Mittwoch, 24.August 2016

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Wann: 24.08.16, 14.00 Uhr
Wo: Thüringer Landtag, Jürgen-Fuchs-Straße 1, 99096 Erfurt

Die Ausstellung ist dem 25. Jahrestag der Aktion "Baltischer Weg" gewidmet und wird morgen feierlich im Thüringer Landtag eröffnet. Sie beleuchtet in einer historischen Rundschau die Geschichte von Befreiung und Besetzung der Baltischen Republiken im 20. Jahrhundert. Ein Schwerpunkt liegt auf der Dritten Atmoda (Wiedergeburt / Erwachen), die mit der Perestroika Ende der 1980er Jahre möglich wurde. Es ist eine Ausstellung des Museums für Nationalgeschichte Lettlands, die durch die Bundesstiftung Aufarbeitung, die Deutsche Gesellschaft und das Archiv Bürgerbewegung Leipzig erstellt wurde.
Die Ausstellung wird zeitgleich mit der Ausstellung "Verordnete Freundschaft" im Thüringer Landtag gezeigt.


Zuschnitt Der Baltische WegZur Ausstellungseröffnung sprechen:

Begrüßung:
Christian Carius
Präsident des Thüringer Landtags
Christian Dietrich
Landesbeauftragter zur Aufarbeitung der SED-Diktatur

Einführung in die Ausstellung:
Sebastian Rösner
Europaabteilung der Deutschen Gesellschaft e.V.

Wir freuen uns über Ihr Kommen! 

Am 31. August 2016 endet die Antragsfrist für Hilfen aus dem Fonds Sexueller Missbrauch für Betroffene, die in ihrer Kindheit oder Jugend von 1949 bis 2013 in der Bundesrepublik oder der DDR in Institutionen sexuell missbraucht wurden. Für den Fonds sexueller Missbrauch im familiären Bereich sind Anträge auch über die ursprüngliche Frist vom 30. April 2016 hinaus weiterhin möglich.

Für den Missbrauch in Heimen für Kinder oder Jugendliche konnten sich ehemalige Heimkinder bis 30. September 2014 an den Fonds Heimerziehung in der DDR wenden. Das Ergänzende Hilfesystem institutioneller Bereich des Fonds Sexueller Missbrauch kann daher von ehemaligen Heimkindern nicht in Anspruch genommen werden.

Der evangelische Pfarrer Oskar Brüsewitz setzte sich am 18. August 1976 auf dem Marktplatz von Zeitz selbst in Brand. Es war der Protest gegen ein staatliches Erziehungsmonopol, dass Religion und christlichen Glauben diskriminierte. Während die DDR um internationale Anerkennung warb, machte diese „Flucht in den Tod“ (Wolf Biermann) die Verlogenheit der SED-Führung offensichtlich.
Neben dem „Hilferuf aus Riesa“ und der Ausreisebewegung, der Ausbürgerung von Wolf Biermann und der Solidaritätsbewegung mit dem Dissidenten, war es gerade das Signal von Zeitz, dass das Ende der SED-Herrschaft anzeigte. 

In der Osterländer Volkszeitung vom 18. August 2016 heißt es zur Aufarbeitung in diesem Kontext:
„Die Thüringer rot-rot-grüne Landesregierung wird ihrem Versprechen nach Aufarbeitung des DDR-Unrechts bei der Verfolgung von Christen nicht gerecht. Das zeige sich auch am ersten Bericht zum Stand der entsprechenden Aktivitäten des Landes, in dem dieses Thema faktisch nicht vorkomme, kritisierten Vertreter von katholischer und evangelischer Kirche bei einem Ökumenischen Gesprächsforum am Dienstagabend im Erfurter Augustinerkloster.“

Diesbezüglich sei auf einen interessanten Aufsatz vom Landesbeauftragten Christian Dietrich hingewiesen: Es brannte in unserem Gewissen – Oskar Brüsewitz und die Gewissensbildung in der DDR. In: Mariano Delgado, Volker Leppin, David Neuhold (Hg.): Ringen um die Wahrheit: Gewissenskonflikte in der Christentumsgeschichte, 2011, S. 369–398.

Im Gedenken an Brüsewitz wurde ein großes Kreuz aus Neonröhren an der Berliner Zionskirche angebracht und beleuchtet. Dieses soll bis zum 22. August, dem Todestag von Brüsewitz, eingeschaltet bleiben. Weitere Informationen zu der Gedenkaktion finden Sie hier. 

Ein halbes Jahrhundert lang lebten sowjetische Besatzer und DDR-Bewohner neben- und miteinander. Bis 1989 die Mauer fiel und die Letzten der 546.000 Soldaten 1994 friedlich abzogen.

Klier Verordnete FreundschaftWie haben DDR- und Sowjetbürger einander wahrgenommen zwischen hermetisch abgeriegelten KGB-Vierteln, Kasernengeländen und frei zugänglichen „Russen-Magazinen“, zwischen der Furcht vor gewaltsamen Übergriffen und Mitleid mit dem harten Leben der einfachen Soldaten? Auf diese und weitere Fragen gibt die Ausstellung "Verordnete Freundschaft. Die sowjetische Besatzung 1945 bis 1994" Antwort. Die Eröffnung fand heute im feierlichem Rahmen - nebst musikalischer Umrahmung durch Schüler des Musikgymnasiums Belvedere Weimar - im Thüringer Landtag in Erfurt statt. 

In der Einführungsrede machte die DDR-Bürgerrechtlerin und Autorin Freya Klier deutlich, dass die von ihr entwickelte Ausstellung die unterschiedlichen Facetten des Lebens der Deutschen mit den Sowjetischen Besatzern besonders herausstellt - und stalinistische Gewalt in den 40er und 50er Jahren ebenso thematisiert wie Fratinisierungsverbot und dennoch bestehende persönliche Freundschaftsgeschichten. Die Ausstellung spannt einen historischen Bogen über fast fünf Jahrzehnte sowjetischer Besatzungsherrschaft im Osten Deutschlands. Zahlreiche Fotos und Dokumente beleuchten dieses besondere Kapitel der deutschen Nachkriegsgeschichte. Und immer wieder fließen dabei auch persönliche Erinnerungen an die „verordnete Freundschaft“ ein.

Dietrich Verordnete FreundschaftAuch in Thüringen, wo der längste Teil der innerdeutschen Grenze verlief, war die Rote Armee mit starken Einsatzkräften vertreten. An insgesamt sieben Thüringer Garnisionsstandorten waren Truppen der Westgruppe der Roten Armee stationiert, darunter auch die als besonders schlagkräftig geltende 8. Armee. Der Landesbeauftragte Christian Dietrich erinnerte in diesem Zusammenhang an das "Russendorf" Nohra. Am 3. Juli 1945 war die 8. Gardearmee unter Gardegeneraloberst W. I. Tschuikow in das Thüringer Dorf verlegt worden. Sie hatte in Stalingrad gekämpft und Berlin miterobert. Damit wurde Nohra einer der wichtigsten Standorte der Sowjetischen Streitkräfte in Deutschland. Der Stützpunkt war vollkommen von Mauern umgeben, zur deutschen Bevölkerung bestand weitgehend Kontaktverbot. Hier war die größte sowjetische Hubschrauberstaffel in der DDR stationiert, deren Flüge eine erhebliche psychologische, besonders akustische Beeinträchtigung der Bevölkerung der umliegenden Orte darstellten. Als die sowjetischen Truppen 1992 aus Nohra abzogen, umfassten die militärischen Liegenschaften eine Fläche von ca. 240 ha. Zu einem ausführlichen Artikel des Landesbeauftragten zum Verhältnis von Bevölkerung und Sowjetarmee in Nohra (erschienen in der Gerbergasse 18, Ausgabe 2/2012) gelangen Sie über diesen Link. 

Publikum Verordnete FreundschaftEinen Bogen zur aktuellen Tagespolitik spannte zuletzt der Journalist und Publizist Boris Reitschuster, der die heutigen Deutsch-Russischen Beziehungen thematisierte und einen kritischen Blick auf die Politik Russlands forderte. Gleichwohl erläuterte Reitschuster, dass es wichtig sei, zwischen einzelnen Menschen und politischer Agenda zu unterscheiden. So habe er Russland und seine Menschen stets als freundlich und offen erlebt - trotz aller scharfer politischer Rhetorik und antiwestlicher Propaganda.

Die Ausstellung „Verordnete Freundschaft” ist ein Projekt von Freya Klier für die Robert Havemann-Gesellschaft e.V. Sie ist gefördert durch die Lotto Stiftung Berlin und wird von der Robert Havemann-Gesellschaft mit Unterstützung des Berliner Landesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen betreut und ausgeliehen.

Der Landesbeauftragte am 11.08.2016 in der Kirchenzeitung der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland und der Ev. Kirche Anhalt, "Glaube und Heimat":
Der erste Mann im DDR-Staat, Walter Ulbricht, verkündete 1957: »Wer sich heute daran hindern lässt, überlebte, alte Glaubenssätze über Bord zu werfen, der schadet sich selbst« Zu spüren bekamen es vor allem Pädagogen, die sich der Weltanschauungsdiktatur widersetzten. So verlor Oswald Schieck 1957 seinen Lehrauftrag an der Jenaer Ingenieurschule.
In der Tageszeitung hieß es dazu: »Die Erziehungs- und Bildungsarbeit kann in unserem Arbeiter-und-Bauern-Staat nur in die Hände von solchen Lehrkräften gelegt werden, die vom Standpunkt des Marxismus-Leninismus an ihre Arbeit gehen« Vorn Kindergarten bis zur Hochschule war in der DDR der sogenannte historische Materialismus unumgängliches Bildungsprogramm. In ihren Reihen duldete die SED keine bekennenden Christen. Ihr Ziel war die religionslose Gesellschaft. Ein Mittel war die Jugendweihe. Anpassungsverweigerung war karriereschädigend, und viele Kinder aus christlichen Familien litten unter Schulangst. Der Protest von Oskar Brüsewitz richtete sich auch gegen diesen Terror. Über 700 Betroffene wurden in Thüringen inzwischen als »verfolgte Schüler« anerkannt.
Eine soziale Ausgleichsleistung gibt es für sie jedoch nicht. 1999 brachten Angela Merkel und weitere Abgeordnete eine entsprechende Forderung in den Bundestag ein. Bis heute gab es dazu keine Mehrheit.
Es wäre gut, wenn die Kirchen den Mut derer, die sich den Jugendweihen widersetzten und als Christen ihren eigenen Weg gingen, würdigten und sich für eine soziale Anerkennung einsetzten.
Der frühe Eingriff in den Berufsweg und damit in die (Renten-)Biografie wirken oft bis heute fort.


„Ich freue mich sehr, dass die Autorin, Regisseurin und frühere DDR-Bürgerrechtlerin Freya Klier den Franz-Werfel-Menschenrechtspreis 2016 für ihr Lebenswerk verliehen bekommt. Freya Klier hat stets Menschenrechtsverletzungen kritisiert und ans Licht gebracht. Die mit 10.000 Euro dotierte Auszeichnung ehrt eine Bürgerin, die mit ihren Veröffentlichungen und Dokumentarfilmen (u. a.) das Schicksal von verschleppten Frauen und Mädchen am Ende des Zweiten Weltkriegs in den Mittelpunkt rückte.“ Mit diesen Worten gratulierte Landtagspräsident Christian Carius der diesjährigen Preisträgerin Freya Klier.
In ihrem Buch "Wir letzten Kinder Ostpreußens: Zeugen einer vergessenen Generation" hat Freya Klier das konkrete Schicksal einiger weniger Menschen erzählt, die als Kind das Kriegsende in Königsberg und Ostpreußen erlebten. Es steht für das Schicksal von ca. 1.400 Menschen, die als unbegleitete Kinder aus der Region 1946/7 nach Thüringen kamen und zum Teil später adoptiert wurden.
Der Landesbeauftragte für die Aufarbeitung der SED-Diktatur freut sich, dass die Stiftung Zentrum gegen Vertreibung das Lebenswerk der Menschenrechtlerin mit dem Franz-Werfel-Preis würdigt und gratuliert der Preisträgerin.
Am 17. August wird Freya Klier im Thüringer Landtag sein, dann wird ihre Ausstellung "Verordnete Freundschaft" eröffnet. 

Die Zahl der deutschen Todesopfer des Eisernen Vorhangs ist noch nicht gesichert. Das Mauermuseum - Museum Haus am Checkpoint Charlie spricht dagegen von 1841 Toten. Der Forschungsverbund SED-Staat an der FU Berlin geht davon aus, dass diese Zahl zu hoch ist. Er untersucht insgesamt 1492 Verdachtsfälle an der innerdeutschen Grenze (Link zur Forschungsverbund mit einer Reihe von Biogrammen) (S.a. Süddeutsche Zeitung 11.08.2016, S. Kellerhoff in DIE WELT am 10.08.2016 und DER TAGESSPIEGEL, vom 11.08.2016, S. 14). 

Der erste Freiheitspreis des Domstift Brandenburg geht an das Menschenrechtszentrum Cottbus

menschenrechtszentrum cottbus footerDas Menschenrechtszentrum Cottbus e.V. wurde 2007. Dem Verein gehören mehrheitlich ehemalige politische Gefangene des einstigen Zuchthauses Cottbus an. Seit 2011 ist der Verein Eigentümer des gesamten Gefängnisareals und Betreiber der Gedenkstätte Zuchthaus Cottbus. Dies ist einmalig in der Gedenkstättenlandschaft in Deutschland.Es ist das besondere Anliegen der ehemaligen politischen Häftlinge, zu erinnern und zu mahnen. Besonders junge Menschen sollen durch die Auseinandersetzung mit dem früheren Unrecht für die Werte einer freiheitlich-demokratischen und rechtsstaatlichen Gesellschaft sensibilisiert werden.

Die 2015 berufene "Unabhängige historische Kommission zur Geschichte der CDU in Thüringen von 1945 bis 1990" hat den Eisenacher Historiker Dr. Bertram Triebel damit beauftragt, die Geschichte der einstigen Blockpartei zu erforschen. Für die Erarbeitung einer Studie sind 2 Jahre anberaumt. Finanziert wird das Projekt durch die CDU-nahe Konrad-Adenauer-Stiftung. Für das Projekt stehen insgesamt 45.000 Euro zur Verfügung. Der Kommissionsvorsitzende PD Dr. Jörg Ganzenmüller (Stiftung Ettersberg) teilte dem MDR mit, dass sich rund 20 Wissenschaftler auf die Stelle beworben hatten. Bertram Triebel hat in Leipzig und Nancy studiert und an und zur der Bergakademie Freiberg promoviert.
(s.auch Mitteilung des MDR am 4. August 2016)

DDR-
Bürger
Wenn die  im  westen sich anmaßen sollten
für ganz europa
zu sprechen
Werden wir uns
entscheiden müssen
keine europäer
zu sein

Am 4. August 2016 wäre Günter Ullmann 70 Jahre alt geworden. Er war Künstler und feinsinniger Kritiker der SED-Diktatur.

Am 9. August 2016 wurde in Bratislava-Petržalka ein Gedenkort an der Stelle eröffnet, an dem der Magdeburger DDR-Flüchtling Hartmut Tautz am 9. August 1986 verblutete. Er wurde von Hunden schwer verletzt und erlag Stunden später seinen Verletzungen, da ihm keine Erste-Hilfe geleistet wurde. Die Initiative für den Gedenkort ging von der Platform of European Memory and Conscience aus. Das Denkmal wird in Kooperation mit dem Ústav Pamäti Národa (Institut für nationales Gedenken der Slovakei) und der Stadt Bratislava errichtet. Die Geschäftsführerin der Platform Neela Winkelmann sagte am 29. Juli zu diesem Projekt: Europa braucht eine gesamteuropäische Kultur der Erinnerung an die Opfer Kommunismus. Der tragische Tod von Hartmut Tautz steht dafür symbolisch für die europäische Dimension der Erinnerung. Vier europäische Ländern sind von dem Tod Hartmut Tautz betroffen: Deutschland, die Tschechische Republik, die Slowakei und Österreich. Der Gedenkort ist Teil des europäischen Projektes “JUSTICE 2.0“, das auch vom Thüringer Landesbeauftragten unterstützt wird. (Ergänzung: s. auch Mitteilung bei Lidovky/Prag am 08.08.2016) Erste Liste der Todesopfer an der Grenze der ehemaligen CSSRHartmut Tautz

4. August 1961: Landwirt Hermann Fink und sein Sohn Willi werden aus der DDR zwangsausgewiesen; genauer wurden Vater und Sohn mit Fußtritten über den Zehnmeterstreifen der Grenze bei Geisa in die Bundesrepublik getrieben - ein zu jener Zeit einmaliger Fall, der atypisch zur seinerzeitigen Entwicklung und dem bevorstehenden Mauerbau war. Ein Fall, der nicht geheimgehalten, sondern von der SED propagandistisch ausgeschlachtet wurde. Was war geschehen?
Die Kollektivierung der Landwirtschaft war 1961 weitgehend abgeschlossen. Bis auf wenige Ausnahmen sind die Landwirte der DDR in Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaften (LPGs) gezwungen worden. Viele hatten sich dieser Entwicklung entgegengestellt, rund 8.000 Schauprozesse wurden gegen Landwirte geführt und über 15.000 Bauern flüchteten nach Westdeutschland. 
Hermann Fink blieb in seinem Heimatort Kranlucken (Rhön) und protestierte offen gegen die Zwangskollektivierung. Er erklärte schriftlich seinen Austritt aus der LPG. Seinem Beispiel folgten schließlich zahlreiche Bauern in der Umgebung. Trotz verstärktem Drucks zogen nur wenige ihre legalen Austrittsgesuche zurück. Die SED wollte nun ein Exempel statuieren.
ND2 ZuschnittAuf Beschluss des Büros der Bezirksleitung der SED des Bezirks Suhl wurden Hermann Fink und sein Sohn am 3. August 1961 verhaftet und am 4. August in die Bundesrepublik abgeschoben.
Es folgte eine DDR-weite Diffamierungs- und Verleumdungskampagne gegen die Familie Fink. "Schmutzfinken dorthin befördert, wo sie hingehören" hieß es etwa auf Flugblättern. Die Medien sprachen von "Handlangern der Bonner Imperialisten" die über die Staatsgrenze verjagt worden waren (siehe Artikel aus "Neues Deutschland" vom 5. August 1961 rechts). Die Botschaft bzw. Drohung, die hinter der Aktion steckte: Wer sich nicht der Kollektivierung in LPGs anschließt, verliert Haus und Hof, wird seiner Heimat beraubt. Ein Weg, den die Besatzungsmacht und die SED mit den sogenannten Kreisverweisen und den Zwangsaussiedlungen seit 1945 gegangen war (mehr zu dem Thema finden Sie hier).  
Die Ehefrau von Hermann Fink und zwei weitere Kinder wurden schließlich im Zuge der Aktion "Blümchen" zwei Monate später (am 3. Oktober 1961) zwangsumgesiedelt. Erst drei Jahre später konnte die Ehefrau - nach zahlreichen Hindernissen - im Rahmen der Familienzusammenführung nach Westdeutschland ausreisen. 
Einen zeitgenösschen Artikel zu dem Fall Fink aus "Der Spiegel" vom 16.08.1961 finden Sie hier. 

Nachtrag: Artikel zum 55 Jahrestag der Vertreibung in der Fuldaer Zeitung am 12.08.2016

Die Geschichtswerkstatt Jena lädt herzlich zu einer Lesung Grunow Buchcovermit dem Kabarettisten und Autor Dr. Rüdiger Grunow aus seinem neuen Roman "Der lange Schatten" ein: Donnerstag, 28. Juli 2016 um 19:00 Uhr im Plenarsaal des Historischen Rathauses Jena (Adresse: Markt 1, 07743 Jena). Der Eintritt ist frei, eine Anmeldung ist nicht erforderlich.
Rüdiger Grunows Roman "Der lange Schatten" erzählt das Schicksal von fünf Freunden. Nach dem Abitur wollen sie gemeinsam etwas gegen die Unfreiheit in der DDR tun. Das Ergebnis sind hohe Haftstrafen. Nach ihrer Entlassung schaffen alle einen akademischen Abschluss, bekommen es regelmäßig mit der Staatssicherheit zu tun und machen unterschiedliche Erfahrungen. Dabei zeigt sich, dass man Anwerbungsversuche des MfS auch ausschlagen konnte. Es wird dargestellt, wie man mit einer gewissen Anpassung, selbst als ehemaliger politischer Häftling, in der DDR erfolgreich sein konnte. Ort der Handlung ist Freiberg in Sachsen. Mit vielen authentischen Bezügen wird das Alltagsleben der Familien und das Berufsleben in der DDR beschrieben. Im Anschluss an die Lesung besteht die Möglichkeit zur Diskussion.
Weitere Informationen finden Sie hier. 

5 Regionalkonferenzen in den neuen Bundesländern

Die aktuellen Debatten um das Selbstverständnis Deutschlands in Europa und der Welt erfordern zeitgemäße Antworten auf die Fragen: „Wer ist das Volk? – Sind wir ein Volk? – Welches Volk wollen wir sein?“ Ressentiments gegenüber Fremden sind in den neuen Bundesländern verbreiteter als in den alten Bundesländern – gerade in ländlichen und strukturschwachen Gebieten, wo ausländerfeindliches wie „völkisch-nationalistisches“ Gedankengut und rechtsextremistische wie -populistische Parteien bzw. Gruppierungen Nährboden finden.

Die Deutsche Gesellschaft e. V. führt daher mit Unterstützung des Bundesministeriums des Innern unter dem Titel „Wir sind das Volk. – Wer ist das Volk?“ im Jahr 2016 fünf Regionalkonferenzen in den neuen Bundesländern durch. Weitere Informationen zu der Regionalkonferenz in Thüringen finden Sie hier. 

 

Ein Ort der Trauer für Mauertote ohne Grabstelle – Gedenktafel erinnert an heimlich eingeäscherte Grenzopfer des SED-Regimes

Anlässlich des 55. Jahrestages des Mauerbaus erinnert der Bezirk Treptow-Köpenick an ein weitgehend unbekanntes Kapitel der Geschichte der Berliner Mauer: Was geschah mit den Toten, die erschossen wurden, ertrunken waren oder auf andere Weise an der Grenze bei Fluchtversuchen ums Leben kamen? Welche Rolle spielte dabei das alte Krematorium Baumschulenweg?

Die Vorgänge um Tote an der Berliner Mauer wurden jahrelang vom Ministerium für Staatssicherheit vertuscht. Die DDR wollte kein nationales und internationales Aufsehen erregen und Ansehen verlieren.

Zu der Verheimlichungsstrategie des SED-Regimes gehörte es auch, dass im Krematorium Baumschulenweg das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) die Regie für die Einäscherung und Beisetzung der Mauertoten übernahm. Das MfS hatte konkrete Vorgaben zur „Bearbeitung von Leichenvorgängen, soweit es sich um Vorkommnisse an der Staatsgrenze zu Westberlin“ handelte, wie es im typischen MfS-Deutsch hieß. Der Schießbefehl an der Grenze sollte verheimlicht werden. Mit MfS-Überwachung wurde die Einäscherung vorgenommen. Aus Namen der Mauertoten wurde „unbekannt“. Wo die Urne dann beigesetzt oder die Asche verstreut wurde, lässt sich nicht mehr in allen Fällen nachvollziehen.

„Diese Opfergruppe droht in Vergessenheit zu geraten. Angehörigen dieser Maueropfer fehlt ein Ort der Trauer. Sie haben keine Grabstelle. Mit dieser Gedenktafel wird dieser Trauerort geschaffen“, sagte Bezirksbürgermeister Oliver Igel.

Einfuehrung Christian Dietrich Web

Erstmalig wurde am 21. Juli das Buch „Es gibt keinen Gott!“ Kirchen und Kommunismus. Eine Konfliktgeschichte in Thüringen vorgestellt. Die Buchvorstellung, an die sich eine Diskussionsrunde mit den drei Autoren Nadezhda Beljakova, Thomas Bremer und Katharina Kunter anschloss, fand im gut besuchten Erfurter Augustinerkloster statt. Zum ersten Mal seit 2012 kamen die Autoren zu dieser Veranstaltung persönlich zusammen und hatten hier die Gelegenheit, das neu erschienene Buch zu präsentieren. 

Beginnend mit der ersten kommunistischen Herrschaft in der Sowjetunion – mit der eine Christenverfolgung ungeahnten Ausmaßes einherging - zeichneten die Autoren den schwierigen Umgang kommunistischer Regime mit den Kirchen in Mittel- und Osteuropa im 20. Jahrhundert nach. Außerdem beleuchteten die Wissenschaftler die Rolle der Kirchen im Zuge der politischen und gesellschaftlichen Veränderungsprozesse seit den späten 1980er-Jahren sowie die aktuellen Herausforderungen.

Thomas Bremer Web

Im Fokus der Diskussion stand die Frage, welche Folgen die Einsetzung kommunistischer Regime für Kirche und Religion hatten. Wichtig war den Autoren dabei, Hauptlinien in der Entwicklung herauszustellen. So beschrieb Thomas Bremer, dass in vielen Ländern Mittel- und Ostmitteleuropas auf eine erste Phase massiver Verfolgung von Christen ein Wandel hin zu gemäßigter Suppression im Rahmen einer administrativen Ordnung zu verzeichnen war. Nadezhda Beljakova betonte dabei die besondere Herausforderung, 25 Jahre Forschungsstand zu der Thematik in dem Werk zusammengefasst zu haben. 

Panorama WebIm Europäischen Vergleich, konstatierte Katharina Kunter, lässt sich die besondere historische Aufarbeitung im Bezug auf die DDR-Geschichte feststellen. Zum Verhältnis von Staat und Kirche wurde hier deutlich gründlicher geforscht, als in anderen Ländern. Weiter erläuterte die Privatdozentin der Universität Karlsruhe, dass es unter den kommunistischen Regimen Europas mehrheitlich zu einer Zerstörung der öffentlichen, kulturellen und gesellschaftlichen Bedeutung der Kirchen und folglich zu einer Zurückdrängung von Religion und Glauben in den privaten Raum kam. An die Buchvorstellung schloss sich eine lebendige Diskussionsrunde mit dem Publikum an. Weitere Informationen zu der Publikation und zu den Autoren finden Sie hier

Über diesen Link finden Sie auf Deutschlandradio Online eine ausführliche Buchbesprechung sowie ein Interview mit den Autoren.  

Ab 1. August 2016 können ehemalige deutsche Zwangsarbeiter einmalig eine Anerkennungsleistung in Höhe von 2.500 € beantragen. Zweck dieser einmaligen Sonderleistung ist die Anerkennung des schweren Schicksals von deutschen Staatsangehörigen und deutschen Volkszugehörigen, die als Zivilpersonen während und nach dem Zweiten Weltkrieg (1. September 1939 bis 1. April 1956) für eine ausländische Macht Zwangsarbeit leisten mussten. Der Antrag ist bis spätestens 31. Dezember 2017 (Ausschlussfrist) an das Bundesverwaltungsamt, Außenstelle Hamm, zu richten. 
Weitere Informationen zu den Antrags-, Anerkennungs- und Auszahlungsmodalitäten erhalten Sie hier auf der Webseite des Bund der Vertriebenen oder direkt über die Bekanntmachung der Richtlinie über eine Anerkennungsleistung an ehemalige deutsche Zwangsarbeiter (ADZ-Anerkennungsrichtlinie) des Bundesministeriums des Innern vom 7. Juli 2016, abrufbar über diesen Link.

Historische Hintergründe zu rechtsradikalen Tendenzen in Ostdeutschland
Gastbeitrag von Christian Booß, Projektkoordinator beim BStU


Nur wenn es ganz dick kommt, wird das Thema Rechtsextremismus in Ostdeutschland auf die Agende gesetzt. „Ja, es stimmt: Sachsen hat ein Problem mit Rechtsextremismus, und es ist größer, als viele – ich sage es ehrlich: auch ich – wahrhaben wollten,“ musste der sächsische Ministerpräsident Stanislav Tillich Ende Februar 2016 einräumen. Nach flüchtlingsfeindlichen nötigenden Pöbeleien im sächsischen Clausnitz und einem Brandanschlag gegen ein Flüchtlingsheim in Bautzen, drohte Sachsen ein Shitstrom. Selbst die Wirtschaft war beunruhigt, dass Investoren verschrecket werden könnten. Der Regierungschef des Freistaates sah sich gezwungen, deutliche Worte zu finden. Andere aus seinem Umfeld taktierten lieber, stellten sich „vor die Sachsen“, wollen offenbar immer noch nicht wahrhaben, was sich schon seit Jahren abzeichnet.
Wenn man die Ereignisse aneinanderreiht, zeigt sich eine deutlich rechtsradikale Spur in der sächsischen Gesellschaft. Seien es neonazistische Kameradschaften, der Einzug der NPD in den Landtag, Ansätze zu einer rechtsradikalen Parallelkultur in der sächsischen Schweiz oder die rechtslastige Unkultur der Protestbewegung Pegida. Statistiken belegen ferner, dass sich die Zahl der ausländerfeindlichen Gewalt in den letzten Monaten verdoppelte, mehr als anderswo in Deutschland.
Es sind jedoch nicht nur heutige Gründe, die zur Verdrängung führten, sondern auch historische Chiffren, die im kollektiven Gedächtnis den Blick auf die Realität verstellten: das kulturvolle Dresden; Leipzig, die Heldenstadt des Jahres 1989; die Geschichte vom einstigen rote Sachsen. Aber gerade der Blick in die Geschichte zeigt, dass die sächsische Gesellschaft alles andere als politisch homogen war. Sicher, Leipzig ist die Wiege der deutschen Sozialdemokratie. Mehrfach stellten Sachsen die Sozialdemokraten in der Zwischenkriegszeit den Ministerpräsidenten. In urbanen Zentren wie Leipzig, Teilen von Dresden und Chemnitz hielten die Arbeiterparteien noch bis zum Machtantritt Hitlers rechnerisch eine Mehrheit. Ein wirkliches Bollwerk waren auch sie nicht, weil die KPD die SPD zunehmend als politischen Hauptfeind ansah. Doch die organisatorisch starke und mit einer Mischung aus Terror und modernen Wahlkampfmitteln kämpfende NSDAP fasste nach der Weltwirtschaftskrise sogar zunehmend in Arbeitermilieus Fuß. Bei den Juliwahlen 1932 wurde sie endgültig zur Massenpartei. Die Bedeutung des damaligen Erdrutsches wird erst wirklich deutlich, wenn man nicht Durchschnittsergebnisse, sondern Regionalergebnisse analysiert.

Im Jahr 2015 waren mehr als 60 Millionen Menschen weltweit auf der Flucht. Sie flüchteten und flüchten vor Krieg, vor lang schwelenden sowie neu ausgebrochenen Konflikten und aus Angst vor Verfolgungen. Die Zahl der Flüchtlinge und Vertriebenen war noch nie so hoch wie heute und sie wird weiter steigen, wie der Halbjahresbericht des Hohen Flüchtlingskommissars der Vereinten Nationen (UNHCR) von 2015 zeigt. Flucht und Vertreibung werden durch die aktuellen Ereignisse auch den Deutschen gegenwärtig: Derzeit leben in Thüringen etwa 20.000 Flüchtlinge. Fern der Heimat suchen sie hier Schutz. 
vetriebeneKein neues Phänomen, schon früher gab es Flucht und Vertreibung nach Thüringen – in deutlich größeren Ausmaßen. Zwischen 1944/45 und 1950 nahm das Land hunderttausende Vertriebene aus Schlesien, dem Sudentenland, Pommern und Ostpreußen auf. Ende 1948 lebten bereits über 680.000 Vertriebene in Thüringen, was einen Anteil von 22 Prozent an der damaligen Gesamtbevölkerung ausmachte. Die Flüchtlinge und Vertriebenen aus dem Osten waren gezwungen ihren Platz in der Fremde zu finden.


Schließlich setzte mit der Installierung und Etablierung eines diktatorischen Herrschaftssystems in der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) eine neuerliche Fluchtbewegung aus Thüringen ein. Bis zum Mauerbau im August 1961 waren knapp drei Millionen Menschen aus der SBZ und der DDR in den Westteil Deutschlands geflohen. Die stetig zur Abriegelung des sozialistischen Staates verstärkte innerdeutsche Grenze verhinderte auch nach 1961 nicht, dass über 600.000 Bürger das Land auf gefährlichen Wegen verließen. Die meisten Fluchtwilligen waren jung und resignierten angesichts der schwindenden Entfaltungsmöglichkeiten und der eingeschränkten Freiheit im SED-Staat. 
Gleichzeitig ergriff die noch junge DDR Grenzsicherungsmaßnahmen, die zu organisierten Vertreibungen in Thüringen führten und wiederum zahlreiche Menschen zur Flucht in den Westen trieb: 1952 und 1961 wurden aus über 230 thüringischen Ortschaften an der Grenze zu Bayern, Hessen und Niedersachsen mehrere Tausend Menschen in Nacht-und-Nebel-Aktionen zwangsausgesiedelt und an neue Wohnorte in Thüringen verbracht.
Das Jahresthema Flucht und Vertreibung greift die Geschichte(n) von Flucht und Vertreibung nach, in und aus Thüringen zwischen 1945 und 1989 auf. Die damaligen Ereignisse und ihre Auswirkungen bis heute sind oftmals vergessen oder von anderen Themen überlagert. Wir möchten Ihnen hier einen Einstieg in die dreigliedrige Thematik geben – mit Hinweisen und Kommentaren zu lesenswerter Fachliteratur, besuchenswerten Gedenkorten in Thüringen und wichtigen historischen Daten im Rahmen einer Kalenderübersicht. Lesen Sie hier weiter

Fragt man nach der Verantwortung für das Unrecht in einer Diktatur, liegt der Verweis auf die Machthaber und ihre Handlanger nahe. Im Falle der DDR wären das SED-Politbüro und die Staatssicherheit zu nennen. Eine solche Antwort greift jedoch zu kurz, da jedes Staats- und Gesellschaftssystem auf vielen Stützen basiert. In der „Diktatur des Proletariats“ beanspruchte die SED eine „führende Rolle“ und übte sie 40 Jahre lang aus. Insofern ist der Staatspartei tatsächlich die Hauptverantwortung für das von ihr errichtete und aufrechterhaltene System zuzuweisen. Die Frage nach weiteren Stützen der Diktatur rückt jedoch gesellschaftliche Akteure jenseits der SED und auch einzelne Personen in das Blickfeld. Diskussionen über institutionelle und individuelle Verantwortung können unangenehm sein, sind für eine konsequente Vergangenheitsbewältigung aber unerlässlich. In der neuen „Gerbergasse 18“ werden einige der zahlreichen Stützen der SED-Diktatur näher betrachtet: die Blockparteien anhand von Beispielen aus Stadt und Kreis Jena, die Zwangsarbeit politischer Häftlinge für Westbetriebe, die Kampfgruppen als Schutzmacht der „sozialistischen Errungenschaften“ und der „Kooperationsverband Wissenschaft“ in Freiberg als Pfeiler der Planwirtschaft im Staatssozialismus.

Weitere Themen in der neuen „Gerbergasse 18“ sind unter anderem die Entwicklung der militärischen Erinnerungskultur in der DDR, Technologieschieber aus der Schweiz, das Wirken der Staatssicherheit an der Technischen Hochschule Ilmenau und das Gedenken an den Jenaer Physikerball 1956.

Weitere Informationen zur "Gerbergasse 18" finden Sie hier. 

CoverDie Geschichte des Kommunismus ist eine Geschichte des steten Kampfes gegen Kirchen und Gläubige. Diese Konfliktgeschichte wurde jüngst wissenschaftlich aufgearbeitet; in der kommenden Woche erscheint in Deutschland das Buch "Es gibt keinen Gott!" worin die grundsätzlichen ideologischen Gegensätze, aber auch Gemeinsamkeiten von Kirche und Kommunismus herausgearbeitet wurden. Beginnend mit der ersten kommunistischen Herrschaft in der Sowjetunion nach 1917 zeichnen die Autoren Nadezhda Beljakova, Thomas Bremer und Katharina Kunter dabei den schwierigen Umgang kommunistischer Regime mit den Kirchen in Mittel- und Osteuropa im 20. Jahrhundert nach. Abschließend beleuchteten die Wissenschaftler die Rolle der Kirchen in den Veränderungsprozessen seit den späten 1980er-Jahren sowie die aktuellen Herausforderungen. 

Am 21. Juli 2016 wird die Herder-Publikation erstmalig in Thüringen vorgestellt. Zu dieser Buchvorstellung, an die sich eine Diskussionsrunde mit den drei Autoren anschließt, lädt der Landesbeauftragte herzlich ein. Die Veranstaltung findet im Erfurter Augustinerkloster statt und beginnt um 18:00 Uhr.

1 Literaturtipp Lebensumwege Cover webDas Buch von Ira Spieker und Uta Bretschneider mit dem Titel Lebens(um)wege beschreibt sehr anschaulich die Geschichte von Flucht und Vertreibung nach Thüringen, die am Ende des Zweiten Weltkrieges einsetzte. Im Mittelpunkt des Buches stehen die individuellen Erinnerungen und Erfahrungen der Vertriebenen. Neun Zeitzeugen, die als Kinder und Jugendliche ihre Heimat in Ostpreußen, Pommern, Schlesien und dem Sudetenland verlassen mussten, kommen in Originalpassagen zu Wort. Gleichzeitig werden in den biographischen Skizzen die damaligen Lebensumstände der Kinder und Jugendlichen deutlich. Sie berichten eindringlich unter anderem von ihren Erfahrungen während der Flucht vor der Roten Armee aus Schlesien, aber auch während der „organisierten Vertreibungen“ aus Ostböhmen. Ebenso erfährt der Leser von der Ankunft im Thüringischen, vom Neubeginn in Mengersgereuth-Hämmern, Lauscha, Roth und Römhild bei Hildburghausen, Dingsleben und weiteren Orten. Allgegenwärtig werden der Verlust der Heimat, die Not und der Hunger während der Flucht, aber auch die Chancen des Neubeginns. Das Buch entstand aus einem Forschungslehrprojekt im Bereich Volkskunde/ Kulturgeschichte der Friedrich-Schiller-Universität Jena, das im Sommersemester 2010 und im Wintersemester 2010/11 durchgeführt wurde. Die Studenten setzten sich mit der Situation der Flüchtlinge und Vertriebenen zwischen Verlust und Neubeginn auseinander und führten Gespräche mit Zeitzeugen der Jahrgänge 1924 bis 1944. Diese lebensgeschichtlichen Interviews bildeten dann gemeinsam mit persönlichen Dokumenten und Fotografien der Zeitzeugen sowie mit Unterlagen aus den Archiven die Grundlage für die im Buch dargestellten Biographien. Eingeleitet wird der Band mit einer Analyse von Ira Spieker, die sich der historischen Deutung individueller Lebenserfahrungen widmet und einem Aufsatz von Uta Bretschneider, der sich mit dem Thema „Kindheit“ in der Nachkriegszeit und angesichts der Vertriebenenerfahrung auseinandersetzt. Des Weiteren finden sich im Buch „Infokästen“, die übergreifende Themen wie Unterkunft, Ankunft, Ernährung, Karrierewege usw. der Flüchtlinge und Vertriebenen aus dem Osten darstellen.


Weitere Informationen zu der Publikation erhalten Sie bei der volkskundlichen Beratungs- und Dokumentationsstelle für Thüringen.

Vortrag von Dr. Christian König zum Thema Flüchtlinge und Vertriebene und deren Rolle in der DDR-Aufbaugeneration am 23. Juni 2016 im Collegium Maius in Erfurt

Web 1662Im Rahmen der gemeinsamen Vortragsreihe „Der Quellenwert der Stasi-Akten für die zeitgeschichtliche Forschung“ des Landesbeauftragten des Freistaates Thüringen zur Aufarbeitung der SED-Diktatur (ThLA) und des Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR (BStU) präsentierte Dr. Christian König am 23. Juni 2016 in Erfurt ausgewählte Ergebnisse seiner Doktorarbeit. Der Historiker erforschte in seiner Qualifikationsschrift, welche Rolle Flüchtlinge und Vertriebene aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten innerhalb der DDR-Aufbaugeneration spielten. Genauer untersuchte König, jene Personengruppe mit Vertriebenenhintergrund, die zwischen 1925 und 1935 geboren war. Dabei erörterte er die zentrale Frage, inwiefern es diesen Menschen gelang, sich eine neue private und berufliche Existenz in der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) und DDR aufzubauen. Resümierend lässt sich festhalten, dass sich Flüchtlinge und Vertriebene in einem ausgeprägtem Spannungsfeld zwischen Ablehnung, Überwachung und Integration befanden. 

Im Jahr 1949 stellten Flüchtlinge und Vertriebene aus dem Osten ein Viertel der Bevölkerung der SBZ – 4,3 Millionen Menschen. Der Historiker verdeutlichte in seinen einführenden Bemerkungen, dass hier vor allen Dingen Frauen und Kinder überrepräsentiert waren. Gerade die etwa 1,17 Millionen geflüchteten bzw. vertriebenen Kinder wurden ein bedeutender Teil der DDR-Aufbaugeneration. Zu integrativen Elementen wurden unter anderem Bildung und Arbeit, aber auch das soziale Netz von Familie, Bekannten und Freunden. Dennoch wanderten etwa 900.000 Flüchtlinge und Vertriebene bis zum Mauerbau 1961 in die Bundesrepublik Deutschland ab.

Web 1664Die in der SBZ und DDR verbliebenen Flüchtlinge und Vertriebenen gerieten schnell in den Blick der Polizeibehörden. Seit 1946 wurden deren Zusammenkünfte beobachtet, wie beispielsweise in den 1950er und 1960er Jahren die Treffen ehemaliger Sudetendeutscher im Hallenser und Leipziger Zoo. Nachdem 1950 das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) die Überwachung übernommen hatte, stellte diese allerdings fest, dass hier keine „organisierte negative Feindtätigkeit“ gegeben war. Vielmehr wurden nun auch verstärkt hauptamtliche Mitarbeiter unter den jungen Erwachsenen mit Vertriebenenhintergrund rekrutiert. Hierbei war der „Klassenstandpunkt“ entscheidend, wie Dr. König anhand zweier hochrangiger MfS-Mitarbeiter belegt, die in Schlesien geboren waren und in der DDR eine typische „Kaderkarriere“ machten. Am Ende seines Einblickes in die Thematik verwies der Referent auf einen bis 1990 bestehenden interessanten Dualismus: Einerseits blieben die Vertriebenen und Flüchtlinge Beobachtete des MfS, andererseits war ein Teil von ihnen Beobachtender. Diese und weitere Ergebnisse lassen sich unter anderem aus den MfS-Akten rekonstruieren. Die Fragen aus dem Publikum verdeutlichten abschließend das große Interesse am Thema „Flucht und Vertreibung nach Thüringen“. 

13428436 1778816879071914 9086589680779747272 nDas Kuratorium Deutsche Einheit verlieh Professor Dr. Richard Schröder am Sonntag, den 19. Juni 2016, den Point-Alpha-Preis für Verdienste um die Einheit Deutschlands und Europas in Frieden und Freiheit. Das Kuratorium würdigte den Theologen und Bürgerrechtler als hoch verdienten und aufrechten Patrioten, als wichtigen Akteur der Friedlichen Revolution des Herbstes 1989 und als einen Wegbereiter des deutschen Einigungsprozesses im Jahre 1990.

Richard Schröder gehörte der im März 1990 frei gewählten Volkskammer an und bereitete als Vorsitzender der SPD-Fraktion die entscheidenden Schritte des Einigungsprozesses vor – die Verhandlungen zur Wirtschafts- und Sozialunion, die Möglichkeit des Beitritts der DDR zum Geltungsbereich der Bundesrepublik nach Art 23 Grundgesetz sowie die Aushandlung des Einigungsvertrags, der am 03. Oktober 1990 in Kraft trat. Christine Lieberknecht, Ministerpräsidentin des Freistaats Thüringen a.D. und Präsidentin des Kuratoriums Deutsche Einheit, würdigte Richard Schröder als Impuls- und Ideengeber für die Einheit Deutschlands und Europas bis zum heutigen Tage. In vielen Verhandlungsfragen habe Schröder über alle Parteigrenzen hinweg Haltung bewahrt, so Lieberknecht.

13445270 1778816875738581 3606680734264631340 nDr. Wolfgang Clement, ehemaliger Ministerpräsident Nordrhein-Westfalens und Bundesminister a.D., erinnerte in seiner Laudatio an das Erfordernis einer Zweidrittelmehrheit in der DDR-Volkskammer für die Zustimmung zum Einigungsvertrag. Für diese Mehrheit und die Ergebnisse der Verhandlungen mit den westdeutschen Kollegen habe Richard Schröder als führender Vertreter der ostdeutschen Sozialdemokratie entscheidend beigetragen. Auch nach der Wiedervereinigung und bis in die Gegenwart sei Richard Schröder mit seinen Diskussionsbeiträgen und Veröffentlichungen ein Gewinn für Deutschland. „Sein umfassendes Wissen und seine Erfahrung in Ost und West, in Kirche, Wissenschaft und Politik machen ihn zu einem herausragenden Repräsentanten unseres gemeinsamen Deutschland“, so Clement.

In seiner Erwiderung (hier abrufbar) bewegten Prof. Dr. Richard Schröder die aktuellen Entwicklungen und gesellschaftlichen Herausforderungen der Pegida-Bewegung und der Partei „Alternative für Deutschland“.

Die Aufarbeitung der Heimunterbringung von Kindern und Jugendlichen in Deutschland steht seit Jahren im öffentlichen Interesse. Für Wissenschaftler, Zeitzeugen und Interessierte hat das Deutsche Institut für Heimerziehungsforschung eine Internetseite entwickelt, die im Juni 2016 freigeschaltet wurde (Link). In den letzten Jahren ist vieles „ans Licht gekommen, von dem die meisten nie etwas wissen wollten und lange Zeit nicht für möglich gehalten haben. Diejenigen. um die es dabei vor allem ging - die ehemaligen Heimkinder - mussten erfahren, wie wenig auch in einer Demokratie für die Benachteiligten der Vergangenheit ermöglicht worden ist. Das Schicksal der Heimkinder, die in den Heimeinrichtungen des 20sten Jahrhunderts lebten, bildet den Gegenstand unseres Projektes. Der Namen Jahrhundertkind soll darauf deuten, dass sehr viele Kinder des letzten Jahrhunderts in Kinderheimen lebten und litten." (Autoren der Internetseite)
Unter uns leben ca. 500.000 Menschen, die in der DDR in Heimen waren.

Vortrag mit Dr. Christian König: Flüchtlinge und Vertriebene in der DDR-Aufbaugeneration

Plakat KoenigMehr als vier Millionen Menschen kamen nach Ende des Zweiten Weltkrieges aus den ehemaligen Ostgebieten des Deutschen Reiches als sogenannte "Umsiedler" in die Sowjetische Besatzungszone.

Die Kriegsflüchtlinge aus Pommern, Ostpreußen und anderen Regionen östlich der Oder hatten in ihrer neuen Heimat oftmals mit Vorurteilen, Anfeindungen oder gar direkter Ablehnung seitens der ansässigen Bevölkerung zu kämpfen. Demgegenüber standen Chancen und Integrationsangebote - für jene, die bereit waren, sich für den Aufbau des Staatssozialismus einzusetzen.

Anhand exemplarischer Lebensgeschichten zeigt der Historiker Dr. Christian König im Rahmen seines Vortrags am 23. Juni 2016 im Erfurter Collegium Maius, welche Rolle Flüchtlinge und Vertriebene für den SED-Staat und seinen Geheimdienst spielten. Dabei beschreibt Dr. König unter anderem auf Basis von MfS-Quellen, wie Menschen in dem Spannungsfeld zwischen Ablehnung, Überwachung und Integration versuchten, sich eine neue private und berufliche Existenz aufzubauen.

Wir freuen uns über Ihr Kommen.

Wann: 23.06.2016, 18:00 Uhr 
Wo: Collegium Maius, Michaelisstraße 39 (gegenüber der Michaeliskirche), 99084 Erfurt

Der 17. Juni wird seit 62 Jahren als Gedenktag begangen. Bis zum Ende der Deutschen Teilung war er in der Bundesrepublik der Tag der „Deutschen Einheit“ – in den späten Jahren der Teilung eher ein freier Tag als ein Gedenktag.
Vielen war nur in Bruchstücken bekannt, was am 17. Juni in der DDR geschah und die meisten unterschätzten wohl, welche Dynamik in der unvollendeten Revolution lag.
Das war 1954 noch anders. Die erste Gedenkrede zum 17. Juni im Bundestag hielt Franz Böhm.
Er hatte während der Nazidiktatur in Jena gelebt, war Staatsanwalt und Professor, wurde aber wegen seiner Kritik an der Judenverfolgung in den Ruhestand versetzt.
Nach dem Krieg war er einer der Gründer der Bundesrepublik und hat ab 1952 die deutsche Delegation für die Wiedergutmachungsverhandlungen mit den jüdischen Weltverbänden und dem jungen Staat Israel geleitet. Er wusste, auch wenn Verbrechen nicht wieder gut zumachen sind, den Opfern müssen langfristig Hilfen zum Leben, für ein Leben nach der Katastrophe, geschaffen werden.
1954 sagte er über den 17. Juni:
„Es war der erste volkstümliche revolutionäre Massenaufstand unseres Jahrhunderts im Namen der Freiheit gegen den Terror.“
Er setzte die Streiks, Protestversammlungen, Gefangenenbefreiungen und Stürmung der Herrschaftssymbole an ca. 700 Orten in der DDR in Beziehung zur Sehnsucht nach Recht, Freiheit und Frieden.
Indirekt zitierte er so seine Schwiegermutter Ricarda Huch, die Alterspräsidentin der Beratenden Versammlung Thüringens. Sie schrieb unserem Freistaat 1946 ins Stammbuch:
„Es sei dem Lande Thüringen beschieden, dass niemals mehr im wechselnden Geschehen ihm diese Sterne untergehen: Das Recht, die Freiheit und der Frieden.“

Der 17. Juni hat in vielen Gemeinden Thüringens einen festen Platz als Tag der Erinnerung an den Volksaufstand im Jahre 1953. Die Massenproteste gegen die SED-Herrschaft kurz nach Gründung der DDR, gehören zu den wichtigsten Protestaktionen gegen die kommunistische Herrschaft im 20. Jahrhundert. Seit diesem Jahr ist der Tag in Thüringen ein Gedenktag für die Opfer des SED-Unrechts.
Der Landesbeauftragte nahm an folgenden Gedenkfeiern teil:

in Erfurt, an der Gedenkstätte in der Andreasstraße, um 10:00 Uhr (Rede)
in Teistungen im Grenzlandmuseum, um 15:00 Uhr
in Heilbad Heiligenstadt, Ortsumfahrung Westspange, um 18:00 Uhr zur Eröffnung des Gedenkorts "Westblick"
Am 19. Juni, Schifflersgrund, Gedenkstunde für die Opfer der SED-Diktatur, 14:30 Uhr

Der Thüringer Festakt 2016 fand am 17. Juni in Mühlhausen, Kornmarktkirche, statt.
An diesem Festakt nahmen auch 80 Schüler teil, die sich zuvor auf ein Gespräch mit dem Zeitzeugen Jürgen Umbereit vorbereitet hatten. Die pädagogische Begleitung hatte Dr. Matthias Wanitschke.
Christian Carius sagte auf dem Festakt, dass sein Großvater am 17. Juni 1953 in Mühlhausen aktiv beteiligt war (MDR zum Festakt s.a. Thüringer Landtag)

Weitere Informationen zum Thema 17. Juni 1953 finden Sie hier. 

UnbenanntDie neuen Bundesländer haben ein signifikantes Problem mit Fremdenfeindlichkeit. Populistische Parteien und Organisationen erhalten dort im Vergleich zu den alten Bundesländern deutlich mehr Zuspruch und die Zahl rassistisch motivierter Übergriffe ist höher.
Was sind die Ursachen für die fremdenfeindlichen Ressentiments, die in erster Linie in Ostdeutschland zum Tragen kommen? 

Ein in der Forschung häufig herangezogenes Erklärungsmuster ist die kollektive Erfahrung der geschlossenen Gesellschaft, die viele Menschen in der DDR geprägt hat. Für das gemeinsame Zusammenleben von DDR-Bürgern und Ausländern gab es so gut wie keine Beispiele. Weder fand ein intensiver Austausch mit den stationierten sowjetischen Truppen statt, noch ist die gesellschaftliche Isolation von Gastarbeitern, zum Beispiel aus Vietnam oder Mosambik, dazu geeignet gewesen, Toleranz und Weltoffenheit zu fördern. Die Tabuisierung von Neonazismus führte außerdem dazu, dass es zu keiner Auseinandersetzung mit tradierter und ausgeübter Fremdenfeindlichkeit kam.
Über 8.600 ausländerfeindliche, neonazistische und antisemitische Vorfälle wurden in der DDR dokumentiert. Trotz des verordneten Antifaschismus war im Bezirk Erfurt 1954 jeder 8. Genosse ein ehemaliges NSDAP-Mitglied.

Ist die ausgeprägte Fremdenfeindlichkeit im Osten der Bundesrepublik damit tatsächlich als Erbe der DDR zu begreifen? Dieser zentralen Frage wird im Rahmen der Podiumsdiskussion nachgegangen. 

Podiumsdiskussion nebst Impulsvortrag zur Ursachenforschung von Fremdenfeindlichkeit in den neuen Bundesländern mit:

o Prof. Dr. Heinrich Best, Soziologe, Universität Jena (Autor des Thüringen-Monitors)
o Prof. Dr. Frank Ettrich, Soziologe, Universität Erfurt
o Dr. Patrice G. Poutrus, Historiker, Universität Wien
o Konrad Weiß, Publizist, MdB a.D.

Wann: Mittwoch, 15.06.2016, 18:00Uhr
Wo: Thüringer Landtag, Jürgen-Fuchs-Straße 1, 99096 Erfurt

Teilnahme nur per Anmeldung via E-Mail an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! oder telefonisch unter 0361 / 37 71951.
Wir freuen uns über Ihr Kommen!

„Das „sozialistische Volks- und Heimatfest“ lud vom 9. bis 11. Juli 1976 mit einem attraktiven Kulturprogramm in die thüringische Kreisstadt Altenburg. Es sollte ein Unterhaltungsmarathon der Superlative werden und endete doch mit scharfen Dissonanzen,“ schreibt Dr. Michael Rauhut in den Blättern zur Landeskunde Thüringen.
Als Tramper, Kunden oder Gammler verunglimpft, provozierten auf jenem Fest rund 2.500 Jugendliche Staatsmacht und DDR-Diktatur. Es kam zu einem handfesten Eklat mit 103 Festnahmen und drei Haftstrafen.
Diesen Ereignissen wird in Altenburg in den kommenden Wochen mit verschiedenen Veranstaltungen gedacht. Am Freitag, den 03.06.2016 gibt es im Altenburger Weindepot Priem eine Lesung / Podiumsdikussion zum damaligen Kulturbetrieb, der Blues-und Rockszene und der damals so wichtigen kirchlichen Kulturarbeit. Dem schließt sich am Samstag ein Open Air-Konzert mit den DDR-Kult-Bluesern von Monokel an. Weitere Informationen zu dem Veranstaltungswochenende finden Sie hier.      

Zudem wird im Teehaus Altenburg eine Ausstellung eröffnet, die gut erhaltenes Foto- und Filmmaterial des „sozialistischen Volks- und Heimatfests" von 1976 zeigt. Die Eröffnung der Ausstellung findet im Rahmen der Museumsnacht in Altenburg am Sonnabend, 11. Juni 2016 um 18 Uhr statt. Anschließend wird die Ausstellung vom 12. – 19. Juni 2016 dort jeweils von 10 bis 17 Uhr weiterhin zu sehen sein. 

 

Der Thüringer Landtag hat im April diesen Jahres mit 84 von 85 Stimmen beschlossen, dass am 17. Juni der Opfer von SED-Unrecht gedacht wird. Im bundesdeutschen Gedenktagskalender wird der Tag seit 1954 in Erinnerung an den Volksaufstand begangen. In Thüringen gibt es dafür einige Orte, an denen jedes Jahr Gedenkfeiern stattfinden. Eine Auflistung dieser Gedenkorte finden Sie hier. Spätestens mit dem Beschluss des Thüringer Landtags wird der Tag als Symbol für die SED-Unrechtsherrschaft bis zu ihrem Ende im Jahre 1989 gedacht.

Die DDR-Opposition nahm immer wieder Bezug auf den 17. Juni - die SED befürchtete bis zuletzt eine Wiederholung des "Tag X". Ein konkretes Beispiel gibt diesbezüglich der Thüringer Jürgen Unbereit:  

Die Bundesregierung will strafrechtlich verfolgte Homosexuelle rehabilitieren. Die Rehabilitierung durch die nationalsozialistische Justiz wurde bereits 2002 beschlossen. Die Gesetzesinitiative steht auf der Tagesordnung der Justizministerkonferenz am 1./2. Juni.
Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) erklärte am 11. Mai 2016 dazu: "Die alten Urteile sind Unrecht. Sie verletzen jeden Verurteilten zutiefst in seiner Menschenwürde." Die Urteile sollen aufgehoben werden. Neben der Rehabilitierung soll auch eine Entschädigung erfolgen. Hierfür ist das Modell eines Fonds im Gespräch.
Als Grundlage für die Rehabilitierung dient ein Rechtsgutachten, dass die Antidiskriminierungsstelle des Bundesregierung in Auftrag gab, die der Staatsrechtler Prof. Dr. Martin Burgi (München) erstellte.

Die Justizministerkonferenz wird sich auf der Sitzung am 1./2. Juni mit der Rehabilitierung von DDR-Heimeinweisungen beschäftigen. Der Bundesgerichtshof hatte entschieden, dass die Einweisung eines Kindes in ein Heim für Kinder oder Jugendliche, da die Eltern „des Betroffenen infolge ihrer Inhaftierung als Opfer politischer Verfolgung an der Ausübung der elterlichen Sorge gehindert waren“, nicht zwangsläufig als politische Verfolgung zu interpretieren sei (mehr dazu http://openjur.de/u/769571.html).
Zur Konkretisierung des Strafrechtlichen Rehabilitierungsgesetzes für Kinder, deren Eltern wegen politischer Haft rehabilitiert wurden, werden die Justizminister von Thüringen und Mecklenburg-Vorpommern einen Gesetzentwurf einbringen (https://www.thueringen.de/th4/tmmjv/aktuelles/medieninformationen/91230/).

Der Verein Gedenkstätte Amthordurchgang und der Landesbeauftragte des Freistaats Thüringen zur Aufarbeitung der SED-Diktatur laden am Donnerstag, den 2. Juni 20016 um 18:00 Uhr zur Buchvorstellung „Der verratene Verräter. Wolfgang Schnur: Bürgerrechtsanwalt und Spitzenspitzel“ von Alexander Kobylinski in die Gedenkstätte Amthordurchgang ein.

Kaum ein Protagonist der Umbruchszeit 1989/90 polarisiert bis heute so wie Wolfgang Schnur. Als Anwalt arbeitet Schnur in der DDR als Vertrauensanwalt der Evangelischen Kirche für Oppositionelle. So vertrat er zahlreiche Bürgerrechtler, Wehrdienstverweigerer, sowie Dissidenten. Nicht wenige sehen den Mitbegründer und Vorsitzenden des Demokratischen Aufbruchs als kommenden Wahlsieger bei den Volkskammerwahlen im März 1990 und somit als künftigen DDR-Ministerpräsidenten. Kurz vor der Wahl wird jedoch bekannt, dass Schnur seit den 1960er Jahren für die Stasi als Inoffizieller Mitarbeiter tätig war. Der Entzug der Anwaltszulassung und diverse Verurteilungen folgen. Er starb am 16. Januar 2016. Kobylinski, einst selbst Mandat von Schnur, zeigt, wie Schnur mit viel Geduld, aber äußert zielstrebig vom MfS aufgebaut wurde. Ebenso beleuchtet er aber auch die folgenden Einbrüche in seiner Karriere nach Enttarnung seiner Stasivergangenheit.

Heute vor 25 Jahren verständigten sich die Bundestagsfraktionen von CDU, FDP und SPD darauf, dass die Stasiakten in der Bundesrepublik für die Opfer zugänglich gemacht werden. Es war eine weitreichende Entscheidung, die am 14. November 1991 durch den Deutschen Bundestag gesetzlich verankert wurde. Es wurde die Behörde des Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik geschaffen. Heute steht nicht die Öffnung der Akten aber die Zukunft der Behörde zur Debatte (Siehe Meldung vom 12. April).

Die Vorschläge der vom Bundestag eingesetzten Expertenkommission, das Minderheitenvotum und die eingeholten Expertisen von Dr. Hans Altendorf, Prof. Dr. Herbert Günther, Prof. Dr. Ulrike Höroldt, Prof. Dr. Dr. Hansjürgen Garstka, Prof. Dr. Hansjörg Geiger, Dr. Susanne Olbertz, Prof. Dr. Johannes Weberling, Prof. Dr. Hermann Wentker, Dr. Helge Heidemeyer, Prof. Dr. Joachim von Puttkamer, Dr. Christoph Schneider, Regina Schild, Rüdiger Sielaff, Anne Drescher, Ulrike Poppe, der Bundeszentrale für Politische Bildung, der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, des Bundesarchivs, die 
Ausarbeitung der Wissenschaftlichen Dienste zur Einrichtung eines Bundesbeauftragten für die Aufarbeitung/Bewältigung der Folgen kommunistischer Diktatur und eine Dokumentensammlung von Dr. Anna Kaminsky und Prof. Dr. Manfred Wilke sind auf der Seite des Bundestags zu finden (hier).

Im Kulturausschuss der Bundestags gab es am 27. April 2016 eine Anhörung (hier die Dokumentation).

Die Stellungnahmen vom 27. April 2016 von der ehemaligen Bundesbeauftragten für die Stasiunterlagen Marianne Birthler, des Bundesvorsitzenden der UOKG, der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen, der Landesbeauftragten für Stasiunterlagen in Sachsen-Anhalt, des Museums in der "Runden Ecke" Leipzig und des Präsidenten der Bundeszentrale für politische Bildung sind hier zu finden: Havemann-Gesellschaft

An gleicher Stelle sind auch vier von 52 Informationen des BStU an die Expertenkommission zu speziellen Themen (Reformbedarf, Außenstellen, Gelände Lichtenberg...) und eine Vielzahl weiterer Stellungnahmen zu finden: Havemann-Gesellschaft.

 

 

Flüchtlinge und Vertriebene in der DDR-Aufbaugeneration

Mehr als vier Millionen Menschen kamen nach Ende des Zweiten Weltkrieges aus den ehemaligen Ostgebieten des Deutschen Reiches als sogenannte "Umsiedler" in die Sowjetische Besatzungszone.
Die Kriegsflüchtlinge aus Pommern, Ostpreußen und anderen Regionen östlich der Oder hatten in ihrer neuen Heimat oftmals mit Vorurteilen, Anfeindungen oder gar direkter Ablehnung seitens der ansässigen Bevölkerung zu kämpfen. Demgegenüber standen Chancen und Integrationsangebote - für jene, die bereit waren, sich für den Aufbau des Staatssozialismus einzusetzen.
Der Historiker Dr. Christian König zeigt im Rahmen seines Vortrags am 23. Juni im Erfurter Collegium Maius, welche Rolle Flüchtlinge und Vertriebene für den SED-Staat hatten und beschreibt anhand konkreter Lebensgeschichten, wie Menschen in dem Spannungsfeld zwischen Ablehnung und Integration versuchten, sich eine neue private und berufliche Existenz aufzubauen.

Wann: Donnerstag, 23.06.2016, 18:00 Uhr
Wo: Collegium Maius, Michaelisstraße 39, 99084 Erfurt

Forschungsstand zu den Untersuchungen von Denis Bechmann bezüglich der Verhängung von politischen Strafurteilen gegenüber Thüringer Werwolfverdächtigen durch sowjetische Militärtribunale

Nach Kriegsende am 8. Mai 1945 wurden in den Folgemonaten und –jahren viele Kriegsverbrecher bestraft, auch durch entscheidende Hinweise aus der Bevölkerung. Allerdings wurden manche Personen als Begleiterscheinung etwa gegenüber der sowjetischen Besatzungsmacht schlichtweg denunziert und, ohne ein rechtsstaatliches Verfahren erhalten zu haben, verurteilt.
So auch im thüringischen Greußen geschehen: Bis Anfang 1946 kam es zur Verhaftung und Vernehmung von rund 70 meist jugendlichen Einwohnern - durch den sowjetischen Geheimdienst (NKWD), deutsche Polizeikräfte und einige KPD-Mitglieder, die nach dem Austausch der nationalsozialistischen Eliten in Schlüsselpositionen gerückt waren. Der Vorwurf: Mitgliedschaft in der radikal-fanatischen nationalsozialistischen Freischärlerbewegung „Werwolf“, die noch nach Kriegsende aktiv war.

Entsprechend den Forschungen von Historiker Denis Bechmann hatten einige KPD-Mitglieder der Stadtverwaltung ganz bewusst eine konkrete Bedrohung durch angebliche Werwolf-Mitglieder in Greußen fingiert, um sich bei der vermeintlichen Aufklärungsarbeit profilieren zu können. Flugblätter der Werwolf-Organisation wurden gefälscht, Beweise manipuliert und Personen absichtlich einer Mitgliedschaft oder einer Kooperation bezichtigt.
Auf Basis dieses Forschungsstandes untersucht der Historiker derzeit die genaueren Hintergründe und Abläufe der Ereignisse. „Diese wurden bisher nur marginal behandelt und sind sehr widersprüchlich“, so Bechmann. Kein Zweifel besteht darin, dass es bei 41 dieser Personen zu politisch motivierten Verurteilungen durch sowjetische Militärtribunale kam. Kurt Hüllemann wurde zum Tode verurteilt und in Sondershausen hingerichtet – 50 Jahre später wurde er rehabilitiert.

Ein Fall von vielen: Bei circa 200 Thüringern ist der Sachstand ähnlich. Einer durch sowjetische Militärtribunale in der Nachkriegszeit vollstreckten Todesstrafe folgte in den 90er Jahre die Rehabilitierung.
Im Rahmen einer Podiumsdiskussion wird die Thematik am Mittwoch, 18. Mai 2016 um 18:00 Uhr im Vortragsraum der Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek in Jena aufgegriffen. Dort werden die Herausgeber der Studie „Todesurteile sowjetischer Militärtribunale gegen Deutsche (1944-1947)“, Dr. Klaus-Dieter Müller, Dr. Thomas Schaarschmidt, Dr. Mike Schmeitzner und Dr. Andreas Weigelt anhand ähnlicher Fälle die unterschiedlichen Facetten, Rollen und Bedeutungen der Todesurteile für die Besatzungspolitik in der SBZ diskutieren.

Die Veranstaltung im Überblick: 

· Podiumsdiskussion mit den Herausgebern der Studie: Dr. Klaus-Dieter Müller, PD Dr. Mike Schmeitzner, Dr. Thomas Schaarschmidt, Dr. Andreas Weigelt
· Wann: Mittwoch, 18. Mai 2016, 18:00 Uhr
· Wo: Vortragsraum der Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek, Bibliotheksplatz 2, 07743 Jena

Wir freuen uns über Ihr Kommen. Der Eintritt ist frei.

 

EppleraErhard Eppler (* 1926) der sozialdemokratische Politiker und langjärige Vorsitzende der Grundwertekomission der SPD (1973-1992) erhielt am 9. Mai 2016 in Gotha den "Wilhelm Bock Preis". Namensgeber des Preises ist der Gothaer Sozialdemokrat und Alterspräsident des Deutschen Reichstages Wilhelm Bock (1846-1931).

Erhard Eppler hielt am 17. Juni 1989 im Deutschen Bundestag die Gedenkrede zum 17. Juni. Er fand damals eine Sprache für das mögliche Ende der SED-Herrschaft: "wenn das Eis des Kalten Krieges unter unser aller Füßen schmilzt, kann die DDR auf Dauer nur überleben, wenn sie eine Funktion erfüllt, die ihren eigenen Bürgern einleuchtet". Zur Entwicklung der poliotischen Lager in der Bundesrepublik stellte er fest, dass die Linke den Westen wiederentdeckt habe und die Konservativen endlich den Osten. Zusammenfassend sagte er kurz vor der Friedlichen Revolution: "Je souveräner deutsche Politik wird, desto weniger bedarf sie des souveränen Nationalstaats, um die Einheit der Deutschen darzustellen und zu festigen."

Iwan Lippold wurde 1899 in Langensalza geboren, lebte in Erfurt und führte als Inhaber die Firma Oskar Lippold Kohlen- Groß- und Kleinhändler und holzverarbeitender Betrieb. Außerdem war Lippold seit 1934 Mitglied der NSDAP.
Nach Kriegsende wurde er am 09.12.1945 in Erfurt festgenommen und am 15.12.1945 vom sowjetischen Militärtribunal der 22. Artilleriedivision in Erfurt zum Tode durch Erschießen verurteilt. Der Vorwurf lautete: Kriegsverbrechen, Beschäftigung von 20 polnischen und 15 sowjetischen Zwangsarbeitern und systematische physische Bestrafung und Misshandlung dieser Arbeiter für Verfehlungen. Die Vollstreckung des Urteils erfolgte am 03.01.1946.
Die Tochter von Iwan Lippold, Christel Barthels, zeichnet in ihren veröffentlichten Erinnerungen ein anderes Bild des Vaters: Er sei ein gutmütiger Mensch gewesen und von einem Dritten denunziert worden, der sich nach dessen Verhaftung prompt als neuer Geschäftsführer der Firma einsetzte. Nach der Verurteilung wurde die Familie zudem enteignet. 50 Jahre später - 1995 - hat die russische Hauptmilitärstaatsanwaltschaft das Urteil gegen Lippold aufgehoben und für unrechtmäßig erklärt.
Iwan Lippold ist einer von circa 200 Thüringern, die durch sowjetische Militärtribunale in der Nachkriegszeit zum Tode verurteilt – und schließlich posthum rehabilitiert wurden. Im Rahmen der Podiumsdiskussion mit den Herausgebern der Studie „Todesurteile sowjetischer Militärtribunale gegen Deutsche (1944-1947)“ soll anhand dieses und ähnlicher Fälle die Rolle und Bedeutung der Todesurteile für die Besatzungspolitik in der SBZ diskutiert werden.

· Podiumsdiskussion mit den Herausgebern der Studie: Dr. Klaus-Dieter Müller, PD Dr. Mike Schmeitzner, Dr. Thomas Schaarschmidt, Dr. Andreas Weigelt
· Wann: Mittwoch, 18. Mai 2016, 18:00 Uhr
· Wo: Vortragsraum der Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek, Bibliotheksplatz 2, 07743 Jena

 

Die Postkontrolle der Staatssicherheit

GrafikZum Zeitpunkt seiner Auflösung waren 2.177 Stasi-Mitarbeiter in Berlin und den Bezirksstädten der DDR damit beschäftigt, täglich ca. 90.000 Briefe zu kontrollieren. Für die Arbeit der geheimpolizeilichen Postkontrolle gab es keine juristische Grundlage. Jene für die Postkontrolle zuständige Abteilung M bewegte sich im rechtsfreien Raum, war doch das Postgeheimnis in der DDR-Verfassung garantiert. Welche Arbeitsweisen, Methoden und Mittel hatte die Abteilung M? Welche Überwachungsarten gab es und welche Verfahren und Maschinen wurden eingesetzt, um den Briefverkehr in der DDR zu kontrollieren?

Diesen und weiteren Fragen wird der Forscher und Autor des Buches „Die Postkontrolle der Staatssicherheit – Aus der Sicht eines Zeitzeugen“, Peter Hellström, in seinem Vortrag am 12. Mai 2016 um 18:00 Uhr im Erfurter Collegium Maius nachgehen.

Der Landesbeauftragte des Freistaats Thüringen zur Aufarbeitung der SED-Diktatur (ThLA) veranstaltet gemeinsam mit dem Bundesbeauftragten für die Stasiunterlagen (BStU) die Vortragsreihe zum „Quellenwert der Stasi-Akten für die zeitgeschichtliche Forschung". Im Rahmen vielseitiger Vorträge wird anhand anschaulicher Beispiele die historische Bedeutung der Stasi-Akten herausgestellt.

Der Beschluss des deutschen Bundestages von 2007, ein Freiheits- und Einheitsdenkmal in Berlin zu errichten, wurde vom Haushaltsausschuss des Bundestages gestoppt.
Die Deutschen Gesellschaft e.V. bedauert den Beschluss und lädt zur Debatte ein (hier).

EinheitsdenkmalDer ehemalige Präsident des Bundesamtes für Bauwesen und Raumordnung Florian Mausbach erklärt dazu:
"Das Freiheits- und Einheitsdenkmal auf der Berliner Schlossfreiheit ist weit mehr als ein Einheitsdenkmal. Es ist das Denkmal der friedlichen Bürgerrevolution von 1989. Es ist das Nationaldenkmal zur dauernden Erinnerung an die Vollendung eines langen historischen Weges über Abgründe hinweg, auf dem das Land und die Nation endlich ihre Grenzen und ihre Freiheit gefunden haben,  in einem von seinen europäischen Nachbarn anerkannten und respektierten friedlichen, freiheitlichen, demokratischen Rechtsstaat.
Das Datum der ersten freien Wahlen in der DDR  am 18. März 1990 erinnerte an den revolutionären März von 1848, als die demokratische Revolution in Deutschland ihren Höhepunkt am Berliner Schloss erlebte: vor den Märzgefallenen musste der König seinen Hut ziehen. In der sozialen und demokratischen Revolution von 1918 wurde das Berliner Schloss zum Symbol des Endes der Adelsherrschaft: der Trauerzug zur Beisetzung der Opfer der Novemberrevolution ging über die Schlossfreiheit. Am 4. November 1989 bewegte sich über die Schlossfreiheit der Marsch der friedlichen Revolution zum Alexanderplatz zu der größten Kundgebung, die die DDR je gesehen hatte.
Das Nationaldenkmal Kaiser Wilhelms I. verschwand 1949 von der Schlossfreiheit in Kisten mit kyrillischen Buchstaben. Heute erinnert der Sockel an ein Fundament der Bundesrepublik Deutschland, an die von Bismarck als „Revolutionär von oben“ (Friedrich Engels) bewirkte erste deutsche Einheit von 1871. Auf diesem Sockel die demokratische Freiheitsrevolution durch ein Bürgerdenkmal zu ehren und zu feiern, die 1989 die Einheit von unten bewirkte, gibt es etwas Sinnfälligeres? Gibt es etwas Notwendigeres in einer Zeit demokratischer und moralischer Verunsicherung?"

 

Der 20. Bundeskongress der Landesbeauftragten und der Bundesstiftung Aufarbeitung mit den Verfolgtenverbänden und Aufarbeitungsinitiativen tagte dieses Jahr vom 22. bis 24. April in Rostock zum Thema „Zwangsvereinigung. Der Zusammenschluss von SPD und KPD 1946 und das Parteiensystem in Ostmitteleuropa“.

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Dort machte die Historikerin Prof. Dr. Beatrix Bouvier deutlich, dass die Vereinigung von SPD und KPD vor 70 Jahren mit Recht als Zwangsvereinigung zu bezeichnen ist. Bouvier erläuterte weiter, dass angesichts der zahlreichen Verhaftungen von Parteimitgliedern durch die sowjetische Besatzungsmacht im Zuge der Zwangsvereinigung mehr als symbolischer Widerstand allerdings nicht möglich gewesen sei.

In der Erfahrung im Widerstand „gegen eine verhasste Diktatur … liegt viel Kraft und Selbstbewusstsein verborgen. Wir werden sie brauchen müssen, wenn wir wollen, dass unsere Gesellschaft den eingeschlagenen demokratischen Weg weitergeht“, betonte Stephan Hilsberg, Mitbegründer der 1989 entstandenen Sozialdemokratischen Partei in der DDR (SDP). 

Der jährlich stattfindende Kongress ist die einzige Plattform, bei der Vertreter von mehr als 40 Aufarbeitungs- und Verfolgtenverbänden und Initiativen aus allen Bundesländern ihre Anliegen austauschen und Forderungen artikulieren. Von zentraler Bedeutung waren dabei die Appelle zur Entfristung der Ende 2019 auslaufenden Rehabilitierungsgesetze sowie Verbesserungen bei der Anerkennung von gesundheitlichen Folgeschäden von politischer Verfolgung. Lesen Sie hier mehr zum diesjährigen Bundeskongress. 

 

Bild Richard SchroederAm Sonntag, den 19. Juni 2016, wird das Kuratorium Deutsche Einheit e. V. den diesjährigen Point-Alpha-Preis an Professor Dr. Richard Schröder verleihen.
Der bekannte Theologe und Philosoph gehörte 1990 der einzigen frei gewählten Volkskammer an. Als Vorsitzender der SPD-Volkskammerfraktion hat sich Richard Schröder in den entscheidenden Monaten der Vorbereitung der deutschen Einheit vom 3. April bis zum 21. August 1990 über Parteigrenzen hinweg hohe Anerkennung und außerordentliche Wertschätzung erworben.

So bedurfte der Einigungsvertrag in der Volkskammer einer Zweidrittelmehrheit, für deren Erreichung Richard Schröder unverzichtbare Dienste leistete. Beim Wiederaufbau der neuen Länder und der Gestaltung der inneren Einheit Deutschlands war er über zwei Jahrzehnte ein engagierter und viel gefragter Begleiter und Ratgeber von Politik, Wirtschaft, Kultur und Gesellschaft. Als einer der profiliertesten intellektuellen Köpfe der deutschen Sozialdemokratie arbeitet Richard Schröder bis heute an zentralen gesellschaftlichen Fragen der Gegenwart und Zukunft. In seinen vielbeachteten Veröffentlichungen scheut er sich dabei nicht, auch unpopuläre Positionen zu vertreten. Besondere Achtung hat er sich zudem als Vorstandsvorsitzender der Deutschen Nationalstiftung erworben.

das war die teilung titelIn Band Drei der Schriftenreihe Point Alpha beschreiben Diana Unkart und Klaus Hartwig Stoll ausfürhlich die Einrichtung und Ausweitung der Grenzanlagen zwischen BRD und DDR in der hessisch-thüringischen Rhön. Zur Erstellung der empfehlenswerten Publikation nutzten die Autoren ein breites Spektrum von Zeitzeugenberichten sowie teilweise noch nicht veröffentlichtes Bild- und Archivmaterial. Aus vielen einzelnen Geschichtsepisoden beiderseits der Grenze ist eine quellenorientierte zeitgeschichtliche Dokumentation entstanden, die ein Kaleidoskop "erzählter Geschichte" der Region zeichnet. Besonders interessant sind dabei MfS-Quellen, die die Vorbereitung von dortigen Zwangsaussiedlungen, etwa im Rahmen der Aktion "Ungeziefer" im Jahr 1952 betreffen. Hier wurden Betroffene in Listen erfasst, die auch die Begründungen für die geplante Zwangsaussiedlung beinhalteten. Deutlich wird anhand der Quellen: Schon geringste Abweichungen vom systemkonformen Verhalten reichten aus, um denunzierte Familien um Haus und Hof zu bringen. So lautet die Begründung zur Zwangsaussiedlung einer in der Region ansässigen Person, sie verhälte sich sehr zurückhaltend und wolle von der Partei nichts wissen. 
Weitere Informationen zu Publikation "Das war die Teilung - Grenzgeschichte und Grenzgeschichten aus der Rhön 1945-1990" finden Sie hier.

Nachdem mehrere Vertreter der Platform of European Memory and Conscience am Bundeskongress 2014 (Fulda/Point Alpha) auf Einladung des Landesbeauftragten teilnahmen, hat der Landesbeauftragte Christian Dietrich die Geschäftsstelle in Prag besucht.

Prag

Dr. Neela Winkelmann (Managing Director der Platform of European Memory and Conscience) und Christian Dietrich. Im Hintergrund ein Foto von der Samtenen Revolution in Prag am 17.11.1989 ("Pravdy každému přejte!" deutsch: "Wünschet jedermann die Wahrheit!" - ein Zitat von Jan Hus. Darunter die Abkürzung für die Philosophische Fakultät der Prager Karlsuniversität.



Am 11. April hat der Stiftungsrat der Stiftung Point Alpha Ricarda Steinbach zur Nachfolgerin von Direktor Volker Bausch gewählt. Volker Bausch wird zum 15. Juli 2016 in den Ruhestand treten.

Der Vorsitzende des Stiftungsrates, Professor Dr. Dr. Hans-Joachim Jentsch, würdigte in der Stiftungsratssitzung ausdrücklich Engagement und Verdienste des scheidenden Direktors, insbesondere beim Aufbau der Point Alpha Akademie. Er gratulierter Ricarda Steinbach zu ihrer Wahl und wünschte ihr „von Herzen viel Erfolg in der neuen Herausforderung rund um Point Alpha, eine Menge frischer Impulse und eine stets glückliche Hand vor allem im Umgang mit einer hochmotivierten Mitarbeiterschaft und den jährlich mehr als 100.000 Gästen." (PM der Stiftung Point Alpha)

Die „Mutter Courage von Thüringen“, Christina Schultheiß, ist tot. Sie starb am Sonnabend im Alter von 97 Jahren zu Hause in Pillingsdorf. Die Trauerfeier wird am 8. April um 14 Uhr in Tanna stattfinden.
"Christina Schultheiß war über die Grenzen Thüringens hinaus bekannt – als langjährige Präsidentin der Landessynode (1978 bis 1990), Mitglied der Synoden des Bundes der Evangelischen Kirchen der DDR und der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands sowie Vorstandsmitglied in der Konferenz der Evangelischen Kirchenleitungen der DDR. Sie trat für Toleranz, das Leben menschlicher Werte und das gemeinsame Lösen von Problemen ein. Im März 1978 hatte sie beim ersten Spitzengespräch zwischen Staat und Kirche unter Leitung des DDR-Staatsratsvorsitzenden Erich Honecker auf die vielen Ungerechtigkeiten gegenüber den Bürgern verwiesen. „Mutter Courage von Thüringen“ wurde sie auch deshalb genannt. Ihre Lebensleistung wurde bereits 1992 mit dem Verdienstkreuz 1. Klasse des Verdienstordens gewürdigt. Sie war die erste Persönlichkeit im Saale-Orla-Kreis, der diese höchste staatliche Auszeichnung der Bundesrepublik Deutschland verliehen wurde." Lesen Sie hier weiter auf Ostthüringer Zeitung Online. 

Erster Vortrag am 14. April über die Verstrickungen der SED-Zeitung "Das Volk" mit der Stasi  

Auch in diesem Jahr setzt der Landesbeauftragte seine Vortragsreihe im Erfurter Collegium Maius fort. In Kooperation mit der BStU-Außenstelle Erfurt wird anhand anschaulicher Vorträge der Quellenwert der Stasiakten für die zeitgeschichtliche Forschung herausgestellt. Am 14. April spricht Christiane Baumann über "Das Volk" und die Verstrickungen jener SED-Zeitung mit der Stasi. 

volk

Im Herbst vergangenen Jahres hatte die Publizistin in der „Thüringer Allgemeinen“ eine zehnteilige Serie veröffentlicht, die sich mit der Geschichte der TA beschäftigte – im Besonderen ging es um den Vorläufer der größten Thüringer Zeitung, die in der DDR unter dem Namen „Das Volk“ in SED-Regie erschien. 

An Fällen und Geschichten, die ihr in den MfS-Akten begegneten, skizziert die Autorin jene journalistische Binnenwelt, in der Parteidisziplin die erste Tugend war und Meinungsfreiheit nichts galt.
In ihrem Vortrag beschreibt und analysiert sie ihre Recherche zum Thema Stasi ausführlicher.
Wie ist die Aktenlage? Was ist überliefert? Welche Strukturen zeichnen sich für die Erfurter SED-Presse ab? Welche Besonderheiten sind im Vergleich zu anderen Regionen der DDR auszumachen? Diesen und weiteren Fragen wird Christiane Baumann am 14. April 2016 um 18:00 Uhr im Erfurter Collegium Maius nachgehen.

Weitere Informationen zu der Veranstaltung und den Folgeterminen der Reihe finden Sie hier unter Veranstaltungen. 

Ab sofort können alle Interessierten über den Gesetzentwurf der Landesregierung zur Änderung des Thüringer Archivgesetzes (Drucksache 6/1713) hier im Onlineforum des Thüringer Landtages diskutieren. Die Drucksache und weitere Dokumente können in der Parlamentsdokumentation eingesehen werden.
Das Thüringer Archivgesetz regelt die Organisation und Tätigkeit der staatlichen Archive und deren Benutzung. Das Gesetz verpflichtet darüber hinaus zum Schutz des Archivguts vor Vernichtung und Zersplitterung sowie zur Bereitstellung der öffentlichen Nutzung der gegenwärtig bestehenden Staatsarchive in den Thüringer Residenzstädten. Das „Reformkonzept 2020" der Regierungskommission zur Reform der Thüringer Landesverwaltung sieht nunmehr die Bildung eines Landesarchivs vor. Diese Zusammenlegung der einzelnen Archive erfordert eine Novellierung des Thüringer Archivgesetzes. Zur Umsetzung des Reformkonzepts sollen die bereits bestehenden selbständigen sechs Staatsarchive zu einer Behörde vereint werden. Das betrifft das Hauptstaatsarchiv in Weimar sowie die Staatsarchive in Altenburg, Greiz, Gotha, Meiningen und Rudolstadt. Die Online-Diskussion läuft bis zum 29. April 2016.

Seit 17. März 2016 erinnert eine Tafel am Eingang zum Hörsaal 1 der Physikalisch-Astronomische Fakultät der Friedrich-Schiller-Universität Jena (Max-Wien-Platz 1) an das „Fanal für die Freiheit weit über Jena hinaus“ von 1956. Es war der Physikerball 1956 in der Mensa, der zu einem zentralen Ereignis des studentischen Widerstands gegen die Sowjetisierung Mitteleuropas und der SED-Herrschaft wurde. In kabarettistischen Szenen wurde auf die brutale Niederschlagung des ungarischen Aufstands und die erste Kritik am Stalin-Kult in der Sowjetunion reagiert.

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Zwei Jahre später mußten viele Akteure des Physikerballs und Mitglieder der Widerstandsgruppe „Eisenberger Kreis" dafür einen hohen Preis zahlen: Sie wurden exmatrikuliert, wurden inhaftiert oder mußten fliehen. Gestiftet wurde die Tafel durch das Thüringer Innenministerium als Teil der Straße der Menschenrechte und Demokratie.

Herr Herrmann, Herr Dr. Steudel, Herr Professor Hofmann, Herr Dr. Träger und Frau Rohmann (v.l.n.r.) vor der Stele am Eingang zum Hörsaal 1 (Foto: Jan Bernert).

Das Ende der Stasiunterlagenbehörde wird vorbereitet. Die vom Bundestag eingesetzte Expertenkommission hat wichtige Elemente ihrer Vorschläge mit dem Kulturausschuss des Bundestages beraten. Die Vorschläge der Expertenkommission werden am 12. April 2016 dem Präsidenten des Bundestags übergeben. Zukünftig werden die Akten Teil des Bundesarchivs ohne dass die Archivstandorte geändert werden. Die Forschungsabteilung wird verselbständigt.
Noch nicht geklärt ist das Profil des Opfer- oder Aufarbeitungsbeauftragten, der von verschiedenen Opferverbänden gefordert wird (siehe hierzu das Interview mit dem Vorsitzenden der Union der Opferverbände kommunistischer Gewaltherrschaft e.V. Dieter Dombrowski).
Bei der Aufgabenbestimmung gibt es noch keine Klarheit. Einerseits hat die Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur seit 1998 wichtige Bundesaufgaben übertragen bekommen und fördert zusammen mit der Bundeszentrale für politische Bildung Bildungsarbeit und in Kooperation mit den Landeszentralen für politische Bildung und den Landesbeauftragten Bildungsarbeit. Der Präsident der Bundeszentrale für politische Bildung, Thomas Krüger, plädiert ausdrücklich für eine Trägervielfalt. Auf der anderen Seite sind fast alle sozialen und kulturellen Fragen Länderangelegenheit. Im Bereich der SED-Diktatur-Folgen sind dafür in den ostdeutschen Ländern Landesbeauftragten eingesetzt worden. Sie sind für Anliegen der Bürger und Verbände Ansprechpartner und haben ein Beratungsnetzwerk entwickelt. Auf dem Verbändetreffen der Union der Opferverbände kommunistischer Gewaltherrschaft e.V. am 13. März 2016 hat der Landesbeauftragte Christian Dietrich erklärt, dass ein Opferbeaufragter beim Bundestag – also ein Opferanwalt – offensichtlich für viele Gewaltopfer der SED-Herrschaft eine Ermutigung ist. Ein Bundesbeauftragter ist aber schwer mit Gesetzen zu vereinbaren ist, deren Ausführung Ländersache ist.

Siehe auch Zukunft der BStU beim Internetauftritt des Bundesbeauftragten, die Dokumentation der Havemann-Gesellschaft, Pressemeldungen der Union der Opferverbände (UOKG) und aus den Medien

Die Beratungsinitiative SED-Unrecht stellt ihren Tätigkeitsbericht für das Jahr 2015 vor. Schwerpunkte der Beratungstätigkeit in 2015 waren, wie auch schon in den Vorjahren, weiterhin die Anfragen zu allen Formen der Rehabilitierung und den sich anschließenden Verfahren zur Beantragung von sozialen Ausgleichsleistungen. Viele Betroffene wenden sich in schon laufenden Verfahren an uns mit der Bitte um Hilfe bei der Beschaffung von Inhaftierungsnachweisen, Renten- oder Gehaltsunterlagen oder bitten um Unterstützung beim Schriftwechsel mit den entsprechenden Behörden. Die erforderlichen Recherchen und das sich anschließende Aktenstudium und die Aktenauswertung sind sehr aufwändig und zeitintensiv. Allgemein ist weiter festzustellen, dass sich die Antragszahlen auf Rehabilitierung in allen Bereichen verringern, die einzelnen Rehabilitierungsfälle sich allerdings wesentlich komplizierter gestalten und die BeraterInnen aufgrund der langen Recherche- und Bearbeitungszeiten über einen langen Zeitraum die Arbeitsbeziehung zum Betroffenen zu gestalten haben.

Den Tätigkeitsbericht der Beratungsinitiative SED-Unrecht für das Jahr 2015 finden Sie hier. 

 

Der Thüringer Landesbeauftragte Christian Dietrich eröffnete am vergangenen Freitag die Tagung „Suhl – Was bleibt zum Erinnern?“, die gleichermaßen interessierte Bürger, Wissenschaftler, aber auch Vertreter der Stadt und deren Partnerstädte Würzburg und Bègles zusammenbrachte, um die vergangene, aber auch künftige Entwicklung von Suhl zu diskutieren. Der Fokus der Beiträge, die die Architektur-, Vernetzungs-, Sozial-und Wirtschafts- sowie Revolutionsgeschichte in den Blick nahmen, lag dennoch erkennbar auf der DDR-Vergangenheit: Suhl wurde 1952 Bezirksstadt und in der Folge fand ein immenser Ausbau statt: Ein neues Stadtzentrum und Wohngebiete in Plattenbauweise entstanden, auch die Bevölkerungszahl der Stadt wuchs bis in die 1980er Jahre auf das Doppelte an. Suhl etablierte sich als Verwaltungszentrum im Bezirk.

Die Tagung startete am späten Freitagnachmittag mit einem Rundgang durch das Gelände der ehemaligen MfS-Bezirksverwaltung in der Hölderlinstraße 1. Hier informierte Sascha Münzel (BStU, Außenstelle Suhl) über die Staatssicherheit vor Ort und führte die Teilnehmer auch in das Dienstzimmer des letzten Leiters der Bezirksverwaltung Gerhard Lange. Es folgte die offizielle Eröffnung der Tagung durch den Landesbeauftragten sowie der Vortrag von Dr. Peter Wurschi (Stiftung Ettersberg, Weimar) zum Thema „Suhl – ein schwieriges Erbe“. Anschließend hatte der Film „Der Aufbruch“ Premiere. In dem Dokumentarfilm der Filmemacher Reinhold Tielbörger, Ullrich Willier und Thorsten Heinze schildern Zeitzeugen die Ereignisse der Friedlichen Revolution 1989/90 in Suhl. Über 100 Bürger sahen die Dokumentation und diskutieren bei Brezeln und Getränken bis etwa 21.30 Uhr ihre Erfahrungen.

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Am Samstag wurden etwa 50-60 Interessierte zu den verschiedenen Themenbereichen gezählt. Auf der abschließenden Podiumsdiskussion mit Roland Jahn (Bundesbeauftragter für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR), Kristina Casper (Leiterin der Außenstelle Suhl des Landesbeauftragten), Dr. Ulrike Schulz (Wirtschaftshistorikerin, Florenz/Berlin), Klaus Lambrecht (Vize-Bürgermeister, Suhl), Reinhold Tielbörger (Filmemacher, Suhl) und PD Dr. Jörg Ganzenmüller (Vorstandsvorsitzender der Stiftung Ettersberg, Weimar) wurde dann die Zukunft Suhls angesprochen: Obwohl die Stadt eine interessante Geschichte habe – nicht nur in der jüngeren Vergangenheit –, fehle es bisher an einem gemeinsamen Konzept und an politischem Willen, das historische Erbe aufzuarbeiten und ansprechend zu präsentieren. Möglicherweise wird eine von Dr. Ulrike Schulz am Ende der Podiumsdiskussion angeregte Arbeitsgruppe zukunftweisende Ideen mit der Stadt Suhl entwickeln.


Organisiert wurde die Tagung von der Stiftung Ettersberg in Weimar und den Außenstellen Suhl des Landesbeauftragten zur Aufarbeitung der SED-Diktatur und des Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR. Unterstützt wurde die Veranstaltung durch die Stadt Suhl, die Rhön-Sparkasse und die Landeszentrale für politische Bildung

 

Seit Ende der DDR sind die Medikamentenprüfungen, die bundesdeutsche Pharmaunternehmen in der DDR durchführen ließen, ein öffentliches Thema.

Die Bundesregierung will das zweite Gesetz über finanzielle Hilfen für Doping-Opfer auf den Weg bringen; bis zum Sommer soll das Gesetzgebungsverfahren abgeschlossen sein. Laut Bundesinnenministerium sollen hierfür insgesamt 10,5 Millionen Euro vom Bund zur Verfügung gestellt werden. "Der neue Fond für die Dopingopfer ist eine lange erwartete Geste der Bundesrepublik gegenüber den Dopingopfern. Zu bedauern ist, dass die Sportverbände sich daran nicht beteiligen", sagt der Landesbeauftragte Christian Dietrich. 

Die Antragsverfahren sollen ab der zweiten Jahreshälfte 2016 beim Bundesverwaltungsgericht eingeleitet werden. Bereits jetzt können Betroffene per E-Mail unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! Fragen an das Bundesverwaltungsgericht stellen. 

Weitere Stimmen zu dem Gesetzgebungsverfahren - u.a. von der Vorsitzenden des Doping-Opfer-Hilfe e.V., Ines Geipel - lesen Sie hier auf Handelsblatt online.  

Im Zweiten Weltkrieg kämpfte Francois Mitterand während der Schlacht um Frankreich bei Verdun - dort wurde der spätere französische Staatspräsident durch einen Granatsplitter verletzt und geriet am 18. Juni 1940 in deutsche Kriegsgefangenschaft. Er wurde im Stammlager IX C in Rudolstadt-Schaala interniert. Von dort gelang ihm schließlich nach mehreren Versuchen am 5. März 1941 die Flucht - im Dezember 1941 erreichte er über Süddeutschland schließlich den unbesetzten Teil Frankreichs.

40 Jahre später, am 5. März 1981, trat der damalige Präsidentschaftskandidat eine Reise in seine Vergangenheit an. Schon Monate zuvor hatte er mit Willy Brandt das Projekt geplant, seinen Fluchtweg nachreisen zu wollen. 

Von Frankfurt am Main aus reiste Mitterand über die Grenzübergangsstelle Herleshausen in die DDR ein und fuhr – in diesem Abschnitt der Reise noch ohne Brandt – nach Rudolstadt. Die Möglichkeit das Gebäude des ehemaligen Stammlagers zu besuchen, das sechs Kilometer von der thüringischen Stadt entfernt lag, wurde ihm jedoch seitens der DDR-Behörden verwehrt. Offizielle Begründung: Es handelte sich um ein Handelsdepot der NVA. Am Mittag des 5. März. trafen sich schließlich Mitterand und Brandt auf der Transitstrecke am Hermsdorfer Kreuz und setzten – dann gemeinsam – die Reise Richtung Süddeutschland fort. Der Besuch Rudolstadts erfolgte unter Ausschluss der Öffentlichkeit, westdeutschen Zeitungskorrespondenten war hierfür die Einreise in die DDR verwehrt worden. 

Wenngleich diese Reise von Mitterand durch Deutschland im Nachgang häufig als PR-Aktion hinsichtlich der anstehenden Präsidentschaftswahl bezeichnet wurden, war es dennoch ein wichtiger Prozess zur Aufarbeitung seiner persönlichen Fluchtgeschichte.

Weitere Artikel zum Thema Flucht und Vertreibung finden Sie hier unter Jahresthema.

Der Bericht der Landesregierung zum Stand und der Weiterentwicklung der Aufarbeitung der SED-Diktatur in Thüringen für den Zeitraum März 2015 bis Februar 2016 ist nunmehr online verfügbar. Das Dokument ist über diesen Link abrufbar. 

trauerIn der Frankfurter Allgemeinen Zeitung heißt es heute über den am 26. Februar überraschend verstorbenen Journalisten: „Föller machte sich als Publizist vor allem um die Aufarbeitung der DDR-Geschichte verdient und zeichnete insbesondere den Einfluss der SED und der Stasi auf den Journalismus nach. Seine aufwendigen Recherchen zu ehemaligen Inoffiziellen Mitarbeitern der Stasi, die nach der Wiedervereinigung zunächst unerkannt blieben und zum Beispiel beim Mitteldeutschen Rundfunk unterschlüpften, aber nicht nur dort, waren wegweisend. Mit seinem Artikel „Genosse Alzheimer“, der in dieser Zeitung erschien, löste Föller eine Debatte über das Erbe der Stasi bei den ehemaligen SED-Bezirkszeitungen in den neuen Bundesländern aus.“
„Hans-Joachim Föller hat in aufklärerischer Intention die Rechtfertigungskonstruktionen von Verantwortungsträgern der SED-Diktatur durchleuchtet. Er löste damit oft heftige Kontroversen und damit einhergehend wertvolle Erkenntnisprozesse aus. Er fehlt uns", sagt der Landesbeauftragte Christian Dietrich.

In Gedenken an den für die Aufarbeitung der SED-Diktatur wichtigen Historiker und Journalisten stellt die Geschichtswerkstatt Jena e.V. seinen ersten und letzten Artikel in der „Gerbergasse 18“ frei zur Verfügung. Die Artikel sind über diesen Link abrufbar. 

Derzeit befasst sich der Thüringer Landtag mit dem Vorschlag der Landesregierung, den 17. Juni zum Gedenktag zu machen. Eine Initiative die spät kommt, aber immerhin kommt - noch am 2. Oktober 2015 hatte der Thüringer Landtag mit den Stimmen der Regierungskoalition den 8. Mai als singulären Gedenktag in das Thüringer Feiertagsgesetz eingefügt - und sich damit gegen den 17. Juni entschieden. Nach wie vor sind einzelne Abgeordnete der derzeitigen Regierungskoalition gegen die Einrichtung dieses Gedenktages.
Bereits seit über einem Jahr fordert der Landesbeauftragte, den 17. Juni als Gedenktag für die Opfer der kommunistischen Diktatur und zur Erinnerung an den Widerstand gegen die SED-Diktatur zu begehen; seither unterstützt die Behörde diese Initiative. Der Landesbeauftragte freut sich, dass dieser wichtige Schritt für die Thüringer Erinnerungskultur - letztlich nur durch die Unterstützung der CDU - mit höchster Wahrscheinlichkeit trotzdem gegangen wird. 

Schon vor 1989 beschäftigte sich der Bürgerrechtler Konrad Weiß mit Rechtsradikalismus und Fremdenfeindlichkeit in der DDR - und sieht klare Kontinuitäten und Zusammenhänge zwischen damals und heute. Lesen Sie das interessante Interview zu todgeschwiegenem und nach der Wiedervereinigung nicht aufgearbeiteten und wirksam bekämpften Neo-Nazismus in Ost-Deutschland. 
Der Landesbeauftragte wird die Thematik im Rahmen einer Podiumsdiskussion aufgreifen und zur Diskussion bringen, ob und inwiefern tatsächlich eine Kausalität zwischen SED-Diktatur, dortiger Sozialisation und der heutigen Gesellschaft in Ost-Deutschland im Kontext fremdenfeindlicher und rassistischer Ressentiments besteht.

Weitere Informationen folgen in Kürze. 

Gruppe Web

Mit der Enthüllung von drei Schautafeln im Traditionskabinett des Geschwister-Scholl-Gymnasiums in Sondershausen fand das mit der Schule durchgeführte Quellen-Zeitzeugen-Projekt des Landesbeauftragten nunmehr seinen würdigen Abschluss. In Anwesenheit der Zeitzeugen Fritz Richter, Norbert Sommer und Helmut Schlotter wurden heute die Tafeln, worauf die Widerstands-Geschichte der damals verfolgten Sondershäuser Schüler erläutert wird, feierlich eingeweiht.
Auf dem Foto zu sehen (v.l.n.r.): Schulleiter Ingo Woythe, die Zeitzeugen Helmut Schlotter, Norbert Sommer und Fritz Richter, Referent Dr. Matthias Wanitschke, der Landesbeauftragte Chrsitian Dietrich sowie Geschichtslehrer Michael Scharschuch.
Im Jahr 1950 protestierten etwa 20 Schüler der Geschwister-Scholl-Oberschule und weitere Jugendliche mit Flugblatt-Aktionen gegen den Stalinismus, die SED-Diktatur und die zunehmende Unfreiheit in der DDR. Ihren Unmut über die bestehenden Verhältnisse artikulierten sie gewaltfrei mit Losungen wie „Freiheit der Ostzone“ oder „Feindschaft dem Stalinismus!“. Sie folgten hierbei dem Vorbild der Widerstandsgruppe „Weiße Rose“ um die Geschwister Scholl, die im Widerstand gegen den Nationalsozialismus ebenfalls Flugblätter verteilt hatten.

Der Stiftungsrat der Bundesstiftung „Flucht, Vertreibung, Versöhnung“ hat Dr. Gundula Bavendamm einstimmig zur neuen Stiftungsdirektorin gewählt.
Als Historikerin und Kulturmanagerin verfügt Dr. Bavendamm über einen breiten Erfahrungsschatz. Ihre Expertise brachte sie bereits u.a. in den Wissenschaftlichen Beirat des Vereins „Unsere Geschichte – Gedächtnis der Nation“ ein, der von Prof. Dr. Guido Knopp und Hans-Ulrich Jörges initiiert wurde. Als Kuratorin hat sie in den vergangenen 15 Jahren in vielen deutschen Städten Ausstellungen konzipiert und aufgebaut. Seit 2010 leitet sie das AlliiertenMuseum in Berlin.
Dr. Bavendamm stellt sich nun der Aufgabe, das geltende Stiftungskonzept sowie eine geplante Dauerausstellung umzusetzen und so entsprechend des gesetzgeberischen Auftrages dieses Thema in der Mitte unserer Gesellschaft endlich auch sichtbar werden zu lassen. 
Dr. Bavendamms Aufgabe ist es, mit konstruktiver Unterstützung durch einen neu zu besetzenden wissenschaftlichen Beraterkreis die darzustellenden Schicksale von Flucht und Vertreibung der deutschen Zivilbevölkerung nach dem Zweiten Weltkrieg in ihrem historischen Kontext museal darzustellen und medial in die Mitte der Gesellschaft zu transportieren.

LStUWappen cmykGemäß Stasi-Unterlagen-Gesetz und entsprechender Ländergesetze sind die Landesbeauftragten nicht für die Verwaltung der Stasi-Akten zuständig, sondern seit über 20 Jahren für länderspezifische Belange im Umgang mit den Akten und für die psycho-soziale Bürgerberatung zu Fragen, Problemen und Konflikten, die sich aus SED-Unrecht und insbesondere der Tätigkeit des Ministeriums für Staatssicherheit ergeben. Diese Aufgabe – nach der Kompetenzverteilung des Grundgesetzes auf Länderebene angesiedelt – ist auf lange Sicht weiter notwendig.
Um den Opfern der SED-Diktatur gerecht werden zu können, sehen die Landes-beauftragten in einigen Bereichen der Rehabilitierung die Notwendigkeit gesetzlicher Änderungen:

1. Reform des Strafrechtlichen Rehabilitierungsgesetzes (StrRehaG)

1.1 Opferrente
Die Besondere Zuwendung für Haftopfer nach § 17a StrRehaG hat für einen großen Teil der ehemaligen politischen Häftlinge der SED-Diktatur eine finanzielle Erleichterung gebracht. Damit das so bleibt, muss die Opferrente regelmäßig an die Inflations-rate angepasst und entsprechend erhöht werden. Für die Haftopfer, die weniger als 180 Tage Haft erlitten, ist darauf zu achten, dass die Häftlingshilfestiftung genügend Haushaltsmittel zur Verfügung hat, um diese Verfolgten weiterhin wirksam unterstützen zu können.
1.2 Politische Verfolgung von Angehörigen politischer Häftlinge
Die juristische Beurteilung der Verbringung von Kindern politisch verfolgter Eltern in staatliche Kinderheime ist umstritten. Mit der Entscheidung des Bundesgerichtshofs (BGH 4 StR 525/13) vom 25.03.2015 bedarf es einer Präzisierung in dem Fall, dass die Eltern eines Kindes aus politischen Gründen in Haft kamen, so dass das Kind in ein Heim verbracht wurde. Die Landesbeauftragten gehen davon aus, dass diese Entscheidung zur Heimeinweisung in jedem Fall als Verfolgung zu bewerten ist. In diesem Sinne sollte § 2 Absatz 1 Satz 2 geändert werden.

„Das „sozialistische Volks- und Heimatfest“ lud vom 9. bis 11. Juli 1976 mit einem attraktiven Kulturprogramm in die thüringische Kreisstadt Altenburg. Es sollte ein Unterhaltungsmarathon der Superlative werden und endete doch mit scharfen Dissonanzen,“ schreibt Dr. Michael Rauhut in den Blättern zur Landeskunde Thüringen. Der Jazzklub Altenburg e.V. will den 40. Jahrestag der Ereignisse zum Anlass nehmen, an die damaligen Geschehnisse zu erinnern und die Folgen für das DDR-Kulturleben unter die Lupe zu nehmen.

Für die Ausgestaltung einer kleinen Ausstellung sucht der Jazzclub Bilder, Filme und Erinnerungsberichte, die die damaligen Geschehnisse dokumentieren. Alle Materialien werden sorgsam digitalisiert und schnellstmöglich zurückgegeben. Der Jazzclub Altenburg ist telefonisch unter 0176 21816128 oder per Mail unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! bzw. Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! erreichbar und freut sich über die Mithilfe von Zeitzeugen. 

Fritz Richter und Norbert Sommer kannten sich bereits aus Ihrer Schulzeit an der Geschwister-Scholl-Oberschule in Sondershausen - und teilten die gleiche politische Meinung: Schon Ende der 40er Jahre waren beide unzufrieden bezüglich der Verhältnisse in der SBZ. Daran änderte sich auch nichts nach Gründung der DDR; im Gegenteil, sie fühlten sich unfrei und waren entschlossen, gegen die aufkeimende SED-Diktatur im Sinne der Geschwister Scholl zu protestieren. So führten Richter und Sommer schließlich 1950 gemeinsam mit ca. 20 weiteren Schülern der Geschwister-Scholl-Oberschule sowie anderen Jugendlichen politische Flugblatt-Aktionen in Sondershausen aus, um Ihren Unmut Ausdruck zu verleihen.
Mit Losungen wie "Freiheit der Ostzone" oder "Feindschaft dem Stalinismus!" sollte die Zivilcourage in Sondershausen belebt und die Bevölkerung zum Nachdenken animiert werden. Hier zu sehen ist ein typisches Flugblatt aus den 50er Jahren. Ein Ähnliches hatte die Widerstandsgruppe um Norbert Sommer und Fritz Richter im Frühjahr 1950 in Sondershausen verteilt:

Flugblatt

 

 

Durch den Verrat eines Spitzels, der in Westberlin im Ostbüro der CDU tätig war, kam das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) schließlich auch dieser Widerstands-Gruppe aus Sondershausen auf die Spur. Nach Vernehmungen eines Gruppen-Mitglieds Anfang September 1952 wurden die Studenten Sommer und Richter in Jena am 10.09.1952 verhaftet und in die MfS-Untersuchungshaftanstalt nach Erfurt überführt.

IMG 0746 webLügenpresse, staatsgelenkte Medien oder Systempresse: dies sind die Bezeichnungen, derer sich die rechtspopulistischen Demonstranten in verschiedenen Städten Deutschlands seit geraumer Zeit bedienen. Während Leipziger LEGIDA-Demonstrationen erklingt sogar die Melodie des „Schwarzen Kanal“. Dieser fragwürdige Rückgriff auf diktaturgeprägte Begriffe und Erscheinungen erfordert den Blick zu werfen, auf das, was einst staatsgelenkte Presse in Deutschland war. Mit seiner virtuellen Ausstellung „Rotstift. Medienmacht, Zensur und Öffentlichkeit in der DDR.“ ebnet das Archiv Bürgerbewegung Leipzig e.V. den Weg zum Verständnis historischer Realitäten. Die Präsentation zeigt die Entstehung und Entwicklung der Unterdrückung der Presse- und Meinungsfreiheit  in der Sowjetischen  Besatzungszone bzw. DDR im Zeitraum 1945 bis 1990. Die Internetpräsenz verknüpft allgemein verständliche Texte, historische Fotos, originale Zitate, vertiefende Dokumente, schnell erfassbare Grafiken sowie Audio- und Videoelemente zu einem anschaulichen Blick hinter die historischen Kulissen. Verschiedene Zeitzeugen berichten über ihre persönlichen Erfahrungen, die mit dem SED-Medienmonopol und der Zensur gemacht haben.

Über diesen Link kommen Sie zur Ausstellung „Rotstift. Medienmacht, Zensur und Öffentlichkeit in der DDR.“

WIchtige Dokumente der SED-Bezirksleitung Suhl aus den Jahren 1952-1989 sind ab sofort im Archivportal auf thueringen.de verfügbar. Laut dem Leiter des Thüringischen Staatsarchivs Meiningen, Norbert Moczarski, bietet das Online-Findbuch Interessierten Informationen über den Inhalt von knapp 6.000 Akteneinheiten der SED. Diese umfassen Berichte, Sitzungsprotokolle oder andere interne Unterlagen der BV Suhl. Das Online-Findbuch gibt jedoch nicht den eigentlichen Inhalt der Dokumente wieder - es dient zur Recherche bezüglich des Umfangs und generellen Inhalts. Die eigentlichen Akten sind im Thüringer Staatsarchiv im Meininger Schloss Elisabethenburg zu finden. 
Über diesen Link gelangen Sie zum Findbuch. 

Auch 2016 ruft Thüringens Landtagspräsident Christian Carius Schülerinnen und Schüler mit dem Geschichtswettbewerb dazu auf, historische Begebenheiten im eigenen Lebensumfeld zu ergründen und sich damit auseinanderzusetzen. Der diesjährige Wettbewerb steht unter dem Motto „Spurensuche“. Die Teilnehmer sollen nach Hinweisen verschwundener oder vergessener Orte in ihrer Region suchen. „So können sie sich mit der Geschichte ihrer Heimat vertraut machen und sie dadurch besser kennenlernen. Manche Straßennamen, oder vergilbte Firmenschilder fielen auf dem täglichen Schulweg bisher vielleicht nicht auf. Setzen sich die Teilnehmer jedoch bewusst mit ihrem Umfeld auseinander, machen sie bei der Recherche Entdeckungen, an denen sie bisher sprichwörtlich vorbeigelaufen sind. Auf diese Weise werden den Schülerinnen und Schülern geschichtliche Zusammenhänge vor Ort bewusst. So bekommen sie das Gefühl Teil einer historischen Entwicklung zu sein“, sagte der Landtagspräsident.

Rund 300 Fachleute aus den Bereichen Geschichte, Politik und Pädagogik kamen am letzten Januarwochenende zur Neunten Geschichtsmesse in Suhl zusammen, um über politische Bildung, Aufarbeitung und Forschung zu debattieren. Auch der Landesbeauftragte war dort mit Mitarbeitern aus Erfurt und der Außenstelle in Suhl vertreten. Zentrales Thema der Messe im Suhler Ringberg-Hotel  stellte die Untersuchung der Parallelgesellschaften in BRD und DDR mit ihren asymmetrischen Verflechtungen dar.
Eppelmann Ramelow WebMit großer Spannung wurde das abschließende Streitgespräch zwischen Rainer Eppelmann, dem Vorstandsvorsitzenden der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, und Ministerpräsident Bodo Ramelow, DIE LINKE, erwartet. Hier sollten die Aufarbeitungsaktivitäten unter der neuen Landesregierung  evaluiert und Akzente für die Zukunft gesetzt werden.  
Im Laufe des Gesprächs erlangten beide Diskutanten Konsens darüber, dass nicht nur die Opfer der SED-Diktatur aktiver Teil des Aufarbeitungsprozesses sein sollten. Vielmehr müssten sich auch die Täter des SED-Regimes der Debatte stellen, um so in einem tatsächlichen Dialog geschehenes Unrecht aufzuarbeiten. MP Ramelow will auch im kommenden Jahr wieder ein Gespräch mit Eppelmann zur Aufarbeitung in Thüringen führen.

Bewerbungsbild 09 15 WebDas Team des Landesbeauftragten hat sich um eine neue Kollegin vergrößert. Anke Geier unterstützt unsere Außenstelle in Suhl ab sofort als Wissenschaftliche Mitarbeiterin. Die promovierte Historikerin lebt in Suhl und Dresden. In der sächsischen Landeshauptstadt hat sie nicht nur studiert (Neuere und Neueste Geschichte, Sächsische Landesgeschichte, Geologie), sondern auch erste berufliche Erfahrungen bei der BStU und im Hannah-Arendt-Institut für Totalitarismusforschung e.V. an der TU Dresden gesammelt. Ihr Interesse an der Zeitgeschichte wurde vor allem durch den Inhaber des damaligen Lehrstuhls für Zeitgeschichte, Professor Klaus-Dietmar Henke, befördert. Bei ihm schrieb sie auch ihre Magisterarbeit, in der sie der Frage nachgeht, inwiefern der nationalsozialistische Staat zwangsläufig die Bedingungen jugendlicher Nonkonformität selbst hervorbrachte. 

Nach dem Studienabschluss im Jahr 2007 folgte ein Ergänzungsstudium an der Deutschen Hochschule für Verwaltungswissenschaften in Speyer, bevor Frau Geier zwischen 2009 und 2012 am Institut für Industriearchäologie, Wissenschafts- und Technikgeschichte der Technischen Universität Bergakademie Freiberg arbeitete. Hier begann sie ihre Doktorarbeit zur Verflechtung der Freiberger Hochschule in die Planwirtschaft der SBZ und DDR zu schreiben, die schließlich 2015 erfolgreich verteidigt wurde. Von 2012 bis 2014 lehrte sie am Lehrstuhl für Wirtschafts- und Sozialgeschichte der Philipps-Universität Marburg vor allem DDR-Geschichte, aber auch Historische Hilfswissenschaften. Zudem arbeitete sie als Besucherreferentin im Militärhistorischen Museum der Bundeswehr in Dresden und befasste sich mit Familiengeschichtsforschung. Ihr historisches Interesse gilt generell der Geschichte der SBZ und DDR sowie dem Nationalsozialismus und speziell der Wirtschafts- und Alltagsgeschichte.

Wir freuen uns über die profunde Verstärkung des Teams und heißen Frau Geier in der Behörde herzlich willkommen. 

Der Schweriner Landtag beschloss mit großer Mehrheit, das systematische Doping von Sportlern in den drei ehemaligen Nordbezirken der DDR wissenschaftlich aufarbeiten zu lassen. Dafür sollen zwei Promotionsstipendien mit insgesamt 150.000 € vergeben werden. Anlaufstelle für Doping-Opfer wird die Behörde zur Aufarbeitung von Stasiunterlagen (Link). Innenminister Lorenz Caffier (CDU) sprach von "tausendfacher Körperverletzung und massenhaften Betrug". Silke Gajek (Bündnis 90/Die Grünen) erklärte: "Wer das Staatsdoping der DDR verharmlost, untergräbt auch die heutige Dopingprävention." (Ostsee-Zeitung, 29.01.2016).
Beschluss in der Schweriner Landtagsdatenbank als pdf-Dokument

Am 27. Januar sollte im Thüringer Landtag über ein Gesetz entschieden werden, wonach Landtagsabgeordnete, die für die Stasi willentlich und wissentlich tätig waren, zukünftig nicht mehr als parlamentsunwürdig gelten sollen. Der Landesbauftragte sprach sich nicht nur gegen diese Gesetzesänderung aus, sondern forderte vielmehr eine Ausweitung der Unwürdigkeitsprüfung auf frühere hauptamtliche Parteisekretäre von SED und Blockparteien. Einen Kommentar von Gerlinde Sommer zur Diskussion finden Sie hier auf Thüringische Landeszeitung Online. 

Da die Koaltion sich letzlich in der Abschaffung der Bewertung "parlamentsunwürdig" nicht einigen konnte, stimmte der Landtag einstimmig gegen die Gesetzesänderung (Kommentar Elmar Otto in der TLZ)

 

Am 23. Januar 2016 tagte der Bund der Zwangsausgesiedelten (BdZ) in Erfurt. Die Präsidentin des BdZ, Marie-Luise Tröbs, fordert für die Betroffenen und Hinterbliebenen weitere Entschädigungen. Ministerpräsident Bodo Ramelow strebt dafür eine Bundesratsinitiative an (DIE WELT 22.01.2016).

Auf der Mitgliederversammlung wurde das Präsidium des Bundes neu gewählt: Marie-Luise Tröbs (Präsidentin), Theodor Müller (Vizepräsident).

Der Thüringer Ministerpräsident hatte sich am 2. Oktober 2015 mit der Präsidentin und weiteren Vertretern des BdZ getroffen und kurz darauf im Plenum des Thüringer Landtags folgendes gesagt: "ich habe heute Morgen mit unserer Staatssekretärin, Frau Dr. Winter, den Bund der Zwangsausgesiedelten hier im Landtag getroffen und eine sehr intensive Besprechung gehabt mit dem Bund der Zwangsausgesiedelten über die Fragen nicht nur der politischen Bewertung, ich glaube, da sind wir uns einig, das was den Menschen in der Aktion 'Kornblume' und in der Aktion 'Ungeziefer' angetan wurde, war schlimmste Menschenrechtsverletzung. (Beifall CDU, DIE LINKE, SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Und es ist eine Menschenrechtsverletzung, die bis heute fortwirkt. Daran beißt die Maus keinen Faden ab. Wer das rechtfertigt, wer da drüberschwurbelt, der wird den Menschen nicht gerecht. Deswegen hat es heute Morgen eine intensive Beratung gegeben. Der Bund der Zwangsausgesiedelten sagt, sie fühlen sich seit 25 Jahren nicht ordentlich und nicht gerecht begleitet. Das sagen sie an die Adresse aller Akteure. Deswegen sage ich das überhaupt nicht parteipolitisch, sondern sage, wir müssen uns daran messen lassen. Die Entschädigungsverfahren bei den Zwangsausgesiedelten sind bis heute nicht ordentlich geregelt, sondern man hat ihnen die Häuser noch mal weggerechnet – in einer Art und Weise, wie ich es nicht für möglich gehalten hätte –, dass man sagt, man hat 1997 einen Bescheid gegeben und 2004 sollen sie Geld bekommen. Dann stellen sie fest, sie sollen das Haus noch mal bezahlen, denn sie hätten ja zu DDR-Zeiten schon Geld dafür bekommen. Das ist ein unglaublicher Vorgang.

Fuchs 1„Eigentlich wollte ich nur Gedichte schreiben über die Liebe, über die Natur. Wichtigeres drängte sich vor“, sagte Jürgen Fuchs einst, 2009 wiedergegeben in Udo Scheers Schrift "Gegen die Feigheit" im Rheinischen Merkur. Wichtigeres drängte sich vor; der Schriftsteller und Bürgerrechtler wollte die DDR von innen heraus reformieren. Er wurde deswegen aus der SED ausgeschlossen, vom Studium relegiert, 1976 inhaftiert und nach fast einem Jahr Stasi-Haft ohne Prozess in die Bundesrepublik abgeschoben. Hier konnten seine Gedicht- und Protokollbänden schließlich erscheinen. Und von hier aus unterstützte er die DDR-Opposition.

Nicht zuletzt wegen seines politischen Engagements lautet die Adresse des Thüringer Landtags und seiner Fraktionen – auch die der Linken, die sich anfangs weigerte, den neuen Straßennamen zu verwenden - „Jürgen-Fuchs-Straße“. 2002 wurde diese nach dem 1999 verstorbenen Schriftsteller benannt.

Auf seinem Grabstein in Berlin stehen die Worte „Ich schweige nicht!“; sie beschreiben trefflich den Charakter des mutigen Bürgerrechtlers, der sich gegen Diktatur und Repression wehrte. Am 19. Dezember wäre Fuchs 65 Jahre alt geworden; dem tragenden Vertreter der DDR-Opposition wurde am 19. Januar 2016 im Thüringer Landtag im Rahmen eines Festaktes gedacht.  

Zu der Gedenkfeier mit Lesungen, Podiumsdiskussion und Musik von Stephan Krawczyk hatten der Landesbeauftragte Christian Dietrich gemeinsam mit dem Landtagspräsidenten Christian Carius eingeladen. Unter den Gästen waren 

 

Festakt Fuchs Web 1       Festakt Fuchs Web 2 

Festakt Fuchs Web 3 

So gestaltete sich das Programm zu Ehren von Jürgen Fuchs: 

Begrüßung:
Christian Carius (Landtagspräsident)
Christian Dietrich (Landesbeauftragter)

Ansprache:
Udo Scheer (Schriftsteller)

Lesung:
Hans-Jürgen Döring (ehem. Vizepräsident des Thüringer Landtags)

Podiumsdiskussion:
Hans-Jürgen Döring (ehem. Vizepräsident des Thüringer Landtags)
Doris Liebermann (Publizistin)
Siegfried Reiprich (Geschäftsführer der Sächsischen Gedenkstättenstiftung, Vorstand Plattform des Europäischen Gedenkens und Gewissens)
Udo Scheer (Schriftsteller)
Moderation: Dr. Katja Wildermuth (Leiterin der Redaktion „Geschichte und Gesellschaft“, MDR Fernsehen)

Musikalische Umrahmung:
Stephan Krawczyk (Liedermacher und Schriftsteller)

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Fotocredits: Denis Apel, CC BY-SA 3.0, Jürgen Fuchs ein Tag nach Haftentlassung in West-Berlin, 27. August 1977,Quelle Wikipedia

Quellen-Zeitzeugen-Projekt am Geschwister-Scholl-Gymnasium in Sondershausen

"Angst vor der Stasi, Revolution, Wiedervereinigung. Woran sich die Erlebnis-Generation einfach erinnert, ist für Schüler „graue Theorie“. Ihre Erfahrungswelt wird geprägt durch das offene Gesellschaftssystem der Bundesrepublik Deutschland, während ihre Eltern und Großeltern in einer Gesellschaft aufgewachsen sind, in der eine unabwählbare Partei den Staat okkupierte, um ein geschlossenes Gesellschaftssystem zu errichten", sagt Dr. Matthias Wanitschke, Referent für politische Bildung und Schülerarbeit beim Landesbeauftragten. 

Weniger "graue Theorie" und mehr anschauliche Vermittlung der Funktionsweise der SED-Dikatur versucht der Landesbeauftragte im Rahmen seiner Bildungsarbeit zu leisten. Um dem Rechnung zu tragen, bietet die Behörde Bildungsprojekte an, die sich aus Quellenstudium von MfS-Akten und anschließender Zeitzeugenbefragung zusammensetzen.

Genauer beschreibt Dr. Wanitschke: "In der Auseinandersetzung mit den administrativen Texten, v.a. MfS-Akten, lernen die Schüler den funktionalen Blick eines Herrschaftsorgans auf die ehemaligen DDR-Bürger kennen. Durch die anschließende Zeitzeugenbefragung können die Schüler die Primärquellen kritisch hinterfragen und erhalten beispielhaft einen Eindruck von den Lebensumständen ihrer Groß-Eltern-Generation. Dieses Herantasten an die unbekannte Vergangenheit intendiert die kritische Anfrage der Heranwachsenden an ihre Groß-Eltern zu deren Lebensalltag in einem geschlossenen Gesellschaftssystem."

Über drei Tage findet diese Woche das Quellen-Zeitzeugen-Projekt mit Schülern des Geschwister-Scholl-Gymnasiums in Sondershausen statt. Wie das konkret in der Praxis aussieht, lesen Sie in dem Artikel "Sondershäuser Jugendliche forschen zur Vergangenheit ihrer Schule" auf Thüringer Allgemeine Online.

Film mit anschließendem Podiumsgespräch

mielke

Erich Mielke – sein Name steht für die Staatssicherheit in der DDR und ihr jahrzehntelanges geheimpolizeiliches Wirken. Als überzeugter Parteisoldat, ausgestattet mit umfassender Macht, lenkte er den Überwachungsapparat der Stasi.

"Erich Mielke – Meister der Angst" basiert auf Recherchen von Stasi- und BND-Unterlagen sowie auf historischem Film- und Archivmaterial. Im Fokus des Dokudramas steht der Mensch Erich Mielke: seine Motivation, seine Überzeugung, sein Antrieb – aber auch seine Paranoia, sein Scheitern und seine Ängste.

Im Anschluss an die Filmvorführung stehen Jens Becker (Regisseur) und Prof. Dr. Daniela Münkel (BStU) dem Publikum für Fragen zur Verfügung.

Weitere Informationen finden Sie unter dem Menüpunkt Veranstaltungen. 

Im Jahr 2015 wurden 62.544 Anträge zur persönlichen Akteneinsicht bei der Stasi-Unterlagen-Behörde gestellt. Insgesamt sind damit seit Bestehen der Behörde mehr als 3,1 Millionen Anträge von Bürgerinnen und Bürgern eingegangen.
Im Bereich der Akteneinsicht für Forschung und Medien erreichten die Behörde 1.351 Anträge (2014: 1.407). So waren Unterlagen zur Friedlichen Revolution, zur Opposition und zum Mauerfall auch im vorigen Jahr besonders nachgefragt. Auch der Einfluss des Staatssicherheitsdienstes auf Jugendliche stand im Blickfeld der Forscher.

Die Antragszahlen für das Jahr 2015 nach Kategorien aufgeschlüsselt:
62.544 Anträge zur persönlichen Akteneinsicht (inklusive Wiederholungsanträge, Anträge auf Decknamenentschlüsselung und Kopienanträge); Gesamt: 3.112.878
1.351 Anträge auf Akteneinsicht für Forschung und Medien; Gesamt: 31.807
13.344 Ersuchen zu Überprüfungszwecken (Regierungsmitglieder, Ab-geordnete, öffentlicher Dienst u. a.), Sicherheitsüberprüfungen und Rentenangelegenheiten; Gesamt: 3.397.402
4.766 Ersuchen zu Rehabilitierung, Wiedergutmachung und Strafverfolgung; Gesamt: 501.661

Auch die Zahlen für Thüringen aus 2015 zeigen, dass im Freistaat weiterhin ein großes Bedürfnis nach persönlicher Aufarbeitung vorliegt: 

Gesamt Erfurt Gera Suhl 

10.117   4.954  2.175 |2.988

davon

Gesamt Erfurt Gera Suhl 

5.750 | 2.918 1.315 1.517   Erstanträge    

3.047 1.536 614 897   Wiederholungsanträge   

1.138 425 209 504   Decknamenanträge          

182 | 75 37 70   Kopienanträge                  

Seit 1990 sind in Thüringen insgesamt 510.091 Anträge zur persönlichen Akteneinsicht eingegangen, davon in Erfurt 242.516, in Gera 136.690 und in Suhl 130.885.

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Der Landesbeauftragte und Team wünschen frohe Weihnachten, beschauliche Feiertage und einen guten Rutsch in's neue Jahr!

 

 

 

 

 

 

 

 

Fotocredits: Sylvester Schnagl, CC BY-SA 2.0 DE

Weihnachten

Das aktuelle Heft der "Gerbergasse 18" widmet sich der Sprache in der Diktatur. Im Editorial schreibt Redakteur Stefan Walter:


Liebe Leserinnen und Leser,
am 21. April 1986 endete der XI. Parteitag der SED. Rund 2500 Delegierte hatten in den Tagen zuvor den Vortrag Erich Honeckers, eine Ansprache von Michail Gorbatschow und viele weitere Tagesordnungspunkte zur Kenntnis genommen. Selbstverständlich fand dieses parteioffizielle Großereignis reichlichsten Niederschlag in der DDR-Presse. Im SED-Zentralorgan „Neues Deutschland“ (ND) fand sich beispielsweise bereits am 10. Januar 1985 die Schlagzeile „Bauern mit hohen Zielen zum XI. Parteitag der SED“. Es war eine Berichterstattung, die während des Parteitages ihren absoluten Höhepunkt erreichen sollte.

Allein der Abdruck des sogenannten Berichtes von Erich Honecker (genauer: „Bericht des Zentralkomitees der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands an den XI. Parteitag der SED“) im ND vom 18. April 1986 nahm mehr als sechs Zeitungsseiten in Anspruch. Die redaktionelle Einfügung am Schluss soll hier in voller Länge wiedergegeben werden: „(Minutenlanger stürmischer Beifall. Die Delegierten und Gäste erheben sich von den Plätzen. Hochrufe auf die Sozialistische Einheitspartei Deutschlands, ihr Zentralkomitee und das Politbüro. In den stürmischen Beifall hinein Sprechchöre: ‚Unser Generalsekretär – er lebe hoch!‘, ‚Es lebe die Einheit von Partei und Volk!‘ Hurra- und Hochrufe auf die Deutsche Demokratische Republik, auf die Partei der Arbeiterklasse, das Zentralkomitee und seinen Generalsekretär Erich Honecker)“.

Diese kurze Episode gibt ein beredtes Zeugnis über Propaganda und Sprache in der DDR."

Inhaltsverzeichnis

„Eigentlich wollte ich nur Gedichte schreiben über die Liebe, über die Natur. Wichtigeres drängte sich vor“, sagte Jürgen Fuchs einst, 2009 wiedergegeben in Udo Scheers Schrift "Gegen die Feigheit" im Rheinischen Merkur. Wichtigeres drängte sich vor; der Schriftsteller und Bürgerrechtler wollte die DDR von innen heraus reformieren. Er wurde deswegen aus der SED ausgeschlossen, vom Studium relegiert, 1976 inhaftiert und nach fast einem Jahr Stasi-Haft ohne Prozess in die Bundesrepublik abgeschoben. Hier konnten seine Gedicht- und Protokollbänden schließlich erscheinen. Und von hier aus unterstützte er die DDR-Opposition.

„Für mich gehörten seine Reader, hintersinnig als ‚Dialog‘ bezeichnet, zur wichtigsten Lektüre in den Jahren 1985 bis 1988. Und wenn wir etwas druckten, dann geschah es mit Umdruckmaschinen, die Roland Jahn und er in die DDR geschmuggelt hatten“, erinnert sich der Landesbeauftragte zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, Christian Dietrich.
Nicht zuletzt wegen seines politischen Engagements lautet die Adresse des Thüringer Landtags und seiner Fraktionen – auch die der Linken, die sich anfangs weigerte, den neuen Straßennamen zu verwenden - „Jürgen-Fuchs-Straße“. 2002 wurde diese nach dem 1999 verstorbenen Schriftsteller benannt.

Auf seinem Grabstein in Berlin stehen die Worte „Ich schweige nicht!“; sie beschreiben trefflich den Charakter des mutigen Bürgerrechtlers, der sich gegen Diktatur und Repression wehrte. Am 19. Dezember wäre Fuchs 65 Jahre alt geworden; dem tragenden Vertreter der DDR-Opposition wurde an seinem Geburtstag im Rahmen einer Gedenkfeier gedacht:

Gedenkfeier an der Jürgen-Fuchs-Stele im Foyer des Thüringer Landtags
Rede des Landesbeauftragten zur Aufarbeitung der SED-Diktatur Christian Dietrich
Rede des Geschäftsführers der Sächsischen Gedenkstättenstiftung Siegfried Reiprich


Gedenkfeier am 19.12.2015 Foto S.Laux

Wenn ich nur lachen könnte
und im Zirkus wäre
und nicht allein auf dem Weg in die Zelle
dort steht ein junger dicker Mensch
mit Lederstiefeln und Reithosen
dort an der Ecke
mit kleinen zugewachsenen Augen
steht und sagt: „Beeilnse sich“
wenn ich nur lachen könnte
an solchen Ecken
nach solchen Gesprächen
vor solchen Stiefeln. (Jürgen Fuchs, Gedächtnisprotokolle 16.2.)

Hans-Jürgen Döring, 1990-2014 Mitglied des Thüringer Landtags und Vorsitzender des Thüringer Schriftstellerverbandes, schreibt zu dem Text von Jürgen Fuchs: 

"Als Jürgen Fuchs am 16. Februar 1977 mit 23 Jahren den nebenstehenden Text im Stasi-Knast Berlin-Hohenschönhausen mit dem Finger auf die Tischplatte schrieb, hatte er 89 Tage Untersuchungshaft hinter sich gebracht. In stundenlangen Verhören mit psychischen Tricks unter Druck gesetzt, wollten ihn die Vernehmer zermürben, ihn zwingen, sich selbst zu belasten, seine Freunde zu verraten.
Doch Jürgen Fuchs boykottierte alle Versuche, ihn zu Aussagen zu bewegen. Mehr noch, er war fest entschlossen, die Methoden und Zermürbungstaktiken der Verhörspezialisten zu analysieren und sie ins Wort zu bringen. Aus seinem im Gedächtnis aufbewahrten Hafttagebuch entstanden die 'Vernehmungsprotokolle', ein Geflecht verschiedener Darstellungsstränge, darunter auch durch Taktstriche rhythmisierte Textstücke, wie hier vorgestellt.
Anschaulich erhellt dieser Text die innere Verfassung des Dichters. Die Sehnsucht nach Leichtigkeit und Unbeschwertheit wird konfrontiert mit der Wirklichkeit des Eingeschlossenseins. Auch wenn die Sprache unauffällig ist, fühlt man das Vibrieren unter der Oberfläche, erkennt man den doppelten Boden.
Ich lese diesen Text auch als Vermächtnis, dass wir die 'humane Orientierung' durchhalten und die Vergangenheit nicht mit Schweigen zudecken. Damit ein Mensch, der einzig seine Würde verteidigt, nie wieder stehen muss 'vor solchen Stiefeln'."

Der Trägerverein des Thüringer Archivs für Zeitgeschichte „Matthias Domaschk“ (ThürAZ) hat einen neuen Vorstand. Die Mitglieder des Künstler für Andere e. V. wählten am Freitag, den 11.12.2015 vier ehrenamtliche Vorstandsmitglieder für die kommenden zwei Jahre. Mit Andreas Ilse als Vorstandsvorsitzendem und Rayk Einax als Vize-Vorsitzendem wurde die Vereinsspitze wiedergewählt. Neu besetzt wird die Position des Schatzmeisters mit Manuel Leppert. Ebenfalls neu in den Vorstand gewählt wurde Petra Grund als erste Beisitzerin.
Andreas Ilse, der hauptamtlich als Regionalbetreuer für den Bundesfreiwilligendienst in Ostthüringen beim Bundesamt für Familie angestellt ist, dankte den ausscheidenden Vorstandsmitgliedern Thomas Grund, Markus Bleeke und Dr. Jörg Ganzenmüller für ihre engagierte Mitarbeit: „Im Rückblick auf die letzten zwei Jahre haben wir viel für das ThürAZ erreicht.“
Auf den jetzigen Vorstand warten neue Aufgaben, unter anderem die Suche nach größeren Räumlichkeiten. Die inhaltliche Ausrichtung des Archivs wird hingegen beibehalten. Schwerpunkt der Sammlung sind weiterhin Dokumente zu Zivilcourage, Opposition und Widerstand in der DDR. Diese stellt das ThürAZ Archivnutzern zur Verfügung. Bildungsangebote wie Archiveinführungen und Quellenworkshops vermitteln darüber hinaus die Entstehungs- und Überlieferungsgeschichte der Materialien.

Bereits im Jahr 2010 konnten im Deutsch-Deutschen Museum und der Gedenkstätte Mödlareuth mehr als 80.000 Besucher registriert werden, was den bisherigen Rekord darstellte. Das ungebrochene Interesse an der neueren deutschen Geschichte, sowie die unerwartet hohe Resonanz auf die ZDF-Serie „Tannbach“ führten im Jahr 2015 zu einem weiteren Anstieg der Besucherzahlen auf 85.000 Gäste. Mit „Tannbach“ wurde das thüringisch-bayrische Dorf, das bis Ende 1989 durch den eisernen Zaun geteilt war, deutschlandweit bekannt. An einigen Stellen hatte das DDR-Grenzregime seinerzeit den West- und Ostteil des Dorfes mit Mauersegmenten voneinander getrennt, weswegen Mödlareuth auch als „Little Berlin“ bezeichnet wurde. 

Nicht zuletzt wegen der großen Popularität des Grenzmuseums wird dieses in den kommenden Jahren mit 4,4 Millionen Euro aus dem Bundeshaushalt gefördert. Mehr dazu finden Sie auf Ostthüringer Zeitung Online. 

Vortrag von Dr. Matthias Wanitschke zum Quellen-Zeitzeugen-Projekt des ThLA in der Bildungsarbeit

Akten sw rot1Die DDR selbst ist Vergangenheit. Offen bleibt jedoch die Bewältigung des Erlebten durch die Opfer der SED-Diktatur. Offen bleibt auch, wie junge Menschen und zukünftige Generationen die einstige Realität der DDR wahrnehmen.

Das Quellen-Zeitzeugen-Projekt des Landesbeauftragten versucht, die einstige Realität in der DDR für Jugendliche besonders erlebbar zu machen: Schülern werden konkrete Fälle politischer Verfolgung in der DDR nicht nur anhand von MfS-Akten geschildert, sondern auch durch Gespräche mit Zeitzeugen – sie verdeutlichen eindrucksvoll Lebensumstände und Repression in der DDR. In der Auseinandersetzung mit den Akten des MfS einerseits und den persönlichen Schilderung der Situation und ihrer Folgen andererseits ergibt sich so ein umfassender Eindruck erlebter Geschichte.

Dr. Matthias Wanitschke, Referent für politische Bildung und Schülerarbeit beim ThLA, spricht am 8. Dezember im Erfurter Collegium Maius über das Projekt, seine Erfahrungen in der Bildungsarbeit und die Wahrnehmung der DDR bei Jugendlichen. 

Wir freuen uns über Ihr Kommen. Der Eintritt ist frei.

Wann: Dienstag, 08.12.2015, 18:00 Uhr
Wo: Collegium Maius, Michaelisstraße 39, 99084 Erfurt

Der Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages hat beschlossen, dass für die Entschädigung ehemaliger deutscher Zwangsarbeiter in den kommenden Jahren insgesamt 50 Mio. € bereitgestellt werden sollen (2016: 20 Mio. €, Verpflichtungsermächtigung für 2017 und 2018: jeweils 15 Mio. €). Personen, die als Zivilpersonen aufgrund ihrer deutschen Staats- und Volkszugehörigkeit durch fremde Staatsgewalt während des Zweiten Weltkriegs und danach zur Zwangsarbeit herangezogen wurden, soll ohne Anerkennung einer Rechtspflicht / eines Rechtsgrundes als humanitäre Geste ein symbolischer finanzieller Anerkennungsbetrag gewährt werden. Einzelheiten regelt das Bundesinnenministerium in einer Richtlinie, die der Zustimmung des Haushaltsausschusses bedarf.

Die Platform of European Memory and Conscience ist ein Bildungsprojekt der Europäischen Union. Hierbei handelt es sich um eine Kooperation zwischen staatlichen Institutionen und Organisationen aus EU-Ländern in der Forschung, Dokumentation, Sensibilisierung und Aufklärung über die Verbrechen totalitärer (insbesondere kommunistischer und faschistischer) Regime.

Deutsche Mitgliedsorganisationen sind die Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen, die Hannah-Arendt-Gesellschaft zur Förderung der Geisteswissenschaften und Kultur e. V., die Stiftung Sächsische Gedenkstätten und der Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen.

Weitere Informationen zu dem Bildungsprojekt im Allgemeinen und den neu gewählten Vorstandsmitgliedern finden Sie hier. 

Der Vorsitzende des Geschichtsverbunds Thüringen und des ThLA-Beirats, Horst Dornieden, hat heute gemeinsam mit dem scheidenden Geschäftsführer des Grenzlandmuseums Eichsfeld, Paul Schneegans, anlässlich des Tages des Ehrenamtes das Bundesverdienstkreuz von Bundespräsident Joachim Gauck im Schloss Bellevue erhalten. Der Landesbeauftragte gratuliert sehr herzlich zu dieser hohen Auszeichnung.

Die Rede des Bundespräsidenten zur Verleihung finden Sie hier auf bundespräsident.de 

Bundesarchiv Bild 1Am Morgen des 4. Dezember 1989 besetzte ein Kreis couragierter Menschen, darunter die Erfurter Künstlerin Gabriele Stötzer, die Stasi-Bezirksverwaltung in Erfurt. Damit wurde in der heutigen Landeshauptstadt die erste Stasi-Zentrale der ehemaligen DDR besetzt - und unter die Kontrolle der Bürger gebracht. Sie stoppten maßgeblich die Vernichtung der MfS-Akten, die Auflösung des DDR-Geheimdienstes war eingeleitet. Noch am selben Tag folgten andere Städte, wie Leipzig, Suhl oder Rostock, dem Erfurter Beispiel. 


Jenem historischen Jahrestag wird in Erfurt mit diesen Veranstaltungen gedacht:

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Vortrag und Gespräch
Das Ende der Stasi in Erfurt

Der Vortrag schildert, wie die Leiter der Kreis- und Bezirksämter im Herbst 1989 bei Demonstrationen und Besetzungen der Stasi-Dienststellen vorzugehen hatten. Berichte und Arbeitsanweisungen zeigen den damaligen "Verteidigungszustand" der Stasi auf dem Petersberg. Anschließend erzählt der Film "Zivilcourage" von fünf Frauen, die am 4. Dezember 1989 die Staatssicherheit herausforderten, um der Vernichtung von Stasiakten in der Bezirksverwaltung ein Ende zu setzen.

Wann: 4. Dezember 2015, 15:00 Uhr 
Wo: BStU, Außenstelle Erfurt, Petersberg Haus 19, 99084 Erfurt

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Gedenkfeier 
Besetzung der Staatssicherheit 

Ab 18:00 Uhr findet das feierliche Gedenken an die Besetzung vor der Polizeidirektion (Andreasstraße 38) statt. 

Wann: 4. Dezember 2015, 18:00 Uhr
Wo: Vor der Polizeidirektion, Andreasstraße 38, 99084 Erfurt

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Diskussionsrunde
Besetzung der Staatssicherheit und Tag für Zivilcourage

Ab 19:00 Uhr geht es in der Gedenk- und Bildungsstätte Andreasstraße weiter. Hier finden die Finissage zur Ausstellung „Briefe von der waffenlosen Front“ sowie eine Diskussionsrunde mit Schülerinnen und Schülern und Zeitzeugen statt. Die Gedenkstätte wird das Buch zur Dauerausstellung sowie das neue Filmprojekt „Nieder mit Hitler“, über fünf Erfurter Schüler im Widerstand gegen den Nationalsozialismus, vorstellen. Die Veranstaltung ist eine Kooperation mit der Gesellschaft für Zeitgeschichte e.V. Der Eintritt ist frei.

Wann: 4. Dezember 2015, 19:00 Uhr 
Wo: Gedenk- und Bildungsstätte Andreasstraße, Andreasstraße 37a, 99084 Erfurt

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Das Foto zeigt die Erstürmung der Stasi-Zentrale in der Berliner Normannenstraße vom 15. Januar 1990. Fotocredits: Bundesarchiv, Bild 183-1990-0116-013, CC BY-SA 3.0 DE

Am 26. und 27. November fand in der Bundesstiftung Aufarbeitung in Berlin die Konferenz "Antisemitismus in der DDR und die Folgen" statt. Im Rahmen der hochkarätigen Panels wurde über die Ausprägungen von Juden- bzw. Israelfeindlichkeit in der DDR und deren bis heute reichenden Folgen in Ostdeutschland debattiert.
Im Kern stand der Befund, dass sich Antisemitismus in der DDR in erster Linie in Form von Antizionismus und damit einhergehend durch eine offene israelfeindliche bzw. palästinafreundliche Propaganda und Politik der SED äußerte.
Im Zuge der "antifaschistischen" Staatsdoktrin entzog sich die DDR der moralischen Schuldfrage zum Nationalsozialismus und negierte als "Neues Deutschland" auch in juristischer Hinsicht die Rechtsnachfolge des "Dritten Reichs". Auch deshalb wurden Forderungen von Juden nach Wiedergutmachung bzw. Rückerstattung von enteignetem jüdischen Vermögen - nach staatlicher Lesart die "Verschiebung deutschen Volksvermögens" zugunsten "zionistischer Monopolkapitalisten" - abgelehnt. In diesem Zusammenhang sprach Dr. Thomas Haury, der den einleitenden Vortrag hielt, von einem antizionistisch verkleidetem "sekundären Antisemitismus".
Schließlich waren antisemitische Ressentiments unter breiten Teilen der Bevölkerung anzutreffen, die Beseitigung und Schändung jüdischer Friedhöfe war im angeblich "antifaschistischen" Deutschland auch kein Einzelfall.
Auf den Fotos zu sehen sind Dr. Thomas Haury, Dr. Klaus Holz, Dr. Jan Gerber und Dr. Olaf Glöckner, die gemeinsam das erste Podium bildeten:
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Der Jenenser Theologe, Lehrer und Literat Klaus-Peter Hertzsch verstarb in der Nacht zum 26. November in Jena. In den 1960er Jahren war er in Jena Studentenpfarrer, später Leiter der Geschäftsstelle der evangelischen Studentengemeinden in der DDR und 1969 bis 1995 Professor für Praktische Theologie. Als Synodaler arbeitete über Jahre im Kirchenparlament der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche in Thüringen mit. Seine "biblischen Balladen" nach fünf Geschichten aus dem Alten Testament waren ostdeutsches evangelisches Bildungsgut.

"Ich bin mit Klaus-Peter Hertzsch aufgewachsen. Nicht nur als Nachbar, sondern auch mit seinen Texten. Die Kinderkantate 'Wie schön war die Stadt Ninive' durfte ich mehrfach mit aufführen und habe ich noch im Ohr. Diese Geschichte von Jona, der der Stadt Ninive das Gericht predigen soll und dann die Umkehr der Stadt erlebt und an der Barmherzighkeit Gottes verzweifelt, hat mich schon als Kind bewegt. Der Professor, der Max Frisch für Hörer aller Fakultäten auslegte, sprach am 16. April 1981 auf dem Friedhof die Worte zum Tod von Matthias Domaschk. 1982 erlebte ich, wie er versuchte, Demonstranten der Jenaer Friedensbewegung vor dem Polizei Abtransport in der Nähe der Jenenser Stadtkirche zu bewahren. Er war ein Ermutiger, der seiner Kirche immer wieder klar machte, dass sie unterwegs ist. Heute singen die Gemeinden mit seinen Worten 'Vertraut den neuen Wegen' (Evangelisches Gesangbuch)." (Christian Dietrich) 

Trauergottesdienst am 11. Dezember, 11:00 Uhr, Jena, St. Michael (Stadtkirche)           

Nachruf der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland

Ulrike Greim zu Klaus-Peter Hertzsch  auf mdr

Vegangenen Samstag wählte der Landessportbund Thüringen den Präsidenten für die kommende Amtsperiode - mit einem Ergebnis, dass den Willen zu Reformen nur zaghaft erkennen lässt. Denn alter und neuer Präsident des LSB ist Peter Gösel. Gösel tritt damit seine nunmehr achte Amtszeit an und steht bis zum Jahr 2018 an der Spitze des LSB. Erstmals seit 21 Jahren gab es bei der Wahl in Bad Blankenburg einen Gegenkandidaten - auf den Reformer Dirk Eisenberg fielen allerdings nur knapp 29 Prozent der Stimmen. Eisenberg hatte sich klar gegen SED-Altkader Peter Gösel positioniert und die bisherige Spitze des LSB auch hinsichtlich des mangelnden Aufarbeitungswillens zur Stasi- und Dopinghistorie kritisiert .
"Dass Kritik im Freistaat nur leise anklingt, liegt auch an der Einschüchterung der ehemaligen SED-Genossen", schreibt in diesem Zusammenhang Thomas Purschke in einem ausführlichen Artikel in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung bzw. auf faz.net.
Aus Sicht von Oliver Fritsch stand der Sieger ohnehin schon fest, der Journalist gibt auf Zeit Online eine Analyse zum Sport in Thüringen, "Wo die DDR noch Wahlen gewinnt".  

Seit 2000 werden im Rahmen des "Thüringen-Monitor" Stimmungen und Einstellungen der Thüringer repräsentativ erhoben. Die Langzeitstudie, die im Auftrag der Landesregierung durch die Uni Jena jährlich durchgeführt wird, ist kommende Woche Dienstag Thema im Kabinett; dann werden die Ergebnisse ausführlich vorgestellt. 
Der Thüringer Allgmeinen lagen bereits Fakten der noch unveröffentlichten Studie vor: So etwa, dass mittlerweile deutlich mehr Thüringer im Vergleich früheren Jahren die DDR als Unrechtsstaat bewerten; 61% der Befragten stimmten dieser Aussage zu, im Jahr 2014 waren es 54%. Trotz dieses zunehmend kritischen Blicks auf die SED-Diktatur bleibt die persönliche Einstellung zur DDR im Allgemeinen bei der Mehrheit der Befragten eine andere. 

Lesen Sie mehr zu den Ergebnissen des "Thüringenmonitors" auf Thüringer Allgemeine Online und Ostthüringer Zeitung Online

Ostbeauftragte Gleicke ruft zur Teilnahme auf

Das Deutsche Institut für Heimerziehungsforschung (DIH) untersucht gegenwärtig im Auftrag der Beauftragten der Bundesregierung für die neuen Bundesländer, Iris Gleicke, die Rolle der Arbeit in den Einrichtungen der DDR-Jugendhilfe. Damit wird in wissenschaftlicher Weise dem Hinweis von ehemaligen Heimkindern nachgegangen, wonach es zum Teil erhebliche Arbeitsverpflichtungen vor allem in den Jugendwerkhöfen der DDR gegeben habe. Im Rahmen der Studie wird unter anderem eine Befragung ehemaliger DDR-Heimkinder durchgeführt.

Hierzu erklärt die Ostbeauftragte und Parlamentarische Staatssekretärin Iris Gleicke: "Die Aufarbeitung der Situation der Heimkinder in der DDR ist in den letzten Jahren weit vorangekommen. Dies hat maßgeblich dazu beigetragen zu verstehen, welches Leid vielen ehemaligen Heimkindern widerfahren ist. Es gibt allerdings noch ungeklärte Aspekte, die Fragen offen lassen. Derartige blinde Flecken der Aufarbeitung sind für die Betroffenen eine große Belastung." Gleicke ruft die ehemaligen DDR-Heimkinder, die als Jugendliche in den Heimen bzw. Jugendwerkhöfen arbeiten mussten, zur Beteiligung auf: "Ich möchte Sie herzlich darum bitten, sich an dieser Befragung zu beteiligen, auch wenn das im Einzelfall gewiss schmerzliche Erinnerungen weckt. Nur mit Ihrer Unterstützung können wir einen einigermaßen vollständigen Überblick über die Rolle der Arbeit in solchen Einrichtungen gewinnen. Mein Ziel ist es, dass auch dieses Kapitel der Geschichte der Heimkinder in der DDR aufgearbeitet werden kann." Gleicke betonte, die Nennung des Namens sei freiwillig, der Fragebogen könne auch anonym ausgefüllt werden.

Der Fragebogen des DIH kann über diesen Link ausgefüllt werden. Die Ergebnisse der Studie sollen bis Sommer 2016 vorliegen und Öffentlichkeit vorgestellt werden.

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In ihrem gestrigen Vortrag im Erfurter Collegium Maius erläuterte Gabriele Stötzer die Wirkungsmechanismen der Staatssicherheit anhand einzelner Schicksale aus der Erfurter Kunst- und Kulturszene der 60er bis 80er Jahre. Diejenigen, die Kunstformen außerhalb der staatlich organisierten Bahnen schufen, gerieten schnell ins Visier der Staatssicherheit. Individuelle Kunstaktionen betrachtete die DDR-Geheimpolizei als staatsfeindliche und andere gegen die staatliche Sicherheit und Ordnung gerichtete Handlungen. Insofern verwundert es nicht, dass die Künstlerin, die sich der Aufarbeitung der SED-Diktatur in diesem spezifischen Bereich widmet, von mindestens 30 Operativen Personenkontrollen und Operativen Vorgängen innerhalb der Erfurter Kunstszene in jenem Zeitraum berichtet.

IMG 0338 Web 2Resümierend hielt Gabriele Stötzer fest: "Kunst war in einer Diktatur wie dieser Vergangenen ein gesellschaftliches Ereignis, die Dinge im Detail wahrzunehmen und zu begreifen - in der rinnenden fremden Zeit die eigene Zeit zu leben. Kunst war sozial, ein menschlicher Akt - die Stasi war nicht sozial, gab keinen Mut, Freude, Hoffnung. Inzwischen ist diese Diktatur beendet, die DDR ist tot. Und mit dem Ende der DDR 1989 ging das dunkle Netz des Kalten Krieges zu Ende, wurde eine unendliche Anspannung schizophrener Gegenüberstellung in Europa gebrochen, die den letzen Teil des gerade vergangenen Jahrhunderts bestimmte. Aber noch heute spuken Gerüchte und Feindbilder im Gebiet der ehemaligen DDR - die inszeniert wurden, um Angst zu erzeugen."

Die von der Thüringer Landesregierung begleitete Untersuchung der Todesumstände des am 2. Februar 1977 in seinem Unterkunftsraum in der Grenzkompanie Erbenhausen mit einem Kopfdurchschuss leblos aufgefundenen DDR-Grenzsoldaten Hans-Jürgen Neuber hat zu einem ersten wichtigen Ergebnis geführt: Aus rechtsmedizinischer Sicht stellt der mit der rechtsmedizinischen Untersuchung beauftragte Direktor des Rechtsmedizinischen Instituts der Charité Berlin, Prof. Dr. Tsokos, abschließend fest, dass sich die Befunde des Kopfschusses bei dem DDR-Grenzsoldaten Neuber mit einem Suizid in Einklang bringen lassen. Lesen Sie mehr dazu auf der Internetseite der Thüringer Staatskanzlei. 

Unter dem Titel "Zivilcourage würdigen" wurde von einem internationalem Team für elf postkommunistischen europäischen Staaten die rechtiche Lage der Opfer kommunistischer Repression analysiert und Vorschläge zur Verbesserung ihrer Situation erarbeitet. Eine Zusammenfassung dieser Studie ist auf der Seite der Gedenkstätte Berlin-Höhenschönhausen zu finden. Link zur Publikation

Die 600seitige Studie wurde von der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen in Kooperation mit dem Okkupationsmuseum Lettlands (Latvijas Okupācijas muzejs), dem Institut für die Untersuchung kommunistischer Verbrechen und die Erinnerung an das Rumänische Exil (IICCMER) und des europäischen Bildungswerks "Platform of European Memory and Conscience" (Prag) erarbeitet.

Vortrag von Gabriele Stötzer zur Überwachung von Kunst und Kultur in Erfurt in den 60iger bis 80iger Jahren

Akten sw rot1Gabriele Stötzer führt in eine spannende Welt der Künstler, die Kunst auch als Freiraum für Lebensentwürfe in der DDR gebrauchten. Diejenigen, die Kunstformen außerhalb der staatlich organisierten Bahnen schufen, gerieten allerdings schnell ins Visier der Staatssicherheit. Ihre individuellen Kunstaktionen betrachtete die DDR-Geheimpolizei als „staatsfeindliche und andere gegen die staatliche Sicherheit und Ordnung gerichtete Handlungen“.
Künstler, die es schließlich mit der Stasi zu tun bekamen, wurden in ein Rondell der Verführung und Grenzüberschreitung geführt, dem sie ihre eigene kreative Kraft am Schaffen entgegensetzten - oder aber zerbrachen. Anhand einzelner Schicksale setzt sich ein komplexes Bild der Methoden des DDR-Geheimdienstes zusammen, diese Gruppen zu kriminalisieren, strafrechtliche Verfolgungen auszulösen und zu zersetzen. Den langen Arm der Stasi in der Erfurter Kunst- und Kulturszene beschreibt Gabriele Stötzer am 16. November im Collegium Maius. Die Künstlerin war seinerzeit ebenfalls im Visier der Stasi und politisch inhaftiert.

Wann: Montag, 16.11.2015, 18:00 Uhr
Wo: Collegium Maius, Michaelisstraße 39, 99084 Erfurt

Der Eintritt ist frei. Wir freuen uns über Ihr Kommen. 

Nach der Auflösung der gefürchteten und verhassten Geheimpolizei der DDR vor 25 Jahren, treten ehemalige Mitarbeiter des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) vor die Kamera, um erstmals in einer TV-Dokumentation Reue zu bekunden und ihren Respekt vor den Opfern auszudrücken. Die zentrale Frage der Dokumentation lautet, wie die Stasi-Leute mit ihrer Schuld umgehen, sehen sie sich als aktive Täter oder nur als ausführende Befehlsempfänger? Daneben wird auch von ihrem Leben nach der DDR erzählt, von einem schwierigen Neuanfang und der oft langwierigen Integration in die bundesdeutsche Gesellschaft.

Die ARD-Dokumentation "Was wurde aus der Stasi?" ist hier in der ARD-Mediathek abrufbar. 

Das 14. Internationale Symposium der Stiftung Ettersberg, das gemeinsam mit der Landeszentrale für politische Bildung Thüringen veranstaltet wird, findet heute und morgen in Weimar statt. 70 Jahre nach Beginn des ersten Nürnberger Prozesses gegen die Hauptkriegsverbrecher wollen wir zum 14. Internationalen Symposium der Stiftung Ettersberg »Recht und Gerechtigkeit – Die strafrechtliche Aufarbeitung von Diktaturen in Europa« fragen: Welche Bedeutung hat Recht bei der Aufarbeitung von Diktaturen? Was können juristische Verfahren überhaupt leisten? Welche Instrumentarien stehen dem Rechtsstaat für eine strafrechtliche Aufarbeitung seiner diktatorischen Vergangenheit zur Verfügung? Und welche gesellschaftlichen Erwartungen werden dabei an die Rechtsprechung gerichtet? Das Symposium beleuchtet zum einen die strafrechtliche Verfolgung von NS-Verbrechen in beiden deutschen Staaten sowie die Aufarbeitung von DDR-Unrecht nach der Wiedervereinigung. Zum anderen nehmen wir die juristische Verfolgung von Diktaturverbrechen in Ostmittel-, Süd- und Südosteuropa in den Blick und diskutieren über die Praxis strafrechtlicher Aufarbeitungsbemühungen. Damit wollen wir die Diskussion über die Möglichkeiten, aber auch die Grenzen strafrechtlicher Diktaturaufarbeitung in Europa befördern.

Heute Abend zeigt der WDR eine Reportage zum Thema Doping im DDR-Sport. Auch vor minderjährigen Sportlerinnen und Sportlern machte es keinen Halt. Die Athleten bekamen nicht nur die üblichen Dopingpräparate. Sie mussten auch ohne ihr Wissen für Versuche mit Medikamenten herhalten, die nicht für den menschlichen Gebrauch freigegeben waren. Flankiert wurde das System von zum Teil brutalen weiteren sportmedizinischen Anwendungen. Das Ganze ohne Rücksicht auf gesundheitliche Folgen und Verluste. 

Den Film von Andrea Schültke und Thomas Purschke können Sie hier in der WDR-Mediathek abrufen

Bis heute läuft Debatte um den künftigen Umgang mit Doping-Opfern - zuletzt am Mittwoch im Sportausschuss des Deutschen Bundestages. Lesen Sie hier mehr zu dem dortigen Streitgespräch zwischen Ines Geipel, Vorsitzende des Vereins Doping-Opfer-Hilfe, und Stephan Abel, Vizepräsident beim Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB). zwischen Ines Geipel, Vorsitzende des Vereins Doping-Opfer-Hilfe, und Stephan Abel, Vizepräsident beim Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB). 

Christoph Kleemann ist verstorben. Er wurde in Meißen geboren und kam als Theologiestuden 1962 nach Rostock. Hier war er ab 1976 Studentenpfarrer und entwickelte eine Schule der Mündigkeit.

In der Revoution engagiert und dann erster Oberbürgermeister, der diesen Titel verdiente, hat er sich in die Geschichte Rostocks eingeschrieben und als Außenstellenleiter der Stasiunterlagenbehörde wichtige Aufbauarbeit für die Demokratisierung Rostocks aber auch Deutschlands geleistet. In diesem Jahr erschien sein Roman Hans im Glück oder Die Reise in den Westen. Er verbindet mit poetischer Leichtigkeit aktuelle Stimmungen und historische Reflexionen.

Das Wachregiment „Feliks E. Dzierzynski“ des MfS kann jetzt online gehört werden

Mit dem Findmittel zu den Tonaufnahmen des MfS-Wachregiments sind in der Online-Recherche auf der Plattform ARGUS erstmals auch Tonaufnahmen eingebunden worden. Das Wachregiment mit zuletzt ca. 11.000 Angehörigen war seit 1951 verantwortlich für den militärisch-operativen Wach- und Sicherungsdienst sowie den Personen- und Objektschutz von staatlichen Objekten und Einrichtungen. Das Findmittel umfasst den Zeitraum von 1965 bis 1988.
Die Mehrzahl der überlieferten Tondokumente ist als Digitalisat online direkt abrufbar. Einen Schwerpunkt dieser Ton-Überlieferung bilden die Tonbänder des Funkstudios Adlershof, das die Soldaten des Regimentes mit einem eigenen Programm informieren und unterhalten sollte. Außerdem sind Tonbänder zur Arbeitsorganisation sowie zur Öffentlichkeitsarbeit im Wachregiment überliefert. So ist ein Einblick in den Alltag des Dienstbetriebs mit Originalaufnahmen möglich. Für jede einzelne Tonaufnahme ist unter dem Punkt „Weitere Informationen“ eine Übersicht der inhaltlich markantesten Stellen zu finden.

Hier finden Sie den Link zu den Tonaufnahmen.

Für die politische Bildungsarbeit mit Flüchtlingen stellt die Bundesstifung Aufarbeitung der SED-Diktatur die Jahresausstellung "Auf dem Weg zur deutschen Einheit" auch auf Arabisch zur Verfügung.

„Die Ausstellung ermöglicht es kommunalen und ehrenamtlichen Betreuern, ein Bildungsangebot in der Muttersprache vieler Flüchtlinge anzubieten, damit diese sich mit einem Teil der deutschen Geschichte vertraut machen können“, sagte die Geschäftsführerin der Bundesstiftung Aufarbeitung Anna Kaminsky. „Wir wissen, dass vielerorts zuerst für die Grundbedürfnisse der Flüchtlinge gesorgt werden muss. Dennoch kann die Ausstellung schon jetzt als ein erstes Informationsangebot dienen und zugleich der Langeweile in den Notunterkünften entgegenwirken“, sagte Anna Kaminsky.

Die gemeinsame Schau der Bundesstiftung Aufarbeitung und des Auswärtigen Amtes spannt einen historischen Bogen, der von der friedlichen Revolution des Jahres 1989 bis in die Gegenwart reicht. Die arabische Ausstellungsfassung umfasst 20 DIN A1 Plakate, die mit geringem organisatorischem Aufwand vor Ort in den Flüchtlingsunterkünften präsentiert werden können. Zudem kann die Ausstellung für lokale Kultureinrichtungen und Initiativen der Anstoß sein, Veranstaltungsangebote zu entwickeln, bei denen die örtliche Bevölkerung und Flüchtlinge zusammenkommen.

Ab sofort und nur bis zum 8. November kann die Ausstellung gegen eine Schutzgebühr von 30 Euro (inkl. Versandkosten im Inland) bestellt werden:

www.bundesstiftung-aufarbeitung.de/wzde-arabisch

Mein ostdeutscher Zwilling – eine deutsch-deutsche Familienfeier

25 Jahre Wiedervereinigung – doch wie weit sind wir wirklich vereint? Das Doku-Theaterprojekt „Mein ostdeutscher Zwilling“ untersucht diese Frage mit der Zwillingsmethode: Menschen aus dem Osten und dem Westen der Republik nehmen miteinander Verbindung auf, weil sie ein gemeinsames Geburtsdatum haben. Ergebnis dieses Austausches ist ein vielstimmiges Bühnenstück über die geteilte deutsche Geschichte und den gemeinsamen Umgang damit.

OstdeutscherZwilling 1Beim dem Doku-Theaterprojekt von Hilde Schneider und Heinke Hartmann begegnen sich ost- und westdeutsche Zeitzeugen und tauschen ihre Erfahrungen und Erinnerungen aus der Zeit der deutschen Teilung und Wiedervereinigung aus. Menschen zwischen 35 und 70 aus Konstanz und Umgebung haben sich zum Jubiläumsjahr der Wiedervereinigung auf die Suche nach einem „Zwilling“ in den Neuen Bundesländern gemacht, sprich: einem Menschen, der am gleichen Tag geboren wurde
„Sechs Zwillingspaare haben sich gefunden und seit Herbst 2014 miteinander kommuniziert: bei moderierten Treffen und Proben in Konstanz, telefonisch, per E-Mail, Facebook, in Briefen und Interviews“, beschreibt Heinke Hartmann die Vorarbeiten. Aus dem Material hat Hilde Schneider ein Stück geschrieben. „Auch nach 25 Jahren Wiedervereinigung steht noch viel Trennendes und Unausgesprochenes zwischen den Menschen. Eigentlich besteht großer Redebedarf, aber das Redebedürfnis ist eher gering“, findet Schneider. „ Die Zwillingsmetapher steht für Gleichwertigkeit, sie soll zu einer Auseinandersetzung auf Augenhöhe anregen. Dafür ist die Bühne ein guter Ort“, sagt Schneider. Weitere Informationen zu dem Theaterprojekt finden Sie hier. 

 
Hintergrundgespräch mit den Regisseurinnen

Mit zehn Laiendarstellern erarbeiten Hilde Schneider und Heinke Hartmann ein Stück zum 25-jährigen Jubiläum der deutsch-deutschen Wiedervereinigung. Ein Gespräch über eine einfache Idee, ein kompliziertes Casting und überraschende Erkenntnisse.

Der Vizepräsident des Brandenburger Landtages, Dieter Dombrowski (CDU), wurde zum Bundesvorsitzender der Union der Opferverbände Kommunistischer Gewaltherrschaft gewählt.

Dieter Dombrowski, selbst in der DDR aus politischen Gründen inhaftiert, hat sich wegweisend für das Menschenrechtszentrum Cottbus eingesetzt. Er war Stellvertretender Vorsitzender der Enquetekommission zur Aufarbeitung und Bewältigung von Folgen der SED-Diktatur im Land Brandenburg und hat wesentliche Anteile an der im Sommer diesen Jahres zur Unterstützung von Brandenburger politischen Opfern der SED-Diktatur geschaffenen Härtefallfond. 

Die Stiftung Friedliche Revolution organisierte ein zweiteiliges Seminar für Jugendliche aus der Ukraine und und aus Deutschland zur Aufarbeitung von Diktaturgeschichte. Am 7. Oktober war die Gruppe auf Einladung des Landesbeauftreagten in Erfurt und bekam einen Einblick in die deutsche Rehabilitierungspolitik und verschiedene Formen der Aufarbeitung. Die Gruppe hatte sich am 6. Oktober ein Leipzig an einem öffentlichen Forum zur Arbeit des Sächischen Verfassungsschutzes im Umgang mit Feinden der Demokratie beteiligt. 

Ausschnitt

Teilnehmer des Zweiteiligen Seminars mit Gesine Oltmanns (Stiftung Friedliche Revolution), Dorothea Marx (MdL) und Christian Dietrich (ThLA) 

In Erfurter Landtag gab die Vorsitzende des NSU-Untersuchungsausschusses Dorothea Marx dan einen sehr informativen Einblick in die Arbeit und das Wirken des Thüringer NSU-Untersuchungsausschusses.

Zum Abschluss des Tages besuchte die Gruppe die Gedenkstätte Topf&Söhne.In einer interaktiven Spurensuche und ausführlichen Führung konnten die Möglichkeiten einer Aufklärung im Zusammenwirken von Wirtschaft und Diktatur erarbeitet werden.

Dr. Sachse Arnold Vaatz

Dr. Christian Sachse und Arnold Vaatz (MdB) am historischen Ort - ehemals Maxhütte Unterwellenborn, heute Sitz des Vereins "Gaszentrale Unterwellenborn e.V."

Am 18. September 2015 war die Jugendzwangsarbeit in der DDR Thema eines Forums in Ichtershausen. Bis 2013 gab es in Ichtershausen auf dem Gelände des ehemaligen Klosters eine Haftanstalt, die in der DDR als Jugendhaus bzw. Jugendstrafvollzugsanstalt genutzt wurde. Die Veranstaltung fand in Kooperation des Landesbeauftragten für Aufarbeitung mit der Kirchgemeinde Ichtershausen in der Klosterkirche statt. Wie jeden Freitag, fand 18:00 Uhr in der Kirche eine Andachten Gemeinschaft von statt.

Bei der Begrüßung erklärte Pfarrer Ehrlichmann, dass wer zu DDR-Zeiten die Apsis des Chorraums betrat, „mit beiden Beinen im Gefängnis“ stand. Die Nähe der Kirche bestätigten die ehemaligen Häftlinge, die zu diesem Abend nach Ichtershausen kamen. Der Landesbeauftrage, Christian Dietrich, verwies bei seiner Einführung auf den sowjetischen Verfassungsartikels „Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen.“ (Verfassung 1936, Artikel 12: „Die Arbeit ist in der UdSSR Pflicht und Ehrensache jedes arbeitsfähigen Staatsbürgers nach dem Grundsatz: ‚Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen.’“). Auch in der DDR beruhte die SED-Herrschaft auf Arbeit als Zwangsmittel. Auch Jugendliche waren davon betroffen. Davon zeugt die Errichtung von Jugendwerkhöfen an den Orten, wo es an Arbeitskräften mangelte.

Anhand von Statistiken und Gesetzestexten zeigte Dr. Christian Sachse, welchen Platz die DDR-Zwangsarbeit in der deutschen Geschichte und innerhalb der DDR-Volkswirtschaft einnahm. Dazu stellte er die Statistik der Inhaftierungen. In der DDR waren bezogen auf die Bevölkerung mindestens dreimal so viel Menschen inhaftiert, wie in der Bundesrepublik. Die Statistik zur Verteilung der Berufsunfälle - soweit sie überhaupt Teil der Statistik wurde – zeigte die signifikante Gesundheitsgefährdung durch Zwangsarbeit.

9783954624386 dKaum ein Protagonist der Umbruchszeit 1989/90 polarisiert bis heute so wie Wolfgang Schnur. Als Anwalt arbeitet Schnur (geb. 1944) in der DDR als Rechtsbeistand für Bürgerrechtler und Wehrdienstverweigerer. Nicht wenige sehen den Mitbegründer und Vorsitzenden des Demokratischen Aufbruchs als kommenden Wahlsieger bei den Volkskammerwahlen im März 1990 und damit als künftigen DDR-Ministerpräsidenten. Doch kurz vor der Wahl wird bekannt, dass Schnur seit den 1960er Jahren für die Stasi tätig war. Es beginnt ein rasanter Absturz, der mit dem Entzug der Anwalts- zulassung 1993 und diversen Verurteilungen endet.

Alexander Kobylinski, einst selbst Mandant von Schnur, folgt dessen Lebenslauf von der Jugend im Nachkriegsdeutschland, der Ausbildung zum Rechtsanwalt, seiner Anwerbung durch das MfS und der Tätigkeit als Spitzel bis zur Enttarnung 1990.
Kobylinski zeigt, wie Schnur mit viel Geduld, aber äußerst zielstrebig vom MfS aufgebaut wurde und schließlich zu einer wichtigen Person in der Bürgerbewegung wurde. Und er lässt die »Einbrüche« in Schnurs Karriere erst richtig verstehen.

Eine einführende Rezension des Buches von Sozialwissenschaftler Gerold Hildebrand lesen Sie in der aktuellen Ausgabe der Gerbergasse 18 und als Leseprobe über diesen Link.

Wann: 19. Oktober 2015, 18.00 – 20.00 Uhr
Wo: Stadtratssaal,Stadtverwaltung Eisenach, Markt 22, 99817 Eisenach (Ein- und Ausgang über Badergasse)

Das Programm:

Grußwort: Dieter Suck (1. Ehrenamtlicher Beigeordneter)
Einleitung: Christian Dietrich (Landesbeauftragter)
Buchvorstellung: Alexander Kobylinski (Autor)
Moderation: Stephan Schack (Trainer und Berater für Demokratiepädagogik)

 

Bis heute hält sich die Verschwörungstheorie, dass das für AIDS verantwortliche HI-Virus ursprünglich in den USA als biologischer Kampfstoff entwickelt wurde – nicht ohne Grund: Mit einer hierzu groß angelegten Desinformationskampagne sollten die USA Ende der 80er Jahre international in Verruf gebracht werden. Anhand der Untersuchung von geheimpolizeilichen Quellen in Berlin und Sofia durch Dr. Douglas Selvage (Projektleiter beim BStU) wird deutlich: Großen Anteil an der Verbreitung dieses Gerüchts hatten der ehemalige sowjetische Geheimdienst KGB und die Stasi.

So sorgte der ostdeutsche Geheimdienst etwa für die Verbreitung der Thesen einer diesbezüglichen „wissenschaftlichen Studie“ ostdeutscher Forscher im westlichen Ausland – mit Erfolg. Es kam in der Bundesrepublik sogar zur Produktion und Ausstrahlung von TV-Dokumentationen, die diese Thesen aufgriffen. In der Folge entstand ein Zyklus von Falschinformationen, der sich bis weit über das Ende des Kalten Krieges hinaus hielt. Diese und weitere Forschungsergebnisse zur „AIDS-Verschwörung“ präsentiert Dr. Selvage am 14. Oktober im Erfurter Collegium Maius.

Von welcher Brisanz das Thema bis heute ist, zeigt ein erneuter Rechtsstreit um die Publikation zu der Thematik von Douglas Selvage und Christopher Nehring. Lesen Sie die Details dazu hier auf Welt online. 

Der Landesbeauftragte des Freistaats Thüringen zur Aufarbeitung der SED-Diktatur veranstaltet gemeinsam mit dem Bundesbeauftragten für die Stasiunterlagen (BStU) die Vortragsreihe zum „Quellenwert der Stasi-Akten für die zeitgeschichtliche Forschung". Im Rahmen vielseitiger Vorträge wird anhand anschaulicher Beispiele die historische Bedeutung der Stasi-Akten herausgestellt.

Wir freuen uns über Ihr Kommen. Der Eintritt ist frei.

Wann: Mittwoch, 14.10.2015, 18:00 Uhr
Wo: Collegium Maius, Michaelisstraße 39 (gegenüber der Michaeliskirche), 99084 Erfurt

 

Das Foto zeigt HI-Viren, die sich vor dem Verlassen der Immunzelle an der Membran einer Makrophage sammeln.
(CC BY 2.5)

Während der Thüringer Landtag tagte und den 8. Mai als singulären Gedenktag in das Thüringer Feiertagsgesetz einfügte (mehr dazu hier), beschloss der Deutsche Bundestag am 2. Oktober weitere Schritte zur deutschen Einheit. Über längere Zeit haben eine Initiativgruppe, die Union der Opferverbände der Kommunistischen Gewaltherrschaft und Einzelpersonen ein Denkmalprojekt entwickelt und sind vor einem Jahr an den Bundestag herangetreten (mehr dazu auf der Seite der Initiative). In der Bundestagsentschließung zu „25 Jahre Deutsche Einheit“ heißt es nun: „In Deutschland gibt es jedoch trotz umfangreicher konzeptioneller Vorarbeit seitens der Opferverbände bislang noch kein zentrales Denkmal zur Mahnung und Erinnerung an die Opfer der kommunistischen Gewaltherrschaft. Zusammen mit dem deutschlandweit begangenen Gedenktag am 17. Juni, wäre dies ein wichtiger Teil einer Erinnerungskultur an die SED-Diktatur, der sich zugleich in die Gedenkstättenkonzeption des Bundes einordnen muss.“ Trotz aller Hürden, die eine Denkmalinitiative nehmen muss, will der Deutsche Bundestag bis 2017 solch eine „Initiative für ein Denkmal zur Mahnung und Erinnerung an die Opfer der kommunistischen Gewaltherrschaft an einem zentralen Ort in Berlin auf den Weg bringen“.

Weg der Hoffnung

Bis dahin wird Thüringen Heimat des größten Denkmals für die SED-Opfer sein: Der „Weg der Hoffnung“ überlebensgroßen Figuren entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze auf mehr als 1 km Länge (Siehe Bild rechts - Teil der Gednekstätte Point Alpha).

Cover GG18 H76Vor einem Vierteljahrhundert, am 3. Oktober 1990, trat die DDR dem Geltungsbereich des Grundgesetzes für die Bundesrepublik Deutschland bei – damit vollzog sich die deutsche Wiedervereinigung. Die neue Ausgabe der Zeitschrift „Gerbergasse 18“ will sich anlässlich dieses Jubiläums weniger mit den konkreten Ereignissen vor 25 Jahren beschäftigen, sondern ihren Blick vielmehr auf unterschiedliche Bilder von Deutschland richten. Im Rahmen des Titelthemas geht es um Vielfalt in der Einheit, das sogenannte Zonenrandgebiet, real anzuschauenden Sozialismus und schließlich um die Rezeption des Juristen Hans Litten im geteilten Deutschland. Weitere Beiträge im Heft beschäftigen sich unter anderem mit der Städtepartnerschaft zwischen Jena und Erlangen, der Rolle des US-Musikers Dean Reed für die SED-Kulturpolitik sowie mit Stasi-Verstrickungen ehemaliger DDR-Schiedsrichter. Die neue „Gerbergasse 18“ ist ab sofort im Jenaer Buchhandel und bei der Geschichtswerkstatt Jena erhältlich. Weitere Informationen finden Sie hier. 

Um Bilder von Deutschland geht es auch in der neuen Zeitzeugendokumentation der Geschichtswerkstatt Jena. Unter dem Titel „Friedliche Revolution und Deutsche Einheit in Jena 1989/90. Skizzen einer Bilanz“ ziehen Zeitzeuginnen und Zeitzeugen nach 25 Jahren Wiedervereinigung ihre persönliche Bilanz über das Leben im vereinten Deutschland. Die öffentliche Präsentation der Zeitzeugendokumentation findet am Donnerstag, 15. Oktober 2015, um 18:00 Uhr im Kino „Schillerhof“ (Helmboldstraße 1 in Jena-Ost) statt. Der Eintritt ist frei, aufgrund des begrenzten Platzkontingentes ist jedoch eine vorherige telefonische Reservierung beim Kino unter 03641-523653 erforderlich.

Einer der bedeutendsten Persönlichkeiten der DDR-Bürgerrechtsbewegung, Christoph Wonneberger, erhielt am 30. September 2015 den mit 10.000 € dotierten Ludwig-Beck-Preis für Zivilcourage der Stadt Wiesbaden. Der evangelische Pfarrer im Ruhestand war seinerzeit Initiator der Friedensgebete in der DDR. Maßgeblich hatte Wonneberger den Menschen in der Leipziger Nikolaikirche mit seinen Predigten Hoffnung gegeben und einen gewaltfreien Protest gefordert. Ungeachtet der Bedrohung durch die Stasi haben er und seine Mitarbeiter dabei rund 30.000 Flugblätter gedruckt und verbreitet. 
Der Landesbeauftragte hat zu der festlichen Verleihung des Preises für Zivilcourage eine Laudatio gehalten, die das Wirken und die Rolle Wonnebergers im Zuge der Friedlichen Revolution nachzeichnen. Den Text der Festrede und einen ausführlichen Bericht zu der Preisverleihung finden Sie hier.  

 

Am 3. Oktober 2015 jährt sich die deutsche Wiedervereinigung zum 25. Mal – Anlass für ein großes Bürgerfest, das vom 2. bis zum 4. Oktober in Frankfurt am Main stattfindet. Dort ist der Landesbauftragte mit einem Informationstisch auf dem Liebfrauenberg im Frankfurter Stadtzentrum zu finden. 

Dort präsentiert sich auch die Informationstour „25 Jahre Freiheit und Einheit“. Die „Deutschlandreise“ ist seit März bundesweit unterwegs. Ausschnitte aus Originalfilmen erinnern an wichtige Ereignisse der vergangenen 70 Jahre und zeigen Beispiele für die Entwicklung der neuen Bundesländer in den 25 Jahren seit der Wiedervereinigung.

Besucherinnen und Besucher können sich auf dem Liebfrauenbergplatz über die Zeitgeschichte und politische Themen informieren. Dort präsentieren sich wichtige Einrichtungen der historisch-politischen Bildung, verschiedene Gedenkstätten und Erinnerungsprojekte unter dem Motto „Geschichte erinnern, Grenzen überwinden“. Ein Besuch zeigt die Facetten der lebendigen Erinnerungskultur in Deutschland und regt an, sich intensiv mit unserer eigenen Vergangenheit auseinanderzusetzen und für Freiheit und Demokratie aktiv einzutreten.

Wir freuen uns über Ihren Besuch!  Weitere Informationen zum Bürgerfest finden Sie hier. 

Mit Robert Sommer erhält die Beratungsinitiative SED-Unrecht einen neuen tatkräftigen Mitarbeiter. Ab sofort wird der Saalfelder das Team der Initiative bei der Beratung von Opfern politischer Verfolgung der ehemaligen SED-Diktatur unterstützen. Zuvor hatte der 36-Jährige sieben Jahre in Sachsen bei der Familienhilfe gearbeitet. 

Logo SED BI Web 2013Aufgabe der Beratungsinitiative SED-Unrecht ist es, allen Bürgerinnen und Bürgern des Freistaats Thüringen die Möglichkeit zu geben, sich wohnortnah zu den Rehabilitierungsmöglichkeiten und die daran geknüpften Unterstützungs- und Ausgleichsleistungen zu informieren.Damit unterstützt die Initiative den Landesbeauftragten des Freistaats Thüringen zur Aufarbeitung der SED-Diktatur in seinem gesetzlichen Auftrag. Robert Sommer wird jeden ersten und dritten Montag im Monat zwischen 9.00 und 16.00 Uhr in der Beratungsstelle in Saalfeld zur Verfügung stehen. Nähere Informationen finden Sie hier. 

Arte zeigt am 22. September um 20:15 eine Dokumentation zum Thema Wiedervereinigung und deren unmittelbare wirtschaftliche Folgen. In dem Film "Wem gehört der Osten?" geht es um ausländische Investoren, die Treuhand und Profiteure wie Verlierer der umfassenden Privatisierung des DDR-Volkseigentums. Weitere Informationen zu der Dokumentation finden Sie hier. 

 

Soziale Ausgleichsleistungen nach dem Beruflichen Rehabilitierungsgesetz (BerRehaG) erhalten jene Opfer der SED-Diktatur, die eine Rehabilitierung nach § 1 BerRehaG haben und deren berufliche Verfolgungszeit bis zum 2. Oktober 1990 festgestellt ist oder deren festgestellte berufliche Verfolgungszeit mehr als drei Jahre beträgt und die in ihrer wirtschaftlichen Lage besonders beeinträchtigt sind.

Ein Berechtigter erhält derzeit die soziale Ausgleichsleistung auf Antrag vom zuständigen Sozialamt. Der Landesbeauftragte empfiehlt im Zuge der geplanten Verwaltungsreform, die Auszahlung dieser Ausgleichsleistung in die Zuständigkeit der Thüringer Rehabilitierungsbehörde, sprich dem Thüringer Landesverwaltungsamt, zu geben, in deren Zuständigkeit bereits die Auszahlung der besonderen Zuwendung für Haftopfer liegt. Opfer müssten sich dann nicht mehr als Sozialhilfeempfänger verstehen. Das Land erstattet über die Rehabilitierungsbehörde den Landkreisen und kreisfreien Städten die ausgereichten Leistungen, die zu 60 % vom Bund und zu 40 % vom Land getragen werden.

Im § 24 Abs. 2 BerRehaG sind für die Gewährung der Ausgleichsleistungen nach § 8 BerRehaG „die örtlichen Träger der Sozialhilfe (§ 3 Abs. 2 …SGB XII)“ bestimmt. Inwieweit und in welcher Form dem Land durch § 3 Abs. 2 SGB XII Handlungsspielräume in der Aufgabenzuteilung gegeben sind, wird zuvor zu prüfen sein. Wörtlich heißt es in der Gesetzespassage: „Örtliche Träger der Sozialhilfe sind die kreisfreien Städte und die Kreise, soweit nicht nach Landesrecht etwas anderes bestimmt wird. Bei der Bestimmung durch Landesrecht ist zu gewährleisten, dass die zukünftigen örtlichen Träger mit der Übertragung dieser Aufgaben einverstanden sind, nach ihrer Leistungsfähigkeit zur Erfüllung der Aufgaben nach diesem Buch geeignet sind und dass die Erfüllung dieser Aufgaben in dem gesamten Kreisgebiet sichergestellt ist.“ 

In Würdigung der Leistungsberechtigten und im Interesse einer Verwaltungsvereinfachung sollte die Auszahlung zukünftig durch das Thüringer Landesverwaltungsamt erfolgen.

Akten sw rot1Der Landesbeauftragte des Freistaats Thüringen zur Aufarbeitung der SED-Diktatur veranstaltet gemeinsam mit dem Bundesbeauftragten für die Stasiunterlagen (BStU) eine Vortragsreihe zum „Quellenwert der Stasi-Akten für die zeitgeschichtliche Forschung". Im Rahmen vielseitiger Vorträge wird anhand anschaulicher Beispiele die historische Bedeutung der Stasi-Akten herausgestellt.
Am kommenden Mittwoch hält Dr. Torsten Müller einen Vortrag zum Thema: „Stasi im Dorf. Die geheimpolizeiliche Überwachung einer Eichsfeld-Gemeinde im Sperrgebiet“

Das Eichsfeld beherbergte die größte katholische Glaubensgemeinschaft innerhalb der DDR. Katholiken, Priester, Ordenshäuser und andere kirchliche Einrichtungen waren hier überdurchschnittlich stark vertreten. Die mehrheitlich katholische Prägung der Region und die unmittelbare Nähe zum Grenzgebiet der DDR rückten das Eichsfeld in das Visier des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS).
In Mackenrode, einem Ort mit heute 350 Einwohnern, baute die Stasi ein eigenes Netz an inoffiziellen Mitarbeitern (IM) auf. Der Historiker Dr. Torsten Müller zeigt am Beispiel dieses katholischen Dorfes, wie das MfS das Spitzel-System im Eichsfeld auf- und ausbaute. Dabei erläutert er die Herkunft und Anwerbung der inoffiziellen Mitarbeiter und beleuchtet, welche Auswirkungen die Dauerüberwachung auf die Gemeindebevölkerung hatte.

Wann: Mittwoch, 16.09.2015, 18:00 Uhr
Wo: Collegium Maius, Michaelisstraße 39 (gegenüber der Michaeliskirche), 99084 Erfurt

Der Eintritt ist frei. Wir freuen uns über Ihr Kommen!

Wo liegen die Unterschiede zwischen Arbeitspflicht im Freiheitsentzug im heutigen Rechtsstaat und im Strafvollzug der ehemaligen DDR?bv halle abt VII sach 830 s 52 A Quellenangabe Web
Um diese Frage zu beantworten, ist es nötig, die Lebens- und Arbeitsbedingungen der damaligen und heutigen Häftlinge zu beleuchten. Eine neue Studie der Ostbeauftragten der Bundesregierung, Iris Gleicke, belegt nun an neuen Dokumenten, dass Häftlingen in der DDR genau diejenigen Arbeitsbedingungen zugemutet wurden, die die zivilen Arbeiter nicht in Kauf zu nehmen bereit waren. Anders als heute waren körperlich schwere Arbeit, Sonderschichten und ein hohes Unfallrisiko die Regel. Seit Anfang der 1970er Jahre war die Zwangsarbeit von Häftlingen dabei Teil der DDR-Planwirtschaft. 

Der Politikwissenschaftler Dr. Christian Sachse wird an zwei authentischen Orten in Ichtershausen und Unterwellenborn die Grundzüge der Zwangsarbeit im DDR-Strafvollzug beleuchten. Dabei werden die Zeitzeugen Klaus Gold, Ralf Weber und Arnold Vaatz von Ihren persönlichen Erfahrungen als ehemalige Häftlinge berichten.

Programm 18. September:
„Zwangsarbeit in den Jugendhaftanstalten (Jugendhäusern) der DDR“

Begrüßung: Christian Dietrich
Vortrag: Dr. Christian Sachse – „Arbeits- und Lebensbedingungen in den Jugendhäusern der DDR“
Gespräch mit dem Zeitzeugen Ralf Weber

Wo: Ichtershausen – Klosterkirche; Klosterstr. 1, 99334 Ichtershausen
Wann: 18.09.15, 18:30 – 20:00 Uhr


Programm 19. September:
„Zwangsarbeit im Haftarbeitslager Unterwellenborn“

Begrüßung: Christian Dietrich
Vortrag: Dr. Christian Sachse – „Das System der Zwangsarbeit im Strafvollzug der DDR“
Gespräch mit dem Zeitzeugen Arnold Vaatz, MdB

Wo: Unterwellenborn – Gasmaschinenzentrale; Bergweg 1, 07333 Unterwellenborn
Wann: 19.09.15, 15:00 – 16:30 Uhr

Der Eintritt ist frei.
Wir freuen uns über Ihr Kommen!

 

Häftlinge produzierten auch häufig Waren für Unternehmen aus Westdeutschland - ob nun Ikea, Quelle oder Aldi, die Liste der Abnehmer war lang. Erstmalig geht eines dieser Unternehmen einen Schritt in Richtung Wiedergutmachung - so schlägt Galeria Kaufhof nunmehr vor, einen freiwilligen Fonds einzurichten, der zur Aufarbeitung der DDR-Zwangsarbeit genutzt werden soll. Lesen Sie mehr dazu auf Spiegel Online und Bayerischer Rundfunk Online.  

 

Beim Landesbeauftragten des Freistaats Thüringen zur Aufarbeitung der SED-Diktatur ist zum nächstmöglichen Zeitpunkt die Stelle eines Sachbearbeiters / einer Sachbearbeiterin unbefristet zu besetzen. Der Dienstort ist die Außenstelle des Landesbeauftragten in Suhl. Das Aufgabengebiet umfasst primär die Durchführung von Recherchen, insbesondere im Archiv des Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR (BStU) als auch in anderen relevanten Archiven, sowie die wissenschaftliche Aufarbeitung der Ergebnisse dieser Recherchen. Gleichrangig gehört zum Aufgabenbereich die (Erwachsenen-)Bildung durch eigene Vorträge und Publikationen. 
Hier finden Sie weitere Details zum Aufgaben- und Anforderungsprofil sowie zu den Bewerbungsmodalitäten. 

„Die Berliner Mauer hat die Menschen in Deutschland 28 Jahre lang getrennt und die politische Spaltung in Europa zementiert. Beton, Stacheldraht und Selbstschussanlagen standen fast drei Jahrzehnte im Mittelpunkt des Kalten Krieges. Er trennte die Welt politisch in Ost und West. Die Mauer sperrte die Menschen in der DDR ein und machte sie zu Sklaven einer kommunistischen Diktatur. Daran müssen wir uns stets erinnern.“ Das erklärte der Landtagspräsident Christian Carius in Erfurt anlässlich des Jahrestages des Berliner Mauerbaus, der sich heute zum 54-mal jährt.
Bis heute ist die tatsächliche Zahl der Mauer- bzw. Grenztoten nicht exakt geklärt. Fest steht, mindestens 138 Menschen kamen allein an der Berliner Mauer ums Leben - die Zahl der Grenztoten an der innerdeutschen Grenze insgesamt liegt deutlich höher. Historiker arbeiten in diesem Zusammenhang an einem Totenbuch, das 2017 vorgelegt werden soll.  
Eine ausführliche Chronik zum Bau der Berliner Mauer, umfangreiches Bild- und Filmmaterial sowie zahlreiche Biografien von Opfern des SED-Grenzregimes finden Sie hier. 

MediaguideAb sofort bietet der Mediaguide der Gedenkstätte Andreasstraße in Erfurt seinen Besuchern den Schritt aus der Gedenkstätte hinaus an »Orte der Friedlichen Revolution in Erfurt«. Der Untertitel dieses neuartigen Stadtrundgangs lautet: »Vom ersten Friedensgebet bis zur ersten Stasi-Besetzung«. Der mediale Rundgang führt zu allen wichtigen Orten der Friedlichen Revolution in Erfurt. Dabei erzählen verschiedene damalige Akteure an zehn Stationen selbst, wie sie 1989 gegen die SED-Diktatur in den Kirchen, der Offenen Arbeit oder auch auf dem Domplatz demonstrierten. Ein spannender und einmaliger Rundgang durch die Geschichte Erfurt. Weitere Informationen zur Gedenkstätte und dem neuen Stadtrundgang finden Sie hier. 

Der historische Reiseführer "Thüringen 1949 - 1990" von Martin Morgner folgt den Spuren, die 40 Jahre "real existierender Sozialismus" in den drei ehemaligen DDR-Bezirken Erfurt, Gera und Suhl hinterlassen haben. Dabei fördert Morgner Erstaunliches zu Tage: zeittypische Bauten und spannende Biographien genauso wie bedeutende Ereignisse eines untergegangenen Gesellschaftssystems. 
Mit dieser Publikation kann man in Wort und Bild entdecken, was von vier Jahrzenhneten Sozialismus in der DDR in Thüringen geblieben ist - aber auch, an welchen Orten heute an verschiedene Aspekte der Geschichte erinnert wird. 
Weitere Informationen zu dem Buch finden Sie auf mitteldeutscher verlag online

Als Grenzgebiet der DDR kam der Stadt und dem Kreis Nordhausen eine enorme wirtschaftliche und strategische Bedeutung zu. Diese spiegelte sich auch in der personellen Ausstattung und Tätigkeit der MfS-Kreisdienststelle
Nordhausen wider. 50 hauptamtliche Stasi-Mitarbeiter waren vor allem zur Überwachung wichtiger Industriebetriebe und zur Sicherung des 36 Kilometer langen Grenzabschnittes im Südharz eingesetzt. Im Kreis Nordhausen gab es rund 300 Inoffizielle Mitarbeiter (IM), sie trafen sich mit ihren Führungsoffizieren in rund 30 konspirativen Wohnungen, unter anderem um Spitzelberichte zu Protokoll zu geben oder neue Anweisungen einzuholen.
Die BStU-Forscherin Dr. Hanna Labrenz-Weiß zeigt in ihrem Vortrag, wie die SEDHerrschaft in Nordhausen funktionierte, welche Rolle der Staatssicherheit dabei auf lokaler Ebene zukam und welche Mechanismen der Disziplinierung konkret angewendet wurden. Rund 1.500 MfS-Akten zum Kreis Nordhausen wertete die Forscherin dazu aus.
Dr. Labrenz-Weiß war in den 1980er Jahren als Kurierin für die erste freie Gewerkschaft Solidarnosc zwischen Polen und West-Berlin tätig. Sie wurde noch von Joachim Gauck persönlich in die Behörde des Bundesbeauftragten für die Stasiunterlagen eingestellt.

Wann: Mittwoch, 22.07.2015, 18:00 Uhr
Wo: Collegium Maius, Michaelisstraße 39 (gegenüber der Michaeliskirche), 99084 Erfurt

 

Weiterführende Literatur, worin die MfS-Kreisdienststellen in Thüringen behandelt werden: 

Herz, Andrea: Stasi-Kreisdienststellen in Thüringen. Ein kurzer Überblick; 1998
Müller-Enbergs, Helmut: Die Kreisdienststelle Greiz und ihr inoffizielles Netz; 2010
Müller-Enbergs, Helmut: Die Kreisdienststelle Eisenach und ihr inoffizielles Netz; 2010 

 

Die Ausgabe 02/2015 der "Gerbergasse 18" ist ab sofort erhältlich. In der neuen Ausgabe finden sich zahlreiche Artikel rund um die Thematik „Flucht und Ankunft“, so beispielweise über die Kontrollfunktionen staatlicher Grenzen, die DDR-Zwangsaussiedlungen, aber auch die Jenaer Gerichtsmedizin im Dienste der Staatssicherheit bei der Verschleierung von Todesfällen an der innerdeutschen Grenze.
Weitere Themen im Heft sind unter anderem der Zeiss-Prozess 1953, der gescheiterte Antifaschismus der SED und das komplizierte Dasein als „Depeche Mode“-Fan in der DDR. Die aktuelle politische Lage in Thüringen gerät in den Blick, wenn in einem weiteren Beitrag die historische Entwicklung des „linken Experimentierfeldes Thüringen“ beschrieben wird. Anlässlich der Gründung der Geschichtswerkstatt Jena vor 20 Jahren findet sich darüber hinaus ein Artikel über den Werdegang und künftige Herausforderungen des Vereins im Heft.
Das Inhaltsverzeichnis ist hier abrufbar, zudem können Sie das Heft über das Kontaktformular bestellen. Im Jenaer Buchhandel ist die neue Ausgabe ab sofort erhältlich.

Eine neue Untersuchtung zeigt: Unterhalb der Ebene der Inoffiziellen Mitarbeiter vergrößerte die Stasi mit den Auskunftspersonen ihren Apparat und sammelte Informationen und Auskünfte. Das Kapitel über die sogenannten Auskunftspersonen der Staatssicherheit in der DDR ist weitgehend unbekannt – und wurde jetzt erneut durch den Berliner Politologen Helmut Müller-Enbergs am Beispiel des thüringischen Saalfeld untersucht. Lesen Sie dazu weiter auf Ostthüringer Zeitung Online. 

Die volständigen Ergebnisse der Studie finden Sie hier auf der Webseite der Bundeszentrale für politische Bildung. 

Anno Hecker, Ressortleiter der Sportredaktion der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, äußert in dem heute in der FAZ erschienenen Artikel "Wo bleibt die Wende" klare Forderungen an den Landessportbund Thüringen und fragt: "Wo bleibt der Wechsel, wo bleibt, nach 25 Jahren Floskeln, die Wende in der Spitzensportorganisation?". Hintergrund des Artikels ist die am vergangenen Mittwoch durchgeführte Podiumsdiskussion zum Thema "Aufarbeitung des DDR-Sports in Thüringen 25 Jahre nach dem Ende der SED-Herrschaft", zu der der Landesbeauftragte auch explizit die Spitzen des Landessportbundes Thüringen eingeladen hatte - doch sowohl LSB-Präsident Gösel, als auch Hauptgeschäftsführer Beilschmidt sind aus unterschiedlichen Gründen der Veranstaltung fern geblieben. Lesen Sie mehr zu den Hintergründen auf FAZ online. 

Sie gestaltete den Wandel der Kirchengemeinde in der Neustadt – öffnete die Kirche für andere religiöse Gruppen und rief Projekte ins Leben, mit denen finanziell schwache Menschen in das Gemeindeleben inkludiert wurde. Nun wurde die engagierte Pfarrerin von Propst Dr. Klaus-Volker Schütz in einem feierlichen Gottesdienst in den Ruhestand verabschiedet.

Die erste Pfarrstelle hatte sie in Ost-Thüringen in Nöbdeniz inne: „Zu meiner Gemeinde gehörten damals sechs Dörfer mit drei Kirchen. Ich besaß weder ein Auto und zu Beginn noch nicht einmal ein Fahrrad. Da musste ich alles zu Fuß ablaufen – heutzutage unvorstellbar“, erinnert sie sich. Doch nicht nur diese Bedingungen machten ihr das Leben schwer. Da die Pfarrerin der oppositionellen Bewegung angehörte, wurden die Repressionen gegen sie stärker. Immer wieder machte ihr die Stasi das Leben schwer und mindestens einmal pro Woche wurde sie zum Verhör gebeten. Um diesem Druck zu entfliehen, stimmte Ellmenreich schließlich 1980 einer Umsiedlung in den Westen zu. So trat sie ihre erste West-Stelle im Frankfurter Frauengefängnis an. Danach war Ellmenreich 13 Jahre lang als Gemeindepfarrerin in Frankfurt-Nied tätig.

Nach der Wende ging sie wieder zurück nach Thüringen, um dort den Todesfall von Matthias Domaschk, dem bekannten Vertreter der DDR-Bürgerrechtsbewegung, der in Stasi U-Haft ums Leben kam, aufzuklären. Domaschk war lange Zeit ihr Lebensgefährte und Vater ihrer Tochter. Sechs Jahre lang arbeitete sie in der Stasi-Unterlagenbehörde und bereitete die Akten für Forschungsarbeiten und Anfragen auf.

 

Lesen Sie mehr zum verdienstvollen Leben von Renate Ellmenreich auf metropolnews.info.

Erfahren Sie mehr auf allgemeine-zeitung.de zur Tätigkeit von Renate Ellemenreich als Zeitzeuge und ihre Bildungsarbeit mit Schülern.

Im Zuge der heutigen Podiumsdiskussion zum Thema "Aufarbeitung des DDR-Sports in Thüringen 25 Jahre nach dem Ende der SED-Herrschaft", zu der der Landesbaeauftragte eingeladen hatte, fand der Vize-Präsident des Landessportbundes Thüringen, Dirk Eisenberg, klare Worte. Welche Rolle die Führung des LSB bezüglich des Themas Aufarbeitung und Doping im DDR-Sport spielt - oder eben nicht spielt - erläuterte Eisenberg im Rahmen der Diskussionsrunde. 

Lesen Sie auf mdr online mehr zur Position von Eisenberg, auch in Bezug auf die Personalia Peter Gösel (Präsident des LSB) und Rolf Beilschmidt (Hauptgeschäftsführer des LSB).

Ausführlich berichtet auch die Thüringer Landeszeitung zur Podiumsdiskussion und Dirk Eisenberg.

Lesen Sie hier einen umfassenden Artikel von Thomas Purschke zur Causa Rolf Beilsschmidt, erschienen in der Gerbergasse 18, Ausgabe 1 / 2015. 

Bereits im November vergangenen Jahres trafen sich der LSB, Autoren der Studie und Dopingopfer in der Sendung Fakt ist..! und bezogen klare Positionen. Sehen Sie den Beitrag hier in der mdr-Mediathek. 

 

Die geplante Präsentation der Thüringer Sportstudie „Zwischen Erfolgs- und Diktaturgeschichte. Perspektiven der Aufarbeitung des DDR-Sports in Thüringen“ durch die Herausgeber (Dr. Jutta Braun, Michael Barsuhn) und Auftraggeber (Bundesstiftung Aufarbeitung, Thüringer Sportministerium, Landessportbund und der Landesbeauftragte zur Aufarbeitung der SED-Diktatur) zum 1. Juli in der vereinbarten Form findet nicht statt. Die Studie ist inzwischen im Buchhandel.
Stattdessen findet ein Podium zum Thema „Aufarbeitung des DDR-Sports in Thüringen 25 Jahre nach dem Ende der SED-Herrschaft“ statt. Der Landesbeauftragte hat nach wie vor ein Interesse daran, alle an der Studie Beteiligten an einen Tisch bringen.
Thüringen ist statistisch gesehen das Sportland Nummer Eins unter den ostdeutschen Ländern. Und es sind immer wieder Thüringer Athletinnen und Athleten, von denen wichtige Impulse zur Aufarbeitung des DDR-Staatssports ausgingen und weiterhin ausgehen.
Den Autoren der Studie ist es zu danken, dass sie das kontroverse Feld mit Quellen und neuen Fragehorizonten erschlossen und trotz der institutionellen Veränderung ihres Forschungsverbundes am Thema blieben. Der Abschluss der Studie wurde durch das Auffinden weiterer Stasi-Akten zum jetzigen Hauptgeschäftsführer des LSB, Rolf Beilschmidt, verzögert. In der Vorbereitung der Präsentation der Studie waren sich die Beteiligten allerdings einig, darauf zu achten, dass die Rezeption der Studie nicht auf diesen Aspekt reduziert wird.
Bei der Transformierung des DDR-Staatssports in einen demokratischen Vereins- und Verbandssport waren nicht nur die personalpolitischen Auseinandersetzungen um Trainer und Sportfunktionäre wichtig, die sich der Beteiligung an Menschenrechtsverletzungen schuldig gemacht haben, sondern auch deren aktive Beteiligung an Körperverletzungen durch Doping. Dazu gehört auch die Frage: Welchen Platz haben die Opfer heute im Thüringer Sport?

Zu dieser und weiteren Fragen zum Thema „Aufarbeitung des DDR-Sports“ werden auf dem Podium sitzen:


Brigitte Berendonk - in Thüringen geborene ehemalige Leichtathletin, eine der engagiertesten Antidoping-Stimmen Deutschlands und Autorin des 1991 veröffentlichten Buches "Dopingdokumente: Von der Forschung zum Betrug"
Werner Franke - Zellbiologe, renommiertester Antidoping-Forscher Deutschlands und Vorkämpfer der Verfolgung von Doping als Körperverletzung, Träger der Antidoping-Preises des DOH 2014
Ines Geipel - Vorsitzende der Doping-Opfer-Hilfe, Schriftstellerin und Hochschulprofessorin
Henner Misersky - ehemaliger Jenaer Leichtathlet und erfolgreicher Skilanglauftrainer, unermüdlichster Aufklärer der DDR-Sportvergangenheit in Thüringen

Moderation: Anno Hecker (FAZ)

Die Teilnahme ist nur nach Anmeldung beim Landesbeauftragten bis zum 01.07.2015, 9:00 Uhr unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! möglich.

Wann: Mittwoch, 1. Juli 2015, 11:00 Uhr
Wo: Thüringer Landtag, Raum F 125, Jürgen-Fuchs-Straße 1, 99096 Erfurt

Politische Todesurteile an zwei Weimarer Bürgern jähren sich zum 60ten Mal 

Am 29. Juni 1955 wurden in Dresden zwei Weimarer mit dem Fallbeil enthauptet. Der 32-jährige Lehrer und stellvertretende Schulleiter der Pestalozzischule Gerhard Benkowitz und der 30-jährige Sachbearbeiter für Statistik beim Rat der Stadt Weimar Hans-Dietrich Kogel waren Opfer eines Schauprozesses geworden. Ihre Verhaftung und die ihrer Ehefrauen Erika Benkowitz und Christa Kogel lag noch nicht einmal drei Monate zurück.

Noch heute erinnern sich ältere Weimarer an die damals verbreiteten Meldungen, Gerhard Benkowitz hätte u. a. die das Ilmtal überspannende „Sechs-Bogen-Brücke“ sprengen und dabei Hunderte von Menschenleben aufs Spiel setzen wollen. Doch dies stimmte nicht, er hatte keine praktischen Vorbereitungen hierzu getroffen. Der SED diente diese Behauptung zur Dämonisierung von Gegnern ihrer Politik und als Rechtfertigung der gefällten Urteile.

Den Opfern und deren Familien wird am kommenden Sonntag, dem 28. Juni im Gottesdienst um 17:00 Uhr in der Weimarer Johanneskirche gedacht. 

 

Lesen Sie hier mehr zu den beiden Thüringer Schauprozessen. 

Hier finden Sie als Hintergrundlektüre zur Thematik einen Vortrag sowie einen Essay des Historikers Roger Engelmann:

Vortrag "Abschreckung und Propaganda - Todesurteile in DDR-Schauprozessen der Fünfzigerjahre“

Essay "Blutjustiz als politisches Lehrstück - Todesurteile in DDR-Schauprozessen der Fünfziger Jahre"Todesurteile in DDR-Schauprozessen der Fünfziger Jahre"

 

Vom 18. bis 27. Juni finden aus Anlass der Einrichtung des sowjetischen Speziallagers Buchenwald vor 70 Jahren, des 65. Jahrestages seiner Auflösung und des Beginns der Aufarbeitung der Lagergeschichte vor 25 Jahren diverse Veranstaltungen in der Gedenkstätte Buchenwald und in Weimar statt.

Das im August 1945 für Thüringen eingerichtete sowjetische Speziallager Buchenwald wurde Anfang 1950 aufgelöst. Zu diesem Zeitpunkt befanden sich dort Internierte aus der gesamten sowjetischen Besatzungszone. Insgesamt führte das Lager mehr als 28.000 Gefangene. Über 7.100 von ihnen verstarben. Die Toten ließ die Lagerleitung damals in unmittelbarer Nähe des Lagers in Sammelgräbern verscharren. Die Gräberfelder blieben ungekennzeichnet und verwitterten.

Am vergangenen Samstag ist mit einer Gedenkfeier und einem Gottesdienst auf dem Trauerplatz jener Opfer gedacht worden. Dabei lagen ehemalige Internierte und Angehörige an dem Gedenkstein für die Opfer des Speziallagers Blumen nieder. Der Direktor der Stiftung KZ-Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora, Volkhard Knigge, sprach dabei vor rund 200 Gästen deutliche Worte zum Umgang und dem Gedenken an das sowjetische Speziallager: „Und diese Gebeine waren das deutlichste Zeichen neben den Zeitzeugenberichten dass es hier verscharrte Menschen geben musste. Und verscharrte Menschen, tabuisierte Geschichten neben einer Gedenkstätte die der Beschwörung des Friedens und der Freiheit gewidmet war – das war eine menschenverachtende Form der Delegitimation der Gedenkstätte  im Ganzen.“ 

Lesen Sie hier mehr zu der Gedenkfeier auf Thüringische Landeszeitung Online.
Hier sehen Sie einen kurzen Fernsehbeitrag zu der Gedenkfeier mit Ausschnitten aus der Rede von Volkhard Knigge auf mdr Online.   
Lesen Sie hier, welche weiteren öffentlichen Veranstaltungen aus diesem Anlass in der Gedenkstätte Buchenwald und in Weimar stattfinden. 

Lesen Sie auf Thüringer Allgemeine Online mehr zu generellen Debatte um das Gedenken an die sowjetischen Speziallager, gerade auch im Kontext der Zeit vor 1945.

Iris Gleicke, die Beauftragte der Bundesregierung für die neuen Länder und Parlamentarische Staatssekretärin beim Bundesminister für Wirtschaft und Energie, stellte diesen Montag die Ergebnisse des von ihr initiierten Forschungsvorhabens "Die historische Aufarbeitung der Zwangsarbeit politischer Häftlinge im Strafvollzug der DDR" vor. Die zentralen Studienergebnisse diskutierte sie mit Roland Jahn, dem Beauftragten der Bundesregierung für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR, mit Dr. Christian Sachse, dem Beauftragten der Union der Opfer der Kommunistischen Gewaltherrschaft (UOKG) sowie dem Bearbeiter des Forschungsvorhabens, Herr Dr. Philipp Wölbern, vom Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam.

Der Thüringer Landtagspräsident und der Landesbeauftragte für die Aufarbeitung der SED-Diktatur unterstützen die Initiative, den 17. Juni zum Gedenktag für die Opfer der kommunistischen Diktatur und zur Erinnerung an den Widerstand gegen die SED-Diktatur zu begehen.

In der Präambel des Gesetzes zum "Tag der Deutschen Einheit" von 1953 hieß es:
"Am 17. Juni 1953 hat sich das deutsche Volk in der Sowjetzone und in Ost-Berlin gegen die kommunistische Gewaltherrschaft erhoben und unter schweren Opfern seinen Willen zur Freiheit bekundet. Der 17. Juni ist dadurch zum Symbol der deutschen Einheit in Freiheit geworden. Jedes Volk braucht ein nationales Symbol, braucht einen Tag, an dem es sich zu seinen Zielen bekennt."

Der Landesbeauftragte stellt Ihnen hier eine Auswahl an Links zu Verfügung, die weitere Informationen zum Volksaufstand vom 17. Juni liefern und zur Vorbereitung einer Würdigung der Opfer der kommunistischen Diktatur hilfreich sind:
Daneben unterstützt der Landesbeauftragte gerne bei der Vermittlung von Zeitzeugen oder bei der inhaltlichen Konzeption zur Begehung einer Gedenkfeier am 17. Juni. 

 

Berichterstattung zur Debatte 

Carius plädiert für den 17. Juni als Gedenktag für SED-Opfer - Focus Online 

Berliner Innensenator: 17. Juni soll bundesweiter Gedenktag werden - Focus Online

Erinnerung an Volksaufstand von 1953 in Thüringen - mdr Online 

Politiker fordern: 17. Juni soll Feiertag werden - Merkur Online 

Gedenken an DDR-Volksaufstand - 17. Juni wieder nationaler Gedenktag? - Ostthüringer Zeitung Online 

Forderungen nach bundesweitem Feiertag. Gedenken an DDR-Volksaufstand vor 62 Jahren - rbb Online 

Politik würdigt den DDR-Volksaufstand von 1953 - Thüringer Allgemeine Online 

 

Informationen 

Ausführliche Informationen und Quellen zum Aufstand des 17. Juni in der DDR:

www.17juni53.de (Bundeszentrale für politische Bildung)

www.jugendopposition.de (Bundeszentrale für politische Bildung / Robert-Havemann-Gesellschaft e.V.)

Liste der von sowjetischen Gerichten und DDR-Gerichten zum Tode Verurteilten und inzwischen rehabilitierten Thüringer (unvollständig)

Andrea Herz (Hg.): Quellen zur Geschichte Thüringens: Der 17. Juni 1953 in Thüringen (LzfpB Thüringen) LzfpB Thüringen) 

 Zeitzeugenberichte zum 17. Juni 1953 in Jena (Geschichtswerkstatt Jena e.V.)

Die Haftkameraden des Speziallagers Buchenwald und der Initiativgruppe Buchenwald 1945-1950 e.V. treffen sich am 20. Juni am Gräberfeld des Lagers Buchenwald II.
Am Tag zuvor findet ein Empfang des Ministerpräsidenten des Freistaats Thüringen und der Stiftung Gedenkstätte Buchenwald und Mittelbau-Dora für ehemalige Häftlinge des Speziallagers Buchenwald im Dorotheenhof Weimar statt. Die Schließung des Lagers selbst jährte sich im April diesen Jahres zum 65. Mal.

Zum Hintergrund: Rund ein Dutzend Speziallager entstanden in der sowjetischen Besatzungszone. 120.000 Deutsche wurden nach sowjetischen Angaben dort inhaftiert. Ein Drittel von ihnen starb allein im Winter 1946/47 an den Folgen von Unterernährung. Die ersten Häftlinge kamen am 21. August 1945 in das ehemalige Konzentrationslager Buchenwald. Dort waren es 7.100 Menschen, die durch Vernachlässigung, Krankheit und Unterernährung zu Grunde gingen. Sie wurden anonym verscharrt, die Angehörigen nicht benachrichtigt.

GH 21 06 2015Im Rahmen des Tags der offenen Tür wird am 13. Juni die Ausstellung „Die DDR – zwischen Repression und Widerspruch“ im Thüringer Landtag eröffnet. Die Ausstellung wurde vom Sächsischen Landesbeauftragten für die Stasiunterlagen erarbeitet und erzählt in sechs Kapiteln die Geschichte der DDR. Sie spannt den Bogen von den Anfängen bis hin zum Zusammenbruch. Das Wechselverhältnis von Repression und Widerstand steht dabei im Mittelpunkt.

Wann: Samstag, 13.06.2015, 13:00 Uhr
Wo: Thüringer Landtag, Funktionsgebäude 1. Etage, Jürgen-Fuchs-Straße 1, 99096 Erfurt

Rede zur Ausstellungseröffnung in der Gedenkstätte Bautzen von Prof. Dr. Manfred Wilke

Die meisten Teilnehmer des Gefangenenaufstandes im „Gelben Elend“ vor 65 Jahren sind nicht mehr unter uns. Ihre Erhebung war ein Akt der Notwehr: weil die ohnehin karge Verpflegung gekürzt wurde, sahen die unterernährten und durch Krankheiten geschwächten Gefangenen dem sicheren Hungertod entgegen. Mit dem Mut der Verzweiflung begehrten sie gegen ihre Bewacher auf, die diese größte Häftlingsrevolte in der Geschichte in der DDR gewaltsam beendeten.
Von dem dramatischen Aufstand wissen wir vor allem aus zwei Briefen, die Gefangene aus der Haftanstalt schmuggelten und nach Westen-Berlin brachten. Es waren Hilferufe, die sie an die gesamte zivilisierte Welt richteten, an alle freien Menschen: sie sollten helfen, damit die Bautzener Häftlinge nicht „langsam verrecken wie hilfloses Vieh!“
Die meisten politischen Häftlinge, die im März 1950 in den Ausstand traten, waren von sowjetischen Militärtribunalen aus unterschiedlichen Gründen zu hohen Haftstrafen verurteilt worden, oftmals zu 25 Jahren. Unter ihnen befanden sich zahlreiche Angehörige demokratischer Parteien, die sich der Allmacht der Kommunisten in der SBZ widersetzt hatten. Aber auch Angehörige von SS und Gestapo, die als Kriegsverbrecher abgeurteilt und in das 1945 eingerichtete sowjetische Speziallager Bautzen eingeliefert wurden.

"Der Quellenwert der Stasi-Akten für die zeitgeschichtliche Forschung" 

25 Jahre nach dem politischen und gesellschaftlichen Umbruch scheint sich die Diskussion um die Zukunft der Hinterlassenschaften des Staatssicherheitsdienstes – meist einfach als Stasi-Akten bezeichnet – wieder zu verstärken. Die Frage nach der Aktualität dieser Akten stellt sich nach Meinung von Josef Pilvousek in zwei Richtungen. Zum einen wird argumentiert, dass nach so langer Zeit einfach einmal ein Schlussstrich gezogen werden müsste. Zum anderen wird angemerkt, dass für die aktuellen gesellschaftlichen und politischen Probleme kaum Antworten in den Akten eines Geheimdienstes zu finden seien, und zudem wären bei deren Interpretation ja auch unterschiedliche Urteile möglich. So fordert man beispielsweise das Ende der Bundesbehörde BStU und der Akteneinsicht, hebt die vermeintlich großen finanziellen Aufwendungen hervor, vergleicht die Stasi mit anderen Geheimdiensten und relativiert sie damit, um schließlich den gesellschaftlichen Frieden zu beschwören, der durch die Zerstörungskraft der brisanten Akten gefährdet sei. Diese Argumentationsketten, so Pilvousek, sind trotz ihrer Popularität problematisch, weil sie zu kurz greifen. Genau hier setzt die Vortragsreihe an – und stellt den Quellenwert dieser Akten für die zeitgeschichtliche Forschung anhand anschaulicher Beispiele heraus.

 

Wo: 

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Collegium maius, Michaelisstraße (gegenüber der Michaeliskirche), 99084 Erfurt

Termine:

Dienstag, 16.06.15, 18:00 Uhr: Dr. Reinhard Buthmann
„MfS an Thüringer Universitäten – am Beispiel der TH Ilmenau“

Mittwoch, 22.07.15, 18:00 Uhr: Dr. Hanna Labrenz-Weiß
„Die Herrschaft im Alltag am Beispiel der MfS-Kreisdienststelle Nordhausen“

Mittwoch, 16.09.15, 18:00 Uhr: Dr. Torsten Müller
„Stasi im Dorf. Die geheimpolizeiliche Überwachung einer Eichsfeld-Gemeinde im Sperrgebiet“

Mittwoch, 14.10.15, 18:00 Uhr: Dr. Douglas Selvage
„Die AIDS-Verschwörung“

Dienstag, 10.11.15, 18:00 Uhr: N. N.
N. N. 

Dienstag, 08.12.15, 18:00 Uhr: Dr. Matthias Wanitschke
„Quellen-Zeitzeugen-Projekte unter Nutzung von MfS-Akten“

 

Das vollständige Programm ist hier als Download verfügbar. 

Ein wichtiger Aspekt der friedlichen Revolution war die Öffentlichmachung und Aufarbeitung der kommunistischen Verbrechen. Einen maßgeblichen Anteil daran hatten etwa der Bund der Zwangsausgesiedelten und die Initiativgruppe Buchenwald 1945-1950, die sich früh im Zuge der friedlichen Revolution bildeten.

Am 26. Mai 1990 gründete sich schließlich der Thüringer Landesverband der Vereinigung der Opfer des Stalinismus (VOS). Von der Gründungsversammlung in Gotha berichtete die Tageszeitung u.a.: „Die schonungslose Aufklärung sozialistischer Verbrechen ist und bleibt die Herausforderung unserer Tage, so die Meinung des Verbands. Jeder, der heute versuche, sich dem entgegenzustellen, sei daher nicht nur moralisch zu verurteilen, sondern pervertiere das neugewonnene demokratische Gedankengut. Der VOS Thüringen protestiert daher energisch gegen Versuche, durch ein sogenanntes ‚Amnestiegesetz’ die Vergangenheit aus der Welt zu schaffen.“

Der VOS e.V. war 1950 in Berlin (West) von ehemaligen Häftlingen der sowjetischen Internierungslager gegründet worden und hat die Interessen der Opfer der SED-Diktatur in der Bundesrepublik vertreten. Vor 25 Jahren wurde dann auch in Thüringen ein Landesverband gegründet. Folgende Forderungen machte sich der Thüringer VOS auf seiner Gründungsversammlung zu eigen:

 

Mehr als 25 Jahre nach dem Mauerfall streiten ehemals politisch Verfolgte noch immer um einen angemessenen Umgang mit den Folgeschäden der SED-Diktatur.Verborgene WundenMit den SED-Unrechtsbereinigungsgesetzen wurde der erste Schritt zur Aufarbeitung vollzogen. Dennoch üben zahlreiche Opferverbände Kritik an zu geringen Rentenzahlungen, Defiziten in den Anerkennungsverfahren von haft- und verfolgungsbedingten Gesundheitsschäden und gesellschaftlichen Verharmlosungstendenzen und fordern Nachbesserungen.

Im vorliegenden Buch wird eine umfassende Einordnung der Spätfolgen politischer Traumatisierung in der ehemaligen DDR vorgenommen. Namhafte Expertinnen und Experten äußern sich zu Problemen in der aktuellen Begutachtungspraxis psychischer Traumafolgestörungen sowie zu Besonderheiten der Behandlung im Bereich psychoanalytischer Therapie, Verhaltenstherapie und alternativer Traumatherapiemethodik. Erstmals werden auch die Auswirkungen politischer Verfolgung auf die Familie und die Nachkommen der Opfer in den Fokus der Betrachtung gerückt.
Mit Beiträgen von Karl-Heinz Bomberg, Doris Denis, Ruth Ebbinghaus, Alexandra Evers, Jörg Frommer, Bettina Kielhorn, Stefanie Knorr, Erika Kunz, Frank-Dietrich Müller, Freihart Regner, Carsten Spitzer und Stefan Trobisch-Lütge

 

Die Herausgeber Stefan Trobisch-Lütge und Karl-Heinz Bomberg können Sie im Rahmen einer Buchlesung zu folgenden Terminen kennenlernen: 

13.03.15: Leipzig, Buchmesse
28.03.15: Berlin, UOKG- Treffen
28.04.15: Berlin, Gedenkbibliothek
08.05.15: Würzburg, Arbeitstagung
09.05.15: Aschaffenburg, Arztpraxis
28.05.15: Cottbus, Menschenrechtszentrum
02.06.15: Berlin-Mitte, DDR-Museum
13.06.15: Berlin, IPU, Lange Nacht der Wissenschaften
04.07.15: Nienborstel, Heuboden-Event
20.08.15: Perleberg, DDR-Museum
15.09.15: Berlin, IES
02.10.15: Berlin, Pfarrkirche
03.10.15: Berlin, DGPT-Kongress
16.10.15: Frosinone, Italien
18.11.15: Berlin, ev. Gemeinde Hellersdorf

Am vergangenen Freitagmorgen ist Josef Kistner im Alter von 78 Jahren verstorben, heute fand seine Beerdigung in Holungen statt. Der Landesbeauftragte bedauert den unerwarteten Tod und erinnert an Josef Kistner, der sich in seiner Tätigkeit als Umweltaktivist dem SED-Regime widersetzte und mit seiner Forschungstätigkeit maßgeblich zur Aufarbeitung der Umweltsünden der ehemaligen DDR beitrug.   

Diesbezüglich berichtete heute auch die TLZ: Jahrelang hatte Josef Kistner an einer Dokumentation des zähen Ringens um die Rettung von Holungen gearbeitet, die er schließlich im vorigen Jahr in Form des Buches „DDR-Umweltdrama – Kampf um ein Eichsfelddorf“ präsentieren konnte, das zahlreiche Dokumente darüber enthält, wie Holunger Bürger seit den 70er Jahren bis zur Wendezeit gegen die Verfüllung des Bodetales durch die wachsende Abraumhalde des Bischofferöder Kaliwerkes anrannten. Kistner, damals Leiter der Elektroabteilung des Zementwerkes Deuna, organisierte als Kopf einer Bürgerinitiative zusammen mit der Kulturbund-Ortsgruppe maßgeblich den mutigen Widerstand gegen diese geplante Maßnahme, die eine Überflutung Holungens hätte zur Folge haben können, da sich der 1979 unter der Halde gebaute Tunnel für die Bode als unsicher erwies. Zudem waren ungünstige klimatische Veränderungen für den Ort zu befürchten. Die Rettung kam dann durch Mauerfall und DDR-Auflösung. Mitte der 90er Jahre erfuhr Kistner, dass er auf einer Internierungslager-Liste der Stasi gestanden hatte. Lesen Sie hier den vollständigen Artikel auf tlz.de.

Mit seinen Werken hat Schriftsteller Reiner Kunze die gesamtdeutsche Literaturlandschaft in einzigartiger Weise geprägt. Hierfür wurde er am 9. Mai 2015 von der Hanns-Seidel-Stiftung in München mit dem Franz Josef Strauß-Preis ausgezeichnet. 
In der Rede zu seiner Auszeichnung geht Reiner Kunze explizit auf die Verhängung von Todesurteilen durch das SED-Regime ein und gibt Beispiele, die einen ideologischen Haß widerspiegeln, der durch nichts in Schranken gewiesen wurde. So spricht Kunze beispielsweise den Fall Manfred Smolka an, der wegen seiner Flucht nach West-Deutschland als 29-jähriger am 11. Juli 1960 enthauptet wurde. 
Weitere Hintergrundinformationen zum Fall Manfred Smolka und wie das SED-Regime versuchte, solche Exekutionen zu vertuschen finden Sie in diesem Beitrag des mdr.  

Die vollständige Rede von Reiner Kunze zu seiner Auszeichnung finden Sie hier. 
Lesen Sie hier mehr zur Preisverleihung auf der Webseite der Hans-Seidel-Stfitung. 

 

 

Der ehemalige Leichtatlet Volker Heinrich verstarb am 5. Mai 2015. In der letzten Zeit hatte er deutlicher auf sein Leiden infolge des DDR-Dopings aufmerksam gemacht. Von seiner Geschichte als politisch Verfolgter ist im Buch von Ellen Thiemann: "Wo sind die Toten von Hoheneck?"einiges zu lesen. Die Geschichte von Sylvia Oschem ("Arbeit verweigert, in Wasserzelle gesperrt") und Volker Heinrich wurde hier in der 2. Auflage (2014) eingefügt. Die technische Zeichnerin Sylvia Oschem und der Berliner Langstreckenläufer Volker Heinrich waren unabhängig voneinander wegen Republikflucht 1974 bzw. 1975 an der Grenze nach West-Berlin verhaftet worden. Sylvia Oschem wurde im Frauenzuchthaus Hoheneck inhaftiert und Volker Heinrich in der Haftanstalt Cottbus. Erstmals begegneten sie sich im April 1976 im Bus, der die freigekauften politischen Häftlinge aus der Abschiebehaft in Karl-Marx-Stadt nach Gießen brachte. Später trafen sie sich wieder und 1982 heirateten sie in Mainz. Im Jahr 2005 zogen Sylvia und Volker Heinrich in Sylvias alte Heimat in den Thüringer Wald. Volker Heinrich litt an Leberzirrhose. Er wurde mehrfach operiert. Ein Transplantationschirurg in Hamburg öffnet ihm die Augen und sagte zu ihm: "Du bist nicht der einzige. Ich habe noch mehr von denen, die mal Hochleistungssport gemacht haben. Die gleichen Symptome." und Volker Heinrich beschrieb vor einigen Wochen sein Leiden: "Da ging der Rhythmus dann los.Ich bin dann berentet worden und stehe heute auf der Transplantationsliste." (MDR Exakt am 7. Januar 2015). Er wird am 16. Mai in seiner neuen Heimat beerdigt. Sein Tod berührt uns!

Die Vorsitzende des Vereins Doping-Opfer-Hilfe, Ines Geipel, fragte den Thüringer Sportbund nach dem Tod von Volker Heinrich an, was der LSB für die Sportler, die politisch verfolgt oder mit Doping-Folgeschäden in Thüringen leben, getan hat. Lesen Sie den Artikel auf Thüringer Allgemeine Online vom 11.05.2015.

25 Jahre nach dem Ende des kommunistischen Regimes von Enver Hoxha hat das albanische Parlament am 30.04.2015 mit 84 Ja-Stimmen bei 22 Gegenstimmen (ohne Enthaltungen) beschlossen, die Archive der ehemaligen Geheimpolizei „Sigurimi“ (Drejtoria e Sigurimit të Shtetit, dt. Direktion der Staatssicherheit) zu öffnen. Diese Entscheidung ist Ergebnis jahrelanger parlamentarischer Debatten. Eine Unterscheidung zwischen Betroffenen, Tätern und Dritten wird nicht vorgenommen. Schätzungen gehen davon aus, dass mindestens jeder fünfte Albaner mit dem wohl grausamsten kommunistischen Geheimdienst Europas zusammenarbeitete. Auf das Konto des von Enver Hoxha eingesetzten Terrorapparates gehen mehr als 7.000 Ermordungen. Über 100.000 Albaner mussten in Arbeitslager, in denen viele den Tod fanden. Nach dem Sturz des Hoxha-Regimes wurde die Geheimpolizei aufgelöst, viele der Akten wurden bis 1997 vernichtet.


Der Umgang mit dem Diktaturerbe in Albanien wird auch Thema des 19. Bundeskongresses der Landesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen sein. Das vollständige Programm entnehmen Sie bitte dem Flyer

flyer ueberwundender Landesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen und zur Aufarbeitung der Folgen der kommunistischen Diktatur und der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur mit den Verfolgtenverbänden und Aufarbeitungsinitiativen.

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Der Abend mit Günter Grass und Johano Strasser in der Wohnung des Schriftstellers Frank-Wolf Matthies im November 1980 war heiß, auch wenn Günter Grass geschickt nur aus der auch in der DDR abonnierbaren rumänisch-deutschen Zeitschrift "Neue Literatur" las – einen kurz zuvor dort erschienenen Auszug aus "Kopfgeburten oder die Deutschen sterben aus". Wer hatte die Idee? Womöglich die Lektorin Krista Maria Schädlich, die Matthies zu Rowohlt und mich zum Ullstein Verlag brachte. Lesekreise und politische Grüppchen gab es mehrere in Ost-Berlin, bei Matthies war einiges anders. Der begnadete, liebevolle – und mitunter unausstehliche – Frank-Wolf wollte nicht nur die literarische Emanzipation von allen staatlichen Vorgaben, er betrieb nebenher auch die Verflechtung zur politischen Opposition hin. Neben DDR-Autoren wie Adolf Endler, Elke Erb oder Kurt Bartsch war auch Robert Havemann gelegentlicher Gast der Abende.

striche ziehenEine weißer Strich über die bunte Mauerseite in West-Berlin. Eine Kunstaktion, die 1986 mit einer folgenschweren Verhaftung enden sollte. Die Vorgeschichte spielt in der Weimarer Punkszene der 1980er Jahre, wo
kleine anarchische Freiräume gegen den staatlichen Normalismus verteidigt wurden: Macht aus dem Staat Gurkensalat! Mehr als dreißig Jahre später zeigt sich: es gab eine undichte Stelle. Ein Verrat steht plötzlich
im Raum. Die Folgen ziehen ihren perfiden Strich bis ins Heute. Freundschaften zerbrechen im Nachhinein. Der Film erzählt von der Spannung zwischen Subkultur und Diktatur. Es ist kein Strich unter die DDR zu ziehen.

www.deutsche-einheit-1990.de zeigt das Regierungshandeln aller 23 Ministerien

25 Jahre, nachdem die letzte und einzige frei gewählte DDR-Regierung am 12. April 1990 ihre Amtsgeschäfte aufgenommen hat, präsentierte die Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur in Berlin die erste multimediale Dokumentation der Regierungsarbeit. Die Webseite „Aufbruch und Einheit. Die letzte DDR-Regierung“ bietet umfassende Einblicke in die Arbeit der letzten DDR-Regierung und ihrer Protagonisten.

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Christian Dietrich (rechts) übergibt seinen Tätigkeitsbericht an Christian Carius (links)

Heute hat der Thüringer Landesbeauftragte zur Aufarbeitung der SED-Diktatur Christian Dietrich seinen Tätigkeitsbericht an den Landtagspräsidenten Christian Carius überreicht. Erstmalig bezieht sich der Tätigkeitsbericht auf einen Zeitraum von zwei Jahren.

Eckpunkte des Berichts sind zum einen die Beratungstätigkeit des Landesbeauftragten sowie der Beratungsinitiative SED-UNRECHT, zum anderen die Aktivitäten des Landesbeauftragten im Rahmen politischer Bildung. Zahlreiche Statistiken, etwa zu der Akteneinsicht in die Stasi-Unterlagen oder zur Beratung von ehemaligen DDR-Heimkindern machen deutlich, dass die Aufarbeitung der SED-Diktatur bei Weitem nicht abgeschlossen ist.

„Das Erzählen über die DDR kann eine Chance sein.“ Das schreibt der Roland Jahn im Vorwort seines Buches „Wir Angepassten“.

"Mit hochbelastetem Personal ist Aufarbeitung nicht zu machen - diese Menschen demütigen und ignorieren die Opfer", ist Ines Geipel überzeugt. Die ehemalige DDR-Leistungssportlerin ist die Vorsitzende des Doping-Opfer-Hilfevereins. Sie prangert seit Jahren die stagnierende Aufarbeitung der Stasiverstrickung und des Dopings im DDR Sport an. Weder die Sportvereine und -verbände noch die Politik hätten ein Interesse an einer echten Vergangenheitsbewältigung.

25 Jahre … Eine Langzeit Dokumentation über die Entwicklung Ostdeutschlands von der ehemaligen DDR von 1990 bis heute.

Im Frühjahr 1990 nur wenige Monate nach dem Mauerfall und ein halbes Jahr vor der Wiedervereinigung am 3. Oktober 1990 beschließt der Filmemacher und Kameramann Roland Blum seine Eindrücke der sich rasant verändernden DDR filmisch festzuhalten.

Dabei wird ihm klar, dass die DDR 1989 kurz vor dem ökologischen Zusammenbruch stand. Ein verschlissenes Land. Der Produktionswettlauf mit dem Westen hatte Altlasten und Sanierungsstaus in apokalyptischem Ausmaße entstehen lassen.

Auf der diesjährigen Geschichtsmesse in Suhl trafen sich am vergangenen Samstag Ministerpräsident Bodo Ramelow, DIE LINKE, und Rainer Eppelmann, Vorsitzender der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, um unter anderem über die DDR als Unrechtsstaat zu diskutieren.

Welchen Stellenwert hat die Denunziation in einer Diktatur? Wie lässt sich das Phänomen beschreiben? Und wie vergleicht es sich durch verschiedene Systeme der neueren Geschichte? Diesen Fragen geht der neue Sammelband aus der Forschungsabteilung des Bundesbeauf-tragten für die Stasi-Unterlagen (BStU) nach.

Am 14. Januar wird ein Feature auf MDR Figaro zu den geheimen Isolierungslagern der DDR ausgestrahlt. Dabei geht es unter anderem um die geplante Nutzung der damaligen Kreisdienststelle des MfS in Apolda.

Ist den Opfern der kommunistischen Diktatur in der DDR durch den bundesdeutschen Rechtsstaat Gerechtigkeit widerfahren? Dieser Frage widmeten sich Bundespräsident Joachim Gauck, der ehemalige Präsident des Bundesverfassungsgerichts, Professor Hans-Jürgen Papier, und der Psychologe und Schriftsteller Jakob Hein in der Podiumsdiskussion „Recht und Gerechtigkeit – Der Umgang mit dem SED-Unrecht im vereinten Deutschland“ am 10. Dezember 2014 in der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur in Berlin.

Rede des Landesbeauftragten

4. Dezember: Erfurt - Petersberg 15:00

Mittwoch, 3. Dezember, 15 Uhr, Jakobskirche in Weimar,

Icon externer Link MDR-Interview Wir sind eine offene Gesellschaft

"Mit hochbelastetem Personal ist Aufarbeitung nicht zu machen - diese Menschen demütigen und ignorieren die Opfer", ist Ines Geipel überzeugt. Die ehemalige DDR-Leistungssportlerin ist die Vorsitzende des Doping-Opfer-Hilfevereins. Sie prangert seit Jahren die stagnierende Aufarbeitung der Stasiverstrickung und des Dopings im DDR Sport an. Weder die Sportvereine und -verbände noch die Politik hätten ein Interesse an einer echten Vergangenheitsbewältigung.

Erfurt, den 20. November 2014

Am 14.11. fand die 1. Lesung des Fünften Gesetzes zur Verbesserung rehabilitierungsrechtlicher Vorschriften für Opfer der politischen Verfolgung in der DDR statt.

Udo Scheer über Plauen
Rainer Eckert über Leipzig
Mittwoch, 10. Dezember 2014, 18:30 Uhr
in der Volkshochschule Jena
(Gebäude Grietgasse 17a, 07743 Jena)

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von Inga Wolfram

So nicht Genossen! Vier Frauen retten die Stasi-Akten

ARD Das Erste Sonntag, 30.11.2014 17:30 – 18:00 (30 Min.)

Weimar: Dienstag, 25.11.2014, 19.00 Uhr, Café-Restaurant "Divan"
Gäste: Rudolf Keßner, Christine Schild
Moderation: Stephan Schack

Gera: Mittwoch, 26.11.2014, 19.00 Uhr, Museumsstuben im Ferberschen Haus
Gäste: Gabriele Damm, Michael Stolle
Moderation: Stephan Schack

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Kontakt

Der Landesbeauftragte des Freistaats Thüringen zur Aufarbeitung der SED-Diktatur (ThLA)
Postfach 90 04 55
99107 Erfurt
Tel.: 0361 37-71951
Fax: 0361 37-71952
E-Mail:  info@thla.thueringen.de

Der Landesbeauftragte auf Facebook:

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Vortrag Booss

Plakat 2016

Beratungsangebote

Persönliche Beratung und telefonische Anfragen sind zu den aufgeführten Sprechzeiten möglich.

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Bundesstiftung Aufarbeitung

Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur
Die Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur trägt zur umfassenden Aufarbeitung von Ursachen, Geschichte und Folgen der Diktatur in der SBZ und in der DDR bei.

www.bundesstiftung-aufarbeitung.de

Freiheit Einheit

25 Jahre Freiheit und Einheit Deutschlands
Neues Internetangebot der Bundes-regierung zu Friedlicher Revolution und Wiedervereinigung:

www.freiheit-und-einheit.de

der bundesbeauftragte

Der Bundesbeauftragte
für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik

www.BStU.bund.de

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