Samstag, 19.Oktober 2019

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7PAPTlMEFNQyTcdiiF5F ZuschnittDer Bürgersaal im Historischen Rathaus in Hildburghausen war am 17. Januar zum Vortrag unserer Mitarbeiterin, Dr. Anke Geier, sehr gut gefüllt: 65 Bürger kamen am vergangenen Donnerstagabend und hörten gespannt den Ausführungen zur Grenzsicherung in den 1950er Jahren und zur ersten Zwangsaussiedlungsaktion im Juni 1952 im Kreis Hildburghausen. Der Vortrag, aber auch die anschließende Fragerunde war für alle im Saal sehr aufschlussreich: Die Zuhörer signalisierten mit ihren Beiträgen, dass das Thema noch immer interessiert und die Menschen berührt. Viele Zuhörer berichteten über ihre Wahrnehmungen der Aussiedlung. Einige waren mit Zwangsausgesiedelten und ihrem Schicksal bekannt und andere hatten das Aufbegehren gegen die Aussiedlung der Nachbarn in Streufdorf miterlebt. 

So beleuchtete ein Streufdorfer mit seiner Wortmeldung das Geschehen, das er als 14-jähriger erlebt hatte: Es machte die Streufdorfer bereits im Vorfeld der Aussiedlungsmaßnahme stutzig, dass sie die Hausnummern kenntlich machen sollten. Auch dass unmittelbar vor Beginn der Aktion jegliche LKW-Fahrer aus dem Ort mit ihren Fahrzeugen und genügend Proviant nach Hildburghausen beordert wurden, irritierte die Bewohner. Vier Wochen nach der Zwangsaussiedlungsaktion vom 5. Juni 1952 predigte Landesbischof Moritz Mitzenheim in der Streufdorfer Kirche, die voll wie nie war. Die Staatssicherheit hielt über die Predigt fest, dass Mitzenheim mehrfach das Sprichwort „Der größte Lump im ganzen Land ist und bleibt der Denunziant“ gebrauchte. Möglicherweise, so die Interpretation des Geheimdienstes damals, um unter den in die Aussiedlungsaktion eingebundenen Personen im Ort Angst vor Entdeckung zu streuen.
Ein weiterer Zeitzeuge schilderte seine Erfahrungen als Grenzsoldat im Kreis Hildburghausen während der zweiten Aussiedlungsaktion am 3. Oktober 1961 und machte auch auf die nur wenig bekannte Rolle der Kampfgruppen aufmerksam.


Die Ausführungen zur Auswahl der Ausgesiedelten im Vorfeld der Umsiedlung rief unter den Zuhörern verschiedene Deutungen hervor. Einerseits sah ein Zeitzeuge die gezielte Auswahl der Bürger in Streufdorf. So waren viele Bauern aus Streufdorf ausgesiedelt worden, die der Gründung der LPG entgegenstanden. Ein anderer Bürger meinte, dass aber weniger die Auswahl der Leute entscheidend gewesen war, da die SED ein Exempel statuieren wollte, um die verbliebene Bevölkerung einzuschüchtern. Letztlich wäre es zweitrangig gewesen, wer ausgesiedelt worden sei. Beide Deutungen sind richtig. Sie zeigen aber auch, dass das Thema weiter erforscht werden muss. Vor allem die Erforschung der Kommissionen, die die Auszusiedelnden auswählten, muss vertieft werden.
Wie sehr die Zwangsaussiedlungen die Menschen emotional bewegen, wurde in weiteren Wortmeldungen deutlich. Die Frage nach der Vermittlung des Themas in Schulen wurde auch gestellt. Hier regte unsere Mitarbeiterin an, Schüler mit Zeitzeugen zusammenzubringen, um die Ereignisse aus erster Hand zu erfahren und differenziert in den Kontext DDR-Geschichte einzuordnen. Dies sei aber auch immer abhängig von interessierten Lehrern und Schülern.
Den Vortrag von Dr. Anke Geier können Sie über diesen Link abrufen.

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Gelb: Zwangsaussiedlungen 1952
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Rot: Zwangsaussiedlungen in mehreren Jahren

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