Montag, 29.Mai 2017

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Der aktuelle SPIEGEL widmet sich der DDR-Aufarbeitung im Thüringer Sportbund und der aktuellen Gesetzesdebatte zur Sportförderung in Thüringen. (Steffen Winter SPIEGEL 22/2017, S. 96):
„Als die Thüringer Linke, SPD und Grünen im Dezember 2014 die deutschlandweit erste rot-rot-grüne Landesregierung bildeten. gaben sie ein Versprechen: Die Vergangenheit so schrieben sie in ihren Koalitionsvertrag werde ‚vielfältig und beispielhaft für die gesamte Bundesrepublik aufgearbeitet‘. ‚Konsequent‘. ‚schonungslos‘ und ‚in all ihren Facetten‘ werde die SED-Diktatur seziert.

Der Journalist und Publizist Dr. h. c. Karl Wilhelm Fricke wird am 15. Juni für sein Lebenswerk mit dem Aufarbeitungspreis der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur ausgezeichnet, der 2017 erstmals verliehen wird. „Wie kaum ein anderer hat sich Karl Wilhelm Fricke vor und nach 1989 mit der Repression in der DDR auseinandergesetzt, seine sachlichen und faktenreichen Analysen als Autor und jahrelanger Redakteur des Deutschlandfunks sind bis heute von herausragender wissenschaftlicher Bedeutung“, erklärte die Geschäftsführerin der Bundesstiftung Aufarbeitung Anna Kaminsky.

Karl Wilhelm Fricke zählt außerdem zu den bekanntesten Entführungsopfern des Kalten Kriegs. Weil seine Veröffentlichungen über Verfolgung und Repression in der DDR den kommunistischen Machthabern gefährlich wurden, stellte ihm die Staatssicherheit am 1. April 1955 in West-Berlin eine Falle und verschleppte ihn in die DDR. In einem Geheimprozess wurde Fricke zu vier Jahren Haft verurteilt, die er in Einzelhaft verbüßen musste.

Ermöglicht wurde der Aufarbeitungspreis durch eine Spende des Publizisten und ehemaligen Fluchthelfers Dr. Burkhart Veigel an die Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur. Der Preis würdigt das herausragende Engagement für Freiheit, Demokratie und Zivilcourage im vereinten Deutschland und in Europa. Verliehen wird die Auszeichnung durch Bundespräsident a. D. Horst Köhler, der Vorstandsvorsitzende der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur Rainer Eppelmann hält die Laudatio.

Mit der Wahl des Datums der Preisverleihung erinnert die Bundesstiftung Aufarbeitung zugleich an den Volksaufstand vom 17. Juni 1953 in der DDR, als über eine Million Menschen ihren Protest gegen die kommunistische Herrschaft in der gesamten DDR auf die Straße trugen und das Ende der SED-Herrschaft, freie Wahlen und die Einheit Deutschlands forderten.

Schon früh machte die Thüringer Regierungskoalition klar, dass sie die Bewertung von Abgeordneten als "parlamentsunwürdig" kritisiert. Die Debatte nimmt derzeit neue Fahrt auf, laut dieses aktuellen Artikels auf MDR online soll etwa der ehemalige IM "Kaiser", Frank Kuschel, nicht mehr als "parlamentsunwürdig" erklärt werden. Erneut besprochen wird auch der Fall Herbert Wirkner hier auf Thüringische Landeszeitung online. Wirkner wurde seinerzeit von der Stasi zur Gewinnung als Spitzel umworben.
Der Landesbeauftragte Christian Dietrich erklärte gegenüber dem Thüringer Landtag bezüglich der Debatte u.a.: "Die Streichung des Begriffs 'parlamentsunwürdig' ist nur zu erklären als eine Resignation aufgrund der Differenz zwischen der Bewertung und dem faktischen Vollzug der Bewertung. Es wäre jedoch eine Selbstbeschränkung des Parlamentes, deshalb zugleich die Bewertung zu streichen. In der FORSA-Umfrage der Brandenburgischen Enquetekommission zur Aufarbeitung war eine deutliche Mehrheit der Befragten der Meinung, dass Stasibelastung und Mandat sich ausschließen. Unter denen, die angaben, DIE LINKEN zu wählen, waren es jedoch lediglich 50%. Während das Werturteil 'parlamentsunwürdig' von der Regierungskoalition abgelehnt wird, hat die Koalition zugleich die 'Regierungsunwürdigkeit' von Menschen, die offiziell oder inoffiziell für die Staatssicherheit gearbeitet haben bestätigt. Die Koalition hat dies sogar verschärft, in dem auch 'Menschen, die leugnen, dass die DDR kein Rechtsstaat war' keine Regierungsverantwortung übernehmen dürfen. Es bleibt dabei, wenn eine Belastung eines Mandatsträger festgestellt wird, sind die bzw. der Abgeordnete und ihre bzw. seine Partei in der moralischen Verpflichtung zu handeln." (Siehe dazu diesen Artikel aus Januar 2016)

Anlässlich der befreienden Ausreise von Reiner Kunze aus der DDR vor 40 Jahren wurde am 26. April im Thüringer Landtag Oppositioneller im SED-Regime gedacht, Fluchtgeschichten erzählt und die zurückgewonnene Heimat gefeiert. Reiner Kunze liest aus seinem Werk. Wir haben die Veranstaltung in Bild und Ton begleitet:

Geboren 1933 in Oelsnitz/Erzgebirge lebte der Schriftsteller von 1962 bis 1977 in Greiz/Thüringen. Nach der Niederschlagung des Prager Frühlings trat Kunze aus der SED aus. Mit dem Prosawerk "Die wunderbaren Jahren" (erschienen 1976 in Frankfurt/Main) beschrieb er die Bedrohung der Individualität junger Menschen in der DDR. Kunze wird zum Staatsfeind erklärt und aus dem DDR-Schriftstellerverband ausgeschlossen. Das kam einem Berufsverbot gleich. Familie Kunze stellte aufgrund dieser Entwicklung einen Ausreiseantrag und konnte vor 40 Jahren die DDR verlassen.
Unter dem Titel "Deckname Lyrik" veröffentlichte Kunze 1990 unmittelbar nach den Stasibesetzungen Auszüge aus den Akten der Staatssicherheit, die dokumentieren, wie perfide das SED-Regime den Schriftsteller und seine Freunde verfolgt hatten.

Peter Rösch ist gestern nach längerer Krankheit in Berlin verstorben. Wir trauern um den bedeutenden DDR-Bürgerrechtler und erinnern an seinen Mut und seinen Einsatz für Freiheit und Demokratie

Rösch wuchs im Jena der 50er Jahre auf. Früh entwickelte er eine freiheitliche politische Meinung abseits der DDR-Staatsdoktrin weswegen ihm das Abitur verwehrt wurde. Seit den 70er Jahren war er maßgeblich an Aktionen Oppositioneller der Jungen Gemeinde Stadtmitte in Jena beteiligt; unter anderem an Protesten gegen die Ausbürgerung des Liedermachers Wolf Biermann, infolgedessen er durch das MfS verhaftet und erhört wurde. 
Ein prägender Einschnitt im Leben von Peter Rösch war der Tod seines Freundes Matthias Domaschk. 1981 wurden beide durch das MfS wegen angeblich geplanter Störaktionen während des 10. Parteitages der SED in Berlin verhaftet und in die Stasi-Untersuchungshaftanstalt in Gera verbracht. Dort verstarb Domaschk am 12. April unter bis heute ungeklärten Umständen.
1982 emigrierte Rösch nach West-Berlin. Von dort kämpfte er weiter für Freiheit und Demokratie in Ostdeutschland, unternahm Vortragsreisen zum Thema „Friedens- und Oppositionsgruppen in der DDR“ und unterstützte gemeinsam mit Jürgen Fuchs und Roland Jahn die Oppositionsbewegung in der DDR. Nach der Friedlichen Revolution war Mitbegründer des Geschichtswerkstatt Jena e.V.

Pano Tagung Point Alpha WebZwangsaussiedlungen und weitere Vertreibungsereignisse unter der kommunistischen Herrschaft waren Thema einer wissenschaftlichen Tagung, die am 6. und 7. April 2017 in Geisa stattfand und vom Landesbeauftragten des Freistaats Thüringen zur Aufarbeitung der SED-Diktatur gemeinsam mit der Point Alpha Stiftung ausgerichtet wurde. Nachwuchswissenschaftler und renommierte Fachleute diskutierten das breite Spektrum der Vertreibungen („forced migrations“), die der kommunistischen Herrschaftsfestigung und Herrschaftssicherung dienten. Zwei Beiträge sind schon vor der geplanten Tagungspublikation seit heute auf unserer Webseite unter „Reden und Vorträge“ abrufbar.

Der Leipziger Historiker Dr. Dietmar Müller zeigt in seinem Beitrag den Zusammenhang von Kollektivierungen in der Landwirtschaft und Enteignungen, die oft auch im Kontext von Vertreibungen erfolgten. Er vergleicht die Ereignisse in Rumänien, Jugoslawien und Polen und zeigt, dass das Land der Deutschen in den drei Ländern vollständig und kompensationslos durch die Kommunisten enteignet wurde. Aber nur in Polen kam es im Zusammenhang mit den Enteignungen auch zu umfassenden Vertreibungen der Deutschen. Die Alliierten hatten auf der Potsdamer Konferenz dieser organisierten Vertreibung bzw. Umsiedlung bereits zugestimmt. Viele Deutschstämmige in Jugoslawien emigrierten nach ihren Erfahrungen mit Enteignungen, Zwangsarbeit und Lagerinternierung nach Österreich und Deutschland. Dagegen wanderten aus Rumänien in diesem Zeitraum nur wenige Deutsche aus. Vielmehr integrierten sie sich ab den 1950er Jahren in die Industriearbeiterschaft und in die (zwangs-)kollektivierte Landwirtschaft. Es können also länderspezifische Unterschiede in der Intensität der kommunistischen Vertreibungen im Zusammenhang mit der Kollektivierung der Landwirtschaft ausgemacht werden. Zum dem pointierten Vortrag Dr. Dietmar Müller von geht es über diesen Link

Die polnische Historikerin Dr. Lidia Zessin-Jurek referierte über die in der EU differierenden Erinnerungen an die Zwangsdeportationen nach Sibirien. Stalin ordnete im Rahmen seiner kommunistischen Politik die Zwangsmigration bestimmter Gruppen und Nationalitäten nach Sibirien als präventive Bestrafung an. Von den Deportationen in den Osten waren Juden, Balten, Polen und viele weitere Nationalitäten im östlichen Europa betroffen. Frau Zessin-Jurek zeigt auf, dass die Erinnerungen an die Deportationen und an die sowjetischen Arbeitslager innerhalb der EU-Mitgliedsstaaten deutliche Unterschiede aufweisen. Bemerkenswert ist, dass die osteuropäischen Staaten vor ihrem EU-Beitritt nur selten die gemeinsame sowjetische Vergangenheit über die Narrative Zwangsdeportationen und Gulag thematisierten. Dennoch nahmen seit Mitte der 2000er Jahre die Ehrungen für die Gulag-Opfer in den osteuropäischen Staaten zu, wobei eine Rückkehr zu einer nationalen Erinnerung an die damaligen Ereignisse zu beobachten ist. Angesichts der aktuellen Politik scheint die Debatte einer gemeinsamen europäischen Erinnerungskultur in den Hintergrund gedrängt, dabei könnte sich auf transnationaler Ebene der Rückgriff auf die Deportationserfahrungen als sehr hilfreich erweisen. Der umfassende Vortrag Dr. Lidia Zessin-Jurek ist über diesen Link abrufbar.

Cover KochDer Eisenacher Pfarrerssohn Christian J. Th. Koch hatte trotz bester Noten kein Abitur machen dürfen. Er sah in der DDR für sich keine Entfaltungsmöglichkeiten mehr. Aufgrund der Sippenhaft nach dem Fluchtversuch seines großen Bruders hatte er entschieden, nur mit seinem kleinen Bruder die Flucht aus der DDR zu starten. Am 19. Mai 1977 war es so weit.

In seinem Buch „Ohne Lüge Leben“ (erschienen 2014 im Verlag KOMPLETT-MEDIA München) schreibt Koch eindrücklich über seinen Fluchtversuch, die Inhaftierung, Verurteilung, Freikauf und schließlich die Ausreise:

„Flucht § 213. Eisenach / Thüringen 19. Mai 1977 'Hey Bruder, trink aus, dann gehen wir.' Gestern Abend schenkte ich mit diesen Worten meinem jüngeren Bruder Maximilian ein 50-Liter-Fäßchen Wartburg-Bier zu seinem 18. Geburtstag. Er wußte sofort, was gemeint war. Und bis zum Morgen hatten er und seine Kumpels es auf seiner Geburtstagsfete geleert.
Zu zweit fliehen galt bereits als Gruppe…“
Spannend ist, wie Demütigungen und Folter während der Haft als Befreiung und Erwachsenwerden beschrieben werden.

„Die Rose im Hof bekam Blätter und dann mehrere Blüten. Wenn Blicke Dünger wären, sie wäre haushoch über alle Knastmauern hinausgewachsen.“

„Der Spagat zwischen Elternhaus und Schule, er ist zu Ende. Sie nannten es Loyalitätskonflikt. Ich muß nicht ständig mein Elternhaus gegen Anfeindungen verteidigen, muß nun nicht mehr blind Partei ergreifen. Aber warum denke ich das „muß“ – es war keine Pflicht, es war mehr das Verteidigen, wie aus einer Wagenburg heraus, die ich jetzt verlasse. Ich bin davon frei geworden…
Aber aber, schön langsam denken, Schablone wegtun: ich hatte doch keinen Loyalitätskonflikt! Bin nur aus meiner Wagenburg herausgetreten.“ […] „So diskutieren wir, aber eigentlich reden wir einander gut zu und trösten uns über das schlechte Gewissen hinweg, ob wir nicht doch hätten bleiben müssen.
Haben wir das Recht zu verschwinden. Müssen nicht die Sehenden den Blinden helfen? Das Gespräch schläft ein.“

Koch Entlassungsschein Neu

Der Text erinnert mehrfach an den Roman „Schillergruft“ von Jürgen K. Hultenreich, der in Form eines Schelmenromans gegen den Wahnsinn anschrieb. Christian Koch schreibt auch gegen den Terror an, doch eher auf dem Weg der absurden Selbsterkenntnis als im Gestus eines Schelms: „Du mußt dem Wahnsinn mit Wahnsinn begegnen, das hebt sich dann auf.“ „Ja, mir kam die Idee, man müsse mit einer Arche-Noah das Universum verlassen, bevor es wieder anfängt, in sich zusammenzufallen und zu einem anderen Universum hin fliegen.“

Der Bericht endet mit der Fahrt über die Autobahn – am heimatlichen Eisenach vorbei und durch „das Ende meiner Welt": „Wie von außerhalb, wie in Trance, wie von ganz weit oben, sehe ich mich neben meinem kleinen Bruder sitzen und wir hauen uns ununterbrochen gegenseitig, wie die Wilden, wie irre gewordene Wahnsinnige, auf die Schenkel. Drei Ringe trage ich um meine Brust, sie schmerzen nicht, sie drücken nicht, es ist gerade nur so, daß ich spüre, sie sind da. Mein Leben ist offen und weit. Ich kann jetzt aufstehen, aussteigen und tun, was immer ich tun möchte.“

Veranstaltung im Rahmen der Langen Nacht der Museen in Erfurt 

Stoetzer200911Die alternative Künstlerszene in der DDR rang um kreative Freiräume jenseits der staatlichen Kunstvorstellung. Die private "Galerie im Flur" am Erfurter Anger stellte 1981 Bilder des Malers Werner Schubert-Deister aus. Die Stasi bekämpfte die unangepasste "illegale" Kunst in den Räumen und ließ die Galerie schließen. Die Werke des widerständigen und bedeutenden Künstlers Schubert-Deister werden nun in den Räumen des Stasi-Unterlagen-Archivs in Erfurt ausgestellt. Das Beispiel der Erfurter "Galerie im Flur" zeigt, wie die Stasi gegen die nicht konforme Kunst vorging.

Wolfgang Brunner (Leiter der BStU-Außenstelle) und die Zeitzeugin und damalige Kuratorin Gabriele Stötzer (ehem. Kachold) gehen anhand von Aktenauszügen auf das Leben des Malers ein. Beide werden den Einfluss der Stasi thematisieren. Gabriele Stötzer trägt zudem eigene Texte zu intuitiver Musik vor, u. a. einen Dada-Text aus den Stasi-Akten zur Galerie. Das Duo "Klang-Zeichen" (Michael von Hintzenstern und Daniel Hoffmann) sowie die Sopranistin Norico Kimura begleiten sie.

Wann: Freitag, 19. Mai 2017, 18.00 - 00.00 Uhr

Wo: BStU, Außenstelle Erfurt, Petersberg Haus 19, 99084 Erfurt

Programm: 
ab 18:00 Uhr: Archivführungen
19:00 Uhr: Vernissage
ab 21:00 Uhr: Livemusik im Freien mit Torsten Hollstein

Veranstalter ist die Stadtverwaltung Erfurt, Kulturdirektion. Mitveranstalter sind BStU, Außenstelle Erfurt, Galerie Grahn, Landesbeauftragter des Freistaats Thüringen zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, Verein "Gegen Vergessen - für Demokratie e. V.", Herrschaft´s Gaststätte & Catering

Felice Fey beleuchtet in der Zeitschrift des Forschungsverbunds SED-Staat mit dem Schwerpunkt „Staatskunst“ (ZdF 39/2016) in einem Essay Erfurter Künstler, die sich der Staatskunst verweigerten und vor dem Mauerbau aus der DDR flohen. Im Mittelpunkt steht der Maler und Autodidakt Jean Paul Hogère (geb. 1937 in Erfurt), der 1959 denunziert und inhaftiert wurde. Zu einem Jahr Haft verurteilt, musste er im Steinbruch bei Schellroda/Weimar arbeiten. Nach seiner Haftentlassung wurde ihm jede künstlerische Betätigung verboten. Er floh daraufhin in die Bundesrepublik. Seine Werke sandten ihm die damaligen Direktoren des Angermuseums Erfurt, Herbert Kunze und Karl Römpler, aufgeteilt über Jahre nach. 
Mit freundlicher Genehmigung von Felice Fey und der Zeitschrift des Forschungsverbunds SED-Staat ist der Essay zu Jean Paul Hogère ab sofort über diesen Link zu lesen

Mit Stand vom 31. März 2017 hat das Thüringer Ministerium für Bildung, Jugend und Sport neue Richtlinien und Fördermöglichkeiten zur Kostenerstattung für Fahrten zu Gedenkstätten und weiteren Orten im Rahmen von Maßnahmen des Lernens am anderen Ort in Thüringen veröffentlicht. Die Kostenerstattung umfasst Fahrten zu Thüringer Gedenkstätten und Erinnerungsorten der Opfer der deutschen Diktaturen im 20. Jahrhundert für Schüler und Schülerinnen ab Klassenstufe 7 von allgemein bildenden und berufsbildenden staatlichen Schulen sowie Schulen in freier Trägerschaft.

Hinweise, Informationen zur Antragstellung, Abrechnung und Kostenerstattung sowie die entsprechenden Formulare sind hier auf thueringen.de abrufbar. 

Bundesarchiv Bild 183 T0306 0025Christina Schultheiß ist vor einem Jahr am 25. März 2016 im Alter von 97 Jahren verstorben. Für viele war sie zu DDR-Zeiten die „Mutter Courage von Thüringen“. Unter anderem nahm sie am 6. März 1978 beim Spitzengespräch zwischen Kirche und Staat teil. (Siehe Foto, Christina Schultheiß 5. von rechts. CC BY-SA 3.0, Bundesarchiv Bild 183-T0306-0025, Berlin, Empfang Kirchenleitung bei Honecker). Bei diesem Gespräch verweis die Leiterin eines Straßenbauamtes auf die verbreitete Christenfeindschaft in der DDR-Gesellschaft. Sie sagte aber auch: „Christen sind keine besseren Menschen, aber sie haben es besser, wenn sie aus der Kraft des Glaubens leben." 
Lesen Sie mehr über Christina Schultheiß hier auf Ostthüringer Zeitung Online

IMG 2087 Zuschnitt WebHeute hat der Landesbeauftragte Christian Dietrich den Tätigkeitsbericht der Jahre 2015 und 2016 im Thüringer Landtag an den Präsidenten des Thüringer Landtags, Christian Carius, übergeben und im Rahmen einer Pressekonferenz über die Arbeit der Behörde in den vergangenen zwei Jahren informiert. 

Der Tätigkeitsfokus des Landesbeauftragten lag wie in den Jahren zuvor in der Beratung. Christian Dietrich ging zentral auf folgende Fragen ein: Wie hat sich die Beratungssituation ehemaliger politisch Verfolgter entwickelt? Wie entwickelt sich die Rechtslage der Betroffenen?
Der Landesbeauftragte dazu:  „Die Zeitzeugen der frühen Jahre der DDR werden weniger. Jetzt werden die Leiden der späteren DDR-Generationen in den Beratungen präsenter. Der Gesetzgeber hat die Rehabilitierungen bis Ende 2019 befristet. Ein Schlussstrich ist unserem Land unwürdig. In Thüringen leben statistisch gesehen besonders viele Opfer der SED-Herrschaft. Entsprechend hoch sind die Entschädigungsleistungen und Hilfen, die ausgezahlt werden. Allein für die Opferrente in Thüringen wurde im vergangenen Jahr über 18 Millionen € gezahlt. Der Bedarf nach Beratung, Aufklärung und Hilfe ist groß. In der letzten Zeit wurde die Würdigung derer, die wegen ihrer Religion in der DDR verfolgt wurden, zur Herausforderung für den Freistaat.“

IMG 2098 Zuschnitt WebIm Zuge der Pressekonferenz erläuterte der Landesbeauftragte auch die eigene Bildungsarbeit in Kooperation mit Bildungsträgern und in eigener Verantwortung. Im Berichtszeitraum hat die Behörde über 70 Veranstaltungen im Bereich der Erwachsenenbildung in Form von Vorträgen, Podiumsdiskussionen oder Buchlesungen sowie 60 Veranstaltungen mit Schulen und anderen Bildungsträgern durchgeführt. 
Auch auf die erfolgreiche Nutzung der Neuen Medien im Berichtszeitraum verwies Dietrich. Mit über 700 Posts zu Veranstaltungen, aktuellen Debatten und historisch relevanten Diskursen zeigt die Webseite des ThLA eine hohe Dynamik und einen erheblichen Informationsmehrwert für die Zielgruppe. Der Landesbeauftragte beteiligt sich an der politischen Bildung in Thüringen maßgeblich über die neuen Medien. Eine besondere Bedeutung erlangte in diesem Zusammenhang eine interaktive Karte, die von Zwangsaussiedlungen betroffene Orte anzeigt und Hinweise auf die Gedenkkultur liefert. Die Karte ist in die Webseite des Landesbeauftragten eingebettet. Nahezu 22.000 Personen haben diese bereits aufgerufen. Ebenso verzeichnet die Facebook-Seite des Landesbeauftragten ein stetiges Wachstum, mittlerweile gefällt über 400 Personen die Seite des Landesbeauftragten auf Facebook. Über einen neu eingerichteten YouTube-Kanal sollen noch mehr interessierte Menschen erreicht werden: Zukünftig werden die Veranstaltungen des Landesbeauftragten auch durch Videoaufnahmen begleitet. 

Den Tätigkeitsbericht des Landesbeauftragten finden Sie hier. 

Zugleich hat der Landesbeauftragte den Tätigkeitsbericht der Beratungsinitiative SED-UNRECHT für das Jahr 2016 veröffentlicht. Schwerpunkte der Beratungstätigkeit in 2016 waren, wie auch schon in den Vorjahren, weiterhin die Anfragen zu allen Formen der Rehabilitierung und den sich anschließenden Verfahren zur Beantragung von sozialen Ausgleichsleistungen. Die Beratungsinitiative arbeitet im Auftrag des Landesbeauftragten und unterstützt die Behörde in oben genannten Tätigkeitsfeld. Den Tätigkeitsbericht der Beratungsinititative können Sie hier einsehen. 

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Interaktive Karte
Zwangsaussiedlungen in Thüringen

Diese interaktive Karte zeigt über 200 Orte in Thüringen, die von Zwangsaussiedlungen betroffen waren. Klicken Sie auf die Markierungen, um mehr zu erfahren. 

Legende: 
Gelb: Zwangsaussiedlungen 1952
Orange: Zwangsaussiedlungen 1961
Rot: Zwangsaussiedlungen in mehreren Jahren

Cover Bericht

Kontakt

Der Landesbeauftragte des Freistaats Thüringen zur Aufarbeitung der SED-Diktatur (ThLA)

Postfach 90 04 55 | 99107 Erfurt

Tel.: 0361 57 3114-951
Fax: 0361 57 3114-952
E-Mail:  info@thla.thueringen.de

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Bundesstiftung Aufarbeitung

Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur
Die Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur trägt zur umfassenden Aufarbeitung von Ursachen, Geschichte und Folgen der Diktatur in der SBZ und in der DDR bei.

www.bundesstiftung-aufarbeitung.de

der bundesbeauftragte

Der Bundesbeauftragte
für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik

www.BStU.bund.de

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