Donnerstag, 23.November 2017

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Der Thüringer Landtag hat im April diesen Jahres mit 84 von 85 Stimmen beschlossen, dass am 17. Juni der Opfer von SED-Unrecht gedacht wird. Im bundesdeutschen Gedenktagskalender wird der Tag seit 1954 in Erinnerung an den Volksaufstand begangen. In Thüringen gibt es dafür einige Orte, an denen jedes Jahr Gedenkfeiern stattfinden. Eine Auflistung dieser Gedenkorte finden Sie hier. Spätestens mit dem Beschluss des Thüringer Landtags wird der Tag als Symbol für die SED-Unrechtsherrschaft bis zu ihrem Ende im Jahre 1989 gedacht.
Siehe auch Brief des Landtagspräsidenten und Landesbeauftragten an alle Thüringer Bürgermeister vom Frühjahr 2015

Die DDR-Opposition nahm immer wieder Bezug auf den 17. Juni - die SED befürchtete bis zuletzt eine Wiederholung des "Tag X". Ein konkretes Beispiel gibt diesbezüglich der Thüringer Jürgen Unbereit:  

 

Jürgen Unbereit verteilte in Mühlhausen nach der Niederschlagung des Prager Frühlings 1968 und einer Mühlhausener Demonstration Flugblätter auf denen er an den 17. Juni erinnerte. Seine "Rebellion des Jahres 1968" endete am 17. Oktober während des Staatsbürgerkunde-Unterrichts. Die Tür des Klassenzimmers ging auf, jemand trat herein und befahl: "Unbereit, Jürgen, zum Direktor! Ranzen mitnehmen!"
Es ging nicht zum Direktor, sondern raus auf die Straße, dort klemmten ihn zwei Herren recht unsanft in ihre Mitte auf die Rückbank eines Wartburg, fuhren in ein kasernenartiges Gebäude; doch alle Männer waren in Zivil.

"Wissen Sie, weshalb Sie hier sind?"
"Nein."
"Sie haben Hetzschriften verteilt." Der Schüler antwortete nicht.
"Wen haben Sie mit reingezogen?" "Ich war alleine."
"Nein, Sie waren nicht alleine."

Der 17-Jährige wurde abgeführt. Unbereit erinnert sich: "Ich musste diese ganze erniedrigende Prozedur einer Gefängniseinweisung über mich ergehen lassen: nackt ausziehen, untersucht bis in den After, danach abgetragene Gefangenenuniform anziehen, Schnürsenkel abgeben und am Ende in eine gut zwei Meter breite Einzelzelle."
Wochenlange Verhöre folgten. Ein Brief, den er an seine Tante in Hessen geschrieben hatte, wurde ihm vorgehalten. Darin hatte er von der Demonstration in Mühlhausen, der Brutalität und der gezückten Pistole des Polizisten geschrieben. Die Stasi hatte den Brief abgefangen.
Er solle das mit der Pistole widerrufen, forderte ihn die Stasi auf. Nach drei, vier Monaten, die der Inhaftierte stur blieb, wechselten die Vernehmer ihre Taktik, wurden freundlicher, boten das Du und Zigaretten an. Er wolle doch einen Trabi kaufen, da könnten sie ihm helfen. Außerdem stünden doch immer solche Jugendlichen am Bahnhof rum, da kämen sie schlecht ran und brauchten seine Hilfe. Er könne sich dort doch mal umhorchen, dann käme er auch sofort frei.
Der 17-Jährige versprach, Informationen zu beschaffen, wurde zwei Tage vor Weihnachten entlassen. Bei der Mühlhausener Stasi-Stelle meldete er sich jedoch bald nicht mehr.
Ein paar Monate später stand plötzlich ein höherer Stasi-Mann bei ihm zu Hause in der Tür, der ihn wütend zur Rede stellte. "Erst war ich eingeschüchtert und bekam Angst", erzählt Unbereit, "dann sagte er aber, das mit dem Trabi würde nun nie mehr etwas werden - da wurde ich einfach nur noch trotzig." (Stefan Berg und Peter Wensierski in: SPIEGEL vom 10.03.2008)

 

 

 

Die Erinnerung in den Medien: "Der vergessene Aufstand" im Bayrischen Rundfunk und "Was geschah am 17. Juni?" im MDR

 

Weitere Informationen zum Thema 17. Juni 1953 finden Sie hier.  

 

 

 

 

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