Mittwoch, 12.Dezember 2018

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WeihachtsbaumDer Landesbeauftragte und sein Team in Suhl, Gera und Erfurt wünschen allen ein frohes Weihnachtsfest und einen guten Start ins neue Jahr; wir beschließen 2017 mit dieser "Weihnachtsgeschichte":

Seit wenigen Wochen ist das Paulinum in Leipzig öffentlich zugänglich. Es wurde an Stelle der mittelalterlichen Universitätskirche errichtet, die 1968 abgerissen wurde. Dr. Dietrich Koch protestierte im Mai 1968 vor der Kirche gegen die Sprengung der Leipziger Paulinerkirche. Er wurde festgenommen und von seinem Arbeitgeber, der Akademie der Wissenschaften, fristlos entlassen. Wenige Wochen später konstruierte er gemeinsam mit seinem Bruder Eckhard einen Mechanismus, mit dessen Hilfe während der Abschlussveranstaltung des Internationalen Bachwettbewerbes in der Leipziger Kongresshalle ein Plakat mit der Forderung nach dem Wiederaufbau der Paulinerkirche entrollt wurde. Erst zwei Jahre später gelang es dem Staatssicherheitsdienst der DDR, die Täter festzustellen. Dietrich Koch wurde inhaftiert und erzählt folgende "Weihnachtsgeschichte" über seine Untersuchungshaft:
„Wenn Sie endlich einmal bereit sind, von sich aus wahrheitsgemäß auszusagen, melden Sie sich morgens beim Posten zum Vernehmer“, hatte mir der Leutnant gesagt. Am 24. Dezember 1970 war es soweit.
Nach dem Wecken meldete ich mich beim Wachhabenden: „Zum Vernehmer.“ Als ich ins Vernehmungszimmer gebracht wurde, saß der Leutnant in freudiger Erwartung da:
„Herr Koch, Sie haben sich zum Vernehmer gemeldet? Sie haben mir etwas zu sagen?“
„Ja, ich habe Ihnen etwas sehr Wichtiges zu sagen: Es begab sich aber zu derselbigen Zeit, dass ein Gebot von dem Kaiser Augusto ausging, dass alle Welt...“ - Der Leutnant wurde unruhig, und ich kürzte: „Da machte sich auch auf Josef aus Galiläa ...“
„Koch, was soll das“, unterbrach er mich. „Warten Sie, Herr Leutnant, ich bin noch nicht fertig; das Wichtigste kommt noch“, setzte ich fort: „... mit Maria, seinem vertrauten Weibe, die war schwanger“ - erregt erhob sich der Leutnant etwas von seinem Stuhl, so dass ich noch einmal kürzte: „... und sie gebar ihren ersten Sohn und wickelte ihn in Windeln ...“
Der Leutnant brüllte: „Koch, Sie wollen mich wohl verarschen? Heute ist Heiligabend. Und gerade da lassen Sie mich wegen so was von zu Hause holen. Ich dachte, Sie wollten mir etwas Wichtiges sagen.“
„Aber das ist doch wichtig, auch für Sie“, erwiderte ich. „Das ist die frohe Weihnachtsbotschaft. Herr Leutnant, auch für Sie ist heute der Heiland geboren.“
Der Vernehmer guckte mich wie einen Irren an. Ich fuhr fort: „Jetzt weiß ich endlich, warum ich hier in Haft bin.“
„Wegen Ihrer Straftaten, das ist doch klar“, schrie der Leutnant.
„Mir war es nicht klar“, sagte ich, „weil ich keine Straftaten begangen habe. Jetzt weiß ich, dass ich allein deshalb hier bin, weil Gott mich Ihnen geschickt hat, um Ihnen heute die frohe Weihnachtsbotschaft zu verkünden.“
Ein Protokoll wurde nicht aufgenommen. Der Leutnant ließ mich in meine Zelle zurückbringen.
(Aus: Dietrich Koch: Das Verhör: Zerstörung und Widerstand, Hille-Verlag 2001, S. 291  /  Bildcredits: Malene Thyssen, http://commons.wikimedia.org/wiki/User:Malene, CC BY-SA 3.0)

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