Sonntag, 18.Februar 2018

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Am Freitag, den 16. Februar 2018 findet um 18:00 Uhr in der Erfurter Gedenk- und Bildungsstätte Andreasstraße (Andreasstraße 37a, 99084 Erfurt) ein Veranstaltungsabend im Gedenken an Alexander Kobylinski statt.

WebDer gebürtige Erfurter und Pfarrerssohn erhielt 1983 wegen seiner systemkritischen Abiturrede keinen Studienplatz. Nach einer Flugblattaktion wurde er 1984 zu zwei Jahren Haft verurteilt und ein Jahr später von der Bundesregierung freigekauft. Nun konnte Kobylinski studieren, wurde Journalist und war unter anderem für das Fernsehmagazin Kontraste tätig. Zuletzt veröffentlichte er die Biografie „Der verratene Verräter: Wolfgang Schnur: Bürgerrechtsanwalt und Spitzenspitzel“ und produzierte den Film „IM Dienst der Stasi - Der Fall Wolfgang Schnur“. Kobylinski lebte in Berlin und verstarb im vergangenen Jahr.
In den Veröffentlichungen porträtierte Kobylinski seinen Anwalt Wolfgang Schnur, der zu den wenigen politischen Anwälten in der DDR gehörte, die Mandate für Bürgerrechtler und Wehrdienstverweigerer übernahmen. Nach der friedlichen Revolution wurde Schnur schon als künftiger DDR-Ministerpräsident gehandelt – bis kurz vor den Volkskammerwahlen im März 1990 bekannt wurde, dass Schnur seit den 1960er Jahren für die Stasi tätig war.

Nach einem Grußwort von Dr. Jochen Voit (Leiter der Gedenk- und Bildungsstätte Andreasstraße) liest Holm Kirsten (wissenschaftlicher Mitarbeiter der Gedenkstätte Buchenwald) aus der Publikation „Macht aus dem Staat Gurkensalat“. Kirsten war ein Jugendfreund von Kobylinski, der seinerzeit im Vorfeld des Nationalfeiertags der DDR im Oktober 1983 mit Graffitis wie „Wehr Dich“, „Schlag zurück“ und „Macht aus dem Staat Gurkensalat“ gegen das SED-Regime protestierte und schließlich zu fünf Monaten Haft verurteilt wurde.
Dr. Matthias Wanitschke (Referent beim Thüringer Landesbeauftragten) skizziert anschließend die Entwicklung des Weimarer Jugendwiderstandes der 1980er Jahre am Beispiel von Alexander Kobylinski. Darauf wird der Film „IM Dienst der Stasi - Der Fall Wolfgang Schnur“ gezeigt. Beendet wird dieser Teil des Abends mit einer Gedenkminute, die Dr. Ehrhart Neubert (Theologe und Politologe, Seelsorger der Weimarer Opposition um 1985) einleitet.

Gemeinsam mit der Stiftung Ettersberg laden wir herzlich zu der Gedenkveranstaltung mit anschließendem Empfang am 16. Februar 2018 um 18:00 Uhr in die Erfurter Gedenk- und Bildungsstätte Andreasstraße ein.

Im September 2016 erklärte Minister Benjamin-Immanuel Hoff, dass die Diskriminierung von Christen unter der SED-Diktatur ein Thema der Aufarbeitung sei. Er sagte in der Aula der Friedrich-Schiler-Universität: "Auch wir als Partei DIE LINKE haben zur Diskriminierung von Christen unter der SED-Diktatur noch nicht laut genug gesprochen. Es ist Zeit, dies zu tun. Ich bin froh, dass meine römisch-katholisch getauften Kinder heute im weltanschaulich besten Sinne des Wortes nach ihrer Fasson ihr Leben eigenständig gestalten können. Dies konnten Christinnen und Christen unter der SED-Diktatur nicht. Daran müssen wir erinnern. Dies darf sich nicht wiederholen – für keinen Angehörigen einer Religion oder Weltanschauungsgemeinschaft."

Im Juni 2017 wurde im Thüringer Landtag mündlich angefragt, warum die Rede nicht von der Staatskanzlei veröffentlicht wurde (TLT-Drs. 6/4079 und TLT-Protokoll vom 23.06.2017). Nun ist diese auf der Webseite der Thüringer Staatskanzlei zu finden: http://thueringen.de/mam/th1/tsk/Aufarbeitung_SED_Diktatur/2016_09_17_gw_min_landesgeschichtstag_christen_sed.pdf

Im Rahmen der Besuchertage in der ehemaligen Erfurter SED-Zentrale hielt Dr. Anke Geier, wissenschaftliche Mitarbeiterin beim ThLA, einen spannenden Vortrag zum Thema „Der Vorbeugekomplex des MfS in Thüringen“. Darin stellte die Historikerin jene Maßnahme der Staatssicherheit vor, die im Falle der Mobilmachung und der Herstellung des Verteidigungszustandes der DDR ergriffen worden wäre. Genauer ging Dr. Geier dabei auf die Isolierung von DDR-Bürgern durch das Ministerium für Staatssicherheit in sogenannten Isolierungsobjekten ein. Die Isolierung des vermeintlichen Gegners war ein Teilbereich im sogenannten Vorbeugekomplex des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS). Der Vorbeugekomplex wiederum war in die gesamtstaatliche Mobilmachungsarbeit des Nationalen Verteidigungsrates eingebettet. Mit Vorbeugemaßnahmen bereitete sich das SED-Regime auf einen Krieg, aber auch auf eine innere Krisensituation vor.
Seit dem Volksaufstand des 17. Juni 1953 befürchteten die Staatspartei SED und die Staatssicherheit der DDR neuerliche Volksaufstände. Den Aufruhr der eigenen Bevölkerung in inneren Spannungsperioden, aber auch während des Verteidigungszustandes der DDR, sollten detailliert ausgearbeitete Vorbeugemaßnahmen verhindern, die durch die Staatssicherheit ergriffen worden wären. Eine Vorbeugemaßnahme des MfS hätte daher am sogenannten „Tag X“ darin bestanden, missliebige Bürger rasch in bestimmten Objekten bzw. Lagern vom Rest der Bevölkerung zu isolieren. Hierzu arbeitete die Staatssicherheit seit den 1960er Jahren detaillierte Pläne aus.

Wie diese Pläne konkret aussahen, lesen Sie hier im vollständigen Vortrag von Dr. Anke Geier.

„Wende: Wandel, Wundetüte?“ so heißt die aktuelle Veranstaltungsreihe der Gedenkstätte Amthordurchgang e.V. Von Januar bis Mai 2018 sind Interessierte herzlich eingeladen, sich an die Umbruchjahre Ende der 80er – Anfang der 90er Jahre zu erinnern und deren Folgen zu erörtern.
Auftakt der Veranstaltungsreihe ist die Buchvorstellung „Die Unheimliche Leichtigkeit der Revolution“ von Peter Wensiersky am 25. Januar 2018, um 18 Uhr in der Gedenkstätte Amthordurchgang. Der Autor liest und spricht über sein Buch, dessen Protagonisten einer Gruppe junger Leipziger angehörten, die 1989 ihre Angst überwanden und gegen den Willkürstaat DDR aufbegehrten.

Am 8. März 2018 folgt um 18 Uhr die Podiumsdiskussion "Todesstreifen und Naturrefugium - Von der innerdeutschen Grenze zum Naturmonument (?)". Dann stehen die Veränderungen und Entwicklungen des ehemaligen innerdeutschen Grenzstreifens im Fokus. Aktuell wird darüber diskutiert, ob dieser zum Nationalen Naturmonument erklärt werden soll. Ein ehrbares Ziel, doch welche Folgen hat das für die Erinnerungs- und Aufarbeitungskultur vor Ort, beispielsweise für die Grenzlandmuseen? Mira Keune (Geschäftsführerin des Grenzlandmuseum Eichsfeld), Beate Schrader (Leiterin der Geschäftsstelle der Stiftung Naturschutz Thüringen) und Lothar Wandt (Zeitzeuge aus dem Eichsfeld) sind an diesem Abend unsere Podiumsgäste.

Gemeinsam mit Bianca Ely wollen wir am 19. April 2018, um 18 Uhr einen Blick zurückwerfen. Sie stellt als eine Mitherausgeberin das Buch "Wie war das für euch? Die dritte Generation Ost im Gespräch mit Ihren Eltern" vor. Die Generation, die im Kindes- oder Jugendalter war als die Mauer fiel, fragt darin ihre Eltern, welche Erfahrungen sie in der DDR gemacht haben und wie es für sie nach der Wende weiterging.
Am 31. Mai 2018 liest Jana Hensel in der Stadtbibliothek Gera aus ihrem Buch „Keinland“. Ein Buch „über Schuld, Erinnerung, Herkunft und Grenzen“ (Wallstein Verlag). Und ein Liebesroman über ein Paar, deren Beziehung geprägt ist von ihrer individuellen Vergangenheit, die sich immer wieder zwischen die Beiden schiebt.

Die Veranstaltungsreihe findet in Kooperation mit dem Thüringer Landesbeauftragten zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, der Heinrich-Böll-Stiftung und der Konrad-Adenauer-Stiftung statt. Sie wird unterstützt von der Stadt- und Regionalbibliothek Gera und der Stiftung Naturschutz Thüringen.

26906999 2084958271791105 7560092832090635949 nDr. Peter Schicketanz, Förderer der Wehrdienstverweigerer in der DDR, ist am 17. Januar verstorben.

Der kluge Theologe, weitsichtige Kirchenbeamte, Pädagoge und Kirchenhistoriker hat in der Evangelischen Kirche der Kirchenprovinz Sachsen und beim Bund der Evangelischen Kirchen in der DDR die Ausbildung und Weiterbildung von kirchlichen Mitarbeitern verantwortet. Die Begleitung der Wehrdienstverweigerer in der DDR war eines seiner herausragenden Themen. 1965 formulierte er die Handreichung der evangelischen Kirchen zur Seelsorge an Wehrpflichtigen mit; er baute das Netzwerk der Begleitung von Wehrdienstverweigern mit Unterstützung seines Bischof Johannes Jänicke DDR-weit auf. In der Handreichung hieß es: "Es wird nicht gesagt werden können, dass das Friedenszeugnis der Kirche in allen drei der heute in der DDR gefällten Entscheidungen junger Christen in gleicher Deutlichkeit Gestalt angenommen hat. Vielmehr geben die Verweigerer, die im Straflager für ihren Gehorsam mit persönlichem Freiheitsverlust leidend bezahlen und auch die Bausoldaten, welche die Last nicht abreißender Gewissensfragen und Situationsentscheidungen übernehmen, ein deutlicheres Zeugnis des gegenwärtigen Friedensgebots unseres Herrn. Aus ihrem Tun redet die Freiheit der Christen von politischen Zwängen."

Wenig später veröffentlichte er eine Reflexion zur Bedeutung des Pietismus für Gemeinden in der DDR. Als immer mehr Gemeindeglieder die DDR verlassen wollten und Oskar Brüsewitz die Verfolgung der jungen Christen anklagte, forderte Peter Schicketanz auf Gemeindeseminaren die "Durchbrechung der gegenwärtigen Machtverhältnisse mit Hilfe des gesunden Menschenverstandes, mit Kaltschnäuzigkeit, guten Nerven und Gewaltlosigkeit". Auf dem Bausoldatenkongress 2014 würdigte er noch einmal die Totalverweigerer, ohne die es wohl nie zur Bausoldatenreglung gekommen wäre. Gemeinsam mit Bernd Eisenfeld verfasste er die "Monografie Bausoldaten in der DDR: Die »Zusammenführung feindlich-negativer Kräfte« in der NVA" (2012). Er hat die Ausbildung für Gemeindepädagogen in Potsdam mitkonzipiert und 1979 bis 1996 geleitet. Seine Schüler und Freunde vermissen ihn, seiner Kirche wird er fehlen. Der Leiter des gemeinnützigen Vereins „Escola popular“ Hans-Jürgen Neumann schreibt: „Peter Schicketanz habe ich mit zu verdanken, dass ich als Wehrdiensttotalverweigerer studieren konnte und vor allem eine Motivation dafür bekam. Sein pädagogisches Lehr- und Unterrichtsverständnis begleitet mich bis heute.“

Buchvorstellung und Vortrag mit Peter Wensierski am 25. Januar in Gera über eine Gruppe junger Leipziger, die 1989 die Rebellion in der DDR wagte

Fotocredits Archiv Buergerbewegung Leipzig e.V. Armin Wiech WebDer Schriftsteller, Journalist und Dokumentarfilmer Peter Wensierski präsentiert am Donnerstag, den 25. Januar um 18:00 Uhr in der Gedenkstätte Amthordurchgang (Amthordurchgang 9, 07545 Gera) sein aktuelles Sachbuch „Die unheimliche Leichtigkeit der Revolution“. Darin beschreibt Wensierski, „wie eine Gruppe junger Leipziger die Rebellion in der DDR wagte“ und mit den ersten Montagsdemonstrationen maßgeblich zur Friedlichen Revolution 1989 beitrug.
Wensierski, geboren 1954 im Ruhrgebiet, begann 1979 seine Arbeit als Journalist mit Berichten und Reportagen aus der DDR. Er war damals der jüngste westliche Reisekorrespondent. Als Dokumentarfilmer, Reporter und Buchautor berichtete er dort über die aufkommende Oppositionsbewegung. Seine Erfahrungen und Erlebnisse von damals beschreibt der Autor nunmehr in seiner aktuellen Publikation; und zeigt dabei in einer Nahaufnahme, wie sich couragierte junge Menschen in Leipzig zusammenschlossen, um für Freiheit und Demokratie zu kämpfen.

Christian Dietrich, Thüringer Landesbeauftragter zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, gehörte zu jenen, die bei der verbotenen Montagsdemonstration am 4. September 1989 in Leipzig in der ersten Reihe liefen (Siehe Foto, Mitte).

Am 4. Januar 2018 verstarb Herbert Sander. Der Thüringer Maler und Grafiker schuf das Symbol der kirchlichen Friedensbewegung "Schwerter zu Pflugscharen" nach einer Plastik, die die Sowjetunion 1959 den Vereinten Nationen geschenkt hatte und deren Foto in den DDR-Jugendweihe-Büchern verwendet wurde. Als Aufnäher war die Grafik in den 1980er Jahren das Symbol der unabhängigen Friedensbewegung in der DDR. 

Schwerter

Herbert Sander wurde am 28.10.1938 in Nordhausen geboren. Nach einem Studium der Grafik und Malerei an der Fachhochschule Berlin-Potsdam war er bis 1965 im Filmstudio der DEFA tätig. Seit 1967 war er freischaffender Maler, Fotograf und Grafiker und lebte in Kleinmachnow. Auch in Thüringen war er mit Einzelausstellungen präsent. In den letzten Jahren dokumentierte er mehr als 60 jüdische Friedhöfe in Brandenburg.
Sein antimilitaristisches Symbol ließ die evangelische Kirche in der DDR auf Stoff-Flies drucken. Eine staatliche Druckgenehmigung wurde dafür nicht benötigt. Als Jugendliche begannen das Symbol als Aufnäher zu tragen, wurde das schließlich polizeilich verfolgt. Aus der Bildidee erwuchs eine politische Kraft, sie wurde Symbol der Kritik an der Militarisierung in der DDR und der Autonomie- und Friedenssehnsucht vieler DDR-Bürger. Das Symbol wirkt über seinen Tod hinaus.

Nachtrag 13.01.2018:
Nachtrag bzgl. der Meldungen des mdr, den Dresdner Neuesten Nachrichten und anderen Medien am 10./11.1.2018 unter der Überschrift: "Der Schöpfer der Grafik "Schwerter zu Pflugscharen" ist tot."

Die Konferenz der Landesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR, zur Aufarbeitung der SED-Diktatur und der Folgen der kommunistischen Diktatur haben sich in ihrer ersten Sitzung in diesem Jahr nachdrücklich dafür ausgesprochen, die Erschließung der Stasi-Akten mit allen zur Verfügung stehenden Möglichkeiten weiter voranzubringen. Dazu gehört besonders auch die Rekonstruktion der Akten, die das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) 1989 und 1990 versuchte zu vernichten, um seine Machenschaften zu vertuschen.
Das zur Rekonstruktion dieser Akten eigens vom Fraunhofer-Institut entwickelte Verfahren sollte weiter genutzt und der noch zu langsame Scanner sollte technologisch optimiert werden. Die vom Bundestag 2015 dafür beschlossenen Mittel von zwei Millionen Euro sind schnellstmöglich freizugeben.
Zur Aufarbeitung der Tätigkeit des Ministeriums für Staatssicherheit ist die technologisch gestützte Rekonstruktion der Akten wichtig. In den letzten Jahren sind damit wichtige Erkenntnisse über die Tätigkeit der Staatssicherheit u.a. in der Bundesrepublik, das Staatsdoping und über Personen des öffentlichen Lebens gewonnen worden. Dieser Weg sollte weiter beschritten werden.

Tom Sello, Beauftragter zur Aufarbeitung der SED-Diktatur des Landes Berlin
Dr. Maria Nooke, Beauftragte des Landes Brandenburg zur Aufarbeitung der Folgen der kommunistischen Diktatur
Anne Drescher, Landesbeauftragte für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR in Mecklenburg-Vorpommern
Lutz Rathenow, Sächsischer Landesbeauftragter zur Aufarbeitung der SED-Diktatur
Birgit Neumann-Becker, Beauftragte des Landes Sachsen-Anhalt zur Aufarbeitung der SED-Diktatur
Christian Dietrich, Landesbeauftragter des Freistaats Thüringen zur Aufarbeitung der SED-Diktatur

Zum Hintergrund: Anfang dieses Jahres meldete die dpa, dass die Rekonstruktion der vorvernichteten Stasi-Akten (15.000 Säcke) vorerst gestoppt sei. Mehr dazu finden Sie hier auf faz.net
Weitere Informationen zur Rekonstruktion der Stasi-Akten gibt es hier auf der Webseite des Bundesbeauftragten.

 

Der Student Hartmut Rosinger glaubt in der DDR an den sozialistischen Weg und versucht, Gleichaltrige der Evangelischen Studentengemeinde (ESG) vom Marxismus zu überzeugen. Nicht nur das - er lässt er sich zudem von der Stasi als IM "Hans Kramer" anwerben und berichtet über ESG-Veranstaltungen. Dabei trifft er auf Peter Wulkau, der als Philosophie-Student exmatrikuliert wurde, weil er zu viele Fragen gestellt hat, aber weiter öffentlich seine Meinung äußert. Hartmut Rosinger wird von der Stasi auf den aufmüpfigen Marxisten angesetzt. Er soll sich näher mit dem "Feind" anfreunden und berichtet fortan auftragsgemäß über seinen Freund, der an den Sozialismus des „Prager Frühlings“ glaubt und einen Roman über den tristen „Realsozialismus“ verfasst - mit fatalen Folgen. Die SED-Justiz verurteilt ihn aufgrund seines Manuskripts wegen „Staatsfeindlicher Hetze“ zu 4 Jahren und 6 Monaten Haft. 

Der Film „Feindberührung“ zeigt, wie die Leben von Peter Wulkau und Hartmut Rosinger durch den Stasi-Apparat aus den Fugen geraten. Die Akten der Staatssicherheit von damals und die emotionale Begegnung der beiden Männer heute fügen sich in diesem Dokumentarfilm von der Regisseurin Heike Bachelier zu einer Geschichte über Freundschaft und Verrat, Hoffnung und Enttäuschung, Schuld und Vergebung.
Im Zuge der Abendveranstaltung wird die 90-minütige Dokumentation gezeigt. Im Anschluss daran hat das Publikum die Möglichkeit mit Hartmut Rosinger ins Gespräch zu kommen. Die Moderation übernimmt Dr. Matthias Wanitschke, Referent beim Landesbeauftragten des Freistaats Thüringen zur Aufarbeitung der SED-Diktatur.

Die Point Alpha Stiftung zeigt den Dokumentarfilm in Kooperation mit dem Landesbeauftragten des Freistaats Thüringen zur Aufarbeitung der SED Diktatur am 17. Januar um 18.00 Uhr im Haus auf der Grenze der Gedenkstätte Point Alpha (Platz der Deutschen Einheit 1, 36419 Geisa).

WeihachtsbaumDer Landesbeauftragte und sein Team in Suhl, Gera und Erfurt wünschen allen ein frohes Weihnachtsfest und einen guten Start ins neue Jahr; wir beschließen 2017 mit dieser "Weihnachtsgeschichte":

Seit wenigen Wochen ist das Paulinum in Leipzig öffentlich zugänglich. Es wurde an Stelle der mittelalterlichen Universitätskirche errichtet, die 1968 abgerissen wurde. Dr. Dietrich Koch protestierte im Mai 1968 vor der Kirche gegen die Sprengung der Leipziger Paulinerkirche. Er wurde festgenommen und von seinem Arbeitgeber, der Akademie der Wissenschaften, fristlos entlassen. Wenige Wochen später konstruierte er gemeinsam mit seinem Bruder Eckhard einen Mechanismus, mit dessen Hilfe während der Abschlussveranstaltung des Internationalen Bachwettbewerbes in der Leipziger Kongresshalle ein Plakat mit der Forderung nach dem Wiederaufbau der Paulinerkirche entrollt wurde. Erst zwei Jahre später gelang es dem Staatssicherheitsdienst der DDR, die Täter festzustellen. Dietrich Koch wurde inhaftiert und erzählt folgende "Weihnachtsgeschichte" über seine Untersuchungshaft:
„Wenn Sie endlich einmal bereit sind, von sich aus wahrheitsgemäß auszusagen, melden Sie sich morgens beim Posten zum Vernehmer“, hatte mir der Leutnant gesagt. Am 24. Dezember 1970 war es soweit.
Nach dem Wecken meldete ich mich beim Wachhabenden: „Zum Vernehmer.“ Als ich ins Vernehmungszimmer gebracht wurde, saß der Leutnant in freudiger Erwartung da:
„Herr Koch, Sie haben sich zum Vernehmer gemeldet? Sie haben mir etwas zu sagen?“
„Ja, ich habe Ihnen etwas sehr Wichtiges zu sagen: Es begab sich aber zu derselbigen Zeit, dass ein Gebot von dem Kaiser Augusto ausging, dass alle Welt...“ - Der Leutnant wurde unruhig, und ich kürzte: „Da machte sich auch auf Josef aus Galiläa ...“
„Koch, was soll das“, unterbrach er mich. „Warten Sie, Herr Leutnant, ich bin noch nicht fertig; das Wichtigste kommt noch“, setzte ich fort: „... mit Maria, seinem vertrauten Weibe, die war schwanger“ - erregt erhob sich der Leutnant etwas von seinem Stuhl, so dass ich noch einmal kürzte: „... und sie gebar ihren ersten Sohn und wickelte ihn in Windeln ...“
Der Leutnant brüllte: „Koch, Sie wollen mich wohl verarschen? Heute ist Heiligabend. Und gerade da lassen Sie mich wegen so was von zu Hause holen. Ich dachte, Sie wollten mir etwas Wichtiges sagen.“
„Aber das ist doch wichtig, auch für Sie“, erwiderte ich. „Das ist die frohe Weihnachtsbotschaft. Herr Leutnant, auch für Sie ist heute der Heiland geboren.“
Der Vernehmer guckte mich wie einen Irren an. Ich fuhr fort: „Jetzt weiß ich endlich, warum ich hier in Haft bin.“
„Wegen Ihrer Straftaten, das ist doch klar“, schrie der Leutnant.
„Mir war es nicht klar“, sagte ich, „weil ich keine Straftaten begangen habe. Jetzt weiß ich, dass ich allein deshalb hier bin, weil Gott mich Ihnen geschickt hat, um Ihnen heute die frohe Weihnachtsbotschaft zu verkünden.“
Ein Protokoll wurde nicht aufgenommen. Der Leutnant ließ mich in meine Zelle zurückbringen.
(Aus: Dietrich Koch: Das Verhör: Zerstörung und Widerstand, Hille-Verlag 2001, S. 291  /  Bildcredits: Malene Thyssen, http://commons.wikimedia.org/wiki/User:Malene, CC BY-SA 3.0)

Gerbergasse 18 Cover Heft 85Wie betrachten wir Filme, die selbst schon Teil der Geschichte geworden sind, etwa die Film- und Fernseh-Produktionen der DDR bis 1990? Was erwarten wir uns von verfilmter Geschichte und wie beeinflusst sie unsere Sichtweise auf historische Ereignisse? Das sind nur einige der Fragen, die das letzte Heft der Zeitschrift „Gerbergasse 18“ in diesem Jahr thematisiert. In den Titelbeiträgen wird die Geschichte im Film auf verschiedene Weise hinterfragt: Als Generationenporträt zwischen dem brandenburgischen Dorf Golzow und dem Berliner Kanzleramt („Die Kinder von Golzow“), anhand der DDR-Kriminalserie „Polizeiruf 110“, am Beispiel eines „Heimatfilms“ zwischen Thüringen und Japan („Sushi in Suhl“) sowie als verstörende Realität durch Archivfilme der bulgarischen Geheimpolizei DS.

Auch das übrige Heft ist gefüllt mit vielen spannenden Texten zur Zeitgeschichte. Unter anderem mit einer biografischen Spurensuche zur „Villa Hase“ in Jena, der gewaltsamen Umformung der sorbischen Gesellschaft zwischen 1948 und 1964 oder der vergessenen Geschichte der „Buchenwaldbahn“ zwischen Weimar und dem Ettersberg. Verlauf, Ausmaß und Folgen eines kaum bekannten Medizinskandals Ende der 1970er Jahre untersucht ein Beitrag von Medizinhistorikern der Universität Ulm. Wie auch in der Bundesrepublik Lebensläufe durch das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) negativ beeinflusst wurden, wird an einem Beispiel aus Gütersloh dargestellt. In den Rezensionen werden aktuelle Publikationen über die Rechtsanwälte in der DDR, die hauptamtlichen MfS-Mitarbeiter sowie Publikationen der Gedenk- und Bildungsstätte Andreasstraße in Erfurt besprochen.

Die neue Ausgabe ist ab sofort im Buchhandel und bei der Geschichtswerkstatt Jena erhältlich.
Die Zeitschrift „Gerbergasse 18“ wird auch im Jahr 2018 wieder mit vier Ausgaben erscheinen. Schwerpunkte werden dann das Epochenjahr 1968, Machtinszenierungen, Sportsysteme und das aktuelle Thema Grenzen und Gewalt sein.

Pottiga Geier Web

Jüngst wurde in Pottiga zur Erinnerung an die Zwangsausgesiedelten des Ortes feierlich ein Gedenkstein eingeweiht, womit Thüringen um einen Gedenkort für die Opfer der SED-Diktatur reicher ist. In Pottiga und vielen anderen Thüringer Orten kam es im Juni 1952 und am 3. Oktober 1961 in Nacht-und-Nebel-Aktionen zu Zwangsaussiedlungen ins Landesinnere, wovon über 5.000 Personen aus dem Grenzgebiet betroffen waren.

Im Zuge der Veranstaltung hielt Dr. Anke Geier, wissenschaftliche Mitarbeiterin beim Landesbeauftragten, einen interessanten Vortrag zu den Verantwortungsstrukturen und Vorgängen der Zwangsaussiedlungen in Pottiga in den Jahren 1952 und 1961. In ihrem Vortrag setze Dr. Geier dabei den Schwerpunkt auf die Aussiedlungsaktion am 3. Oktober 1961. Deutlich wurde etwa die entscheidende Rolle der Staatspartei SED, die der maßgebliche Initiator der Aussiedlungsaktionen war. Außerdem wurde das Leben im Grenzgebiet und die Errichtung des sogenannten „Grenzregimes“ lebendig von der Historikerin beschrieben.

Ab sofort kann der vollständige Vortrag von Dr. Anke Geier über diesen Link abgerufen werden. 

Logo SED BI Web 20132002 wurde die Beratungsinitiative SED-Unrecht gegründet, um Menschen, die unter den Folgen der SED-Herrschaft leiden, zu unterstützen. Im Dezember feiert die Beratungsinitiative ihr 15-jähriges Bestehen. Träger sind das Bürgerkomitee Thüringen e.V. und der Caritasverband für das Bistum Erfurt. Die Fachaufsicht hat der Landesbeauftragte.
Aufgabe ist nicht nur die Unterstützung bei der Antragstellung und Geltendmachung von Ansprüchen auf Leistungen nach den SED-Unrechtsbereinigungsgesetzen. Die Beratungsinitiative unterstützt Hilfesuchende seit über einem Jahrzehnt dabei, im beratenden Gespräch nach Wegen des Umgangs mit der belastenden Vergangenheit zu suchen.
Dieses Jahr wurde mit einige Betroffene erstmals das Tagesseminar „Überlebt und dann? Vom Umgang mit Traumafolgestörungen“ veranstaltet.
Die Ausrichtung dieses Tagessseminars für Betroffene von SED-Unrecht und ihren Partnern bzw. Familienangehörigen war ein wichtiger Meilenstein für die Mitarbeiter in diesem Beratungsdienst.
Matthias Morawski, Leiter der Beratungsinitiative, sagte: „Wir haben uns über die Jahre immer als Lernende begriffen, die mit den Betroffenen unterwegs sind und damit sind wir noch nicht am Ende. Der hohe persönliche Einsatz der Teilnehmer/innen während der Veranstaltung, die Offenheit, die klaren Worte und der gegenseitige Respekt ließ diesen Tag gelingen. Das Ausmaß an innerer Stärke und Kraft, sich diesem Thema einen ganzen Tag lang zu stellen, war beeindruckend. Mit Thore Volquardsen vom IPSE-Projekt hatten wir einen Referenten und Menschen gewonnen, der diesen Prozess der Selbstwahrnehmung und -annahme bei uns allen mit Engagement, Klarheit, hoher fachlicher Kompetenz und einer ordentlichen Portion Humor gestaltet und begleitet hat.“
Anfang 2018 startet die dritte Selbsthilfegruppe für Menschen, deren Selbstwirksamkeit aufgrund traumatischer Erfahrungen mit staatlicher Gewalt in der DDR nachhaltig behindert ist. In der Selbsthilfegruppe wird ein beziehungsorientierter Weg der Beratung beschritten, was sich in vorherigen Tagesseminaren bereits als sinnvoll und gewinnbringend erwiesen hat. Weitere Informationen zu den Seminar und zu den Anmeldemöglichkeiten finden Sie hier
Gefördert wird die Beratungsinitiative von ihren Trägern, dem Freistaat Thüringen und der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur.

Im Auftrag des Landesbeauftragten lädt die Beratungsinitiative SED-Unrecht zur dritten Selbsterfahrungsgruppe für Menschen mit den unterschiedlichsten Erfahrungen von SED-Unrecht ein.
Die Teilnehmer/-innen können sich in einem geschützten und fachlich begleiteten Rahmen mit ihren biografischen Erfahrungen und Erlebnissen in der SED-Diktatur auseinandersetzen. Dabei werden sie selbst Handelnde und steuern eigenverantwortlich, wie und in welchem Maß ihr Anliegen mit Unterstützung der Gruppe und der Anleiter zum Thema wird.
Die Selbsterfahrungsgruppe legt ihren Fokus besonders auf die Förderung von zwischenmenschlichen Beziehungen bzw. (Selbst-) Vertrauen und die Steigerung der Selbstwirksamkeit gerade in Bezug auf eigene Erfahrungen mit dem SED-Unrecht.

 

Anmeldung für Vorgespräch bis zum 15. Januar 2018

Eine regelmäßige Teilnahme ist für ein gutes gemeinsames Arbeiten notwendig und wird von uns bei einer Entscheidung für die Gruppe erwartet. Interessierte melden Sie sich bitte zu einem Vorgespräch bei Robert Sommer unter folgender Telefonnummer bzw. E-Mailadresse an (Sprechzeiten: Dienstag 9.00 – 12.00 und 13.00 – 16.00 Uhr, Freitag 9.00 – 12.00 Uhr und nach Vereinbarung):
Telefon: 0361 78969752 oder 0176 70 51 34 62 / E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Die Eckdaten zur Selbsterfahrungsgruppe:

Zeit: 8 Termine, 16.30 – 19.00 Uhr
Beginn: 18. Januar 2018
Termine: angestrebt ist ein 14-tägiger Rhythmus
Leitung: Robert Sommer, Diplom-Sozialpädagoge, Psychodrama-Leiter
Co-Leitung: Bernd Seifert, Theologe, Systemischer Familientherapeut (SG), Psychodrama-Leiter
Ort: Marienstift, Hugo Aufderbeck Seminar, Raum Ehrenamtskolleg, Hopfengasse 8, 99084 Erfurt
Kosten: Die Teilnahme ist kostenfrei (für auswärtige Teilnehmer/-innen aus Thüringen kann ein Fahrtkostenzuschuss gewährt werden).
Teilnehmerzahl: 8-10 Teilnehmer/-innen

Bürgerberatung am 7. Dezember in der Erfurter Gedenkstätte Andreasstraße

Der Landesbeauftragte des Freistaats Thüringen zur Aufarbeitung der SED-Diktatur (ThLA) führt am Donnerstag, dem 7. Dezember, zwischen 12:00 und 18:00 Uhr in der Erfurter Gedenk- und Bildungsstätte Andreasstraße (Andreasstraße 37a) gemeinsam mit dem Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR (BStU) eine Außensprechstunde durch. Die Ansprechpartner für Interessierte und Betroffene sind Thomas Heinemann (ThLA) und Sylvia Lechner (BStU).

Thomas Heinemann berät vor Ort zu den SED-Unrechtsbereinigungsgesetzen, die zur Minderung der Folgen von SED-Unrecht durch den Deutschen Bundestag beschlossen wurden:

1. Strafrechtliches Rehabilitierungsgesetz (StrRehaG)
Ermöglicht die Aufhebung rechtsstaatswidriger Entscheidungen der DDR-Justiz (u. a. Passvergehen/ versuchte Republikflucht, Boykott- oder staatsfeindliche Hetze, Spionage, Wehrdienstverweigerung). Ebenso politisch motivierte Verurteilungen mit überzogenem Strafmaß oder die außerhalb eines Strafverfahrens erfolgte gerichtliche oder behördliche Entscheidung mit Anordnung zur Freiheitsentziehung, sofern diese der politischen Verfolgung oder sonstigen sachfremden Zwecken gedient hat. (Einweisung Psychiatrie oder Anordnung zur Unterbringung in einem Heim für Kinder oder Jugendliche).

2. Verwaltungsrechtliches Rehabilitierungsgesetz (VwRehaG)
Dient der Aufhebung von elementar rechtsstaatswidrigen Maßnahmen von DDR Organen, wenn die Maßnahmen zu einer gesundheitlichen Schädigung, einem Eingriff in Vermögenswerte oder einer beruflichen Benachteiligung geführt haben und die Folgen noch unmittelbar schwer und unzumutbar für den Betroffenen fortwirken.

3. Berufliches Rehabilitierungsgesetz (BerRehaG)
Knüpft mit dem Ziel eines Nachteilsausgleichs verfolgungsbedingter Eingriffe in Ausbildung oder Beruf an StrRehaG und VwRehaG an. Erfasst auch Maßnahmen des Betriebes oder staatlicher Organe (u. a. Nichtzulassung oder Exmatrikulation zu EOS oder Fach-/Hochschule, Kündigung oder Lohn- bzw. Gehaltsminderung, Entzug Gewerbeerlaubnis). Zielstellung dieser Rehabilitierungsgesetze ist es, Verfolgten einen Weg zu eröffnen, sich vom Makel persönlicher Diskriminierung zu befreien, einen Nachteilsausgleich in der Rente zu ermöglichen und soziale Ausgleichsleistungen (z. B. „Opferrente“) in Anspruch zu nehmen.

Sylvia Lechner (BStU) gibt Bürgerinnen und Bürgern außerdem die Möglichkeit zur Antragstellung auf Akteneinsicht. Auch Fragen rund um die persönliche Akteneinsicht, zu Wiederholungsanträgen, zur Decknamenentschlüsselung und über die Arbeit der Behörde werden gerne beantwortet.

pottigaThüringen hat einen neuen Gedenkort für die Zwangsausgesiedelten. Möglich wurde das durch die Kommune Pottiga und diverse Spender. Am vergangenen Samstag, just vor dem Volkstrauertag 2017, wurde der Gedenkstein im Pottigaer Ortszentrum (Schulstraße 4) eingeweiht. An der Einweihung durch Bürgermeister Wolfgang Sell und in Gegenwart der Präsidentin des Bundes der Zwangsausgesiedelten Marie-Luise Tröbs und des Landrats Thomas Fügmann nahmen Vertreter fast aller Thüringer Grenzgedenkstätten, viele Gäste und einige Einwohner Pottigas teil.

Der Landesbeauftragte Christian Dietrich sagte in seiner Rede u.a.: "Liebe Pottigaer, Sie markieren mit diesem Stein einen Verlust: Mitbürger, die deportiert wurden und nicht mehr hier leben durften. Schulfreunde, Nachbarn, Kollegen, vielleicht auch Verwandtschaft. Liebe Pottigaer, mit diesem Stein markieren Sie aber auch eine Scham. Die Deportationen wurden nicht verhindert, konnten nicht verhindert werden und dann wurden sie verschwiegen oder so lange gutgeredet, bis der Verlust gar als Gewinn interpretiert wurde. Ich glaube, nur dort, wo der Schmerz über die Verluste und über die Folgen der SED-Politik zuglassen wird, kann es auch Heilung geben. Ohne diese Trauer werden wir nicht zueinander kommen können. In der Trauer öffnet sich das Herz. Da sind wir verwundet und verwundbar. Ja, Trauer ist eine Ohnmachtserfahrung. Aber die Unfähigkeit zu trauern ist gepaart mit der Unfähigkeit zur Freiheit. Dem zu entgehen, haben sie diesen Stein gesetzt. Ich gratuliere Pottiga! Lassen sich Zeit! Geben Sie sich Raum für Beides: Trauer und Freiheit." (Die vollständige Rede finden Sie hier)

Frau Dr. Geier, wissenschaftliche Mitarbeiterin beim Landesbeauftragten, hielt im Anschluss einen Vortrag zu den Verantwortungsstrukturen und Vorgängen der Zwangsaussiedlungen in Pottiga 1952 und 1961. (Der Vortrag kann über diesen Link abgerufen werden.) Zudem wurde im vollbesetzten Saal der Film "Vertreibung 1961" (Hier abrufbar auf dem Youtube-Kanal der Point Alpha Stiftung) gezeigt.

Interessierte Bürgerinnen und Bürger können im Online-Diskussionsforum des Thüringer Landtags zum Gesetzentwurf der Landesregierung über das Nationale Naturmonument „Grünes Band Thüringen“ mitdiskutieren und alle relevanten Parlaments-Dokumente einsehen. 

Das Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG) ermöglicht die Ausweisung von Gebieten als „Nationales Naturmonument“, die aus „wissenschaftlichen, naturgeschichtlichen, kulturhistorischen oder landeskundlichen Gründen und wegen ihrer Seltenheit, Eigenart oder Schönheit von herausragender Bedeutung sind“ und daher den gleichen Schutzbestimmungen wie ein Naturschutzgebiet unterliegen sollen.

Das Thüringer Gesetz für Natur und Landschaft (ThürNatG) enthält bisher keine Regelung zur Ausweisung eines Nationalen Naturmonuments. Mit dem Gesetzentwurf der Landesregierung soll das Gebiet zwischen der Thüringer Landesgrenze und dem Kolonnenweg wegen seiner historischen und landeskundlichen Bedeutung als „Grünes Band Thüringen“ auf der Grundlage des BNatSchG unter besonderen Schutz gestellt werden. Die ehemalige innerdeutsche Grenze soll nicht nur als Teil der deutschen Geschichte, sondern auch als Lebensraum für die Pflanzen- und Tierwelt erhalten bleiben.

Weitere Informationen finden Sie hier.  

Interessierte Bürgerinnen und Bürger können im Online-Diskussionsforum des Thüringer Landtags (https://forum-landtag.thueringen.de/) zum Gesetzentwurf der Landesregierung über das Nationale Naturmonument „Grünes Band Thüringen“ mitdiskutieren und alle relevanten Parlaments-Dokumente einsehen. 
 
Das Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG) ermöglicht die Ausweisung von Gebieten als „Nationales Naturmonument“, die aus „wissenschaftlichen, naturgeschichtlichen, kulturhistorischen oder landeskundlichen Gründen und wegen ihrer Seltenheit, Eigenart oder Schönheit von herausragender Bedeutung sind“ und daher den gleichen Schutzbestimmungen wie ein Naturschutzgebiet unterliegen sollen.
 
Das Thüringer Gesetz für Natur und Landschaft (ThürNatG) enthält bisher keine Regelung zur Ausweisung eines Nationalen Naturmonuments. Mit dem Gesetzentwurf der Landesregierung soll das Gebiet zwischen der Thüringer Landesgrenze und dem Kolonnenweg wegen seiner historischen und landeskundlichen Bedeutung als „Grünes Band Thüringen“ auf der Grundlage des BNatSchG unter besonderen Schutz gestellt werden. Die ehemalige innerdeutsche Grenze soll nicht nur als Teil der deutschen Geschichte, sondern auch als Lebensraum für die Pflanzen- und Tierwelt erhalten bleiben.
 
Weitere Informationen gibt es unter: 
https://forum-landtag.thueringen.de/dokument/nationales-naturmonument-und-gruenes-band-thueringen

DDR-weit fanden 1952 und 1961 zwei große Aussiedlungsaktionen statt. Auch Pottigaer Einwohner waren hiervon betroffen. Das Dorf lag in der 500-Meter-Sperrzone an der innerdeutschen Grenze. Im Zusammenhang mit Grenzsicherungsmaßnahmen wurden am 6. Juni 1952 und am 3. Oktober 1961 vermeintlich politisch "unzuverlässige" Personen und ihre Familien ins Landesinnere umgesiedelt:
In Nacht-und-Nebel-Aktionen zwang man die Menschen aus ihren Häusern und Wohnungen. Das Hab und Gut wurde innerhalb von Stunden auf LKW und Züge verladen und die Betroffenen für immer aus ihrer Heimat weggebracht. In den neuen Wohnorten fühlten sie sich fremd und waren mitunter sozialen Anfeindungen ausgesetzt.

Gedenkstein-Einweihung am 18. November 

Ein Gedenkstein in Pottiga erinnert nun an die Betroffenen und an die Ereignisse vor 65 und vor 56 Jahren. Am 18. November 2017 wird der Gedenkstein durch den Bürgermeister Pottigas, den Leiter des Deutsch-Deutschen Museums Mödlareuth und den Landesbeauftragten des Freistaats Thüringen zur Aufarbeitung der SED-Diktatur eingeweiht. Gäste sind die Point Alpha Stiftung, das Grenzlandmuseum Eichsfeld und das Zweiländermuseum Rodachtal. Mit der Veranstaltung soll zugleich auf die über 5000 Thüringer aufmerksam gemacht werden, die aus über 235 Grenzorten ausgesiedelt wurden.

Weitere Informationen zu der Veranstaltung finden Sie hier. Wir freuen uns auf Sie. 

Titel

Eine der größeren DDR-Samisdat-Zeitschriften, "Ostkreuz" (herausgegeben von György Dalos, Christian Dietrich, Peter Grimm, Siegfried Neher, Gerd Poppe, Wolfram Tschiche und Reinhard Weißhuhn) machte die Diktatur in Rumänien zum zentralen Thema von Heft 1 (Januar 1989).

Am kommenden Samstag, dem 11. November,  wird in der Erfurter Kleinen Synagoge (An der Stadtmünze 5) ab 10:00 Uhr eine Tagung zum Thema "Rumänien und Deutschland im Kommunismus" stattfinden. Bezugnehmend auf die erste Ausgabe von "Ostkreuz" werden im Besonderen Aktionen der DDR-Opposition gegen die Diktatur in Rumänien ein zentrales Thema der Tagung sein.
Am Vormittag spricht Dr. Georg Herbstritt (BStU) zunächst zu den Beziehungen zwischen den ostdeutschen und rumänischen Geheimdiensten Stasi und Securitate; der Landesbeauftragte Christian Dietrich referiert dann folgend über die DDR-Opposition und Aktionen gegen die Diktatur in Rumänien.

Im Anschluss an die Mittagspause rückt Helmuth Frauendorfer (Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen) die deutsche Minderheit und ihre Bedrohung durch den Geheimdienst unter Nicolae Ceaușescu in den Fokus. Schließlich wird Dr. Martin Jung (Jena/Trier) den Blick auf die Zeit nach dem Fall des Eisernen Vorhangs richten: Welchen Weg ging Rumänien in der Auseinandersetzung mit der kommunistischen Diktatur nach 1990?

Weitere Informationen zu der Veranstaltung finden Sie hier

Zur Einstimmung auf die Veranstaltung veröffentlichen wir den Beitrag "Vierzig rumänische Jahre im Report" von Christian Dietrich aus der besagten Samisdat-Zeitschrift "Ostkreuz", Heft 1:  

Foto FB

Buchvorstellung und Podiumsdiskussion zur internationalen Tagung „Jürgen Fuchs: Sagen was ist! Diktatur als grenzüberschreitende Erinnerungslandschaft“ am 8. November um 18:00 Uhr im Thüringer Landtag

Ende 2016 fand an der Universität Wrocław eine internationale Tagung zu Jürgen Fuchs statt, u.a. mit Unterstützung der Präsidenten des Sächsischen und Thüringischen Landtags, sowie der Landesbeauftragten von Sachsen und Thüringen. Im Zentrum stand die Rezeption der literarischen Werke von Jürgen Fuchs und seines Ansatzes der opferorientierten Aufarbeitung der kommunistischen Diktatur in Ostmitteleuropa. Ein besonderes Augenmerk der Tagung lag in der Rezeption von Leben und Werk des Jürgen Fuchs in Polen und Tschechien. Kürzlich ist der Tagungsband „Sagen, was ist! Jürgen Fuchs zwischen Interpretation, Forschung und Kritik“ erschienen.

Am 8. November wird der Herausgeber der Publikation, Politologe und Germanist Dr. Ernest Kuczyński, im Thüringer Landtag die Forschungsergebnisse präsentieren. Zudem referiert Doris Liebermann, Autorin und Journalistin, über die Geschichte jenes Tonbandes, das die SED zum Anlass nahm, Jürgen Fuchs, Christian Kunert und Gerulf Pannach zu inhaftieren und später aus der DDR abzuschieben. Die Tonband-Aufnahmen werden im Zuge der Veranstaltung zu hören sein.

Um Anmeldung wird gebeten, per E-Mail an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! .

Am 4. November 1992 trat das Strafrechtliche Rehabilitierungsgesetz (StrRehaG) in Kraft. Es ist die Grundlage für die Rehabilitierung rechtsstaatswidriger Urteile der SED-Justiz. In Thüringen wurde dafür im Dezember 1992 in Hildburghausen das Landesamt für Rehabilitierung und Wiedergutmachung unter der Leitung von Michaela Ecker geschaffen. Inzwischen haben mehr als 215.000 Menschen eine Rehabilitierung auf Grundlage dieses Gesetzes gestellt. In Thüringen wurden bis Ende Oktober 2017 mit Bezug zum StrRehaG 29.850 Rehabilitierungen ausgesprochen. 2016 wurde an 4.900 Personen die besondere Zuwendung für Haftopfer (§ 17a StrRehaG), insgesamt 18.069.260,52 € gezahlt. Deutschlandweit wurden bis Ende vergangenen Jahres über 2 Milliarden € Anerkennungsleistungen nach § 17a StrRehaG ausgezahlt.

Es gehört zum gesetzlichen Auftrag der Landesbeauftragten für Stasiunterlagen bzw. Aufarbeitung, die Betroffenen zu unterstützen. In dem letzten Vierteljahrhundert haben sie mit vielen der Betroffenen individuelle Wege der Rehabilitierung und öffentlichen Anerkennung gefunden. Dieser Weg ist gefährdet, da in den Unrechtsbereinigungsgesetzen als Antragsfrist der 31.12.2019 genannt wird. Noch immer haben viele Betroffene keine Anträge gestellt. Allein im Oktober 2017 wurden zwei ehemalige Haftopfer von uns beraten, die den Antrag auf Rehabilitierung erste jetzt stellten.
Die Landesbeauftragten, die Bundesstiftung Aufarbeitung und viele der Opferverbände plädieren für eine Entfristung der Unrechtsbereinigungsgesetze. Der Bundesrat hat am 3.11.2017 dazu beschlossen, die Frist um 10 Jahre zu verlängern und die Rehabilitierung von ehemaligen Kinderheimkindern, deren Eltern rehabilitiert wurden, zu erleichtern. Die Landesbeauftragten weisen außerdem darauf hin, dass der Wille des Gesetzgebers nur umzusetzen ist, wenn die Opferrente regelmäßig an die Inflationsrate angepasst und entsprechend erhöht wird. Das Gesetz wurde inzwischen achtzehnmal novelliert
(siehe dazu auch Tätigkeitsbericht des Landesbeauftragten der Jahre 2015 - 2016):

StraRehaGHaftopfer, die weniger als 180 Tage Haft erlitten, haben Anspruch auf eine Anerkennungsleistung durch die Häftlingshilfestiftung. Hier ist darauf zu achten, dass die Stiftung nicht unterfinanziert ist.

Der Bundesbeauftragte für die Stasiunterlagen Roland Jahn brachte Erfurt als zukünftigen Standort des Thüringer Zentralarchivs der Stasiunterlagen (ca. 12 km Akten) ins Gespräch: „Zu beachten sind sowohl die symbolische Bedeutung als auch Erreichbarkeit und Anbindung an eine Wissenschaftslandschaft, das spricht eher für Erfurt.“ Die Landesregierung plädiert für eine "dezentralen, zivilgesellschaftlichen Aufarbeitungslandschaft" und möchte, dass das zukünftige Archiv sich darin einfügt. (Thüringer Allgemeine am 2. November 2017)

Am 26. Oktober findet um 18:00 Uhr in der Thüringer Landesvertretung beim Bund in Berlin ein Veranstaltungsabend zum Thema Fluchthelfer im geteilten Berlin statt; auf einen Impulsvortrag über die Fluchthelferszene im Berlin der 60er Jahre folgt ein Gespräch mit zwei Zeitzeugen, die seinerzeit als Tunnelbauer und Fluchthelfer aktiv waren.

Plakat Fluchthelfer Web

Nach dem Bau der Berliner Mauer 1961 gruben couragierte Fluchtwillige und Fluchthelfer bis 1982 mindestens 39 Tunnel unter der Sektorengrenze hindurch – die meisten von West- nach Ost-Berlin. Damit ermöglichten sie mehr als 254 Menschen auf spektakuläre Weise die Flucht nach West-Berlin. Sie verhalfen den Flüchtlingen zu einem Leben in Freiheit, ermöglichten Familienzusammenführungen und bewahrten jene Menschen vor Verfolgung und politischer Haft.

Einer jener mutigen Tunnelbauer ist Klaus-Michael v. Keussler, der unter anderem am Bau des berühmten „Tunnel 57“ beteiligt war. Er wird im Rahmen der Veranstaltung über seine Intention, seine Erlebnisse und die Herausforderungen sprechen, die mit dem Bau von Fluchttunneln in Zusammenhang standen. „Für uns werden diese eindringlichen Augenblicke, in denen ein Mensch sich den letzten Ruck gibt und innerhalb von Minuten sein gesamtes Hab und Gut, aber auch die .... Freunde zurücklässt, um in die Freiheit zu gelangen, für immer unvergessen bleiben!", sagt v. Keussler rückblickend.

Daneben berichtet Dr. Günther Heinzel als Zeitzeuge über die langwierige und hürdenreiche Vorbereitung der riskanten Flucht seiner jetzigen Frau über den Checkpoint Charlie im Kofferraum eines alliierten Militärfahrzeugs. Eingeleitet wird der Abend durch den renommierten Historiker und Journalisten Sven Felix Kellerhoff, der einen allgemeinen Einführungsvortrag zur Entwicklung der Fluchthelferszene im geteilten Berlin geben wird.

Der Thüringer Landesbeauftragte zur Aufarbeitung der SED-Diktatur lädt interessierte Bürgerinnen und Bürger herzlich zu der Veranstaltung am 26. Oktober in die Thüringer Landesvertretung beim Bund in Berlin (Mohrenstraße 64) ein. An Vortrag und Podiumsdiskussion schließt sich ein Empfang an. Wir freuen uns auf Sie!

Hartumut Rosinger spricht über seine Vergangenheit bei der Stasi, über Verrat, Reue und Vergebung 

Unter dem Decknamen »Hans Kramer« lieferte Hartmut Rosinger der DDR-Staatssicherheit in den siebziger Jahren Spitzelberichte über seinen Freund aus der Evangelischen Studentengemeinde. Die Berichte trugen dazu bei, dass Peter Wulkau 1978 zu viereinhalb Jahren Haft verurteilt wurde.
Heute engagieren sich beide gemeinsam für die Aufarbeitung des DDR-Unrechts. Für den Dokumentarfilm »Feindberührung« haben sie von ihren Erlebnissen erzählt. Regelmäßig tun sie dies auch vor Schüler- und Lehrergruppen. Dr. Matthias Wanitschke, Referent beim Landesbeauftragten, hat den einstigen »Täter« interviewt. Das Interview ist in der Herbst-Ausgabe des Vivat!-Magazins ab Seite 18 zu lesen und kann über diesen Link online aufgerufen werden. 

In stationären Einrichtungen der Behindertenhilfe bzw. Psychiatrie kam es in der Vergangenheit zu Leid und Unrecht. Viele Menschen, die als Kinder oder Jugendliche dort lebten, leiden noch heute an den Folgen ungerechtfertigter Zwangsmaßnahmen, Strafen, Demütigungen oder unter finanziellen Einbußen, weil sie in den Einrichtungen gearbeitet haben, ohne dass dafür in die Rentenkasse eingezahlt wurde. Um diese Menschen zu unterstützen, rufen der Bund, die Länder und die Kirchen die Stiftung Anerkennung und Hilfe ins Leben.
Qualifizierte Beraterinnen und Berater in den Anlauf- und Beratungsstellen unterstützen die Betroffenen persönlich bei der Schilderung und Bearbeitung der Erlebnisse und der Anmeldung zur Stiftung. Sind die Voraussetzungen erfüllt, erhalten die Betroffenen eine Geldpauschale. Diese soll die Folgewirkungen des Erlebten abmildern und damit einen Beitrag zur Verbesserung der Lebenssituation leisten. Betroffene, die während ihres Aufenthaltes in der Einrichtung in erheblichem Umfang gearbeitet haben, ohne dass die Einrichtung dafür Sozialversicherungsbeiträge gezahlt hat, können unter bestimmten Voraussetzungen eine einmalige Rentenersatzleistung erhalten. Eine Meldung für ein Beratungsgespräch in der Anlauf- und Beratungsstelle der Stiftung Anerkennung und Hilfe ist bis zum 31. Dezember 2019 möglich.
Ab 1. September 2017 haben Betroffene der Stiftung Anerkennung und Hilfe in Thüringen die Möglichkeit, sich für ein Beratungsgespräch sowie Anerkennungs- und Unterstützungsleistungen in einer Anlauf- und Beratungsstelle anzumelden. Die Anlauf- und Beratungsstelle in Thüringen ist im Sozialministerium angesiedelt:

Ansprechpartner:
Manuel Schmidt (Leiter), Nadine Böttger (Beraterin), Thomas Bähr (Berater)

Tel.: 0361 / 573811-260
Fax: 0361 / 573811-820
E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Telefonsprechzeiten: 
Dienstag: 9.00 Uhr bis 12.00 Uhr und 14.00 Uhr bis 16.30 Uhr
Donnerstag: 9.00 Uhr bis 12.00 Uhr

Adresse: Werner-Seelenbinder-Straße  6, 99096 Erfurt

 

Tagung mit Vorträgen von Dr. Martin Jung, Dr. Georg Herbstritt, Helmuth Frauendorfer und Christian Dietrich

Am 11. November findet ab 10:00 Uhr in der Kleinen Synagoge in Erfurt (An der Stadtmünze 5) eine Tagung zum Thema "Rumänien und Deutschland im Kommunismus" statt. Wie eng waren die Beziehungen zwischen Stasi und Securitate? In welchem Fokus stand die deutsche Minderheit Rumäniens für den Geheimdienst unter Nicolae Ceaușescu? In welcher Form war die DDR-Opposition gegenüber der kommunistischen Diktatur in Rumänien aktiv? Und wie wurde der rumänische Widerstand in der DDR wahrgenommen? Diese und weitere Fragen werden im Rahmen der Rumänientagung von renommierten Rumänien-Experten diskutiert.

Wir freuen uns über Ihr Kommen. Das Programm im Detail: 

Begrüßung
Foto WebseiteChristian Dietrich, Landesbeauftragter

„Beziehungen zwischen Staatssicherheit und Securitate“
Dr. Georg Herbstritt, BStU

„DDR-Opposition und Diktatur in Rumänien“
Christian Dietrich, Landesbeauftragter

Mittagspause

„Rumäniendeutsche und die Ceaușescu-Diktatur“
Helmuth Frauendorfer, Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen

„Die Auseinandersetzung mit der kommunistischen Diktatur in Rumänien nach 1990“
Dr. Martin Jung, Trier

Schlusspodium
Christian Dietrich, Helmuth Frauendorfer, Dr. Georg Herbstritt, Dr. Martin Jung

Gerbergasse 84Im neuen Heft der Zeitschrift „Gerbergasse 18“ stehen diesmal Fragen zur Wirtschaftsgeschichte Ostdeutschlands im Mittelpunkt.

Wie vielfältig und kontrovers die Perspektiven bis heute ausfallen, zeigt die Bandbreite der Titelthemen. Zu Beginn verfolgt eine Spurensuche die statistische Karriere der DDR als „eine der führenden Wirtschaftsnationen der Welt“. Ausgangspunkt dafür ist die SED-Propagandaformel „Unter den ersten zehn“, die Mitte der 1960er Jahre verstärkt auftauchte und sogar von westlichen Korrespondenten übernommen wurde. In einem anderen Beitrag analysiert der Historiker Dietmar Remy, der bald eine umfangreiche Biografie über Wolfgang Biermann (1927–2001) veröffentlicht, das Wirken des umstrittenen Zeiss-Generaldirektors, der von 1975 bis Ende 1989 an der Spitze des Kombinats Carl Zeiss Jena stand. Weitere Beiträge untersuchen die ökonomische Bedeutung der Bausoldaten für das SED-Regime, die Wirtschaftsspionage in West-Berlin oder die Struktur des ostdeutschen Treuhandpersonals.

Doch auch die zusätzlichen Texte im Heft zur Zeitgeschichte bieten neue Einsichten. Etwa eine Darstellung über die wenig bekannte Gruppe der Auskunftspersonen (AKP), die abseits der Inoffiziellen Mitarbeiter (IM) ein dichtes Informanten-Netz in den Wohngebieten bildeten. Der „Weiße Kreis“ war im Sommer 1983 eine lose Gruppe von Ausreisewilligen, die friedlich und zumeist weiß gekleidet auf dem Platz der Kosmonauten (heute Eichplatz) demonstrierten. Heidelore Rutz war mit ihrer Familie dabei und wurde inhaftiert. Sie schildert in einem persönlichen Bericht ihren langen Weg in die Freiheit. Ein Artikel zu den Erinnerungen von Opfern politischer Gewalt, ein Nachruf auf die verstorbene DDR-Fußballlegende Manfred Kaiser sowie eine Betrachtung zum Phänomen „DDR-Alltags-Museen“ runden das Heft ab.

Die neue Ausgabe 3/2017 der „Gerbergasse 18“ (Heft 84) ist ab sofort im Buchhandel und bei der Geschichtswerkstatt Jena erhältlich.

Am 2. Oktober ist Wolfgang Mayer nach längerer Krankheit verstorben.

Wolfgang Mayer besetzte am 9. September 1988 die Dänische Botschaft in Ostberlin zusammen mit weiteren Ausreisewilligen. Der dänische Botschafter verständigte die DDR-Regierung, die in der darauffolgenden Nacht in das Botschaftsgelände eindrangen und die Botschaftsbesetzer inhaftierten. Die dreizehn Erwachsenen wurden einen halben Tag lang verhört, die fünf Kinder in ein Heim verbracht. Später wurden die Flüchtlinge zu mehrjährigen Gefängnisstrafen „auf Bewährung“ verurteilt und durften am 22. März 1989 ausreisen.

Wolfgang Mayer nahm seinen Wohnsitz in Cochem an der Mosel und verarbeitete seine Erfahrungen mit der Ausreise in den beiden Büchern „Dänen von Sinnen“ (1990) und „Die mit dem Storch zogen“ (1992). Er studierte Politikwissenschaft und promovierte zur Rechtslage und DDR-Praxis gegenüber Ausreisewilligen („Flucht und Ausreise“, publiziert 2002).

Zuvor hatte er von 1970 bis 1975 Pädagogik an der Martin-Luther-Universität in Halle-Wittenberg studiert. Anschließend war er bis 1986 in Ilmenau und Hildburghausen als Lehrer für Mathematik und Polytechnik angestellt. Am 10. März 1987 stellte Wolfgang Mayer zusammen mit seiner Frau und seinen Kindern einen Ausreiseantrag. Er wurde daraufhin fristlos entlassen. Nach längerem Kampf wurde er 2002 in Thüringen wieder in den Thüringer Schuldienst eingestellt. 2007 begründete er das Internetforum „Flucht und Ausreise“.

"Ich habe ihn als einen aufmerksamen Zeitgenossen und streitbaren Demokraten und Erwachsenenbildner kennengelernt", sagt der Landesbeauftragte Christian Dietrich. Er wird uns fehlen. 
Die Trauerfeier findet am Samstag, den 14.10.2017 um 13:30 Uhr in der Trauerhalle des Großen Friedhofs in der Leonhardtstraße in Greiz / Thüringen statt.

fuchs einband 300dpiEnde 2016 fand an der Universität Wrocław/Breslau eine internationale Tagung zu Jürgen Fuchs mit Unterstützung der Heinrich-Böll-Stiftung und der Landtage bzw. Landesbeauftragten von Sachsen und Thüringen statt. Im Zentrum stand die Rezeption der literarischen Werke von Jürgen Fuchs und seines Ansatzes der opferorientierten Aufarbeitung der kommunistischen Diktatur in Ostmitteleuropa.
Inzwischen ist der von Ernest Kuzcynski (Łódź/Lodz) herausgegebene Tagungsband „Sagen, was ist! Jürgen Fuchs zwischen Interpretation, Forschung und Kritik“ erschienen. Ein besonderes Augenmerk der Tagung lag in der Rezeption von Leben und Werk des Jürgen Fuchs in Polen und Tschechien. Im polnischen Samisdat waren seine Texte schon während des Kriegsrechts 1985 erschienen. Sein Einsatz für die Öffnung der Akten der Geheimpolizei fand jedoch unter den Demokraten Polens nicht die nötige Unterstützung.
In einer Münchner Rezension (Volker Strebel) der Publikation heißt es: „Dass ausgerechnet die Nachfolgepartei der SED das Monopol auf ostdeutsche Befindlichkeiten für sich in Anspruch nimmt, … ist in weiterer Fingerzeig“ für die Dringlichkeit der Lektüre von Jürgen Fuchs.
Am 8. November wird der Politologe und Germanist Dr. Ernest Kuzcynski im Thüringer Landtag mit einigen Autoren des Bandes die Forschungsergebnisse präsentieren. Dabei wird es auch um die Geschichte des Tonbandes gehen, das die SED zum Anlass nahm, um Jürgen Fuchs, Christian Kunert und Gerulf Pannach zu inhaftieren und später aus der DDR abzuschieben.

Ausschnitt Fluchthelfer Web

Nach dem Bau der Berliner Mauer 1961 gruben couragierte Fluchthelfer mindestens 39 Tunnel unter der Sektorengrenze zwischen Ost- und West-Berlin hindurch. Damit ermöglichten sie mehr als 254 Menschen auf spektakuläre Weise die Flucht nach West-Berlin. Sie verhalfen den Flüchtlingen zu einem Leben in Freiheit, ermöglichten Familienzusammenführungen und bewahrten jene Menschen vor Verfolgung und politischer Haft.

Einer jener mutigen Tunnelbauer war Klaus-Michael v. Keussler. Er wird im Rahmen der Veranstaltung "Fluchthelfer im geteilten Berlin" über seine Intention, seine Erlebnisse und die Herausforderungen sprechen, die mit dem Bau von Fluchttunneln in Zusammenhang standen.
Daneben berichtet Dr. Günther Heinzel als Zeitzeuge über die Vorbereitung der riskanten Flucht seiner jetzigen Frau über den Checkpoint Charlie im Kofferraum eines alliierten Militärfahrzeugs.

Eingeleitet wird der Abend durch den renommierten Historiker und Journalisten Sven Felix Kellerhoff, der einen allgemeinen Einführungsvortrag zur Entwicklung der Fluchthelferszene im geteilten Berlin geben wird.

Die Veranstaltung findet am 26. Oktober 2017 um 18:00 Uhr in der Thüringer Landesvertretung in Berlin statt. Wir freuen uns auf Sie! 

Erinnerung an das Schaffen des gebürtigen Jenensers

Lutz Rathenow feiert heute seinen 65. Geburtstag. Er ist ein Revolutionär, der das Florett des Humors beherrscht und Raum schafft für die nötigen Verunsicherungen in der deutschen Erinnerungslandschaft. Thüringen hat ihm viel zu verdanken.
Er wurde 1952 in Jena geboren und kehrte nach dem Grundwehrdienst als Grenzsoldat in seine Heimatstadt zurück, um Geschichte und Deutsch auf Lehramt zu studieren. Zugleich gründete er im Herbst 1973 den Jenenser Arbeitskreis Literatur und Lyrik, zu dem auch Udo Scheer und Siegfried Reiprich gehörten. Lutz Rathenows Freude an Sprache und Hintersinn brachte ihn schnell mit SED-kritischen Autoren und Liedermachern zusammen. Nach fast zwei Jahren wurde der Arbeitskreis verboten. Jürgen Fuchs, ein wichtiger Freund, wurde zur gleichen Zeit exmatrikuliert und floh aus Jena. Rathenow schloss sich dem Protest gegen die Ausbürgerung von Wolf Biermann an. Daraufhin wurde er inhaftiert und exmatrikuliert. Mit Hilfe seiner Frau fand er 1977 in Ostberlin eine neue Wirkungsmöglichkeit und wurde freischaffender Autor und Förderer vieler Autoren, die in der DDR nicht veröffentlichen konnten.
1980 wurde er von der Staatssicherheit inhaftiert, doch nach internationalen Protesten wieder freigelassen. Er veröffentlichte Essays, Gedichte und Dramen in der Bundesrepublik und war einer der klugen Kommentatoren zum Ende der SED-Diktatur. In der Initiative für Frieden und Menschenrechte arbeitete er auch mit dem Landesbeauftragten Christian Dietrich zusammen. Sein Oeuvre ist kaum zu überblicken, reich an gezielten Irritationen. Zuletzt vor allem Gedichte, Kinderbücher und Kolumnen, auch in Thüringer Tageszeitungen.

Lutz Rathenow ist seit 2011 Landesbeauftragter zur Aufarbeitung der SED-Diktatur in Sachsen. In seinem jüngsten Band „Gedichte zum Größerwerden. Der Elefant auf dem Trampolin“ hat er Erfahrungen und Sprachlogik gemischt. Auf dem Weg „zum Größerwerden“ gehört es auch, sich der eigenen Bedürftigkeit anzunehmen. Der Text dazu bekam die Überschrift „Empörung“ und der Illustrator Egbert Herfurth setzte ihn in Beziehung zum Amt des Autors: Empörung Ein Mensch schleicht rennt läuft um ein Haus, er will nur eins – möglichst rasch hinein hinein. Und ist er drin, will er nur noch: heraus heraus. Ich bin wirklich ein Opfer, sagt der Mann, schrecklich, dass ich ohne Luft nicht atmen kann. Verflixte Erde, die mich sonst nicht leben lässt. Und die Schwerkraft hält mich zudem fest. Was brauch ich zum Leben? Wird es mir gegeben? Kann ich es mir nehmen?

Vielen hat Lutz Rathenow bei diesen Fragen geholfen. Herzliche Glückwünsche zum Geburtstag Lutz Rathenow!

Akten zu den Zwangsaussiedlungen im Bezirk Suhl benutzerfreundlich auffindbar

Das Findbuch zu den Akten der Bezirksbehörde der Deutschen Volkspolizei Suhl (BdVP Suhl) kann seit Kurzem über das Archivportal Thüringen (www.archive-in-thueringen.de) online eingesehen werden. Im Bestand der BdVP Suhl finden sich unter anderen Akten zu den Zwangsaussiedlungen, die 1952 und 1961 in den Grenzkreisen stattfanden. Betroffen von den Aussiedlungsmaßnahmen waren im Bezirk Suhl die Kreise Hildburghausen, Meiningen, Bad Salzungen, Sonneberg und Neuhaus am Rennweg: Aus etwa 100 Ortschaften wurde ins Landesinnere zwangsausgesiedelt. Einige Orte sind dann im Zuge der weiteren Grenzsicherung geschleift worden, zum Beispiel Billmuthausen im heutigen Landkreis Hildburghausen. Der Bestand der BdVP Suhl eröffnet, nach seiner teilweisen Neuerschließung und technischen Neubearbeitung durch das Staatsarchiv Meinungen und das Hauptstaatsarchiv Weimar, den Forschern interessante Einblicke. In den Abteilungen Chef der BdVP Suhl, Operativstab und Pass- und Meldewesen sind aussagekräftige Dokumente zu erwarten. Entsprechend dem Online-Findbuch sind zahlreiche Unterlagen zur „Aktion Blümchen“ – der Deckname der Aussiedlungsaktion 1961 im Bezirk Suhl – in der Abteilung Operativstab enthalten.

Hier sind beispielsweise Quellen auffindbar, die die detaillierte Planung im Vorfeld dokumentieren, aber auch Informationen der Begleitoffiziere, Lagemeldungen während der Durchführung und Einzelberichte über die Aussiedlungen enthalten. In den Akten der Abteilung Pass- und Meldewesen finden sich zudem Namensverzeichnisse der Zwangsausgesiedelten aus den Kreisen Meiningen, Sonneberg und Hildburghausen, die zwischen dem 5. und 7. Juni 1952 in der sogenannten „Aktion Ungeziefer“ umgesiedelt wurden. Des Weiteren umfasst der Bereich Pass- und Meldewesen auch drei Unterlagenbände, die die Namen und die Gründe der Aussiedlung im Jahr 1961 enthalten. (Siehe Bild. Das abgebildete Dokument veranschaulicht die perfide Begründung zur Aussiedlung der Familie Bernoth und die 1961 an der Zwangsaussiedlung beteiligten Institutionen Staatssicherheit, Volkspolizeikreisamt, Grenzpolizei und als Vorsitzender der Kreiseinsatzleitung (KEL), der 1. Sekretär der SED im Kreis. Die in der Quelle erwähnte Familie Bernoth hat dieses Dokument dem Staatsarchiv Meiningen zur Nutzung freigegeben. An dieser Stelle möchten wir der Familie Bernoth und dem Staatsarchiv Meiningen danken, das vertrauliche Dokument abbilden zu dürfen.) 

Da Akten personenbezogene Angaben aufweisen, können diese erst nach Erlöschen der Schutzfrist von 90 Jahren nach der Geburt bzw. 10 Jahren nach dem Tod der Person eingesehen werden. Eine Aufhebung dieser Schutzfrist kann im Rahmen eines Schutzfristenverkürzungsverfahrens im Archiv beantragt werden. Für die weitere Erforschung der Zwangsaussiedlungen in Thüringen stellt die benutzerfreundliche Aufarbeitung des Bestandes BdVP Suhl einen wichtigen Schritt dar. Für ein ausgewogenes Bild der damaligen Ereignisse empfiehlt es sich zudem mit Zeitzeugen zu sprechen und weitere schriftliche Überlieferungen in den Staats- und Kreisarchiven zu sichten.

"Auf dem Weg zur Zivilgesellschaft“

Plakat WebEnde der 1980er Jahre ächzt die DDR. Die Führungsriege ist alt, die sozialistische Utopie verbraucht und die Hoffnung vieler auf eine glückliche Zukunft dahin. Zugleich engagieren sich einige Menschen in kleinen Umwelt-, Friedens- und Menschenrechtsgruppen, um ihre Zukunft mitzugestalten. Vor dreißig Jahren, im November 1987, stürmt die Staatssicherheit die Umweltbibliothek in der Zionskirche und die Arbeit dieser Gruppen wird auf einmal für die Öffentlichkeit wahrnehmbar.
Vor vierzig Jahren wurde mit der Charta 77 in der ČSSR bereits ein Grundstein für die ost(mittel)-europäische Demokratieentwicklung gelegt. An die Menschen, die sich im letzten Jahrzehnt der DDR für eine ostdeutsche Zivilgesellschaft einsetzten, will der Thüringer Geschichtsverbund erinnern. Zusammen mit den Referenten und Besuchern wollen wir uns über den Sinn oder Unsinn, die Freude und auch Last von gesellschaftlichem Engagement, damals wie heute, austauschen.

Wir freuen uns auf Ihren Besuch - das Bürgerfest findet am 10. September 2017 zwischen 15:00 Uhr - 21:00 Uhr in der Gedenk- und Bildungsstätte Andreasstraße, Andreasstraße 37a, 99084 Erfurt statt. 

Nach jüngster Studie des Forschungsverbunds SED-Staat kamen 327 Menschen an innerdeutscher Landgrenze ums Leben

Mit dem Bau der Berliner am 13. August 1961 wurde das letzte Schlupfloch in den Westen geschlossen. Nach jüngsten Forschungen des Forschungsverbunds SED-Staat kamen 327 Menschen an der innerdeutschen Landgrenze (ohne die Todesopfer an der Berliner Mauer) bis 1989 ums Leben. Die Leiterin des Berliner Mauermuseums, Alexandra Hildebrandt, geht aktuell von insgesamt 1899 Todesopfern des Grenzregimes aus.
Nicht zuletzt wegen des stetigen Ausbaus der Sicherungsanlagen an der deutsch-deutschen Grenze versuchten Menschen auch außerhalb der DDR, den „Eisernen Vorhang“ zu überqueren. Allein an der Grenze der CSSR verloren mehr als 770 Menschen auf der Flucht ihr Leben, unter ihnen mindestens 17 Personen aus der DDR.

„Der 13. August 1961 ist ein Schlüsseldatum der europäischen Geschichte und Anlass jenen zu danken, die Menschen aus der DDR gerettet haben, die die Grenze durchlässiger machten und letztlich einrissen“, sagt der Landesbeauftragte Christian Dietrich. „Es ist aber auch ein Tag der Trauer. Nicht nur die Toten sind unvergessen, auch die erzwungenen Beziehungsabbrüche. Schuld und Verrat gerade innerhalb der Familien wirken ist bis heute“, fügt Dietrich hinzu.

Faktisch war der SED-Staat nach dem Bau der Berliner Mauer ein Gefängnis. Der Versuch einer Flucht aus der DDR, sowie dessen Vorbereitung oder Nichtanzeige konnten bestraft werden. Mit dem verschärften Passgesetz von 1957 wurde jede nichtgenehmigte Ausreise aus der DDR strafrechtlich verfolgt. Das Strafmaß konnte seit 1979 bis zu acht Jahren Haft betragen. Verurteilt wurde auch, wer Fluchtvorbereitungen - selbst innerhalb der eigenen Familie - nicht angezeigt hatte. Über 60.000 Menschen erhielten als DDR-Flüchtlinge und Fluchthelfer Haftstrafen. Zudem wurden Kinder und Jugendliche in diesem Zusammenhang in geschlossene Jugendeinrichtungen eingewiesen.

Jenen Opfern des DDR-Grenzregimes wird am 13. August in Thüringen im Rahmen von mehreren Veranstaltungen gedacht, etwa in Form eines Gottesdienstes und der Kranzniederlegung in Eisenach oder einer Gedenkstunde im Grenzmuseum Schifflersgrund. Im Menschenrechtszentrum Cottbus wurde zum 50. Jahrestag des Mauerbaus vor sechs Jahren die Gedenkaktion "1 Ziegel für 1 Maueropfer" begonnen. Am Sonntag wird diese Gedenkmauer nunmehr eingeweiht.

Der Landesbeauftragte gratuliert dem wichtigen Aufarbeiter der SED-Diktatur herzlich zum Geburtstag.

Auerbachs Vita steht ganz im Zeichen des Widerstands gegen Diktatur und Unrecht. 1965 verweigerte er den Militärdienst und widerstand den Anwerbeversuchen der Staatssicherheit. 1971 wurde Auerbach Stadtjugendwart der evangelischen Kirche in Jena und prägte die Junge Gemeinde Stadtmitte und deren Offene Arbeit nachhaltig (Mehr dazu hier auf jugendoppostion.de. Diesbezüglich auch lesenswert ist die Publikation "Jugend zwischen Kirche und Staat: Geschichte der kirchlichen Jugendarbeit in Jena 1970-1989" von Henning Pitzsch, Köln / Weimar 2005).

Nachdem er Ende 1976 gegen die Ausbürgerung Wolf Biermanns protestiert und Unterschriftensammlungen organisiert hatte, wurde er inhaftiert (sein Haftbefehl ist hier in der BStU-Mediathek einsehbar) und Anfang September 1977 nach zehn monatiger Untersuchungshaft gegen seinen Willen mit einigen Freunden nach West-Berlin abgeschoben und ausgebürgert. Von West-Berlin aus unterstütze er gemeinsam mit Jürgen Fuchs, Roland Jahn und anderen die Oppositionsbewegung in der DDR. Nach der Öffnung der innerdeutschen Grenzen beteiligte sich Auerbach schließlich an der Besetzung der MfS-Bezirksverwaltung in Gera. Maßgeblich engagierte er sich dann im Fortgang an der Aufarbeitung der SED-Diktatur; so war der gebürtige Leipziger bis zu seinem Ruhestand 2009 leitender Mitarbeiter des BStU. Er publizierte u.a. zu den Planungen der SED gegen die Opposition im Ausnahmezustand ("Vorbereitungen auf den Tag X. Die geplanten Isolierungslager des MfS"), zum Terroreinsatz in der Bundesrepublik ("Einsatzkommandos an der unsichtbaren Front“) und zur Geschichte des Widerstands gegen die SED in Thüringen.

Wir danken Thomas Auerbach für seinen Mut in den Zeiten der Diktatur und für die Klarheit in den Jahren der Demokratisierung und wünschen ihm Kraft für den Alltag, Nähe der Freunde und Gottes Segen für die Zukunft.

Todesstrafe ZuschnittVor 30 Jahren, am 17. Juli 1987, wurde in der DDR die Todesstrafe aus dem Strafgesetzbuch gestrichen. Es war ein notwendiger Schritt, damit Staats- und Parteichef Erich Honecker in die Bundesrepublik reisen konnte. Wie so oft, entschied der Staatsrat auf Empfehlung des SED-Politbüros, die Volkskammer wurde erst danach gefragt.

Der Friedensarbeitskreis Naumburg (u.a. mit Michael Kleim und Christian Dietrich) forderte bereits seit Ende 1986 die Abschaffung der Todesstrafe. Der Landesbeauftragte wurde dafür als Sympathisant der NS-Kriegsverbrecher denunziert; dabei war er ein Sympathisant der DDR-Flüchtlinge, auf die geschossen wurde.

Die Forderung wurden seinerzeit über ein Flugblatt publik gemacht; in einem aktuellen Artikel von Michael Kleim hier auf meinanzeiger.de lesen Sie mehr zu den Hintergründen der Protestaktion. 

Vor 25 Jahren wurde eine akribisch erarbeitete Liste der fast 5.000 Hallenser inoffiziellen Mitarbeiter der Staatssicherheit veröffentlicht. Die Dekonspirierten wehrten sich, doch nach acht Jahren Rechtstreit bekamen die Aufklärer recht: Veröffentlichungen zur Stasimitarbeit können nicht mit dem Hinweis auf den Persönlichkeitsschutz verhindert werden. Außerdem stellten die Bundesverfassungsrichter fest: "Die Feststellung des Bundesgerichtshofs, die Liste habe zur Aufarbeitung der Stasi-Vergangenheit praktisch nichts beitragen können, hält verfassungsrechtlicher Prüfung ebenfalls nicht stand. Der Bundesgerichtshof hat insoweit die Suggestivkraft, die mit der Veröffentlichung der Liste verbunden war, nicht hinreichend berücksichtigt: Die Liste vermittelt aufgrund ihrer Länge einen nachhaltigen Eindruck von der massiven Durchdringung der Gesellschaft der DDR durch das MfS, verliert sich wegen der konkreten Angaben, insbesondere der Namensnennungen, aber nicht in der Abstraktheit bloßer Zahlen. Die fehlende Spezifizierung der Tätigkeit der in der Liste Aufgeführten, die für den Bundesgerichtshof gerade Anlass war, die Auslegung der Liste im Hinblick auf die Klägerin als rechtswidrig anzusehen, verdeutlichte, dass der potentielle Zugriff des MfS auf Informationen weit reichte und vielfältig war. Die Liste war damit aus Sicht des Beschwerdeführers ein geeignetes Mittel, die Realität des breit gefächerten Informantensystems - so, wie er es sah - vor Augen zu führen." (Beschluss der 1. Kammer des Ersten Senats vom 23. Februar 2000)

Mehr zu jenem in dieser Form einmaligen Fall in einem kurzen Video hier auf Spiegel Online und einem aktuellen Artikel auf Mitteldeutsche Zeitung Online.
Ausführlich beschäftigt sich auch eine Publikation der Landesbeauftragten von Sachsen-Anhalt dazu: Der Titel "Darf man das? Die Veröffentlichung von Stasi-Listen in Halle an der Saale im Sommer 1992 und die Folgen." ist zugleich Dokumentation und Auseinandersetzung mit der Thematik und beinhaltet Beiträge von Steffen Reichert und Peter Raue sowie den ungekürzten Text des Bundesverfassungsgerichts.

Gerbergasse18 Heftcover 83Wie wichtig sind Gedenktage und historische Jubiläen für unsere Erinnerungskultur? Mit der sogenannten Oktoberrevolution vor hundert Jahren haben wir es besonders schwer. Weder die zeitliche Begrenzung auf die Ereignisse im Oktober 1917 noch die Einordnung als Revolution oder die verkürzte Deutung als Ursprung des Weltkommunismus sind hinreichend. Obwohl die „Große Sozialistische Oktoberrevolution“ zum ideologischen Kern des DDR-Geschichtsunterrichts gehörte, blieben oft nur Schlagworte hängen. Die Zeitschrift „Gerbergasse 18“ fragt deshalb nach Folgen und Wirkungen des „Roten Oktober“.

Das Heft 83 bietet aber noch viele weitere spannende Beiträge, etwa zum Tabuthema Prostitution in der DDR, den Vertreibungen in Thüringen durch Kreisverweise zwischen 1945 und 1951, der Jazzszene in Jena der 1980er Jahre oder den Herausforderungen der Geschichtsvermittlung durch innovative Spieleformate (digital und analog). Eine Charakterskizze des Autors Dietmar Ebert stellt den Juristen und Vater der Thüringer Landesverfassung Eduard Rosenthal (1853–1826) prägnant und facettenreich vor. Das biografische Porträt des Ehrenbürgers Rosenthal schildert dessen vielfältiges und weitsichtiges Wirken in der Stadt Jena und darüber hinaus, wobei seine Bedeutung und Ausstrahlungskraft bis heute kaum bekannt sind. Seit 2007 besteht mit der Villa Rosenthal, unterhalb des Westbahnhofs gelegen, ein eindrucksvoller Veranstaltungs- und Erinnerungsort, zugleich eine Würdigung des engagierten Ehepaars Clara und Eduard Rosenthal. Weitere Informationen zur "Gerbergasse 18" finden Sie hier

TdTAuch in diesem Jahr sind wir am Tag der offenen Tür im Thüringer Landtag (17. Juni, 10:00 - 17:00 Uhr) mit einem Stand vertreten. Dort gibt es die Möglichkeit, an einem Quiz zur DDR-Geschichte teilzunehmen. Wer sich auskennt, kann tolle Preise zu gewinnen. Daneben haben wir ein breites Programm rund um das Thema DDR, SED-Unrecht und Aufarbeitung: 

FIlmvorstellungen in Raum F 002: 

11.00 Uhr:
„Der 17. Juni in Jena. Skizzen eines Aufstandes.“ (2014)
Eine filmische Zeitzeugendokumentation von Torsten Eckold und Daniel Börner. Im Anschluss an den Film folgt ein Gespräch mit Regisseur Daniel Börner.

12.30 Uhr:
„Vertreibung 1961“ (2017)
Ein Film von Peter Grimm und Eckardt Reichl über die Zwangsaussiedlungsaktionen in der DDR. Eine Spurensuche.

13.30 Uhr:
„Kaputt“ (2016)
Kurzfilm von Alexander Lahl und Volker Schlecht über das zentrale Frauengefängnis der DDR. Im Anschluss an den Film folgt ein Gespräch mit Zeitzeugin und Künstlerin Gabriele Stötzer.

14.00 Uhr:
„Die letzten Zeugen des Gulag“ (2014)
Ein Film von Dean Cáceres und Lars Henze, der sich auf Spurensuche nach den letzten Überlebenden der stalinistischen Arbeitslager begibt. Im Anschluss an den Film folgt ein Gespräch mit Regisseur Dr. Dean Cáceres. 

Podiumsdiskussion im Plenarsaal

15.30 - 17.00 Uhr:
"Stand der Aufarbeitung der SED-Diktatur in Thüringen im Jahr 2017"

Am Gedenktag der Opfer des SED-Unrechts werden Vertreter aller Landtagsfraktionen über Erwartungen und Ziele eins solchen Gedenktages debattieren. Außerdem soll es um die fehlende Würdigung bestimmter Opfer der SED-Diktatur und Perspektiven der Aufarbeitung in Thüringen gehen. Dazu gehört auch die Auseinandersetzung, ob die Frage "Was bzw. wer beschädigt die Würde des Parlaments?" ein Mittel der Diktaturaufarbeitung ist.Grundsätzlich soll dabei der Stand der Aufarbeitung der SED-Diktatur in Thüringen im Jahr 2017 beleuchtet werden.
Der Landesbeauftragte Christian Dietrich übernimmt die Moderation der Podiumsteilnehmer, bestehend aus Herbert Wirkner (CDU), Mike Huster (DIE LINKE), Birgit Pelke (SPD), Corinna Herold (AfD) und Dirk Adams (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN).

Ausstellungen: 

10.00 - 17.00 Uhr, Funktionsgebäude EG: 
"Flucht und Ausreise" 

10.00 - 17.00 Uhr,  Außengelände vor dem Verwaltungshochaus:
"Aufbruch nach Europa"

Der Journalist und Publizist Dr. h. c. Karl Wilhelm Fricke wird am 15. Juni für sein Lebenswerk mit dem Aufarbeitungspreis der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur ausgezeichnet, der 2017 erstmals verliehen wird. „Wie kaum ein anderer hat sich Karl Wilhelm Fricke vor und nach 1989 mit der Repression in der DDR auseinandergesetzt, seine sachlichen und faktenreichen Analysen als Autor und jahrelanger Redakteur des Deutschlandfunks sind bis heute von herausragender wissenschaftlicher Bedeutung“, erklärte die Geschäftsführerin der Bundesstiftung Aufarbeitung Anna Kaminsky.

Karl Wilhelm Fricke zählt außerdem zu den bekanntesten Entführungsopfern des Kalten Kriegs. Weil seine Veröffentlichungen über Verfolgung und Repression in der DDR den kommunistischen Machthabern gefährlich wurden, stellte ihm die Staatssicherheit am 1. April 1955 in West-Berlin eine Falle und verschleppte ihn in die DDR. In einem Geheimprozess wurde Fricke zu vier Jahren Haft verurteilt, die er in Einzelhaft verbüßen musste.

Ermöglicht wurde der Aufarbeitungspreis durch eine Spende des Publizisten und ehemaligen Fluchthelfers Dr. Burkhart Veigel an die Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur. Der Preis würdigt das herausragende Engagement für Freiheit, Demokratie und Zivilcourage im vereinten Deutschland und in Europa. Verliehen wird die Auszeichnung durch Bundespräsident a. D. Horst Köhler, der Vorstandsvorsitzende der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur Rainer Eppelmann hält die Laudatio.

Mit der Wahl des Datums der Preisverleihung erinnert die Bundesstiftung Aufarbeitung zugleich an den Volksaufstand vom 17. Juni 1953 in der DDR, als über eine Million Menschen ihren Protest gegen die kommunistische Herrschaft in der gesamten DDR auf die Straße trugen und das Ende der SED-Herrschaft, freie Wahlen und die Einheit Deutschlands forderten.

Schon früh machte die Thüringer Regierungskoalition klar, dass sie die Bewertung von Abgeordneten als "parlamentsunwürdig" kritisiert. Die Debatte nimmt derzeit neue Fahrt auf, laut dieses aktuellen Artikels auf MDR online soll etwa der ehemalige IM "Kaiser", Frank Kuschel, nicht mehr als "parlamentsunwürdig" erklärt werden. Erneut besprochen wird auch der Fall Herbert Wirkner hier auf Thüringische Landeszeitung online. Wirkner wurde seinerzeit von der Stasi zur Gewinnung als Spitzel umworben.
Der Landesbeauftragte Christian Dietrich erklärte gegenüber dem Thüringer Landtag bezüglich der Debatte u.a.: "Die Streichung des Begriffs 'parlamentsunwürdig' ist nur zu erklären als eine Resignation aufgrund der Differenz zwischen der Bewertung und dem faktischen Vollzug der Bewertung. Es wäre jedoch eine Selbstbeschränkung des Parlamentes, deshalb zugleich die Bewertung zu streichen. In der FORSA-Umfrage der Brandenburgischen Enquetekommission zur Aufarbeitung war eine deutliche Mehrheit der Befragten der Meinung, dass Stasibelastung und Mandat sich ausschließen. Unter denen, die angaben, DIE LINKEN zu wählen, waren es jedoch lediglich 50%. Während das Werturteil 'parlamentsunwürdig' von der Regierungskoalition abgelehnt wird, hat die Koalition zugleich die 'Regierungsunwürdigkeit' von Menschen, die offiziell oder inoffiziell für die Staatssicherheit gearbeitet haben bestätigt. Die Koalition hat dies sogar verschärft, in dem auch 'Menschen, die leugnen, dass die DDR kein Rechtsstaat war' keine Regierungsverantwortung übernehmen dürfen. Es bleibt dabei, wenn eine Belastung eines Mandatsträger festgestellt wird, sind die bzw. der Abgeordnete und ihre bzw. seine Partei in der moralischen Verpflichtung zu handeln." (Siehe dazu diesen Artikel aus Januar 2016)
Nachtrag 02.06.2017: Interview im Deutschlandfunk (Henry Bernhard) mit Frank Kuschel, Uwe Höhn, Astrid Rothe-Beinlich, Herbert Wirkner unter Wendehälse: Wie Thüringens Parlament mit Stasi-Spitzeln umgeht

Anlässlich der befreienden Ausreise von Reiner Kunze aus der DDR vor 40 Jahren wurde am 26. April im Thüringer Landtag Oppositioneller im SED-Regime gedacht, Fluchtgeschichten erzählt und die zurückgewonnene Heimat gefeiert. Reiner Kunze liest aus seinem Werk. Wir haben die Veranstaltung in Bild und Ton begleitet:

Geboren 1933 in Oelsnitz/Erzgebirge lebte der Schriftsteller von 1962 bis 1977 in Greiz/Thüringen. Nach der Niederschlagung des Prager Frühlings trat Kunze aus der SED aus. Mit dem Prosawerk "Die wunderbaren Jahren" (erschienen 1976 in Frankfurt/Main) beschrieb er die Bedrohung der Individualität junger Menschen in der DDR. Kunze wird zum Staatsfeind erklärt und aus dem DDR-Schriftstellerverband ausgeschlossen. Das kam einem Berufsverbot gleich. Familie Kunze stellte aufgrund dieser Entwicklung einen Ausreiseantrag und konnte vor 40 Jahren die DDR verlassen.
Unter dem Titel "Deckname Lyrik" veröffentlichte Kunze 1990 unmittelbar nach den Stasibesetzungen Auszüge aus den Akten der Staatssicherheit, die dokumentieren, wie perfide das SED-Regime den Schriftsteller und seine Freunde verfolgt hatten.

IMG 2087 Zuschnitt WebHeute hat der Landesbeauftragte Christian Dietrich den Tätigkeitsbericht der Jahre 2015 und 2016 im Thüringer Landtag an den Präsidenten des Thüringer Landtags, Christian Carius, übergeben und im Rahmen einer Pressekonferenz über die Arbeit der Behörde in den vergangenen zwei Jahren informiert. 

Der Tätigkeitsfokus des Landesbeauftragten lag wie in den Jahren zuvor in der Beratung. Christian Dietrich ging zentral auf folgende Fragen ein: Wie hat sich die Beratungssituation ehemaliger politisch Verfolgter entwickelt? Wie entwickelt sich die Rechtslage der Betroffenen?
Der Landesbeauftragte dazu:  „Die Zeitzeugen der frühen Jahre der DDR werden weniger. Jetzt werden die Leiden der späteren DDR-Generationen in den Beratungen präsenter. Der Gesetzgeber hat die Rehabilitierungen bis Ende 2019 befristet. Ein Schlussstrich ist unserem Land unwürdig. In Thüringen leben statistisch gesehen besonders viele Opfer der SED-Herrschaft. Entsprechend hoch sind die Entschädigungsleistungen und Hilfen, die ausgezahlt werden. Allein für die Opferrente in Thüringen wurde im vergangenen Jahr über 18 Millionen € gezahlt. Der Bedarf nach Beratung, Aufklärung und Hilfe ist groß. In der letzten Zeit wurde die Würdigung derer, die wegen ihrer Religion in der DDR verfolgt wurden, zur Herausforderung für den Freistaat.“

IMG 2098 Zuschnitt WebIm Zuge der Pressekonferenz erläuterte der Landesbeauftragte auch die eigene Bildungsarbeit in Kooperation mit Bildungsträgern und in eigener Verantwortung. Im Berichtszeitraum hat die Behörde über 70 Veranstaltungen im Bereich der Erwachsenenbildung in Form von Vorträgen, Podiumsdiskussionen oder Buchlesungen sowie 60 Veranstaltungen mit Schulen und anderen Bildungsträgern durchgeführt. 
Auch auf die erfolgreiche Nutzung der Neuen Medien im Berichtszeitraum verwies Dietrich. Mit über 700 Posts zu Veranstaltungen, aktuellen Debatten und historisch relevanten Diskursen zeigt die Webseite des ThLA eine hohe Dynamik und einen erheblichen Informationsmehrwert für die Zielgruppe. Der Landesbeauftragte beteiligt sich an der politischen Bildung in Thüringen maßgeblich über die neuen Medien. Eine besondere Bedeutung erlangte in diesem Zusammenhang eine interaktive Karte, die von Zwangsaussiedlungen betroffene Orte anzeigt und Hinweise auf die Gedenkkultur liefert. Die Karte ist in die Webseite des Landesbeauftragten eingebettet. Nahezu 22.000 Personen haben diese bereits aufgerufen. Ebenso verzeichnet die Facebook-Seite des Landesbeauftragten ein stetiges Wachstum, mittlerweile gefällt über 400 Personen die Seite des Landesbeauftragten auf Facebook. Über einen neu eingerichteten YouTube-Kanal sollen noch mehr interessierte Menschen erreicht werden: Zukünftig werden die Veranstaltungen des Landesbeauftragten auch durch Videoaufnahmen begleitet. 

Den Tätigkeitsbericht des Landesbeauftragten finden Sie hier. 

Zugleich hat der Landesbeauftragte den Tätigkeitsbericht der Beratungsinitiative SED-UNRECHT für das Jahr 2016 veröffentlicht. Schwerpunkte der Beratungstätigkeit in 2016 waren, wie auch schon in den Vorjahren, weiterhin die Anfragen zu allen Formen der Rehabilitierung und den sich anschließenden Verfahren zur Beantragung von sozialen Ausgleichsleistungen. Die Beratungsinitiative arbeitet im Auftrag des Landesbeauftragten und unterstützt die Behörde in oben genannten Tätigkeitsfeld. Den Tätigkeitsbericht der Beratungsinititative können Sie hier einsehen. 

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Zwangsaussiedlungen in Thüringen

Diese interaktive Karte zeigt über 200 Orte in Thüringen, die von Zwangsaussiedlungen betroffen waren. Klicken Sie auf die Markierungen, um mehr zu erfahren. 

Legende: 
Gelb: Zwangsaussiedlungen 1952
Orange: Zwangsaussiedlungen 1961
Rot: Zwangsaussiedlungen in mehreren Jahren

Kontakt

Der Landesbeauftragte des Freistaats Thüringen zur Aufarbeitung der SED-Diktatur (ThLA)

Postfach 90 04 55 | 99107 Erfurt

Tel.: 0361 57 3114-951
Fax: 0361 57 3114-952
E-Mail:  info@thla.thueringen.de

Der Landesbeauftragte auf Facebook:

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Beratungsangebote

Persönliche Beratung und telefonische Anfragen sind zu den aufgeführten Sprechzeiten möglich.

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Bundesstiftung Aufarbeitung

Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur
Die Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur trägt zur umfassenden Aufarbeitung von Ursachen, Geschichte und Folgen der Diktatur in der SBZ und in der DDR bei.

www.bundesstiftung-aufarbeitung.de

der bundesbeauftragte

Der Bundesbeauftragte
für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik

www.BStU.bund.de

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