Freitag, 22.September 2017

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Am 22. August wurde in Erfurt, Haus Dacheröden die Ausstellung „FROMME UND TÜCHTIGE LEUTE... Die deutschen Siedlungen in Bessarabien 1814 – 1940. Eine Wanderausstellung“ eröffnet.

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Oberbürgermeister Andreas Bausewein, machte in seinem Grußwort deutlich, wie wichtig die Ausstellung sei, da bis zum Ende der DDR die Geschichte dieser Thüringer Mitbürger Tabu war. Da seine Frau bessarabiendeutsche Wurzeln hat, war dies sehr persönlich.
Frau Dr. Ute Schmidt (Kuratorin der Ausstellung) gab einen historischen Überblick und Erika Wiener (Stellvertretende Vorsitzende Bessarabiendeutscher Verein) berichtete u.a. von ihrem Besuch der einzigen Bessarabiendeutschen Kirche Ostdeutschlands in Gotha-Töpfleben.
Weitere Hinweise zur Ausstellung, die bis zum 30.09.2017 zu sehen ist, auf der Seite Deutsches Kulturforum. Östliches Europa

Bessarabiendeutsche in Thüringen
Bessarabien gehört heute teils zur Ukraine, teils zur Republik Moldau. Diese Region ist gegenwärtig im Fokus der internationalen AufBessKraumerksamkeit. In beiden Ländern stößt die Wiederentdeckung der verschütteten Geschichte, darunter auch die der deutschen Minderheit, auf großes Interesse. Im Jahr 1812 lud Zar Alexander I. deutsche Siedler ein, sich in Bessarabien niederzulassen, und versprach ihnen Land und Freiheitsrechte. Die Einwanderer stammten überwiegend aus Südwestdeutschland und aus Preußen. Im Laufe ihrer 125-jährigen Siedlungsgeschichte entwickelten die Deutschen hier ein prosperierendes Gemeinwesen, das durch lokale Autonomie und eine religiös-pietistisch grundierte Ethik geprägt war. Als kleine Minderheit in einer bunten Vielfalt ethnischer und religiöser Gemeinschaften lebten sie mit Moldauern, Russen, Ukrainern, Bulgaren, Juden und anderen Gruppen in friedlicher Nachbarschaft. Während des Ersten Weltkrieges entgingen sie nur knapp der Deportation nach Sibirien. 1918 kam Bessarabien unter rumänische Oberhoheit.
Die Sowjetunion gab jedoch ihren Anspruch auf das Gebiet zwischen Dnjestr und Pruth nicht auf. Im Stalin-Hitler-Vertrag vom 23. August 1939 teilten sich das Hitler-Deutschland und die Sowjetunion den Raum zwischen ihren Staaten auf. Die Sowjetunion bekam Bessarabien. Deutschland erklärte zugleich das „völlige politische Desinteresse“ an diesen Raum. Am 28. Juni 1940 marschierte die Rote Armee in Rumänien ein. Zu diesem Zeitpunkt verhandelte das nationalsozialistische Deutschland mit der Sowjetunion um den Auszug der deutschen Bevölkerung aus Bessarabien. 93 318 Personen trugen sich in die Umzugslisten und im September 1940 verließen nahezu alle Deutsche Bessarabien. Nach verschiedenen Lageraufenthalten kamen viele in das „Warthegau“ (Polen). Hier hatten deutsche Behörden zwischen 1939 und Oktober 1940 mindestens 630 000 polnische und jüdische Einwohner deportiert. Einige Deutsche aus Bessarabien kamen nach Thüringen. Sie traten selten als „Bessarabiendeutsche“ auf. Einige von ihnen wurden nach Kriegsende in die Sowjetunion deportiert. Es gab Befürchtungen, es könne auch weitere treffen. Erst nach Ende der SED-Herrschaft gibt es in Thüringen Möglichkeiten, der Kulturpflege und der öffentlichen Wahrnehmung ihrer Geschichte.

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Im September 1944 kamen etwa 27 Familien aus Ryschkanowka (heute Moldowa) in Gotha an. Ebenfalls aus Ryschkanowka waren die Eltern von Bundespräsident Horst Köhler+ ausgesiedelt worden.
Nach der Bodenreform bekamen einige von ihnen Grundstücke vom ehemaligen Gut in Töpfleben. Eine Familie hatte aus der Heimat eine alte Bibel mitgebracht. Sie wollte in Töpfleben ihren eigenen Gottesdienst halten und Pfarrer Krauße (Kirche St. Michael) bot seine Unterstützung an. Die ersten Gottesdienste fanden in einer Backstube statt. Doch der Raum reichte bald nicht mehr. Die Gemeinde nutze ein Sammellager, besorgte ein Harmonium und dann sogar eine Glocke. Sie bekamen Spenden, auch aus dem Ausland. Die Landeskirche unterstützte einen Kapellenbau. Nach dem 17. Juni 1953 gab es kurzzeitig die Möglichkeit dafür bei der SED eine Genehmigung zu erlangen. Diese Chance nutzt Superintendent Walter Pabst. Am 4. April 1954 war Richtfest (Foto) und am Reformationstag 1954 wurde die Martin-Luther-Kirche von Landesbischof Moritz Mitzenheim geweiht (Festschrift Dieter Dornheim „60 Jahre Martin-Luther-Kapelle in Töpfleben, Gotha 2014 und Fotoalbum zum Kirchenbau Nachlass Pfarrer W. Krauße, das ihm der Gemeindekirchenrat 1955 zum Kirchenbau widmete).

Siehe auch:
die Geschichte des Schlagertexters Herbert Arlt, der zusammen mit seinem Vater kurz vor dem Mauerbau aufgrund der Zwangskollektivierung aus Thüringen floh (Thüringer Allgemeine, 1. Juli 2017)

Autobiografie von Eduard Braun (Kindheit ohne Heimat, Eckhaus Verlag Weimar 2015)

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Rot: Zwangsaussiedlungen in mehreren Jahren

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