Freitag, 22.September 2017

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Angst vor der Stasi, Unterdrückung, Revolution und Wiedervereinigung. Woran sich die Erlebnis-Generation einfach erinnert, ist für Schüler „graue Theorie“. Ihre Erfahrungswelt wird geprägt durch das freiheitlich-demokratische Gesellschaftssystem der Bundesrepublik Deutschland, während ihre Eltern und Großeltern in einem diktatorischen System aufgewachsen sind, in der eine unabwählbare Partei den Staat okkupierte und eine geschlossene Gesellschaft errichtet hatte.

160215 Quellen Zeitzeugen Projekt Geschwister Scholl Oberschule Sondershausen lowUm die DDR- und Diktaturgeschichte weg von der "grauen Theorie" für Interessierte erlebbarer zu machen, bietet der Landesbeauftragte im Rahmen der politischen Bildungsarbeit Quellen-Zeitzeugen-Projekte an, die Schülern zum einen die Analyse von MfS-Akten und zum anderen die Befragung von Zeitzeugen ermöglicht. Zwischen Zeitzeugen und Stasi-Akten besteht dabei ein direkter inhaltlicher bzw. historischer Zusammenhang; bei den Zeitzeugen handelt es sich um Oppositionelle, Dissidenten bzw. politisch Andersdenkende, die vom MfS überwacht wurden.

In der Auseinandersetzung mit den administrativen Texten, v.a. MfS-Akten, lernen die Schüler den funktionalen Blick der Stasi auf die ehemaligen DDR-Bürger kennen. Durch die anschließende Zeitzeugenbefragung können die Schüler die Stasi-Akten kritisch hinterfragen und den Erläuterungen des Zeitzeugen gegenüberstellen. Dabei erhalten sie beispielhaft einen Eindruck von den Lebensumständen ihrer Groß-Eltern-Generation und den Umgang mit Anderdenkenden in der DDR. Dieses Herantasten an die unbekannte Vergangenheit intendiert die kritische Anfrage der Heranwachsenden an ihre Groß-Eltern zu deren Lebensalltag in einem geschlossenen Gesellschaftssystem.

 

Der Projektverlauf in vier Schritten
  1. Vorbereitung: Die Schüler sind dazu angehalten, das Gespräch mit ihren (Groß-)Eltern zu suchen und zu befragen, welche Bedeutung die DDR für diese hatte und wie sie das Leben in der Diktatur empfanden. Weiterhin sollen die politischen Systeme des NS- und SED-Staats auf Gemeinsamkeiten und Unterschiede verglichen werden. 

  2. Arbeit mit verschiedenen Primärquellen: Die Schüler analysieren u.a. MfS-Akten zu einer konkreten Widerstandsgeschichte. (Exemplarisch finden Sie hier einige Fälle, die im Rahmen des Projekts bearbeitet werden können) Die Sichtung der Akten erfolgt in den entsprechenden Archiven, etwa den Außenstellen des BStU in Erfurt, Gera oder Suhl. Ergänzt wird die Analyse von Primärquellen durch den Besuch von authentischen Orten, etwa Gebäuden ehemaliger Stasi-Haftanstalten, wie beispielsweise in der Gedenkstätte Andreasstraße in Erfurt oder der Gedenkstätte Amthordurchgang in Gera. 

  3. Zeitzeugengespräch: Auf Basis der untersuchten Stasi-Akten haben die Schüler nunmehr die Möglichkeit, den entsprechenden Zeitzeugen, über den die Akten geführt wurden, zu seinen Erfahrungen mit der Stasi, der politischen Haft und der SED-Diktatur zu befragen. Das Treffen mit dem Zeitzeugen findet in der Schule oder am authenthischen Orten statt. 

  4. Auswertung: Zuletzt sind die Schüler aufgefordert, das Projekt zu reflektieren bzw. auszuwerten. In Zentrum steht hierbei die Frage, inwiefern und warum inhaltliche Unterschiede zwischen MfS-Akten und den Aussagen der Zeitzeugen bestehen. In Reflexion des Projekts sind die Schüler schließlich in der Lage, die eigene politische Werthaltung zu schärfen und den Wert unserer offenen Gesellschaft und der freiheitlich-demokratischen Grundordnung zu erkennen.

 

Grundsätzlich empfiehlt der Landesbeauftragte nach Abschluss des Projekts eine Fahrt zu weiteren außerschulischen Lernorten, um das Verständis zur Funktionsweise des SED-Regimes auszubauen. Weitere Informationen zur Finanzierung von Schülerfahrten finden Sie hier.
Interessante Hinweise und Tipps zur Vorbereitung auf das Zeitzeugengespräch finden sich zudem hier auf zeitzeugenbuero.de

Seit 2011 arbeitet der Landesbeauftragte im Rahmen des Quellen-Zeitzeugen-Projekts mit dem Fachbereich Polizei der Thüringer Fachhochschule für öffentliche Verwaltung in Meiningen zusammen. Lesen Sie hier auf dem Landesportal der Thüringer Polizei, wie der dort verantwortliche Dozent für Kriminologie und Soziologie, Andreas Müller-Tucholski, das Quellen-Zeitzeugen-Projekt des Landesbeauftragten und die Kooperation bewertet und welche Lernziele dabei im Speziellen für angehende Polizisten verfolgt werden.

 

Ihr Kontakt für weitere Informationen bzw. Anfragen: 

Dr. Matthias Wanitschke
Referent für politische Bildung / Schülerarbeit

Tel.: 0361 57 3114-958
Fax: 0361 57 3114-952
E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

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Zwangsaussiedlungen in Thüringen

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Gelb: Zwangsaussiedlungen 1952
Orange: Zwangsaussiedlungen 1961
Rot: Zwangsaussiedlungen in mehreren Jahren

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Kontakt

Der Landesbeauftragte des Freistaats Thüringen zur Aufarbeitung der SED-Diktatur (ThLA)

Postfach 90 04 55 | 99107 Erfurt

Tel.: 0361 57 3114-951
Fax: 0361 57 3114-952
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