Montag, 24.April 2017

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Ein halbes Jahrhundert lang lebten sowjetische Besatzer und DDR-Bewohner neben- und miteinander. Bis 1989 die Mauer fiel und die Letzten der 546.000 Soldaten 1994 friedlich abzogen.

Klier Verordnete FreundschaftWie haben DDR- und Sowjetbürger einander wahrgenommen zwischen hermetisch abgeriegelten KGB-Vierteln, Kasernengeländen und frei zugänglichen „Russen-Magazinen“, zwischen der Furcht vor gewaltsamen Übergriffen und Mitleid mit dem harten Leben der einfachen Soldaten? Auf diese und weitere Fragen gibt die Ausstellung "Verordnete Freundschaft. Die sowjetische Besatzung 1945 bis 1994" Antwort. Die Eröffnung fand heute im feierlichem Rahmen - nebst musikalischer Umrahmung durch Schüler des Musikgymnasiums Belvedere Weimar - im Thüringer Landtag in Erfurt statt. 

In der Einführungsrede machte die DDR-Bürgerrechtlerin und Autorin Freya Klier deutlich, dass die von ihr entwickelte Ausstellung die unterschiedlichen Facetten des Lebens der Deutschen mit den Sowjetischen Besatzern besonders herausstellt - und stalinistische Gewalt in den 40er und 50er Jahren ebenso thematisiert wie Fratinisierungsverbot und dennoch bestehende persönliche Freundschaftsgeschichten. Die Ausstellung spannt einen historischen Bogen über fast fünf Jahrzehnte sowjetischer Besatzungsherrschaft im Osten Deutschlands. Zahlreiche Fotos und Dokumente beleuchten dieses besondere Kapitel der deutschen Nachkriegsgeschichte. Und immer wieder fließen dabei auch persönliche Erinnerungen an die „verordnete Freundschaft“ ein.

Dietrich Verordnete FreundschaftAuch in Thüringen, wo der längste Teil der innerdeutschen Grenze verlief, war die Rote Armee mit starken Einsatzkräften vertreten. An insgesamt sieben Thüringer Garnisionsstandorten waren Truppen der Westgruppe der Roten Armee stationiert, darunter auch die als besonders schlagkräftig geltende 8. Armee. Der Landesbeauftragte Christian Dietrich erinnerte in diesem Zusammenhang an das "Russendorf" Nohra. Am 3. Juli 1945 war die 8. Gardearmee unter Gardegeneraloberst W. I. Tschuikow in das Thüringer Dorf verlegt worden. Sie hatte in Stalingrad gekämpft und Berlin miterobert. Damit wurde Nohra einer der wichtigsten Standorte der Sowjetischen Streitkräfte in Deutschland. Der Stützpunkt war vollkommen von Mauern umgeben, zur deutschen Bevölkerung bestand weitgehend Kontaktverbot. Hier war die größte sowjetische Hubschrauberstaffel in der DDR stationiert, deren Flüge eine erhebliche psychologische, besonders akustische Beeinträchtigung der Bevölkerung der umliegenden Orte darstellten. Als die sowjetischen Truppen 1992 aus Nohra abzogen, umfassten die militärischen Liegenschaften eine Fläche von ca. 240 ha. Zu einem ausführlichen Artikel des Landesbeauftragten zum Verhältnis von Bevölkerung und Sowjetarmee in Nohra (erschienen in der Gerbergasse 18, Ausgabe 2/2012) gelangen Sie über diesen Link. 

Publikum Verordnete FreundschaftEinen Bogen zur aktuellen Tagespolitik spannte zuletzt der Journalist und Publizist Boris Reitschuster, der die heutigen Deutsch-Russischen Beziehungen thematisierte und einen kritischen Blick auf die Politik Russlands forderte. Gleichwohl erläuterte Reitschuster, dass es wichtig sei, zwischen einzelnen Menschen und politischer Agenda zu unterscheiden. So habe er Russland und seine Menschen stets als freundlich und offen erlebt - trotz aller scharfer politischer Rhetorik und antiwestlicher Propaganda.

Die Ausstellung „Verordnete Freundschaft” ist ein Projekt von Freya Klier für die Robert Havemann-Gesellschaft e.V. Sie ist gefördert durch die Lotto Stiftung Berlin und wird von der Robert Havemann-Gesellschaft mit Unterstützung des Berliner Landesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen betreut und ausgeliehen.

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Gelb: Zwangsaussiedlungen 1952
Orange: Zwangsaussiedlungen 1961
Rot: Zwangsaussiedlungen in mehreren Jahren

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