dann im Zuge der weiteren Grenzsicherung geschleift worden, zum Beispiel Billmuthausen im heutigen Landkreis Hildburghausen. Der Bestand der BdVP Suhl eröffnet, nach seiner teilweisen Neuerschließung und technischen Neubearbeitung durch das Staatsarchiv Meinungen und das Hauptstaatsarchiv Weimar, den Forschern interessante Einblicke. In den Abteilungen Chef der BdVP Suhl, Operativstab und Pass- und Meldewesen sind aussagekräftige Dokumente zu erwarten. Entsprechend dem Online-Findbuch sind zahlreiche Unterlagen zur „Aktion Blümchen“ – der Deckname der Aussiedlungsaktion 1961 im Bezirk Suhl – in der Abteilung Operativstab enthalten.

Hier sind beispielsweise Quellen auffindbar, die die detaillierte Planung im Vorfeld dokumentieren, aber auch Informationen der Begleitoffiziere, Lagemeldungen während der Durchführung und Einzelberichte über die Aussiedlungen enthalten. In den Akten der Abteilung Pass- und Meldewesen finden sich zudem Namensverzeichnisse der Zwangsausgesiedelten aus den Kreisen Meiningen, Sonneberg und Hildburghausen, die zwischen dem 5. und 7. Juni 1952 in der sogenannten „Aktion Ungeziefer“ umgesiedelt wurden. Des Weiteren umfasst der Bereich Pass- und Meldewesen auch drei Unterlagenbände, die die Namen und die Gründe der Aussiedlung im Jahr 1961 enthalten. (Siehe Bild. Das abgebildete Dokument veranschaulicht die perfide Begründung zur Aussiedlung der Familie Bernoth und die 1961 an der Zwangsaussiedlung beteiligten Institutionen Staatssicherheit, Volkspolizeikreisamt, Grenzpolizei und als Vorsitzender der Kreiseinsatzleitung (KEL), der 1. Sekretär der SED im Kreis. Die in der Quelle erwähnte Familie Bernoth hat dieses Dokument dem Staatsarchiv Meiningen zur Nutzung freigegeben. An dieser Stelle möchten wir der Familie Bernoth und dem Staatsarchiv Meiningen danken, das vertrauliche Dokument abbilden zu dürfen.) 

Da Akten personenbezogene Angaben aufweisen, können diese erst nach Erlöschen der Schutzfrist von 90 Jahren nach der Geburt bzw. 10 Jahren nach dem Tod der Person eingesehen werden. Eine Aufhebung dieser Schutzfrist kann im Rahmen eines Schutzfristenverkürzungsverfahrens im Archiv beantragt werden. Für die weitere Erforschung der Zwangsaussiedlungen in Thüringen stellt die benutzerfreundliche Aufarbeitung des Bestandes BdVP Suhl einen wichtigen Schritt dar. Für ein ausgewogenes Bild der damaligen Ereignisse empfiehlt es sich zudem mit Zeitzeugen zu sprechen und weitere schriftliche Überlieferungen in den Staats- und Kreisarchiven zu sichten.

"Auf dem Weg zur Zivilgesellschaft“

Plakat WebEnde der 1980er Jahre ächzt die DDR. Die Führungsriege ist alt, die sozialistische Utopie verbraucht und die Hoffnung vieler auf eine glückliche Zukunft dahin. Zugleich engagieren sich einige Menschen in kleinen Umwelt-, Friedens- und Menschenrechtsgruppen, um ihre Zukunft mitzugestalten. Vor dreißig Jahren, im November 1987, stürmt die Staatssicherheit die Umweltbibliothek in der Zionskirche und die Arbeit dieser Gruppen wird auf einmal für die Öffentlichkeit wahrnehmbar.
Vor vierzig Jahren wurde mit der Charta 77 in der ČSSR bereits ein Grundstein für die ost(mittel)-europäische Demokratieentwicklung gelegt. An die Menschen, die sich im letzten Jahrzehnt der DDR für eine ostdeutsche Zivilgesellschaft einsetzten, will der Thüringer Geschichtsverbund erinnern. Zusammen mit den Referenten und Besuchern wollen wir uns über den Sinn oder Unsinn, die Freude und auch Last von gesellschaftlichem Engagement, damals wie heute, austauschen.

Wir freuen uns auf Ihren Besuch - das Bürgerfest findet am 10. September 2017 zwischen 15:00 Uhr - 21:00 Uhr in der Gedenk- und Bildungsstätte Andreasstraße, Andreasstraße 37a, 99084 Erfurt statt. 

Der Landesbeauftragte wird am 10. September 2017 beim Tag der offenen Tür im Archivdepot des Staatsarchives Meiningen in Suhl mit einem Stand vertreten sein.

Das heutige Archivdepot hat eine wechselvolle Geschichte. In den 1930er Jahren wurde es von der Gestapo genutzt, folgend diente es zwischen 1945 und 1947 den sowjetischen Besatzern als Sammellager für den Transport von Internierten in das Speziallager Nr. 2 in Weimar-Buchenwald. Von 1953 bis Dezember 1989 wurde es schließlich als Untersuchungshaftanstalt der MfS-Bezirksverwaltung Suhl genutzt. Heute lagern in den ehemaligen Gefängnisräumen Akten des Staatsarchives Meiningen.
Es besteht die Möglichkeit, das Gefängnis zu besichtigen und verschiedene Vorträge zu hören und Ausstellungen zu sehen. Des Weiteren wird von 11 bis 16 Uhr in den Innenhöfen ein Historischer Buchhof veranstaltet. Zahlreiche thüringische Institutionen und regionale Verlage präsentieren dort ihre Publikationen.

Wir freuen uns auf Ihren Besuch an unserem Stand am Sonntag, 10. September 2017, von 11 bis 17 Uhr im Staatsarchiv Meiningen / Archivdepot Suhl, Neundorfer Str. 10, 98527 Suhl. 

Am 22. August wurde in Erfurt, Haus Dacheröden die Ausstellung „FROMME UND TÜCHTIGE LEUTE... Die deutschen Siedlungen in Bessarabien 1814 – 1940. Eine Wanderausstellung“ eröffnet.

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Oberbürgermeister Andreas Bausewein, machte in seinem Grußwort deutlich, wie wichtig die Ausstellung sei, da bis zum Ende der DDR die Geschichte dieser Thüringer Mitbürger Tabu war. Da seine Frau bessarabiendeutsche Wurzeln hat, war dies sehr persönlich.
Frau Dr. Ute Schmidt (Kuratorin der Ausstellung) gab einen historischen Überblick und Erika Wiener (Stellvertretende Vorsitzende Bessarabiendeutscher Verein) berichtete u.a. von ihrem Besuch der einzigen Bessarabiendeutschen Kirche Ostdeutschlands in Gotha-Töpfleben.
Weitere Hinweise zur Ausstellung, die bis zum 30.09.2017 zu sehen ist, auf der Seite Deutsches Kulturforum. Östliches Europa

Bis zum 31. Dezember 2017 (Ausschlussfrist) können ehemalige deutsche Zwangsarbeiter einmalig eine Anerkennungsleistung in Höhe von 2.500 € beantragen. Zweck dieser einmaligen Sonderleistung ist die Anerkennung des schweren Schicksals von deutschen Staatsangehörigen und deutschen Volkszugehörigen, die als Zivilpersonen während und nach dem Zweiten Weltkrieg (1. September 1939 bis 1. April 1956) für eine ausländische Macht Zwangsarbeit leisten mussten. Wenn der Leistungsberechtigte selbst am oder nach dem 27.11.2015 verstorben ist, kann an den Ehegatten oder ein Kind auf Antrag die Anerkennungsleistung ausgezahlt werden.

Der Antrag ist schriftlich an das Bundesverwaltungsamt, Außenstelle Hamm, zu richten. Unterstützung bei der Antragstellung erhalten die Betreffenden durch den DRK-Suchdienst.

Bis Ende Juni 2017 sind bereits 25.000 Anträge auf entsprechende Anerkennungsleistungen beim Bundesverwaltungsamt eingegangen. Bei dem Großteil der Antragsteller, rund 17.000, handelt es sich um Russlanddeutsche, gefolgt von Rumänien als Herkunftsgebiet. Wie der Beirat zur Anerkennungsleistung an ehemalige deutsche Zwangsarbeiter“ jüngst erklärte (Pressemitteilung Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) vom 08.08.2017), können auch sogenannte Wolfskinder, die zur Arbeit verpflichtet wurden, eine symbolische Entschädigung beantragen.

Nähere Details hierzu bietet die „Information der Projektgruppe ADZ über den Antragsstand am 30.06.2017 im Verfahren über eine Anerkennungsleistung an ehemalige deutsche Zwangsarbeiter nach der ADZ – Anerkennungsrichtlinie“ des Bundesverwaltungsamts. Weitere Informationen zu den Antrags-, Anerkennungs- und Auszahlungsmodalitäten sind auf der Webseite des Bund der Vertriebenen oder direkt über die Bekanntmachung der Richtlinie über eine Anerkennungsleistung an ehemalige deutsche Zwangsarbeiter (ADZ-Anerkennungsrichtlinie) des Bundesministeriums des Innern vom 7. Juli 2016 abrufbar (unsere Mitteilung von 2016 hier).

Laut insuedthueringen.de plant Thüringen eine Bundesratsinitiative für DDR-Opfer. Damit soll geändert werden, dass Menschen, die in der DDR verfolgt wurden, nur noch bis 2019 ein Recht auf Rehabilitierung haben. Diese Entfristung fordern Opferverbände und Landesbeauftragter schon seit längerem. In Thüringen gab es im ersten Halbjahr 2017 über 150 neue Reha-Anträge zu den SED-Unrechtsbereinigungsgesetzen.

Im aktuellen Tätigkeitsbericht des ThLA heißt es dazu:  „Immer wieder wurden die Verlängerung der Antragsfristen zur Rehabilitierung, die ungenügenden Entschädigungsleistungen nach StrRehaG, VwRehaG und BerRehaG und die Berücksichtigung „nicht im Blick gewesener Opfergruppen“ (Dopingopfer, Anti-D geschädigte Frauen, Zersetzungsopfer, DDR-Kinderheimkinder) von Betroffenen, den Verfolgtenverbänden und nicht zuletzt den Landesbeauftragten der Länder in den Blick der Landesregierungen und des Bundesgesetzgebers gerückt. Hierbei war allen bewusst, dass das Unrecht aus 40 Jahren SED/DDR-Diktatur nicht vollumfänglich wiedergutgemacht oder entschädigt werden konnte. Nach über 20 Jahren Beratung von SED-Verfolgten ist aus Sicht des Landesbeauftragten die anerkannte Verfolgungsgruppe „verfolgte Schüler“ diejenige, die im Wesentlichen keinerlei Entschädigungsleistungen erhält. Zwar wurde im Jahr 1999 von der CDU/CSU Fraktion der Versuch unternommen, die Ausgleichsleistungen nach § 8 BerRehaG auch verfolgten Schülern zugänglich zu machen. Dies wurde mit der damaligen Koalitionsmehrheit abgelehnt. Seither waren alle Bemühungen beim Bundesgesetzgeber um eine Entschädigungsleistung für diese Verfolgtengruppe erfolglos.“ Der volständige Tätigkeitsbericht ist hier einsehbar

Nach jüngster Studie des Forschungsverbunds SED-Staat kamen 327 Menschen an innerdeutscher Landgrenze ums Leben

Mit dem Bau der Berliner am 13. August 1961 wurde das letzte Schlupfloch in den Westen geschlossen. Nach jüngsten Forschungen des Forschungsverbunds SED-Staat kamen 327 Menschen an der innerdeutschen Landgrenze (ohne die Todesopfer an der Berliner Mauer) bis 1989 ums Leben. Die Leiterin des Berliner Mauermuseums, Alexandra Hildebrandt, geht aktuell von insgesamt 1899 Todesopfern des Grenzregimes aus.
Nicht zuletzt wegen des stetigen Ausbaus der Sicherungsanlagen an der deutsch-deutschen Grenze versuchten Menschen auch außerhalb der DDR, den „Eisernen Vorhang“ zu überqueren. Allein an der Grenze der CSSR verloren mehr als 770 Menschen auf der Flucht ihr Leben, unter ihnen mindestens 17 Personen aus der DDR.

„Der 13. August 1961 ist ein Schlüsseldatum der europäischen Geschichte und Anlass jenen zu danken, die Menschen aus der DDR gerettet haben, die die Grenze durchlässiger machten und letztlich einrissen“, sagt der Landesbeauftragte Christian Dietrich. „Es ist aber auch ein Tag der Trauer. Nicht nur die Toten sind unvergessen, auch die erzwungenen Beziehungsabbrüche. Schuld und Verrat gerade innerhalb der Familien wirken ist bis heute“, fügt Dietrich hinzu.

Faktisch war der SED-Staat nach dem Bau der Berliner Mauer ein Gefängnis. Der Versuch einer Flucht aus der DDR, sowie dessen Vorbereitung oder Nichtanzeige konnten bestraft werden. Mit dem verschärften Passgesetz von 1957 wurde jede nichtgenehmigte Ausreise aus der DDR strafrechtlich verfolgt. Das Strafmaß konnte seit 1979 bis zu acht Jahren Haft betragen. Verurteilt wurde auch, wer Fluchtvorbereitungen - selbst innerhalb der eigenen Familie - nicht angezeigt hatte. Über 60.000 Menschen erhielten als DDR-Flüchtlinge und Fluchthelfer Haftstrafen. Zudem wurden Kinder und Jugendliche in diesem Zusammenhang in geschlossene Jugendeinrichtungen eingewiesen.

Jenen Opfern des DDR-Grenzregimes wird am 13. August in Thüringen im Rahmen von mehreren Veranstaltungen gedacht, etwa in Form eines Gottesdienstes und der Kranzniederlegung in Eisenach oder einer Gedenkstunde im Grenzmuseum Schifflersgrund. Im Menschenrechtszentrum Cottbus wurde zum 50. Jahrestag des Mauerbaus vor sechs Jahren die Gedenkaktion "1 Ziegel für 1 Maueropfer" begonnen. Am Sonntag wird diese Gedenkmauer nunmehr eingeweiht.

Das Durchgangsheim Schmiedefeld unterstand dem Rat des Bezirkes Suhl, Abteilung Volksbildung und bestand zwischen dem 1. Januar 1974 und dem 31. Dezember 1987. Es ist seit vielen Jahren Thema in Gesprächen mit ehemaligen DDR-Heimkindern, vor allem aus dem damaligen Bezirk Suhl. Sie haben von dort erfahrener psychischer und physischer Gewalt berichtet. Viele leiden bis heute unter körperlichen und seelischen Spätfolgen.

Unterlagen im Staatsarchiv Meiningen, Archivdepot Suhl, belegen knapp 1500 Einweisungsvorgänge in das gefängnisähnliche Heim. 709 Jungen und 773 Mädchen - Mehrfacheinweisungen waren möglich - haben Zeiten zwischen einem Tag und mehreren Monaten in diesem Heim verbracht. Die Ältesten verließen das Heim bei Volljährigkeit, d.h. zum 18. Geburtstag, der Jüngste war bei der Einweisung 7 Jahre alt. Das Gros der Kinder und Jugendlichen war zwischen 13 und 17 Jahren alt. Eingewiesen haben die Referate Jugendhilfe/Heimerziehung bei den Räten der Kreise des Bezirkes Suhl, die Volkspolizei, das Ministerium für Staatssicherheit sowie andere Heime. Der überwiegende Teil der Kinder ging aus Schmiedefeld „auf Transport“ in Spezial-Kinderheime oder Jugendwerkhöfe.

Das Heim im Taubenbacher Weg, das kein ganz unbedeutender Arbeitgeber in dem kleinen Ort im Kreis Neuhaus gewesen sein kann, war von einem hohen Zaun mit Stacheldraht-Übersteigschutz umgeben; die Fenster waren vergittert. Die Kinder waren einem strengstens reglementierten Tagesablauf unterworfen und mussten für volkseigene Betriebe z.B. in Lauscha und Schmiedefeld arbeiten und dabei unter Strafandrohung strenge Normen erfüllen. Sie stellten u.a. Christbaumschmuck und Elektroarmaturen her. Neben den vollständig erhalten gebliebenen Einweisungsbüchern gestatten wenigstens lückenhaft erhalten gebliebene Arrest- bzw. Isolierbücher sowie Dienstbücher einen Einblick in den Alltag und das Selbstverständnis der Einrichtung.

Das Bürgerkomitee des Landes Thüringen e.V. wendet sich an ehemalige Insassen des bezirklichen Durchgangsheims Schmiedefeld der DDR-Jugendhilfe und lädt herzlich für Mittwoch, den 9. August, um 17 Uhr in den Versammlungsraum des Bürgerkomitees, - Sommerauweg 27, 98544 Zella-Mehlis – ein. Die Veranstaltung findet in Kooperation mit dem Thüringer Landesbeauftragten zur Aufarbeitung der SED-Diktatur statt.

Neben der Möglichkeit zum Austausch von Erfahrungen aus der „Schmiedefelder Zeit“ untereinander wird das Bürgerkomitee Informationen anbieten:
- zum Stand der Forschungen zum Durchgangheim Schmiedefeld
- zur „edition H“, deren erste beide Bände noch 2017 erscheinen und die sich mit Selbstzeugnissen ehemaliger Schmiedefeld-Insassen befassen werden
- zur Ausstellung „DURCHGANG“ - 2018 in der Gedenkstätte Andreasstraße Erfurt - die sich ebenfalls mit dem Durchgangsheim des Bezirkes Suhl befassen wird.

Weit mehr als eine halbe Million Deutsche Zivilisten wurde in den von der Roten Armee besetzten Gebieten zu Zwangsarbeiten interniert und deportiert. In der Tschechoslowakei gab es eine Fülle an Arbeitslagern. Aus anderen Teilen Europas wurden die Betroffenen in die Sowjetunion gebracht. Allein aus Südosteuropa waren es ca. 160.000 Deutsche. Am 16. Dezember 1944 hatte Stalin den Befehl zur Mobilisierung und Internierung von arbeitsfähigen Deutschen für den Einsatz in der UdSSR erlassen (Beschluss des staatlichen Verteidigungskomitees, Nr. 7161ss).
Betroffen waren Männer zwischen 17 und 45 Jahre und Frauen zwischen 18 und 30 Jahren. Im Februar 1945 wurde das Alter der zu internierenden Männer auf 50 heraufgesetzt (Beschluss des staatlichen Verteidigungskomitees, Nr. 7467ss).
Auf das Schicksal der Verschleppten wurde nach Ende der Sowjetunion vielfach hingewiesen (siehe etwa Freya Klier: „Verschleppt bis ans Ende der Welt“, 1993; Helga Hirsch: „Die Rache der Opfer“, 1998; oder Nelly Däs: „Das Mädchen vom Fährhaus“ 2003 sowie die Recherchen des „Arbeitskreises deutsche Zwangsarbeiter“). Doch der Weg zu einer pauschalen Würdigung der Opfer war lang. 

Mehrheitlich leben die Betroffenen nicht mehr. Einer, der schon früh Zeugnis ablegte, ist Hans Fröhlich (1906-1991). Er war Siebenbürger Pfarrer (Kronstadt/Brasov) und wurde im Januar 1945 als Zwangsarbeiter in der Nähe von Schäßburg/Sighișoara rekrutiert. Er kam zusammen mit 1032 weiteren Zivilinternierten aus dem Raum Schäßburg nach Stalino/Donezk. Aus Siebenbürgen wurden über 30.000 Menschen deportiert. Jeder achte Deportierte verstarb in der Verbannung. Ein Hauptgrund war der Hunger (vgl. Herta Müller: Atemschaukel, 2009). Ein Sechstel der Deportierten Siebenbürger Sachsen wurde in Krankentransporten aus den Lagern nach Frankfurt/Oder entlassen. So auch Hans Fröhlich, der Ende 1946 mit Hungerödem in Frankfurt/Oder ankam und einem Thüringer Auffanglager zugeteilt wurde. Hier ermutigte er die Flüchtlinge mit seinen Erfahrungen als sowjetischer Zwangsarbeiter. Superintendent Siegfried Stössner (Neustadt/Orla) wurde auf ihn aufmerksam und holte ihn als Pfarrer nach Triebes. Erst fast fünf Jahre später (1951) konnten seine Frau und seine Kinder aus Rumänien nach Thüringen kommen. In seinen Predigten berichtete er von seinen Gotteserfahrungen während der Deportation („Christus in der Strafkompanie“) und veröffentlichte sie schon in den 1950er Jahren in der Bundesrepublik. 1972 zog das Ehepaar Fröhlich nach Westdeutschland. Die eindrücklichen Predigten und Erinnerungen wurden 1977 und 2012 (nun in Hermannstadt/Rumänien) erneut verlegt („In der vierten Nachtwache. Erlebnisberichte aus der Deportation“).

Der Landesbeauftragte gratuliert dem wichtigen Aufarbeiter der SED-Diktatur herzlich zum Geburtstag.

Auerbachs Vita steht ganz im Zeichen des Widerstands gegen Diktatur und Unrecht. 1965 verweigerte er den Militärdienst und widerstand den Anwerbeversuchen der Staatssicherheit. 1971 wurde Auerbach Stadtjugendwart der evangelischen Kirche in Jena und prägte die Junge Gemeinde Stadtmitte und deren Offene Arbeit nachhaltig (Mehr dazu hier auf jugendoppostion.de. Diesbezüglich auch lesenswert ist die Publikation "Jugend zwischen Kirche und Staat: Geschichte der kirchlichen Jugendarbeit in Jena 1970-1989" von Henning Pitzsch, Köln / Weimar 2005).

Nachdem er Ende 1976 gegen die Ausbürgerung Wolf Biermanns protestiert und Unterschriftensammlungen organisiert hatte, wurde er inhaftiert (sein Haftbefehl ist hier in der BStU-Mediathek einsehbar) und Anfang September 1977 nach zehn monatiger Untersuchungshaft gegen seinen Willen mit einigen Freunden nach West-Berlin abgeschoben und ausgebürgert. Von West-Berlin aus unterstütze er gemeinsam mit Jürgen Fuchs, Roland Jahn und anderen die Oppositionsbewegung in der DDR. Nach der Öffnung der innerdeutschen Grenzen beteiligte sich Auerbach schließlich an der Besetzung der MfS-Bezirksverwaltung in Gera. Maßgeblich engagierte er sich dann im Fortgang an der Aufarbeitung der SED-Diktatur; so war der gebürtige Leipziger bis zu seinem Ruhestand 2009 leitender Mitarbeiter des BStU. Er publizierte u.a. zu den Planungen der SED gegen die Opposition im Ausnahmezustand ("Vorbereitungen auf den Tag X. Die geplanten Isolierungslager des MfS"), zum Terroreinsatz in der Bundesrepublik ("Einsatzkommandos an der unsichtbaren Front“) und zur Geschichte des Widerstands gegen die SED in Thüringen.

Wir danken Thomas Auerbach für seinen Mut in den Zeiten der Diktatur und für die Klarheit in den Jahren der Demokratisierung und wünschen ihm Kraft für den Alltag, Nähe der Freunde und Gottes Segen für die Zukunft.

Todesstrafe ZuschnittVor 30 Jahren, am 17. Juli 1987, wurde in der DDR die Todesstrafe aus dem Strafgesetzbuch gestrichen. Es war ein notwendiger Schritt, damit Staats- und Parteichef Erich Honecker in die Bundesrepublik reisen konnte. Wie so oft, entschied der Staatsrat auf Empfehlung des SED-Politbüros, die Volkskammer wurde erst danach gefragt.

Der Friedensarbeitskreis Naumburg (u.a. mit Michael Kleim und Christian Dietrich) forderte bereits seit Ende 1986 die Abschaffung der Todesstrafe. Der Landesbeauftragte wurde dafür als Sympathisant der NS-Kriegsverbrecher denunziert; dabei war er ein Sympathisant der DDR-Flüchtlinge, auf die geschossen wurde.

Die Forderung wurden seinerzeit über ein Flugblatt publik gemacht; in einem aktuellen Artikel von Michael Kleim hier auf meinanzeiger.de lesen Sie mehr zu den Hintergründen der Protestaktion. 

Vor 25 Jahren wurde eine akribisch erarbeitete Liste der fast 5.000 Hallenser inoffiziellen Mitarbeiter der Staatssicherheit veröffentlicht. Die Dekonspirierten wehrten sich, doch nach acht Jahren Rechtstreit bekamen die Aufklärer recht: Veröffentlichungen zur Stasimitarbeit können nicht mit dem Hinweis auf den Persönlichkeitsschutz verhindert werden. Außerdem stellten die Bundesverfassungsrichter fest: "Die Feststellung des Bundesgerichtshofs, die Liste habe zur Aufarbeitung der Stasi-Vergangenheit praktisch nichts beitragen können, hält verfassungsrechtlicher Prüfung ebenfalls nicht stand. Der Bundesgerichtshof hat insoweit die Suggestivkraft, die mit der Veröffentlichung der Liste verbunden war, nicht hinreichend berücksichtigt: Die Liste vermittelt aufgrund ihrer Länge einen nachhaltigen Eindruck von der massiven Durchdringung der Gesellschaft der DDR durch das MfS, verliert sich wegen der konkreten Angaben, insbesondere der Namensnennungen, aber nicht in der Abstraktheit bloßer Zahlen. Die fehlende Spezifizierung der Tätigkeit der in der Liste Aufgeführten, die für den Bundesgerichtshof gerade Anlass war, die Auslegung der Liste im Hinblick auf die Klägerin als rechtswidrig anzusehen, verdeutlichte, dass der potentielle Zugriff des MfS auf Informationen weit reichte und vielfältig war. Die Liste war damit aus Sicht des Beschwerdeführers ein geeignetes Mittel, die Realität des breit gefächerten Informantensystems - so, wie er es sah - vor Augen zu führen." (Beschluss der 1. Kammer des Ersten Senats vom 23. Februar 2000)

Mehr zu jenem in dieser Form einmaligen Fall in einem kurzen Video hier auf Spiegel Online und einem aktuellen Artikel auf Mitteldeutsche Zeitung Online.
Ausführlich beschäftigt sich auch eine Publikation der Landesbeauftragten von Sachsen-Anhalt dazu: Der Titel "Darf man das? Die Veröffentlichung von Stasi-Listen in Halle an der Saale im Sommer 1992 und die Folgen." ist zugleich Dokumentation und Auseinandersetzung mit der Thematik und beinhaltet Beiträge von Steffen Reichert und Peter Raue sowie den ungekürzten Text des Bundesverfassungsgerichts.

Gerbergasse18 Heftcover 83Wie wichtig sind Gedenktage und historische Jubiläen für unsere Erinnerungskultur? Mit der sogenannten Oktoberrevolution vor hundert Jahren haben wir es besonders schwer. Weder die zeitliche Begrenzung auf die Ereignisse im Oktober 1917 noch die Einordnung als Revolution oder die verkürzte Deutung als Ursprung des Weltkommunismus sind hinreichend. Obwohl die „Große Sozialistische Oktoberrevolution“ zum ideologischen Kern des DDR-Geschichtsunterrichts gehörte, blieben oft nur Schlagworte hängen. Die Zeitschrift „Gerbergasse 18“ fragt deshalb nach Folgen und Wirkungen des „Roten Oktober“.

Das Heft 83 bietet aber noch viele weitere spannende Beiträge, etwa zum Tabuthema Prostitution in der DDR, den Vertreibungen in Thüringen durch Kreisverweise zwischen 1945 und 1951, der Jazzszene in Jena der 1980er Jahre oder den Herausforderungen der Geschichtsvermittlung durch innovative Spieleformate (digital und analog). Eine Charakterskizze des Autors Dietmar Ebert stellt den Juristen und Vater der Thüringer Landesverfassung Eduard Rosenthal (1853–1826) prägnant und facettenreich vor. Das biografische Porträt des Ehrenbürgers Rosenthal schildert dessen vielfältiges und weitsichtiges Wirken in der Stadt Jena und darüber hinaus, wobei seine Bedeutung und Ausstrahlungskraft bis heute kaum bekannt sind. Seit 2007 besteht mit der Villa Rosenthal, unterhalb des Westbahnhofs gelegen, ein eindrucksvoller Veranstaltungs- und Erinnerungsort, zugleich eine Würdigung des engagierten Ehepaars Clara und Eduard Rosenthal. Weitere Informationen zur "Gerbergasse 18" finden Sie hier

TdTAuch in diesem Jahr sind wir am Tag der offenen Tür im Thüringer Landtag (17. Juni, 10:00 - 17:00 Uhr) mit einem Stand vertreten. Dort gibt es die Möglichkeit, an einem Quiz zur DDR-Geschichte teilzunehmen. Wer sich auskennt, kann tolle Preise zu gewinnen. Daneben haben wir ein breites Programm rund um das Thema DDR, SED-Unrecht und Aufarbeitung: 

FIlmvorstellungen in Raum F 002: 

11.00 Uhr:
„Der 17. Juni in Jena. Skizzen eines Aufstandes.“ (2014)
Eine filmische Zeitzeugendokumentation von Torsten Eckold und Daniel Börner. Im Anschluss an den Film folgt ein Gespräch mit Regisseur Daniel Börner.

12.30 Uhr:
„Vertreibung 1961“ (2017)
Ein Film von Peter Grimm und Eckardt Reichl über die Zwangsaussiedlungsaktionen in der DDR. Eine Spurensuche.

13.30 Uhr:
„Kaputt“ (2016)
Kurzfilm von Alexander Lahl und Volker Schlecht über das zentrale Frauengefängnis der DDR. Im Anschluss an den Film folgt ein Gespräch mit Zeitzeugin und Künstlerin Gabriele Stötzer.

14.00 Uhr:
„Die letzten Zeugen des Gulag“ (2014)
Ein Film von Dean Cáceres und Lars Henze, der sich auf Spurensuche nach den letzten Überlebenden der stalinistischen Arbeitslager begibt. Im Anschluss an den Film folgt ein Gespräch mit Regisseur Dr. Dean Cáceres. 

Podiumsdiskussion im Plenarsaal

15.30 - 17.00 Uhr:
"Stand der Aufarbeitung der SED-Diktatur in Thüringen im Jahr 2017"

Am Gedenktag der Opfer des SED-Unrechts werden Vertreter aller Landtagsfraktionen über Erwartungen und Ziele eins solchen Gedenktages debattieren. Außerdem soll es um die fehlende Würdigung bestimmter Opfer der SED-Diktatur und Perspektiven der Aufarbeitung in Thüringen gehen. Dazu gehört auch die Auseinandersetzung, ob die Frage "Was bzw. wer beschädigt die Würde des Parlaments?" ein Mittel der Diktaturaufarbeitung ist.Grundsätzlich soll dabei der Stand der Aufarbeitung der SED-Diktatur in Thüringen im Jahr 2017 beleuchtet werden.
Der Landesbeauftragte Christian Dietrich übernimmt die Moderation der Podiumsteilnehmer, bestehend aus Herbert Wirkner (CDU), Mike Huster (DIE LINKE), Birgit Pelke (SPD), Corinna Herold (AfD) und Dirk Adams (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN).

Ausstellungen: 

10.00 - 17.00 Uhr, Funktionsgebäude EG: 
"Flucht und Ausreise" 

10.00 - 17.00 Uhr,  Außengelände vor dem Verwaltungshochaus:
"Aufbruch nach Europa"

Thüringen gibt grünes Licht für "Nationales Naturmonument Grünes Band" entlang von 763 Kilometern Thüringer Landesgrenze. „Thüringen trägt mit dem Grünen band den größten Anteil am bedeutsamsten Biotopverbund Deutschlands. Daher übernimmt die Thüringer Landesregierung besondere Verantwortung für den dauerhaften Schutz dieses naturgewordenen Mahnmals deutscher Geschichte“, so die Ministerin Anja Siegesmund. Mehr Informationen zu der Initiative und seiner Geschichte finden Sie hier

Der aktuelle SPIEGEL widmet sich der DDR-Aufarbeitung im Thüringer Sportbund und der aktuellen Gesetzesdebatte zur Sportförderung in Thüringen. (Steffen Winter SPIEGEL 22/2017, S. 96):
„Als die Thüringer Linke, SPD und Grünen im Dezember 2014 die deutschlandweit erste rot-rot-grüne Landesregierung bildeten. gaben sie ein Versprechen: Die Vergangenheit so schrieben sie in ihren Koalitionsvertrag werde ‚vielfältig und beispielhaft für die gesamte Bundesrepublik aufgearbeitet‘. ‚Konsequent‘. ‚schonungslos‘ und ‚in all ihren Facetten‘ werde die SED-Diktatur seziert.

Der Journalist und Publizist Dr. h. c. Karl Wilhelm Fricke wird am 15. Juni für sein Lebenswerk mit dem Aufarbeitungspreis der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur ausgezeichnet, der 2017 erstmals verliehen wird. „Wie kaum ein anderer hat sich Karl Wilhelm Fricke vor und nach 1989 mit der Repression in der DDR auseinandergesetzt, seine sachlichen und faktenreichen Analysen als Autor und jahrelanger Redakteur des Deutschlandfunks sind bis heute von herausragender wissenschaftlicher Bedeutung“, erklärte die Geschäftsführerin der Bundesstiftung Aufarbeitung Anna Kaminsky.

Karl Wilhelm Fricke zählt außerdem zu den bekanntesten Entführungsopfern des Kalten Kriegs. Weil seine Veröffentlichungen über Verfolgung und Repression in der DDR den kommunistischen Machthabern gefährlich wurden, stellte ihm die Staatssicherheit am 1. April 1955 in West-Berlin eine Falle und verschleppte ihn in die DDR. In einem Geheimprozess wurde Fricke zu vier Jahren Haft verurteilt, die er in Einzelhaft verbüßen musste.

Ermöglicht wurde der Aufarbeitungspreis durch eine Spende des Publizisten und ehemaligen Fluchthelfers Dr. Burkhart Veigel an die Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur. Der Preis würdigt das herausragende Engagement für Freiheit, Demokratie und Zivilcourage im vereinten Deutschland und in Europa. Verliehen wird die Auszeichnung durch Bundespräsident a. D. Horst Köhler, der Vorstandsvorsitzende der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur Rainer Eppelmann hält die Laudatio.

Mit der Wahl des Datums der Preisverleihung erinnert die Bundesstiftung Aufarbeitung zugleich an den Volksaufstand vom 17. Juni 1953 in der DDR, als über eine Million Menschen ihren Protest gegen die kommunistische Herrschaft in der gesamten DDR auf die Straße trugen und das Ende der SED-Herrschaft, freie Wahlen und die Einheit Deutschlands forderten.

Schon früh machte die Thüringer Regierungskoalition klar, dass sie die Bewertung von Abgeordneten als "parlamentsunwürdig" kritisiert. Die Debatte nimmt derzeit neue Fahrt auf, laut dieses aktuellen Artikels auf MDR online soll etwa der ehemalige IM "Kaiser", Frank Kuschel, nicht mehr als "parlamentsunwürdig" erklärt werden. Erneut besprochen wird auch der Fall Herbert Wirkner hier auf Thüringische Landeszeitung online. Wirkner wurde seinerzeit von der Stasi zur Gewinnung als Spitzel umworben.
Der Landesbeauftragte Christian Dietrich erklärte gegenüber dem Thüringer Landtag bezüglich der Debatte u.a.: "Die Streichung des Begriffs 'parlamentsunwürdig' ist nur zu erklären als eine Resignation aufgrund der Differenz zwischen der Bewertung und dem faktischen Vollzug der Bewertung. Es wäre jedoch eine Selbstbeschränkung des Parlamentes, deshalb zugleich die Bewertung zu streichen. In der FORSA-Umfrage der Brandenburgischen Enquetekommission zur Aufarbeitung war eine deutliche Mehrheit der Befragten der Meinung, dass Stasibelastung und Mandat sich ausschließen. Unter denen, die angaben, DIE LINKEN zu wählen, waren es jedoch lediglich 50%. Während das Werturteil 'parlamentsunwürdig' von der Regierungskoalition abgelehnt wird, hat die Koalition zugleich die 'Regierungsunwürdigkeit' von Menschen, die offiziell oder inoffiziell für die Staatssicherheit gearbeitet haben bestätigt. Die Koalition hat dies sogar verschärft, in dem auch 'Menschen, die leugnen, dass die DDR kein Rechtsstaat war' keine Regierungsverantwortung übernehmen dürfen. Es bleibt dabei, wenn eine Belastung eines Mandatsträger festgestellt wird, sind die bzw. der Abgeordnete und ihre bzw. seine Partei in der moralischen Verpflichtung zu handeln." (Siehe dazu diesen Artikel aus Januar 2016)
Nachtrag 02.06.2017: Interview im Deutschlandfunk (Henry Bernhard) mit Frank Kuschel, Uwe Höhn, Astrid Rothe-Beinlich, Herbert Wirkner unter Wendehälse: Wie Thüringens Parlament mit Stasi-Spitzeln umgeht

Anlässlich der befreienden Ausreise von Reiner Kunze aus der DDR vor 40 Jahren wurde am 26. April im Thüringer Landtag Oppositioneller im SED-Regime gedacht, Fluchtgeschichten erzählt und die zurückgewonnene Heimat gefeiert. Reiner Kunze liest aus seinem Werk. Wir haben die Veranstaltung in Bild und Ton begleitet:

Geboren 1933 in Oelsnitz/Erzgebirge lebte der Schriftsteller von 1962 bis 1977 in Greiz/Thüringen. Nach der Niederschlagung des Prager Frühlings trat Kunze aus der SED aus. Mit dem Prosawerk "Die wunderbaren Jahren" (erschienen 1976 in Frankfurt/Main) beschrieb er die Bedrohung der Individualität junger Menschen in der DDR. Kunze wird zum Staatsfeind erklärt und aus dem DDR-Schriftstellerverband ausgeschlossen. Das kam einem Berufsverbot gleich. Familie Kunze stellte aufgrund dieser Entwicklung einen Ausreiseantrag und konnte vor 40 Jahren die DDR verlassen.
Unter dem Titel "Deckname Lyrik" veröffentlichte Kunze 1990 unmittelbar nach den Stasibesetzungen Auszüge aus den Akten der Staatssicherheit, die dokumentieren, wie perfide das SED-Regime den Schriftsteller und seine Freunde verfolgt hatten.

IMG 2087 Zuschnitt WebHeute hat der Landesbeauftragte Christian Dietrich den Tätigkeitsbericht der Jahre 2015 und 2016 im Thüringer Landtag an den Präsidenten des Thüringer Landtags, Christian Carius, übergeben und im Rahmen einer Pressekonferenz über die Arbeit der Behörde in den vergangenen zwei Jahren informiert. 

Der Tätigkeitsfokus des Landesbeauftragten lag wie in den Jahren zuvor in der Beratung. Christian Dietrich ging zentral auf folgende Fragen ein: Wie hat sich die Beratungssituation ehemaliger politisch Verfolgter entwickelt? Wie entwickelt sich die Rechtslage der Betroffenen?
Der Landesbeauftragte dazu:  „Die Zeitzeugen der frühen Jahre der DDR werden weniger. Jetzt werden die Leiden der späteren DDR-Generationen in den Beratungen präsenter. Der Gesetzgeber hat die Rehabilitierungen bis Ende 2019 befristet. Ein Schlussstrich ist unserem Land unwürdig. In Thüringen leben statistisch gesehen besonders viele Opfer der SED-Herrschaft. Entsprechend hoch sind die Entschädigungsleistungen und Hilfen, die ausgezahlt werden. Allein für die Opferrente in Thüringen wurde im vergangenen Jahr über 18 Millionen € gezahlt. Der Bedarf nach Beratung, Aufklärung und Hilfe ist groß. In der letzten Zeit wurde die Würdigung derer, die wegen ihrer Religion in der DDR verfolgt wurden, zur Herausforderung für den Freistaat.“

IMG 2098 Zuschnitt WebIm Zuge der Pressekonferenz erläuterte der Landesbeauftragte auch die eigene Bildungsarbeit in Kooperation mit Bildungsträgern und in eigener Verantwortung. Im Berichtszeitraum hat die Behörde über 70 Veranstaltungen im Bereich der Erwachsenenbildung in Form von Vorträgen, Podiumsdiskussionen oder Buchlesungen sowie 60 Veranstaltungen mit Schulen und anderen Bildungsträgern durchgeführt. 
Auch auf die erfolgreiche Nutzung der Neuen Medien im Berichtszeitraum verwies Dietrich. Mit über 700 Posts zu Veranstaltungen, aktuellen Debatten und historisch relevanten Diskursen zeigt die Webseite des ThLA eine hohe Dynamik und einen erheblichen Informationsmehrwert für die Zielgruppe. Der Landesbeauftragte beteiligt sich an der politischen Bildung in Thüringen maßgeblich über die neuen Medien. Eine besondere Bedeutung erlangte in diesem Zusammenhang eine interaktive Karte, die von Zwangsaussiedlungen betroffene Orte anzeigt und Hinweise auf die Gedenkkultur liefert. Die Karte ist in die Webseite des Landesbeauftragten eingebettet. Nahezu 22.000 Personen haben diese bereits aufgerufen. Ebenso verzeichnet die Facebook-Seite des Landesbeauftragten ein stetiges Wachstum, mittlerweile gefällt über 400 Personen die Seite des Landesbeauftragten auf Facebook. Über einen neu eingerichteten YouTube-Kanal sollen noch mehr interessierte Menschen erreicht werden: Zukünftig werden die Veranstaltungen des Landesbeauftragten auch durch Videoaufnahmen begleitet. 

Den Tätigkeitsbericht des Landesbeauftragten finden Sie hier. 

Zugleich hat der Landesbeauftragte den Tätigkeitsbericht der Beratungsinitiative SED-UNRECHT für das Jahr 2016 veröffentlicht. Schwerpunkte der Beratungstätigkeit in 2016 waren, wie auch schon in den Vorjahren, weiterhin die Anfragen zu allen Formen der Rehabilitierung und den sich anschließenden Verfahren zur Beantragung von sozialen Ausgleichsleistungen. Die Beratungsinitiative arbeitet im Auftrag des Landesbeauftragten und unterstützt die Behörde in oben genannten Tätigkeitsfeld. Den Tätigkeitsbericht der Beratungsinititative können Sie hier einsehen. 

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Zwangsaussiedlungen in Thüringen

Diese interaktive Karte zeigt über 200 Orte in Thüringen, die von Zwangsaussiedlungen betroffen waren. Klicken Sie auf die Markierungen, um mehr zu erfahren. 

Legende: 
Gelb: Zwangsaussiedlungen 1952
Orange: Zwangsaussiedlungen 1961
Rot: Zwangsaussiedlungen in mehreren Jahren

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Kontakt

Der Landesbeauftragte des Freistaats Thüringen zur Aufarbeitung der SED-Diktatur (ThLA)

Postfach 90 04 55 | 99107 Erfurt

Tel.: 0361 57 3114-951
Fax: 0361 57 3114-952
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Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur
Die Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur trägt zur umfassenden Aufarbeitung von Ursachen, Geschichte und Folgen der Diktatur in der SBZ und in der DDR bei.

www.bundesstiftung-aufarbeitung.de

der bundesbeauftragte

Der Bundesbeauftragte
für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik

www.BStU.bund.de

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